Süderneuland II

Aus Norder Stadtgeschichte
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Süderneuland II

Wappen
Höhe 0,5 - 3,0 m ü. NN
Fläche 4,547 km²
Einwohner 844 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 189 Einwohner/km²

Süderneuland II ist ein Stadtteil von Norden und hat 844 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 4,55 km² verteilen.

Namensherkunft

Der Name "Süderneuland" ist ursprünglich der Name eines im 16. Jahrhundert eingedeichten Polders. Bei der Besiedlung wurde dieser Name übernommen. Es ist die Bezeichnung für das südlich der Stadt Norden gelegene Neuland, das durch Eindeichungen der Leybucht entrissen werden konnte (vgl. Westermarscher Neuland). Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich 1602 als "Suider Neuland". Im Jahr 1618 als "Suider Nyelander" und 1634 als "Sueder Newlander Rott". 1645 wird der Ort "Suhder Newlandt" bzw. "Suhder Nijeland" genannt. In einer amtlichen Statistik des Königreichs Hannovers finden sich die Bezeichnungen "Erste Süderneulander Bauernschaft" und "Zweite Süderneulander Bauernschaft". Die heutige Schreibweise ist letztlich seit 1871 belegt, die römischen Ziffern stehen für die erste und zweite Bauernschaft des Süderneulands.

Wappen

Das Wappen von Süderneuland II zeigt einen silberner Wellenpfahl auf blauem Grund, der im Schildhaupt von zwei goldenen, sechsstrahligen Sporenrädern begleitet und darunter von zwei goldenen Brücken gekreuzt wird.

Die Sporenräder wurden dem Wappen der einst vorherrschenden Häuptlingsfamilie Idzinga entnommen und sind auch im Wappen der Stadt zu finden. Die Brücken und der Fluss symbolisieren die Lage des Ortes am Berumerfehnkanal, die Farben blau und gold sind die Stadtfarben von Norden. Sie sollen die Zugehörigkeit des Ortes zur Stadt verdeutlichen.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 151
1848 211
1871 304
1885 314
1905 381
Jahr Einwohner
1925 673
1933 737
1939 780
1946 1.139
1950 1.234
Jahr Einwohner
1956 994
1961 900
1970 851
2016 919
2020 844

Geografie

Süderneuland II befindet südlich und östlich des Stadtkerns. Die Bodenbeschaffenheit des Ortes ist divers. Im Westen und Süden herrscht der Typus Kleimarsch vor, im Norden und Osten größtenteils Gley-Podsol mit Plaggenauflage, im Südosten Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) bzw. Gley Podsol und im Zentrum Podsol-Gley zu finden.

Im Norden grenzt Süderneuland II an Norden, im Westen an Süderneuland I und teilweise Norden, im Osten an Bargebur und die Nachbargemeinde Lütetsburg und im Süden an die Nachbargemeinde Osteel.

Gliederung

Die diffus wirkende Grenzziehung des Ortes erklärt sich aus seinem historisch gewachsenen Verbund ursprünglich voneinander unabhängiger Bauernschaften zu einer Gemeinde. Die Grenzen entsprechen denen der Ländereien ihrer einstigen Eigentümer. Süderneuland II kann als Zusammenschluss der Ortschaften Altendeich, Nadörst und Ölmühle zu einer Bauernschaft bzw. Gemeinde angesehen werden.

Geschichte

Mittelalter

Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte des Süderneulands im Jahr 1556. Die Leybucht erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert, insbesondere durch die Erste Dionysiusflut, ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein stattlicher Seehafen bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das Norder Tief als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des Fridericussiels abgeschlossen.

Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch Udo-Focken-Deich oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings Focko Ukena. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden entlang des Leegemoors und von dort weiter nach Nadörst. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute Zum Hirtenhaus bzw. Leegemoorweg. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.

Hier trennen sich auch die Geschichten von Süderneuland I und II. Letztgenanntes entwickelte sich auf dem Gebiet des Leegemoors und hinter der vorgenannte Deichlinie. Dass Süderneuland II wesentlich älter ist, erkennt man auch an dem Alten Postweg, der quasi entlang des spitzförmigen, nördlichen Teils von Süderneuland II verläuft und ursprünglich von Aurich, über Bargebur bis nach Berum reichte. Entlang des Alten Postwegs entstanden die Bauerschaften bzw. Wohnstellen Altendeich, Nadörst und Ölmühle, aus der später die "Zweite Bauerschaft Süderneuland" oder eben "Süderneuland II" hervorging.

Neuzeit

Mit dem einsetzenden dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kommt der Deichbau einige Jahrzehnte zum Erliegen. Wie der Großteil Europas leidet auch Ostfriesland unter dem Krieg. Norden und Umgebung werden ab 1622 von Söldnern des berüchtigten Heerführers Peter Ernst von Mansfeld (auch "Mansfelder" genannt), drangsaliert und ausgebeutet. Die Mansfelder kamen auf faktische Einladung der Niederländer, die sich in der Region durch Schwächung der Macht von Enno III. Cirksena immer größeren Einfluss sicherten. Die Mansfelder verließen die Region erst im Jahre 1624.

