Gertrud Fach

Aus Norder Stadtgeschichte
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Gertrud Fach (* 12. Juni 1934 in Eisdorf) ist eine ehemalige Haushälterin und Kindermädchen, die zu den Vertriebenen aus Schlesien nach dem Zweiten Weltkrieg zählte und in Norden eine neue Heimat fand.

Leben

Gertrud Fach wurde am 12. Juni 1934 in Eisdorf (Niederschlesien) geboren. Das Dorf trägt seit 1947 den polnischen Namen Idzikowice und liegt in der Woiwodschaft Opole (Gemeinde Wilków). Ihren Eltern gehörte ein kleines Bauerngehöft. Wegen der vielen polnischen Arbeiter sprachen die Eltern beide polnisch. Während des Zweiten Weltkriegs kamen zwei ihrer Brüder ums Leben. Der Vater war zudem der ehrenamtliche Gemeindevorsteher (Vogt) des Ortes.

Infolge des verlorenen Kriegs musste Deutschland einen Großteil seiner östlichen Gebiete abtreten. Im Januar 1946 erließ die polnische Regierung den Befehl zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Alle Deutschen hatten ihre Häuser zu verlassen und die Schlüssel zu ihren Wohnungen im Schloss außen stecken zu lassen. Niemand durfte mehr als 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen.

Zunächst zogen nur Getrud, ihre Schwester Erna, ihr Bruder Kurt und ihre Mutter los, da der Vater als Ortsvorsteher noch gebunden war. Die Familie kam mit ihrem Pferdewagen zunächst nach Dresden, wo sie bei einem Bruder des Vaters unterkamen. Dieser arbeitete als Triebwagenfahrer für die Bahn und transportierte in der Anfangszeit vor allem demontierte Industrieanlagen in die Sowjetunion, die die Besatzer als Reparationszahlungen beschlagnahmten.

Von Anfang an hatte die Familie erhofft, es bis nach Hamburg zu schaffen, wo bereits zwei Schwestern der Mutter angekommen waren. Man erhoffte sich dort einen wirtschaftlichen Neuanfang, hoffte aber dennoch weiter darauf, irgendwann in die Heimat zurückkehren zu können. Nachdem die Sowjets die Pferde der Familie beschlagnahmten, war an eine Weiterreise zunächst jedoch nicht zu denken. Mütter und Kinder zogen daraufhin in einen kleinen Ort etwa 20 Kilometer von Dresden, wo die Familie bis 1947 blieb. Hier wurden sie auch wieder mit dem Vater vereint, der sie über den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes gefunden hatte.

Mit dem Zug fuhr die Familie schließlich nach Hamburg, wo sie bei den Schwestern der Mutter unterkamen. Gertrud strickte in dieser Zeit Fischernetze für die Binnenfischer in der Alster. Man blieb bis 1948 in Hamburg und wurde dann in das Lager Friedland geschickt, da Hamburg zunächst die eigenen Bombenopfer wieder aufnehmen wollte, die nach und nach zurück in die Stadt kamen. Erna blieb in Hamburg, wo sie zwischenzeitlich ihren späteren Mann Wolfang kennengelernt hatte.

In Friedland verlebte Gertrud eine vergleichsweise unbeschwerte Zeit. In Erinnerung blieb, dass sie hin und wieder ein paar Süßigkeiten geschenkt bekamen, wenn diese an heimkehrende Soldaten ausgeteilt wurden. Von Friedland aus sollte die Familie nach Ostfriesland geschickt werden, kamen jedoch zunächst in ein Lager in der Nähe von Uelzen. Hier arbeitete die Familie auf einem Bauernhof, wo sie auch in Kontakt mit anderen Vertriebenen kamen.

1950 kam die Familie schließlich nach Norden bzw. zunächst nach Itzendorf, wo sie bei einem Bauern namens Meyer unterkamen. Der Bauer behandelte die Familie schlecht und war mit Vorurteilen behaftet. Als dann ein ehemaliger Scheinwerferschuppen in der Nähe von Norddeich Radio in Utlandshörn frei wurde, zogen sie dorthin. Obwohl es kein fließendes Wasser gab, behielt Gertrud diese Wohnung in guter Erinnerung. Wenig später fand sie eine Anstellung bei der Firma Sabarth, die sich zwischenzeitlich auf dem ehemaligen Kasernengelände in Hage (Stettiner Straße und Umgebung) niedergelassen hatte. Dort arbeitete sie ein halbes Jahr, ehe sie eine neue Arbeit in Neustadt als Kindermädchen und Haushälterin fand. Zwischenzeitlich erhielt die Familie auch ein neu errichtetes Haus am Försterpfad, wo Gertrud nachfolgend mit ihrem Bruder Kurt und ihrer Schwägerin Ursula wohnte.

Quellenverzeichnis

  • Befragung am 26. Februar 2022

Siehe auch