Andreaskirche

Aus Norder Stadtgeschichte
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Andreaskirche

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Basisdaten
Entstehungszeit um 1250-1288 (um 900)
Erbauer Norder Umlandgemeinden
Bauweise Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage heutiger Alter Friedhof

Die Andreaskirche war der erste steinerne Sakralbau in Norden. Sie befand sich auf dem heutigen Alten Friedhof in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz. Die für den Bau errichtete Warft ist noch heute deutlich zu erkennen. Nachdem die Kirche 1531 durch Balthasar von Esens gebrandschatzt wurde, verfiel sie und wurde bis 1756 vollends abgetragen.

Geschichte

Der Vorgängerbau der gemeinhin als "Andreaskirche" bezeichneten Kirche geht ein hölzerner Bau voran, der möglicherweise auf den Beginn der christlichen Missionierung Ostfrieslands im 8. oder 9. Jahrhundert zurückgeht. Wahrscheinlich stand dieser Bau bereits an der letzten Örtlichkeit, jedoch ist nicht eindeutig, ob zu diesem Zeitpunkt die Warft ebenso existierte oder erst später für den steinernen Bau angehäuft wurde.[1] Im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde dieser Vorgängerbau der späteren Andreaskirche schließlich niedergerissen und anschließend aus Backstein als dreischiffige Pfeilerbasilika mit gewölbtem Querhaus und quadratischem Chor wiedererrichtet.[2] Die Initiative dazu ging wohl vom Bistum Bremen aus, zu dem der Ort seinerzeit gehörte.[3]

Nach seiner Fertigstellung im Jahre 1288 hatte der Bau eine Länge von 65 Meter und war etwa 22 Meter breit. Sein 65 Meter hoher Westturm diente Seefahrern über mehrere Jahrhunderte als Seezeichen.[4] Die beiden Osttürme an den Chorflanken wurden später hinzugefügt und von zwei "vornehmenen Jungfrauen", möglicherweise Schwestern oder Cousinen aus dem Norder Häuptlingsgeschlecht Idzinga, gestiftet.[5] Die in Ostfriesland seltenen Chorflankentürme wurden vermutlich nach dem Vorbild der Kirche von Bunde errichtet.[1] Unmittelbar nach dem Bau wurde sogleich der umliegende Friedhof seiner Bestimmung übergeben, die offizielle Weihung soll jedoch erst nach dem Eintreffen des Bischofs vollzogen worden sein.[5]

Die Andreaskirche diente vermutlich für das sich entwickelnde städtische Gemeinwesen als Gotteshaus. Dies wird unter anderem damit erklärt, dass die Kirche dem Heiligen Andreas geweiht war. Er war der Schutzpatron der Stadt und wird noch heute als Schildhalter des Norder Stadtwappens dargestellt.

Im Jahr 1531 verwüstete ein Heerhaufen des Häuptlings Balthasar von Esens die unbefestigte Stadt, die nur über einige Wehrhäuser, aber keine Stadtmauer verfügte. Den Brandschatzungen fielen sowohl die Andreaskirche als auch weitere bedeutende Bauten, wie dem Vorgängerbau des Alten Rathauses sowie das Kloster Marienthal. Versuche, die Andreaskirche wieder aufzubauen, schlugen fehl. Das Gebäude blieb eine Ruine, die im 17. und 18. Jahrhundert allmählich einstürzte und Norder Bürgern als Steinbruch diente. Steine waren zu jener Zeit in Angesichts fehlender natürlicher Vorkommen ein knappes Gut. Die letzten Reste der Kirche wurden 1756 abgetragen.[6]

Besonders wertvolle Bildwerke scheinen in die Ludgerikirche verbracht worden zu sein, die in der Folgezeit die Funktion als Hauptkirche des Ortes übernahm. Heute finden sich von der Andreaskirche keine aufgehenden Gebäudeteile mehr. Das Areal, auf dem sie stand, nimmt der alte Friedhof der Stadt ein. 1996 wurde der Standort der Andreaskirche durch Bohruntersuchungen wiederentdeckt.[6]

Beschreibung

Über den hölzernen Bau der Andreaskirche ist nichts bekannt. Der erste steinerne Bau soll hingegen eine Länge von etwa 37 Metern sowie möglicherweise eine halbrunde Apsis (halb-zylinderförmiger Anbau) gehabt haben. Später soll noch ein quadratischer Westturm angefügt worden sein.

Dank der Überlieferungen des Ubbo Emmius ist eine vergleichsweise gute Beschreibung der (letzten) steinernen Andreaskirche möglich. Er nennt die Kirche ein "hevorragendes Werk mit drei ausgezeichneten und hochragenden Türmen", die bereits von Weitem sichtbar waren. Der westliche Turm soll der größte aller Türme gewesen sein. Dieser wurde bis zum Beginn des Giebels der Kirche aus Tuffstein errichtet. Von hier aus überragte er weiter mit einem hochragenden Giebel, der sich zu einer kegelförmigen Spitze erhob, der noch einmal so groß gewesen sein soll, wie der untere Bau des Turms selbst.[5] Dieser hohe Turm war über Jahrhunderte ein wichtiges Seezeichen für den Schiffsverkehr.[4] Angeblich soll er den Seefahrern bis an die Elbmündung erkennbar gewesen sein, was aber wohl eher eine Übertreibung ist.

Die beiden anderen Türme waren schmaler und aus Ziegelstein errichtet. Sie stiegen mit geraden Seiten hoch und waren mit einem vergleichsweise kleinen Giebel abgeschlossen. Der Volksmund nannte die beiden gleichartigen Türme auch "Basen" (Cousinen).[5]

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Infotafel im Ostfriesischen Heimatmuseum
  2. Bärenfänger, Rolf (1999): Die Andreaskirche in Norden, Stuttgart, S. 187f.
  3. van Lengen, Hajo (2003): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Aurich, S. 77
  4. 4,0 4,1 Ruge, Reinhard (2000):: Die Ludgerikirche zu Norden, Norden, S. 3
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8
  6. 6,0 6,1 Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden-Norddeich. Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 64

Siehe auch