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'''Steinbömer & Lubinus''' war eine Norder Tabakmanufaktur mit über 200 Jahre langer Tradition. Das Unternehmen existierte bis 1973 und gehörte lange Zeit neben der Firma [[Doornkaat]] und der [[Eisenhütte]] zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. 1832 gehörte es sogar zu den zehn größten Unternehmen im Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte. Während der "Großen Depression" (1873–1896) geriet "Steinbömer & Lubinus" in wirtschaftliche Not und 1883/1884 in den Konkurs. Durch die Hilfe von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. 1917 ging das Unternehmen an die Firma [[Onno Behrends Tee]] über, zu dem es bis zur Schließung gehörte.
'''Steinbömer & Lubinus''' war eine Norder Tabakmanufaktur mit über 200 Jahre langer Tradition. Das Unternehmen existierte bis 1973 und gehörte lange Zeit neben der Firma [[Doornkaat]] und der [[Eisenhütte]] zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. 1832 gehörte es sogar zu den zehn größten Unternehmen im Königreich Hannover, zu dem Ostfriesland seinerzeit gehörte.
 
Während der "Großen Depression" (1873–1896) geriet "Steinbömer & Lubinus" in wirtschaftliche Not und 1883/1884 in den Konkurs. Durch die Hilfe von [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] konnte das Unternehmen jedoch gerettet werden. 1917 ging das Unternehmen an die Firma [[Onno Behrends Tee]] über, zu dem es bis zur Schließung gehörte. Die kleine, traditionsreiche Marke konnte sich schlichtweg nicht gegen die große Konkurrenz behaupten.


==Geschichte==
==Geschichte==
"Steinbömer & Lubinus" wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Das Bürgerrecht in Norden erwarben die beiden Firmengründer 1770. Nach heutigen Maßstäben mag es ungewöhnlich klingen, dass ein gebürtiger Norder sich diese Rechte erst erwerben muss, wo es heute doch selbstverständlich ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war aber nicht jeder automatisch von Geburt an "Bürger". Vielmehr war dieser Status ein Privileg, das an gewisse Voraussetzungen gebunden war. Wichtigstes Kriterium waren das Vorhandensein von Hausbesitz und Eigentum in der Stadt.[[Datei:Steinboemer Lubinus Werbung Reklame 1917.jpg|links|mini|235x235px|Eine Werbereklame des Unternehmens aus dem Jahre 1917.]]1771 erwarben sie ein stattliches Anwesen am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] 7, das zunächst von beiden Familien gemeinsam bewohnt wurde, später dann der alleinige Familiensitz der Steinbömers war. Die Firma entwickelte sich hervorragend, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass der [[Norder Hafen]] noch direkten Zugang zur Nordsee hatte und dass das 1766 eingeführte Tabakmonopol nicht für Ostfriesland galt. Steinbömer wurde als Mitglied in die [[Kramerzunft]] aufgenommem, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. Trotz großer Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 noch vier weitere Tabakfabriken - konnten sich Steinbömer & Lubinus im Markt behaupten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref>
"Steinbömer & Lubinus" wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Das Bürgerrecht in Norden erwarben die beiden Firmengründer 1770. Nach heutigen Maßstäben mag es ungewöhnlich klingen, dass ein gebürtiger Norder sich diese Rechte erst erwerben muss, wo es heute doch selbstverständlich ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war aber nicht jeder automatisch von Geburt an "Bürger". Vielmehr war dieser Status ein Privileg, das an gewisse Voraussetzungen gebunden war. Wichtigstes Kriterium waren das Vorhandensein von Hausbesitz und Eigentum in der Stadt.[[Datei:Steinboemer Lubinus Werbung Reklame 1917.jpg|links|mini|235x235px|Eine Werbereklame des Unternehmens aus dem Jahre 1917.]]1771 erwarben sie ein stattliches Anwesen am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] 7, das zunächst von beiden Familien gemeinsam bewohnt wurde, später dann der alleinige Familiensitz der Steinbömers war. Die Firma entwickelte sich hervorragend, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass der [[Norder Hafen]] noch direkten Zugang zur Nordsee hatte und dass das 1766 eingeführte Tabakmonopol nicht für Ostfriesland galt. Steinbömer wurde als Mitglied in die [[Kramerzunft]] aufgenommem, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. Trotz großer Konkurrenz - es gab im Jahre 1805 noch vier weitere Tabakfabriken - konnten sich Steinbömer & Lubinus im Markt behaupten. Es auch das erste derartige Unternehmen Norden und hatte 1805 bereits 33 Mitarbeiter, die jährlich 317.000 Pfund Rauch- und Schnupftabak verarbeiteten.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 79</ref>


Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Steinbömer zusammen mit dem Mitgesellschafter [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]] und nach dessen Tod allein, die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Die Fabrik zählte 1832 zu den größten zehn im Königreich Hannover und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland.
Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Steinbömer zusammen mit dem Mitgesellschafter [[Peter Friedrich Lubinus (1845)|Peter Friedrich Lubinus]] und nach dessen Tod allein, die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Die Fabrik zählte 1832 zu den größten zehn im Königreich Hannover und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland.