Vertriebenenlager Tidofeld

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Basisdaten
Kategorie Ort in Tidofeld
Stadtteil/-viertel Tidofeld
Genaue Lage südlich der Heerstraße

Das Vertriebenenlager Tidofeld war zwischen 1946 und 1960 eines der größten Aufnahmelager für Vertriebene und Flüchtlinge des Zweiten Weltkriegs in Niedersachsen. Es befindet sich im heutigen Norder Stadtteil Tidofeld im Süden der Heerstraße.

Geschichte

bis 1945

Vor seiner Nutzung als Vertriebenenlager befand sich auf dem Gelände ein Ausbildungs- und Durchgangslager der Kriegsmarine der Wehrmacht, welches kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs fertiggestellt wurde. Zuvor war die Fläche unbebaut und wurde für die Landwirtschaft genutzt. Das Lager war der 4. Schiffsstammabteilung in Wilhelmshaven unterstellt. Hier versahen junge Marinerekruten ihre Grundausbildung.

nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Norden zunächst von kanadischen Truppen besetzt und kam letztlich als Teil der Britischen Besatzungszone unter die Kontrolle der britischen Militärregierung. Die Briten errichteten hier zunächst ein Internierungs- und Entlassungslager für deutsche Kriegsgefangene.

Ab etwa Anfang 1946 begannen erste Planungen zur Aufnahme von Flüchtlingen und Vertriebenen, die aus den ehemals deutschen Ostgebieten und den ausgebombten Großstädten in großen Zahlen nach Ostfriesland und auch nach Norden kamen. Die Briten begannen daraufhin mit der Vergabe des Wohnraums. Dabei wurden die Gebäude und Baracken des Marinelagers übernommen ohne daran nennenswerte Verbesserungen vorzunehmen. Die Menschen lebten auf engstem Raum, Privatsphäre gab es angesichts der engen Behausungen (etwa 30 Menschen teilten sich anfangs einer Baracke) sowie gemeinsamer Sanitäranlagen und fehlender Trenntüren kaum. 1946 lebten hier bereits etwa 1200 Menschen auf einer Fläche von nicht einmal 0,3 km². 1951 lebten rund 1100 Menschen hier, Ende der 1950er Jahre waren es immer noch 750. Die Zahl wäre geringer ausgefallen, kämen zu den restlichen Vertriebenen nicht noch auch noch heimkehrende Kriegsgefangene.

Obgleich es erklärtes Ziel der Militärregierung war, die Bewohner nur kurzfristig in dem Lager zu quartieren und keine alten Nachbarschaften unter den manchmal aus dem gleichen Ort kommenden Vertriebenen aufkommen zu lassen, erreichten sie letztlich genau das Gegenteil und es entstand eine weitestgehend Solidarität unter den Bewohnern. Bereits wenige Monate nach der Freigabe des Lagers enstanden eine Schule, eine Gaststätte, eine Freiwillige Feuerwehr und im August 1948 sogar eine Kirche in einer Baracke. Die Räumlichkeiten dieser Barackenkirche und die laufenden Kosten wurden unter den Bewohnern solidarisch geteilt und die drei im Lager vertrenenen Konfessionen (evangelisch-lutherisch, evangelisch-reformiert, römisch-katholisch) hielten ihre Gottesdienste abwechselnd ab.


Quellenverzeichnis

  • Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 45f.
  • Internetauftritt des Forums der Wehrmacht (Zeitzeugenberichte)
  • Internetauftritt der Gnadenkirche Tidofeld (heute Dokumentationsstätte)

Siehe auch