Westermarsch I

Aus Norder Stadtgeschichte
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Westermarsch I

Wappen
Höhe 0,0 - 2,0 m ü. NN
Fläche 19,424 km²
Einwohner 406 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 21 Einwohner/km²

Westermarsch I ist ein Stadtteil von Norden und hat 406 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 19,42 km² verteilen.

Im Norden grenzt Westermarsch I an Westermarsch II, im Osten an die Westgaste und Vierzig Diemat sowie im Süden an Neuwesteel und Süderneuland I. Im Westen begrenzt die Nordsee bzw. die Leybucht das Gebiet.

Namensherkunft

Der Name Westermarsch I kennzeichnet einerseits den Landschaftstyp des Ortes (Marsch) und bezeichnet andererseits seine Lage im Westen der historischen Region Norderland bzw. der Stadt Norden. Durch die römische 1 unterscheidet sich der Ort von Westermarsch II.

Erstmalige Erwähnung findet die Westermarsch in 1361. Spätere Bezeichnungen waren ebenfalls "Westermarsch" (1541/1542). In 1553 wird die "Westermersch" erwähnt. 1823 und 1826 folgen dann "Westermarsch 1. und 2. Bauernschaft" und schließlich die heutige Bezeichnung ab 1858.

Wappen

Das Wappen des Ortes zeigt eine silberne, schräglinks gestellte Linde, die aus dem Schildrand wächst und ein goldenes, sechszackiges Sporenrad auf grünem Grund. Die Neigung des Baumes verweist auf die Lage des Ortes an der Küste, in der der Wind oft seeseits in den Ort peitscht und viele Bäume zu sogenannten "Windläufern" bzw. "Windflüchtern" wachsen lässt. Das Sporenrad weist auf die Zugehörigkeit zur Stadt Norden hin, welches diese ebenfalls im Wappen verwendet und von der bis ins 15. Jahrhundert vorherrschende Häuptlingsfamilie Idzinga übernommen hat. Der grüne Hintergrund spielt wohl auf die für den Ort wichtige Landwirtschaft an oder auf seine Lage im Hinterland. Das Wappen von Westermarsch II hingegen hat einen blauen Grund, was seine hauptsächliche Lage an der Wasserkante bzw. Deichlinie verdeutlichen soll.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1771 600
1821 440
1823 436
1848 513
1867 548
Jahr Einwohner
1871 565
1885 626
1905 580
1925 600
1933 567
Jahr Einwohner
1939 513
1946 731
1950 747
1956 562
1961 539
Jahr Einwohner
2016 442
2020 406

Geografie

Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 2 m über Meeresniveau (NN). Durch Eindeichungen gewannen die Bewohner der Nordsee bzw. Leybucht im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neues Land ab.

Die westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die südliche Grenze nach Neuwesteel und Süderneuland I verläuft in etwa entlang des Norder Tiefs. Im Osten und im Norden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse entweder zu Westermarsch I oder II gehören. In etwa kann man jedoch sagen, dass die Stadtgrenze von Norden südöstlich am Norder Tief beginnt, entlang von Vierzig Diemat bzw. dem Bürgermeisterviertel hoch bis zum Alteneichsweg und von dort nach Westen hin bis zum Langhauser Tief. Von hier aus verläuft die Grenze weiter in nördliche Richtung einige hundert Meter an der Ziegeleistraße entlang bis kurz vor den Warfertogschloot. Die von hier nach Westen hin verlaufende nördliche Grenze folgt nun keinem klaren Muster mehr, hier sind einstige örtliche Besitztümer die Grenze, die sich nur schwer umschreiben lassen. Westermarsch I entspricht der alten Rotteinteilung Rott 1 bis Rott 4, während Westermarsch II Rott 5 bis Rott 9 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende nördliche Grenze zu Westermarsch II, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen. (siehe Abschnitt Verwaltung)

An der alten Landseite, dem Langhauser Weg, ist der Boden schwärzlich und schwer, besonders in der Gegend vom Großlanghaus, welches den schwärzesten Boden hat. Nach der südlichen Seite hin, wird der Boden sandiger und hellfarbiger.

