Altes Rathaus

Aus Norder Stadtgeschichte
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Altes Rathaus

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Basisdaten
Entstehungszeit 1539-1542 (um 1300)
Erbauer unbekannt
Bauweise Steinhaus mit Turm
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 36

26506 Norden

Das Alte Rathaus ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Norder Marktplatz. Bis 1883 diente es als städtisches Rathaus. Seit 1922 hat hier der Norder Heimatverein seinen Sitz, der einen Großteil der Räumlichkeiten als Heimat- und Teemuseum nutzt. Längster Nutzer des Gebäudes ist indes die Theelacht.

Geschichte

Das Alte Rathaus wurde zwischen 1539 und 1542 im Stile der Renaissance um den Kern seines im gotischen Stile gehaltenen Vorgängerbaus erbaut, welches 1531 durch Balthasar von Esens schwer beschädigt wurde. Katasteramtsauszüge belegen, dass der Keller aus dem späten 13. oder frühen 14. Jahrhundert stammt, was darauf schließen lässt, dass der Vorgängerbau ebenfalls aus dieser Zeit stammt. Das Gebäude befand sich, wie viele Bauten und Ländereien in Norden und Umgebung, im Besitz der Kirche. In den Kirchenrechnungen dieser Zeit ist zu lesen: "Anno (15)42 dat Rathues angevangen tho temeren oeck gelt daer tho uvgenommen", was übersetzt soviel bedeutet wie "Im Jahr 1542 wurde das Rathaus erbaut und dafür ein Darlehen aufgenommen." Die älteste Urkunde vom Rathaus selbst stammt von 1539, was auf eine Erbauung in dieser Zeit schließen lässt. Nach einer Huldigungsfeier für Gräfin Anna und ihren Söhnen wurde das Gebäude seiner Bestimmung übergeben.

Aufgrund der Tatsache, dass sich sowohl das Alte Rathaus als auch sein Vorgängerbau im Eigentum der Kirche befand und dass Balthasar vor allem kirchliche Gebäude in Norden zerstörte, ist anzunehmen, dass auch das Alte Rathaus eigentlich ein kirchlich genutztes Gebäude war. Denkbar ist, dass es sich um ein Verwaltungsgebäude o.ä. handelte. In jedem Fall wurde der Stadt ein Mitnutzungsrecht am Gebäude eingeräumt und dieses als Rathaus genutzt.

Längster Nutzer des Alten Rathauses ist indes nicht die Stadt, sondern die Theelacht, die hier in der sogenannten "Theelkammer" im linken Untergeschoss tagt. Dieses Anrecht auf die Theelkammer hat sie sich über Jahrhunderte lang trotz vieler Widerstände erfolgreich behauptet. Seit 1897 ist dieses Privileg auch grundbuchamtlich eingetragen.

Während des Appellkrieges von 1724 bis 1727 diente das Rathaus als Wachlokal für dänische und kaiserliche Truppen. Zeitweise war hier zudem ein Klassenraum der Lateinschule, dem Vorläufer des Ulrichsgymnasiums, eingerichtet. Später beherbergte das Rathaus noch das Amtsgericht, welches in der obersten Etage des Turmes ein Gefängnis unterhielt. Auch das Eichamt sowie die Berufsschule waren dort zeitweise untergebracht. Darüber hinaus wurde das Gebäude für gewerbliche und private Sitzungen und Feste genutzt.

1861 erwarb die Stadt das Gebäude von der Kirche. Im Herbst 1883 zog die Stadtverwaltung in das neue Rathaus und vermiete einen Großteil der Räumlichkeiten des alten Rathauses ab 1922 Norder Heimatverein vermietet, der hier ein Heimat- und Teemuseum aufbaute.

2013 bis 2014 wurde das Alte Rathaus umfangreich renoviert und saniert. Hierbei geriet am 1. August 2013 ein hölzerner Fensterrahmen in Brand. Durch schnelles, aber zugleich besonnenes Eingreifen der Norder Feuerwehr konnte der Schaden weitestgehend auf den Fensterbereich begrenzt werden. Die entstandene Verrauchung verursachte keine allzu großen Schäden. Ein Ausbreiten des Feuers hätte zu unschätzbaren Schäden an einem der bedeutendsten Bauten der Stadt geführt. Auch die unterhalb der Brandstelle befindliche Theelkammer wäre durch einen größeren Löschwassereinsatz in Mitleidenschaft gezogen worden.

In einem zweiten Abschnitt, von Herbst 2019 bis Sommer 2020, folgte die Restaurierung der historischen Kellerräume und des Treppenturms. Sie sollen im Anschluss ebenfalls für Ausstellungszwecke genutzt und in das Museumskonzept integriert werden. Im Rahmen dieses Restaurierungsabschnittes sind folgende Maßnahmen durchgeführt worden: Instandsetzung des Mauerwerks und der Putze im Innenbereich, Überarbeitung der historischen Anstriche, Überarbeitung der Holztreppe, Neufassung der Fenster, Wiederherstellung der historischen Fensteröffnungen im Keller sowie Ergänzung von Elektroleitungen, Beleuchtung und Brandschutzmaßnahmen.

Bauweise

Das steinerne Gebäude, welches traufständig zum Marktplatz errichtet wurde, besteht zum Großteil aus Backsteinen. In der Front verfügt es über einen Turm, in dem sich Treppen befinden, die die Stockwerke verbinden. Oberhalb des Turms befand sich einst eine kleine Glocke, erhalten ist nur das Türmchen.

Die in sandsteingefassten Öffnungen befindlichen Fenster bestehen aus Holz. Für damalige Zeiten typisch wurde als Dämmmaterial vor allem Torf verwendet. Der Giebel des Gebäudes selbst und des Turmes bestehen aus geschwungenen Elementen, die das Gesamtbild des im Stile der Renaissance gehaltenen Gebäudes stimmig abrunden.

Im Erdgeschoss links befindet sich die "Theelkammer", in dem die Theelacht seit Jahrhunderten tagt. Größter Raum ist der sogenannte "Rummel", ein Sitzungs- und Festsaal, der heute sowohl zur Durchführung der ostfriesischen Teezeremonie vom Museum als auch vom Standesamt für Trauungen genutzt wird.

Die Bauweise weist deutliche Ähnlichkeiten mit dem Ekeler Torenhus auf.

Quellenverzeichnis

Siehe auch