Steinbömer & Lubinus
Steinbömer & Lubinus | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| {{#multimaps: | Title = Steinbömer & Lubinus | Text = Betrieb in Norden | center = 53.59572653570878, 7.208233908530638 | circle = 53.59572653570878, 7.208233908530638 : 30 | zoom = 17 | width = 300px | height = 300px
}} | |
| Basisdaten | ||||||||
| Gründung | 1769 | |||||||
| Auflösung | 1973 | |||||||
| Rechtsform | Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) | |||||||
| Hauptsitz | Neuer Weg 119
26506 Norden | |||||||
Steinbömer & Lubinus war eine Norder Tabakmanufaktur mit über 200 Jahre langer Tradition. Das Unternehmen existierte bis 1973 und gehörte lange Zeit neben der Firma Doornkaat und der Eisenhütte zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. 1832 gehörte sie sogar zu den zehn größten Unternehmen im Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte. Während der "Großen Depression" (1873–1896) geriet "Steinbömer & Lubinus" in wirtschaftliche Not und ging 1883/1884 in den Konkurs. Durch die Hilfe von Jan ten Doornkaat Koolman konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. 1917 ging das Unternehmen an die Firma Onno Behrends Tee über.
Geschichte
"Steinbömer & Lubinus" wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen Justus Friedrich Steinbömer und Johann Heinrich Lubinus in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Das Bürgerrecht in Norden erwarben die beiden Firmengründer 1770. Nach heutigen Maßstäben mag es ungewöhnlich klingen, dass ein gebürtiger Norder sich diese Rechte erst erwerben muss, wo es heute doch selbstverständlich ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war aber nicht jeder automatisch von Geburt an "Bürger". Vielmehr war dieser Status ein Privileg, das an gewisse Voraussetzungen gebunden war. Wichtigstes Kriterium waren das Vorhandensein von Hausbesitz und Eigentum in der Stadt.
1771 erwarben sie ein stattliches Anwesen am Neuen Weg 7, das zunächst von beiden Familien gemeinsam bewohnt wurde, später dann der alleinige Familiensitz der Steinbömers war. Die Firma entwickelte sich hervorragend. Steinbömer wurde als Mitglied in die Krämergilde aufgenommem, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne.
Nach seinem Tode 1809 übernahm der gleichnamige Sohn von Steinbömer zusammen mit dem Mitgesellschafter Peter Fiedrich Lubinus und nach dessen Tod allein, die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Die Fabrik zählte 1832 zu den größten zehn im Königreich Hannover und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland.
In Hooksiel am Jadeufer wurde 1835 für einige Jahre ein Zweigwerk gegründet, um Export- und Zollschwierigkeiten mit dem Großherzogtum Oldenburg zu unterlaufen. Weiterhin wurde in Norden eine Kolonialwarengroßhandlung für Tee, Kaffee, Öl und weitere Güter angegliedert, um das unternehmerische Risiko zu verteilen. Als Justus Friedrich Steinbömer jun. 1854 starb, fielen Fabrik und Großhandlung an Arend Wilhelm Steinbömer.

"Der Konsul", wie der energische Arend Wilhelm in Norden aufgrund seiner Tätigkeit als Konsul in Großbritannien genannt wurde, hatte neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer mehrere öffentliche Ehrenämter inne, so war er im Revolutionsjahr 1848 Kommandant der Norder Bürgerwehr, er saß als Bürgervorsteher im Stadtrat, er leitete die Mobiliar-Feuerversicherungsanstalt und vertrat seine Vaterstadt bei der Ostfriesischen Landschaftsversammlung in Aurich. Außerdem kämpfte er bei den Landesbehörden dafür, die Eisenbahnlinie 1856 über Emden hinaus bis nach Norden zu verlängern, um so einen besseren Anschluß an das Binnenland und günstigere Absatzmöglichkeiten für den Norder Handel zu bekommen. Norden erhielt diesen notwendigen Bahnanschluß schließlich 1883; die Bauarbeiten dafür waren gleichzeitig eine dringend notwendige Maßnahme, die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu mildern.
Auf Steinbömers Initiative hin stattete König Georg V. von Hannover der Stadt Norden am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab, ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der Konsul die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände bewirkten jedoch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, daß sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883/84 der Firmenkonkurs stand. Hilfe wurde Steinbömer & Lubinus in dieser Situation dadurch zuteil, daß der Norder Brennereibesitzer Jan ten Doornkaat Koolman die ganze Firma vorübergehend aufkaufte und zu äußerst günstigen Bedingungen an Steinbömer zurückverkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden.
1875 ging die Unternehmesführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei Justus Friedrich Steinbömer IV.. Sein Sohn, der ebenfalls Arend Wilhelm hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Als Arend Wilhelm, mittlerweile Geschäftsführer, 1904 völlig unerwartet starb, musste sein Vater, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, mit seinen 66 Jahren erneut die Firmenleitung übernehmen. Dazu war er jedoch zu unbeweglich und nicht mehr genügend vertraut mit zeitgemäßer Unternehmensführung, die z.B. Produktwerbung und Maschineneinsatz erforderte. Die Fabrik veraltete, die Umsätze gingen zusehends zurück.
Als er 1916 starb, war niemand mehr aus der Familie da, der die Firma aus der Krise hätte herausholen und weiterführen können. Der sich immer weiter verschärfende Erste Weltkrieg erschwerte die Situation zusätzlich. Sein Enkel und Hoffnungsträger, der auch Justus Friedrich hieß, war als Kriegsfreiwilliger in Belgien gefallen. Damit war in Norden nach sechs Generationen die Familie Steinbömer im Mannesstamm erloschen. Die Firma ging 1917 in den Besitz des Kaufmanns und Teefabrikanten Onno Behrends über, der sie aus dem Nachlass erwarb.
1969 wurde eine Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma veröffentlicht, doch schon vier Jahre später endete die Geschichte der Firma. Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Norder ist sie seitdem weitestgehend verschwunden.
Einzelnachweise
Quellenverzeichnis
- Schuh, Friedrich (1997): Geschichte der Familie Steinbömer, Aurich (Ostfriesische Landschaft)