Geschichte

Mittelalter

Die Westermarsch auf einer Karte von Ubbo Emmius (um 1595).

Durch die erstmalige Erwähnung des Ortes in 1361 lässt sich eine frühere Besiedlung dieser Gegend ableiten. Für den Bereich der Mittelmarsch weisen archäologische Funde auf eine Besiedlung vor dem 16. Jahrhundert hin, als dort mutmaßlich ein Werkplatz von Warftbewohnern gefunden wurde.

Seit Anbeginn der Besiedlung ist das Land den Launen der Nordsee ausgeliefert. Sturmfluten und damit einhergehende Überschwemmungen bestimmten seit jeher den Verlauf der Deichlinie und machten den Bewohnern das Leben schwer. Bis zum vollständigen Untergang der nordwestlich von Westermarsch gelegenenen Nordseeinsel Bant konnten sich die Menschen mit relativ geringen Deichen schützen und errichteten ihre Häuser auf Warften, die sie je nach Bedarf erhöhten. Warften sind künstlich geschaffene Erhöhungen der Landschaft. Man kann sie sich als Hügel vorstellen, auf denen die Erbauer ihre Gebäude errichteten. Noch heute sind viele Warften in der Landschaft unverändert gut erkennbar und viele Gebäude stehen weiterhin auf solchen.

Ihre Ländereien schützten sie, wenn überhaupt, mit kleinen Dämmen vor den Fluten der Nordsee. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man, diese kleinen Ringdeiche seewärts miteinander zu verbinden, so dass in den ersten Jahrzehnten nach 1100 ein fast geschlossener Hauptdeich entstand. Die damaligen Deiche waren in ihrer Bauweise jedoch keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und boten nicht immer Schutz. Besonders verheerende Deichbrüche und dadurch folgende Überschwemmungen sind für die Jahre 1164, 1196, 1219 und 1334 überliefert. Überreste eines frühzeitlichen Deichs sind noch heute teils entlang der Westermarscher Straße erkennbar.

Die Zweite Marcellusflut, die auch als "große Mandränke" (großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch Eindeichungen wieder dem Wasser abgewonnen wurden. Die im 9. Jahrhundert entstandene Leybucht gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde nach der Leybucht auch "Leide" genannt. Aus ihr entsprang das Norder Tief.

Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die erste Dionysiusflut, die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene Westeel wurde sogar gänzlich zerstört und aufgegeben.

Bei der zweiten Dionysiusflut in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das Dominikanerkloster nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die Stadt Norden direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des Langhauser Tiefs, der von Utlandshörn bis nach Norden reichte.

Das 14. Jahrhundert war das wohl verheerendste Flutjahr in der überlieferten Geschichte der Westermarsch. Um 1400 hatte die Leybucht dadurch ihre größte Ausdehnung erreicht. Die Folgen der Sturmfluten waren so verheerend und weitreichend, als dass man sie in absehbarer Zeit hätte reparieren können. Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte der Schwarze Tod (Beulenpest) zwischen 1350 und 1360 in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim. Dazu kam, dass der Beginn der "Kleinen Eiszeit" im 14. Jahrhundert zu deutlich schlechten Erträgen führten. Die Menschen waren nicht nur körperlich, sondern auch finanziell geschwächt.

Die Westermarscher Straße vor ihrer Verbreiterung (1977).

Neuzeit

Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann die Westermarsch langsam aber stetig, zu einer wohlhabenden Region zu werden. Insbesondere Gräfin Anna von Oldenburg und Graf Edzard II. Cirksena hatten wesentlichen Anteil an der Landgewinnung in der Westermarsch. Unter ihrer Herrschaft wurden weit über 1000 Hektar Land der Nordsee entrissen. Gräfin Anna polderte 1551 das Land nach Süden hin ein, es enstand der sogenannte (alte) Süderdeich. Die Deichlinie verläuft größtenteils entlang des heutigen Altendeichswegs. Das neu- bzw. wiedergewonnene Land wird auch Westermarscher Altes Neuland genannt.

Graf Edzard II. setzte um 1583 einen weiteren Deich vor den Gräfin Annas. Hier liegt das Westermarscher Neuland. Der Deich erhielt ebenfalls den Namen Süderdeich. Er begann in Norden beim Alten Zollhaus und endet an der Leybucht beim Buscherpolder.

Unter Christine Charlotte von Württemberg, Regentin von Ostfriesland bis 1699, kamen 1678 durch weitere Eindeichungen weitere 281 fruchtbares Land hinzu. Ihr zu Ehren wurde das Gebiet Wester-Charlottenpolder genannt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können.

Ab dem 16. bis 17. Jahrhundert begannen tiefgreifende sozialstrukturelle Veränderungen. Die Zahl der kleinen und mittleren Bauernhöfe ging zurück und einige wenige Großbauern dominierten fortan die Landwirtschaft. Während es um 1600 noch 37 Höfe in Westermarsch I gab, waren es 1719 noch 30. Die durchschnittliche Größe der Ländereien eines Hofs stieg von etwa 15 auf gut 30 bis 35 Diemat. Durch gute Erträge im fruchtbaren Marschland kamen die Großbauern zu ansehnlichem Wohlstand, während der Großteil der Westermarscher in ein wirtschaftliches Abhängigkeitsverhältnis zu ihnen gerieten und in Armut fortlebten. Die Westerstraße in Norden wurde zur Einkaufsstraße der Westermarscher Großbauern. Ihren Wohlstand stellten sie gerne durch vergleichsweise prunkvolle Kutschen und eigene Logen in der Ludgerikirche zur Schau. Eines der größten Höfe der Westermarsch ist der noch heute erhaltenene Hof Großlanghaus, der gut 150 Diemat Land besaß (etwa 855.000 Quadratmeter).

Um 1771 grassierte in der Westermarsch eine große Viehseuche, die für die rund 600 Einwohner des Dorfes zu großer wirtschaftlicher Not führte. 1774 wurde die Ziegelei am Altendeichsweg eröffnet. Sie bestand bis in die 1970er Jahre. 1777 wurde eine Zuckersiederei errichtet. 1825 brach der Deich erneut und es kam zu großflächigen Verwüstungen.

1871 fiel ganz Ostfriesland an das Königreich Preußen und damit auch die Westermarsch. Die preußischen Beamten begannen, das Land zu kartografieren und unterteilten die Westermarsch in I und II.

Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs formierte sich eine Bürgerwehr, der 73 Mann angehörten. Die Wehr hatte keine Waffen, diese waren jedoch angefordert. Zu einer Bewaffnung kam es durch die Gründung der Weimarer Republik jedoch nicht mehr.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in einer Holzbaracke bei Landwirt J. Ahrends das Kriegsgefangenenlager Westercharlottenpolder (AK Nr. 1 164E), in dem 35 bis 40 (vorher auch 60) Personen untergebracht waren. Im Oktober 1940 gab es 40 Insassen von ausnahmslos französischer Herkunft. Im Juli 1941 registrierte man dann 39 Serben.

Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 730 Einwohner, von denen 190 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 22 auf insgesamt 752 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 200.

Verwaltung

Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.

Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die Zweite Marcellusflut im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die Idzinga an die Macht, deren Hauptsitz in Itzendorf in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.

Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häutplingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland. Ab 1464 bis 1744 stand Westermarsch I ein vom Grafen bzw. Fürsten bestellter Drost vor, der später auch den Titel Amtsverwalter trug, da ihm das Amt Norden unterstand. Dieser hatte neben der Oberaufsicht auch die gesamte Polizeigewalt inne. Dem Drosten bzw. Amtsverwalter war ein Vogt beigestellt, der vom Grafen bzw. Fürsten selbst eingesetzt wurde. Dieser Vogt war neben Westermarsch I auch für Westermarsch II sowie Süderneuland I und Süderneuland II zuständig. Ein sogenannter Auskündiger, der vom Drosten bzw. Amtsverwalter eingesetzt wurde, unterstützte den Vogten in seiner Arbeit und war diesem hierarchisch untergeordnet. Unter dem Auskündigen standen mehrere Rottmeister, die jeweils ein Rott verwalteten. Westermarsch I hatte damit vier Rottmeister. Sie hatten vor allem die Aufgabe, die Steuern in ihren Rotten einzutreiben und den Rottbewohnern ihre Pflichten anzusagen. Die Amtszeit der Rottmeister dauerte zwei Jahre, das Amt wurde danach im Rott an geeignete, männliche Bewohner neu vergeben. (siehe auch Rotteinteilung der Westermarsch)

Für 1735 sind ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze einer Landwehr (Miliz), die demokratisch gewählt, jedoch vom Regenten bestätigt werden mussten.

