Gut Lintel | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | um 1840 | |||||||
| Erbauer | Wilhelm Vissering | |||||||
| Bauweise | Stadtvilla / Herrenhaus | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | Parkstraße 12
26506 Norden | |||||||
Das Gut Lintel ist eine große Stadtvilla, die sich inmitten eines kleinen Wäldchens zwischen der Parkstraße und der Kastanienallee befindet. Die Zufahrt befindet sich neben dem Parkplatz an der Bushaltestelle der Linteler Schule und ist entsprechend beschildert.
Geschichte
Ursprünglich bezeichnete Gut Lintel einen Hof mit umfassenden Ländereien, der westlich der Idzingaburg lag und zu dessen Nebengebäuden gehörte. Möglicherweise war es das Vorwerk der Idzingaburg oder geht auf dieses zurück.[1] Zum Hof gehörten fünfzig Diemat Land, also ungefähr 285.000 qm, die sich vorwiegend auf das nähere Umland konzentrierten. Das Gut existiert mindestens seit dem 17. Jahrhundert, vermutlich jedoch bereits viel früher. Die Bewohner lassen sich seit dem 16. Jahrhundert nachweisen.[1]
1845 wurde das heute noch bestehende, 1798 neu errichtete Haupthaus durch Wilhelm Vissering im Stil einer großen, schlossähnlichen Stadtvilla umgestaltet.[2] Es handelt sich um einen klassizistischen Backsteinbau mit modernen Anbauten. Um das Gebäude wurde ein etwa einen Hektar großer Park im englischen Stil angelegt. Der Volksmund taufte ihn später auf den Namen Linteler Wald bzw. Linteler Wäldchen. Zum parkähnlichen Wald, der der Parkstraße ihren Namen gab, gehörte auch ein Teich sowie künstlich geschaffene Anhöhen. Der Entwurf dieser englischen Gartenanlage ist dem Herzoglich Oldenburgischen Hofgärtner Christian Ludwig Bosse zuzuschreiben.[2]
Weiterhin wurde eine Allee mit Kastanienbäumen errichtet, die von der Linteler Straße direkt auf das Haupthaus zuführt.[3] Heute trägt diese Allee den Namen Kastanienallee. Das Holztor, welches das Befahren von hier mit Kraftfahrzeugen verhindert, ist erst nach 1980 errichtet worden.[4] An dieser Allee steht eine Baracke, die noch bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als Lazarett der britischen Besatzungsmacht und heute als Vereinsheim für drei Norder Vereine dient.
Das Linteler Wäldchen ist heute städtischer Besitz und frei zugänglich. Die Anhöhen und der Teich sind noch vorhanden, jedoch ist das Gebiet über die Jahrzehnte verwildert und kaum mehr als Park zu erkennen.[2] Mit dem Bau des Jahnplatzes hat es zudem einen Teil seiner Fläche einbüßen müssen.
Nach dem Tod von Wilhelm Vissering (er starb 1860) ging das Gut in den Besitzs eines Sohnes Friedrich Bodewin Vissering über. Später erbt sein Sohn Karl Vissering das Gut. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg ging es mit seinen Besitztümern jedoch abwärts. Auch eine Konsolidierung durch die Währungsreform nach der Inflationszeit gelang nicht. 1919 wurde Vissering wegen überhöhter Preisforderungen für Gemüse angezeigt und zur Rechenschaft gezogen. Der wirtschaftliche Ruin Visserings vollzog sich immer weiter. 1929 war er zum Verkauf des Hofs Breepott mit seinen 54 Hektar Land gezwungen.[5] Zuvor musste er bereits umfangreiche Ländereien im Umfeld des Guts, so etwa den Stuvert (wo später der Jahnplatz entstand) veräußern. Unbeirrt dessen versuchte er sich weiterhin in der kostenintensiven Zucht von Pferden und brachte 1924 ein Buch mit dem Titel Gut Lintel bei Norden (Ostfriesland) - Zuchtstätte rotbrauner Ostfriesen heraus.[6] Nach vorheriger Zwangsverwaltung wurde 1932 die Zwangsversteigerung seines restlichen Besitzes, des Guts Lintel, eingeleitet.[5] Neuer Eigentümer wurde die Sparkasse Aurich-Norden.
1940 erging erneut ein Pfändungsbeschluss gegen Vissering, der seit 1935 als Landwirt in Leer-Loga tätig war.[5] 1978 gelangt das Gut in den Besitz von Veit Wucherpfennig, der das Schöninghsche Haus vor dem Verfall bewahrte.[2] Heute steht das Anwesen im Eigentum eines Norder Ärztepaares.
Sonstiges
Noch nicht ganz klar ist das Verhältnis des Guts zur Familie des Sicco Doden Cremer, die auch im Zusammenhang mit dem Anwesen genannt werden. So soll Sicco Theodor van Hülst das Gut im Jahr 1870 bewirtschaftet haben.[7] Seinerzeit hat das Gut aber noch der Familie Vissering gehört, sodass davon auszugehen ist, dass er das Gut möglicherweise vorübergehend bewirtschaftet hat. Eine Vermutung ist, dass Friedrich Bodewin Vissering, zu diesem Zeitpunkt 44 Jahre alt, im Deutsch-Französischen Krieg (1870 - 1871) kämpfen musste.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Schreiber, Gretje (2011): Höfe in der Sandbauerschaft, Manuskript
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 219
- ↑ Preußische Grundkarte von ca. 1895 (Erste Landesaufnahme)
- ↑ Medienzentrum des Landkreises Aurich (Bildarchiv: 0267688.jpg)
- ↑ 5,0 5,1 5,2 Mahmens, Sven (2007): Biographie des Karl Vissering, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft
- ↑ Bücherverzeichnis von Google Books, abgerufen am 23. April 2021
- ↑ Haddinga, Johann (2017): Biographie des Sicco Thedor van Hülst, veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft