Deichacht Norden

Aus Norder Stadtgeschichte
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Deichacht Norden

Basisdaten
Gründung 1900
Auflösung -
Rechtsform Körperschaft des öffentlichen Rechts
Hauptsitz Doornkaatlohne 19

26506 Norden

Die Deichacht Norden ist

Geschichte

Nach Beendigung der Eindeichung des Süderneulandes im Jahr 1556 durch Gräfin Anna von Oldenburg, damals Herrscherin über Ostfriesland, standen umfangreiche, neue Landflächen zur Urbmarmachung zur Verfügung. Die alte Deichlinie entlang der heutigen Bundesstraße wurde erheblich gen Leybucht erweitert. Südwestlich der Addinggaste entstanden Moorflächen, die durch den Nachfolger von Gräfin Anna, Graf Edzard II. aus dem Hause Cirksena im Jahr 1562 an wohlhabende Norder Bürger, die ein Vermögen von mindestens 1.000 Reichstalern besaßen, als Gemeinweide (Allmende; vgl. Mahnland) in Erbpacht vergeben wurde. Den Bürgern stand es frei, die ihnen zur Verfügung gestellten Flächen zu bewirtschaften und daraus Früchte zu ziehen. Sie mussten dafür lediglich eine regelmäßige Pacht an den Grafen entrichten.

Die 95 Anteile der Leegemoorgesellschaft wurden anteilig auf die einzelnen 95 Interessenten verteilt. Bis heute schafft es die Leegemoorgesellschaft, ansehnliche Renditen zu erwirtschaften und halbjährich an die Anteilseigner auszuschütten. Dies ist wenig verwunderlich, da sich auf den Ländereien seit den 1980er Jahren verschiedenste Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Die letzte bis dahin unverpachtete Fläche der Leegemoorgesellschaft wurde 2007 als Gewerbefläche vermarktet.

Zur gemeinsamen Nutzung und Verwaltung gründeten sie die Leegemoorgesellschaft. Die Weiden wurden praktisch ausschließlich zur Viehhaltung genutzt. Dazu beschäftigte man einen eigenen Hirten, der im Hirtenhaus wohnte. In einem Raum dieses Hauses hielt die Leegemoorgesellschaft früher auch ihre jährlichen Treffen statt. Das Gebäude ist bis heute erhalten und befindet sich am Ende der Zinngießerstraße. An dieses Hirtenhaus erinnert die Straße Zum Hirtenhaus.

An jedem 2. Februar (Maria Lichtmess) im Jahr trifft sich die Leegemoorgesellschaft zur "Abrechnungsversammlung" an der alle Anteilseigner teilnehmen können. Diese können grundsätzlich auch einen bevollmächtigten Vertreter ("Lepelgasten") zur Versammlung schicken. In der Abrechnungsversammlung werden alle Angelegenheiten, die die Leegemoorgesellschaft betreffen, verhandelt. Während dieser "Ofrekensversammeln" darf ausschließlich ostfriesisches Plattdeutsch gesprochen werden. Frauen sind grundsätzlich nicht bei der Versammlung erlaubt; dies ist ihnen lediglich alle 25 Jahre anlässlich der Jubiläen gestattet. Auch die Servicekräfte dürfen ausschließlich männlich sein. Den Frauen wird jedoch bei jeder Abrechnungsversammlung in einer Ansprache ("Proot för de Frolü") gedacht.

Die Versammlung fand früher im Hirtenhaus statt, heute trifft man sich in der Scheune des Reichshofs. Neben einem traditionell deftigem Essen, dem "Leegemoorschmus" auf Kosten der Gesellschaft, wird gemeinsam Tabak aus langen, weißen Tonpfeifen geraucht. Dazu wird ein Doornkaat, versehen mit einem Magenbitterschnaps, serviert. Angestoßen und getrunken wird "up Leegemoors Wohlfahrt", also auf das Wohlergehen und Fortbestehen der Genossenschaft.

Zum 350-jährigen Jubiläum im Jahr 1982 verfasste Ufke Cremer eine Festschrift, eine weitere wurde 25 Jahre später von Johann Haddinga verfasst.

Verwaltung

An der Spitze der Genossenschaft stand ursprünglich ein Gremium von vier Männern, deren Zahl sich aber ab Mitte des 17. Jahrhunderts und bis heute fortbestehend auf zwei, dem "Ältesten und Jüngsten Vierten", reduzierte. Neben den "Vierten", denen die Verwaltung oblag, gibt es noch "Technischen Deputation" und die "Revisionskommission".

Der "Älteste Vierte" hat zudem die Aufgabe, die Interessenten und ihre Anteile bzw. Besitztümer an der Genossenschaft in einem Lagerbuch fstzuhalten. Er ist damit auch für die die Umschreibung der Weiden auf die neuen Besitzer verantwortlich. Dies kommt insbesondere durch Vererbungen zustande, Verkäufe sind ausgesprochen selten.

Persönlichkeiten

Der Leegemoorgesellschaft gehörten seit ihrem Bestehen eine Vielzahl an bedeutenden Norder Persönlichkeiten an, was insbesondere an ihrer "vornehmen Geschichte" begründet ist. Bedeutende Mitglieder waren der Sohn des Begründers der Firma Doornkaat, Fiepko Jan ten Doornkaat Koolmann, Sanitätsrat Gustav Steinbömer und Buchdruckereibesitzer Heinrich Soltau.

Der Charakter der Gesellschaft hat sich in der heutigen Zeit dahingehend geändert, dass sich aus einer ländlichen Organisation eine Kapitalgesellschaft wurde, die jedoch nach wie vor auf genossenschaftlicher Basis geführt wird. Die Stadt Norden nahm von der Gesellschaft seit den 1980er Jahren immer mehr Flächen in Erbpacht, sodass aus dem als Weideland genutzten Gebiet mit der Zeit der heutige Gewerbe- und Dienstleistungspark Leegemoor entstanden ist. Dadurch ist es der Gesellschaft als einzige der drei Traditionsgesellschaften möglich, mehr als nur symbolische Beträge an ihre Anteilseigner auszuzahlen.

Trivia

Der Landkreis Aurich hält als Rechtsnachfolger des Landkreis Norden bis heute Anteile an der Leegemoorgesellschaft inne. Hierdurch erwirtschaftet dieser jährliche Dividenden von rund 3.000 Euro.

Quellenverzeichnis

  • Cremer, Ufke (1982): Up Leegmoors Wohlfahrt : 375 Jahre Leegemoorgesellschaft zu Norden, Norden, 52 S.
  • Haddinga, Johann (2007): Up Leegmoors Wohlfahrt!; in: Ostfriesland Magazin Nr. 10, S. 48-51
  • Schreiber, Gretje (2006): Norder Gemeinweiden im ausgehenden Mittelalter bis zur Neuzeit, in: Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, S. 46
  • Schreiber, Gretje (2008): Ein Kapitel Norder Stadtgeschichte. Leegemoorgesellschaft und Altenbürgerlande; in Heim und Herd 2008, Nr. 2-6 (5 Teile)

Siehe auch