Kloster Marienthal

Aus Norder Stadtgeschichte
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Kloster Marienthal

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Basisdaten
Entstehungszeit 12. Jahrhundert
Erbauer Benediktinerorden
Bauweise Kloster
Erhaltungszustand 1557 abgebrochen
Genaue Lage Am Zingel 18

26506 Norden

Das Kloster Marienthal war ein vom katholischen Benediktinerorden gegründetes Kloster in Norden. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden. Das Kloster war der heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil "-t(h)al" geht auf die im Vergleich zur Kernstadt Norden leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück.

Im Kloster Marienthal wurde 1255 der Norder Vertrag unterzeichnet, der oftmals (fälschlicherweise) als Gründungsvertrag der Stadt Norden angesehen wird.

Geschichte

Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Ordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, da Norden zu dieser Zeit dem Bistum Bremen zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.[1] Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.[2]

Nach der Gründung des Dominikanerklosters am Fräuleinshof im Jahr 1264 wurde das Kloster Marienthal auch als "altes Kloster" bzw. "Olde Cloester" bezeichnet. Es gehörte zu einem Klosterverband, dessen Gründung womöglich auf den Heiligen Sankt Hatebrand zurückgeht, weshalb Eggerik Beninga zu der Annahme kam, dass auch das Kloster Marienthal von diesem gegründet wurde. Die erste gesicherte Erwähnung findet sich in einem Vertrag aus dem Jahre 1255. Dieses Jahr wird im Allgemeinen auch (fälschlicherweise) als das Gründungsjahr Nordens angesehen, wobei es sich eigentlich nur um die erste, gesicherte Erwähnung handelt. Abt war zu dieser Zeit ein gewisser Winandus. Sein Siegel zeigte einen stehenden Geistlichen mit Hirtenstab und Bibel mit der teilweise zerstörten Inschrift: "S(igillum) Abbatis Wi(nandi) S(ancte) Marie Norden".[3] Er wird in der Urkunde als Zeuge an erstrangiger Position genannt, was für die Bedeutung des Klosters spricht. Die Rolle als vornehme Vertreter des Norderlandes blieb auch seinen Nachfolgern erhalten.[4] Der historisch überlieferte große Reichtum des Klosters konnte durch umfangreiche Funde belegt werden.[1] Die Benediktiner ließen ihre Niederlassung mit einer Mauer einfrieden. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben, an sie erinnert die Straße Am Zingel.

Im 14. Jahrhundert wurde Ostfriesland von mehreren verheerenden Sturmfluten, wie der Ersten Dionysiusflut heimgesucht. Dazu kam von 1347 bis 1353 eine europaweit wütende Pestepidemie, der geschätzte 25 Millionen Menschen - ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung - zum Opfer fielen. Auch das Kloster Marienthal wurde von der Seuche heimgesucht. Das Kloster wurde daraufhin grundlegend umgestaltet, um nach damaligem Verständnis der Krankheit Herr zu werden.[4] Da man im Mittelalter vermutete, dass sich Krankheiten über Gerüche verbreiteten, ist davon auszugehen, dass die Gebäude weitflächiger, größer und besser belüftet gebaut wurden.

1420 nahm das Kloster mehrere Benediktinermönche aus dem Kloster Marienkamp in Esens und 1444 einen Teil der Nonnen des Klosters Sielmönken in der Krummhörn auf, nachdem die dortigen Klöster in Augustiner-Chorherren-Stifte umgewandelt worden waren.[5]

1529 wurde das Kloster Im Zuge der seit 1527 in Norden Einzug haltenden Reformation säkularisiert, verlor also seine Bedeutung als solches und wurde "verweltlicht".[5] 1531 fiel Balthasar von Esens in Norden ein. Seine Truppen zerstörten eine Vielzahl an Gebäuden in Norden, so zum Beispiel die Andreaskirche. Auch plünderte er das Kloster und zerstörte dabei die Grablege der mit ihm verfeindeten Cirksena.[5] In diesem Jahr lebten noch ein Mönch und eine Nonne in Marienthal, die wohl dem Kloster Thedinga in Leer unterstellt waren. Die anderen Mönche und Nonnen, von denen es 1530 noch rund 120 gegeben haben soll, zogen zuvor in das katholische Kloster Selward in Groningen um.[4]

1548 ließ Gräfin Anna von Oldenburg, damals Herrscherin über Ostfriesland, die Familiengruft der Grafen in Ostfriesland in der Großen Kirche in Emden anlegen und die Gebeine der in Marienthal beerdigten Cirksena dorthin umbetten.

Der letzte Abt soll Gerardus Synellius gehießen haben. Er wurde 1512 in sein Amt eingeführt und war am 1. Januar 1527 anlässlich der Norder Disputation der einzige Geistliche, der den alten Glauben und die katholische Kirche verteidigte. Doch stand er allein dar, die Reformation setzte sich durch. Seitdem ist Norden weitestgehend evangelisch geprägt. Synellius verließ das Kloster Marienthal vermutlich noch im gleichen Jahr, blieb aber bis zu seinem Tode im Jahre 1552 in Norden, weshalb davon ausgegangen wird, dass er keine weiteren Widerstandsbestrebungen gegen die Reformation vorbrachte.

1557 wurden die Gebäude abgerissen und ihre Steine für den Bau von Befestigungsanlagen, konkret eines Zwingers, in Aurich genutzt. Zum Abriss der Klosterkirche wurden die Fundamente ähnlich wie in Ihlow gezielt untergraben, um sie in Richtung Süden einstürzen zu lassen. Dadurch sollte eine Beschädigung der nördlich gelegenen Klausur (Rückzugsort der Mönche) vermieden werden. Das Archiv ist nach Angaben der letzten verbliebenen Nonnen dem Wunsch des verstorbenen Abtes entsprechend ins Ausland geschafft worden. Seither fehlt von ihm, wie auch von der Bibliothek, jede Spur. Es liegt nahe, dass die Schriften in die Niederlanden geschafft wurden, da Ostfriesland lange Zeit kulturell und sprachlich eher mit den Niederlanden als mit Deutschland verwandt war.

Bedeutung für die Stadt

Das Kloster genoss ein sehr hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Von 1464 bis 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie Cirksena als Hauskloster. Als Hauskloster bezeichnet man solche, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen. Zudem hatte sie dort - wie auch andere vornehme Geschlechter des Norderlandes von 1464 bis 1548 ihre Grablege (Familiengruft) und brachte ihre unverheirateten Töchter hier unter. Auch die letzte Idzinga, Hima, lebte dort kinderlos bis zu ihrem Tod. Das einst mächtige Häuptlingsgeschlecht erlosch daraufhin.

Mehrfach traten die Äbte von Marienthal fortan in führender Position als Zeuge für die Cirksena auf. Möglicherweise waren sie sogar Berater und enge Vertraute dieses Häuptlingsgeschlechts.[5] So unterschrieb beispielsweise Abt Poppo am 20. Mai 1436 die Urkunde, mit der Edzard II. Cirksena die Herrschaft über das Norderland übernahm. Ein weiteres Mal tritt Poppo am 28. April 1440 als erster Zeuge in einer Urkunde auf, in der Wibet von Stedesdorf zugunsten von Ulrich Cirksena auf Esens verzichtet.[4]

Das Kloster war zudem einer der größten Grundeigentümer der Stadt und verfügte über umfangreiche Ländereien, die auch "Klosterland" oder "Kirchenland" genannt wurden. Dazu kamen eigene Bauernhöfe (Vorwerke), die dem Kloster gehörten. Diese konzentrierten sich vor allem auf das Gebiet der Lintelermarsch. Vorwerke des Klosters waren zum Beispiel die Höfe in Osterloog und Westerloog sowie der Armenplaats.

Nachnutzung

Auf dem Areal des Klosters entstand das Gasthaus, auch "Armenhaus" oder "Gasthausarmen" genannt. Dieses wurde mit einem Teil der Einkünfte des ehemaligen Klosters ausgestattet. Andere Einnahmen flossen an die Vorgängerinstitution des heutigen Ulrichsgymnasiums. Der Flächenbesitz fiel an das ostfriesische Fürstenhaus und ist heute noch größtenteils in staatlichem Besitz. Heute steht an der Stelle des Klosters ein Altenheim der Arbeiterwohlfahrt.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Bericht über archäologische Funde der Ostfriesischen Landschaft
  2. Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.
  3. Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 170ff.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.
  5. 5,0 5,1 5,2 5,3 Dolle, Josef (2012): Niedersächsisches Klosterbuch. Verzeichnis der Klöster, Stifte, Kommenden und Beginenhäuser in Niedersachsen und Bremen von den Anfängen bis 1810. Teil 3, Bielefeld, S. 1033ff.

Siehe auch