Ab dem 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze von Westermarsch I. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben. An der Spitze der eigentlichen Verwaltung stand ein (Samt-)Gemeindedirektor, der hauptberuflich tätig und Kommunalbeamter war. Von 1954 bis zum 30. November 1965 war Bernhard Ennenga Bürgermeister von Westermarsch I. Unter Gemeindedirektor Hippen fand von 01.12.1965 bis 30.06.1972 die "kleine Gebietsreform" statt, Westermarsch I und II verloren ihre Eigenständigkeit und gingen in der Samtgemeinde Leybucht auf, der auch Neuwesteel und Leybuchtpolder angehörten. Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Samtgemeinde Leybucht am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher Ortsvorsteher vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.

Bildung

Mindestens seit 1622 ist in Westermarsch I eine Schule belegt, die im Laufe der Jahre neugebaut und erweitert wurde. Das Schulgebäude aus dem Jahr 1868 existiert noch heute und befindet sich in Privatbesitz. Bis 1992 befand sich die Schule in einem 1961 errichteten Gebäude, in dem sich heute der Kindergarten Westermarsch befindet.

Religion

Es ist nicht belegt, dass es in der Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die Ludgerikirche am Norder Marktplatz.

Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch-lutherisch und gehört mittlerweile zur Andreasgemeinde Norden, welche ihren Sitz im Warfenweg hat. Vereinzelt gibt es evangelisch-reformierte Bewohner, die die Kirche in Bargebur besuchen, sowie Mennoniten, die einst Schutzgeld zahlten und die in Norden am Marktplatz auf der Südseite seit 1795 ihre eigene Kirche besitzen. Die wenigen katholischen Bewohner gehen in die Kirche St. Ludgerus in Norden. In der Begegnisstätte am Altendeichsweg finden regelmäßig Teenachmittage statt.

Gesundheit und Soziales

Westermarsch I war von jeher dem Armenverband Norden und dem Kirchspiel Norden angegliedert, so 1735 und 1870. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Aus den umliegenden Gemeinden Westermarsch, Lintelermarsch und Ostermarsch, soweit sie nach Norden eingepfarrt waren, wurde ein Kirchenverwalter bestellt. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen. Im Gebäude der alten Schule befindet sich heute der Kindergarten Westermarsch der AWO Norden sowie die Begegnungsstätte der Stadt Norden. Die Arbeiterwohlfahrt, Ortsverein Westermarsch wurde 1977 gegründet, die Begräbnishilfe Westermarsch 1933.

Wirtschaft und Verkehr

Haupterwerbszweig von Westermarsch I ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. Westermarsch I steht dabei jedoch Norddeich und Westermarsch II deutlich nach. "Ferien auf dem Bauernhof" bieten mittlerweile allerdings viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an.

Das Einwohnerverzeichnis von 1880/81 weist einen Krämer (auch Schenkwirt), einen Partikulier, einen Zimmermann und einen Zolleinnehmer, sowie jeweils zwei Gastwirte, Grenzaufseher und Schmiede aus.

Erst zwischen 1873 und 1875 wurde von der Stadt Norden bis zum Kleinen Krug in Utlandshörn eine Landstraße gelegt, von der aus später noch zwei kleine Nebenstraßen in nördlicher und südlicher Richtung angelegt wurden. So war es vorher zu Regenzeiten unmöglich, die Wege zu benutzen, da es ansonsten keine befestigte Straßen gab. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Korn, mussten oftmals auf Schiffen die Kanäle entlang nach Norden transportiert werden. In umgekehrter Richtung galt dies auch für Waren, die nach Westermarsch I importiert wurden.

Erwähnenswerte Gebäude

Erhaltene Gebäude

Abgebrochene Gebäude

Sehenswürdigkeiten

Quellenverzeichnis