Im Jahr 1773 wird die Öl- und Peldemühle am Ölmühlenweg erbaut. Bis auf den fehlenden Mühlenkopf ist das Gebäude bis heute erhalten. In früheren Jahren wurde hier aus Rapssamen Öl gepresst.

Ende des 18. Jahrhunderts treibt die Norder Fehngesellschaft den Bau des Fehnkanals voran, auf dem Schiffe von Norderfehn (heute: Berumerfehn) nach Norden verschifft wurden. In Nadörst befand sich hierzu ein Umschlaghafen. Der Bau war notwendig um die in Norderfehn abgebauten Torfmengen befördern und die Moorkolonisten versorgen zu können. Erst 1938 wird die Torfversorgung über den Fehnkanal eingestellt.

Das Jahr 1846 gilt als das Gründungsjahr der ehemaligen Firma Stilkenboom. Sie entwickelte sich zu einem überregional bekannten Wagenbauunternehmen. Produziert wurden u. a. Wattwagen, die Inselbesucher vom ankernden Schiff zur Insel brachten und Raketenwagen, die der Seenotrettung dienten.

1883 wurde die Bahnstrecke von Emden über Norden, Esens und Wittmund eröffnet (Ostfriesische Küstenbahn). Süderneuland II hatte damals in Nadörst einen eigenen Bahnhof, auf den noch das erhaltene Schrankenwärterhaus und der Bahnhofsweg verweisen.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es zwei Kriegsgefangenen- und Arbeitslager in Süderneuland II. Zum einen das als "Holländerlager" der Firma Eickhoff bezeichnete Lager für bis zu 20 niederländische Kriegsgefangene und zum anderen ein Lager in Nadörst, in dem bis zu 44 französische und niederländische Kriegsgefangene interniert wurden. Es bestand aus einer Holzbaracke.

Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 1.139 Einwohner, von denen 231 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 95 auf insgesamt 1.234 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 301.

Am 1. Juli 1972 erfolgte die Eingemeindung der Gemeinde Süderneuland II in die Stadt Norden. Vorangegangen war eine große Gebietsreform im gesamten Land. Norden profitierte von dieser Reform und wuchs deutlich.

2018 feierte Nadörst sein 200-jähriges Jubiläum (erstmalige Erwähnung im Jahr 1818). Die Norderin Ute Gerdes fertigte aus diesem Anlass eine Dokumentation über den geschichtlichen Hintergrund von Nadörst.

Verwaltung

Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.

Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die Zweite Marcellusflut im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die Idzinga an die Macht, deren Hauptsitz in Itzendorf in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.

Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.

1735 standen ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze der Landwehr, gewählt von wahlberechtigten Einwohnern und bestätigt vom Landesherren Ostfrieslands.

Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Süderneuland II. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben.

Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Gemeinde am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher Ortsvorsteher vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.

Bildung

Mindestens seit 1848 ist eine Schule in Nadörst belegt, die 1951 durch einen Neubau ersetzt wurde. Beide Gebäude sind bis heute in einem - mehr oder minder - originalgetreuen Zustand erhalten. Zudem gab es seit 1913 eine Volksschule an der Waldstraße (damals noch Schulstraße]].

Religion

Es ist nicht belegt, dass es in der Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die Ludgerikirche am Norder Marktplatz. Bis heute hat es, anders als in Süderneuland I, keine Kirche in Süderneuland II gegeben.

Gesundheit und Soziales

1870 waren Süderneuland I und II dem Armenverband Norden sowie dem Kirchspiel Norden angegliedert. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen.

Wirtschaft und Verkehr

Für Ostfriesland typisch war auch in Süderneuland II die Landwirtschaft lange Zeit der dominierende Wirtschaftsfaktor. Statisch gesehen umfasste hier 1867 jeder Haushalt im Schnitt 4,6 Personen, 1,2 Pferde, 3,7 Rindtiere und 2,2 Schafe. Diese Werte stellen jedoch lediglich den Durchschnitt dar. Die Großbauern hatten naturgemäß deutlich mehr Tiere zur Verfügung als die einzelnen Haushalte zur Eigenversorgung. Die meisten Familien konnten sich glücklich schätzen, überhaupt ein Tier zur Versorgung des eigenen Nahrungsbedarfs zu besitzen.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe stieg leicht von 31 (1949) auf 32 (1960) an, stürzte dann aber auf 20 (1971) ab. Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten nahm kontinuierlich von 40 (1950), über 37 (1961) auf 30 (1970) ab. Handwerksunternehmen waren 1950 zu fast 33- und 1961 zu 32 % vertreten. Die Zahl der Erwerbspersonen minderte sich stetig von 467 (1950), über 362 (1961) auf 324 (1970). Dagegen erhöhte sich die Quote der Auspendler beständig von fast 38 % über 57 % bis auf schließlich 63%. Einpendler waren mit 26 % (1961) bzw. 33% (1970) vertreten.

1719 wurden lediglich 9 Arbeitsmänner verzeichnet. 1880/81 waren es dann jeweils ein Bäcker (bzw. Krämer), Gärtnereiverwalter, Hirte, Holzhändler, Schiffskapitän (bzw. Reeder), Schmied, Stellmacher, Wagenfabrikant und Zimmermann.

Erwähnenswerte Gebäude

Einzelnachweise


Quellenverzeichnis