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Ein '''Zunft- und Gildewesen''' hat es auch in Norden gegeben. Die unterschiedlichen Kaufmanns- bzw. Handwerksberufe fanden sich in diesen zusammen. In Bezug auf erstere ist in der Regel von Gilden die Rede, während man bei handwerklichen Berufen eher von Zünften sprach. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch nur das Wort "Zunft" durch, weshalb beide Wesen auch in diesem Artikel zusammengefasst werden.
Ein '''Zunft- und Gildewesen''' hat es auch in Norden gegeben. Die unterschiedlichen Kaufmanns- bzw. Handwerksberufe fanden sich in diesen zusammen. In Bezug auf erstere ist in der Regel von Gilden die Rede, während man bei handwerklichen Berufen eher von Zünften sprach. Im Laufe der Zeit setzte sich jedoch nur das Wort "Zunft" durch, weshalb beide Wesen auch in diesem Artikel zusammengefasst werden.
Den Vorsitzenden eine Zunft nennt man - im Gegensatz zu den anderen Meistern - Obermeister. Ein der Bäckerzunft bzw. -innung vorsitzender Bäckermeister wurde daher beispielsweise als "Bäckerobermeister" bezeichnet.


== Geschichte ==
== Geschichte ==
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1845 stand Norden mit insgesamt 10 Zünften und 352 Meistern im ostfriesischen Vergleich sehr gut dar. Natürlich war Emden mit 24 Zünften und 671 Meistern deutlich präsenter, doch lag Norden immer noch weit vor Aurich mit 6 Zünften und 222 Meistern sowie Esens mit 7 Zünften und 305 Meistern. Das größere Leer hatte mit 11 Zünften und 379 Meistern nur ein unwesentlich regeres Zunftleben. Die Zeit der traditionellen Zünfte hatte jedoch schon bald ein Ende. Mit der Einführung einer gesetzlichen Gewerbefreiheit im Jahre 1869 diktierten nicht mehr die Zünfte den Markt, sondern der Markt regulierte sich weitestgehend selbst. Zum 18. Juli 1881 wurde das alte Zunftwesen durch die neugegründeten Innungswesen ersetzt. Die Innungen können als faktische Nachfolger der Zünfte verstanden werden, wenngleich diese nicht mehr so umfangreichen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen hatte.<ref name=":1" />
1845 stand Norden mit insgesamt 10 Zünften und 352 Meistern im ostfriesischen Vergleich sehr gut dar. Natürlich war Emden mit 24 Zünften und 671 Meistern deutlich präsenter, doch lag Norden immer noch weit vor Aurich mit 6 Zünften und 222 Meistern sowie Esens mit 7 Zünften und 305 Meistern. Das größere Leer hatte mit 11 Zünften und 379 Meistern nur ein unwesentlich regeres Zunftleben. Die Zeit der traditionellen Zünfte hatte jedoch schon bald ein Ende. Mit der Einführung einer gesetzlichen Gewerbefreiheit im Jahre 1869 diktierten nicht mehr die Zünfte den Markt, sondern der Markt regulierte sich weitestgehend selbst. Zum 18. Juli 1881 wurde das alte Zunftwesen durch die neugegründeten Innungswesen ersetzt. Die Innungen können als faktische Nachfolger der Zünfte verstanden werden, wenngleich diese nicht mehr so umfangreichen Einfluss auf das wirtschaftliche Geschehen hatte.<ref name=":1" />
Nach der Machtergreifung des NS-Regimes wurden alle Innungen um 1935 gleichgeschaltet und wurden unselbständige Teilverbände des RIV (Reichsinnungsverband). Erst nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] wurden sie wieder eigenständig.


== Schlachterzunft ==
== Schlachterzunft ==
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== Weberzunft ==
== Weberzunft ==
Spätestens 1593 hat es eine Weberzunft gegeben, wie aus einer Urkunde vom 17. Mai des Jahres hervorgeht. Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt vom 17. April 1616 und wurde von [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] ausgestellt. Die Legitimität der Zunftrollen wird 1652, 1661, 1691 und 1738 vom Landesherren bestätigt. In letztgenannter Rolle wird ersichtlich, dass sich zwischenzeitlich auch die Leinen-, Servietten- und Wollweber der Weberzunft angeschlossen haben.<ref name=":3" />
Durch die von Friedrich dem Großen erlassenen Lockerungen der Zunftvorschriften kam auch die Weberzunft in Bedrängnis. 1803 wurden die Weberzünfte aufgelöst, eine Neugründung für sechs Jahre verboten. Aber auch danach kam es nur zu erfolglosen Versuchen, sich wieder in einer Zunft zu organisieren. Zu sehr war die Weberei durch die aufkommende Industrialisierung in Not geraten. Betrug die Zahl der in Norden ansässigen Webermeister im Jahre 1803 noch 48, die über
== Trivia ==
Sämtliche Straßen im [[Gewerbegebiet Leegemoor]] tragen die Bezeichnung alter Berufe, die größtenteils in Zünften zusammengeschlossen waren. Aber auch außerhalb dieses Gebietes finden sich alte Berufsbezeichnungen wieder, so etwa bei der [[Weberslohne]].


== Literatur ==
== Literatur ==