Zunft- und Gildewesen: Unterschied zwischen den Versionen
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Die älteste Nachricht von einer Norder Zunftrolle datiert auf den 23. Januar 1589, als [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] die Handwerksrolle der Norder Goldschmiede anerkennt und bestätigt. Hierbei nimmt er ausdrücklich Bezug auf die bereits von seinem Großvater [[Edzard Cirksena|Edzard dem Großen]] (1462 - 1528) verliehene Rolle.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 59</ref> Daher ist anzunehmen, dass es Zunftrollen mindestens im späten 15. bzw. frühen 16. Jahrhundert gegeben hat. Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt indes aus dem Jahr 1553 und ist auf den 27. September des Jahres datiert. Sie ist jedoch nicht mehr im Original, sondern nur in einer von [[Hermannus Conerus]] beglaubigten Abschrift.<ref name=":1" /> | Die älteste Nachricht von einer Norder Zunftrolle datiert auf den 23. Januar 1589, als [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]] die Handwerksrolle der Norder Goldschmiede anerkennt und bestätigt. Hierbei nimmt er ausdrücklich Bezug auf die bereits von seinem Großvater [[Edzard Cirksena|Edzard dem Großen]] (1462 - 1528) verliehene Rolle.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 59</ref> Daher ist anzunehmen, dass es Zunftrollen mindestens im späten 15. bzw. frühen 16. Jahrhundert gegeben hat. Die älteste, erhaltene Zunftrolle stammt indes aus dem Jahr 1553 und ist auf den 27. September des Jahres datiert. Sie ist jedoch nicht mehr im Original, sondern nur in einer von [[Hermannus Conerus]] beglaubigten Abschrift.<ref name=":1" /> | ||
Da Norden anderen Städten, wie beispielsweise Emden, im wirtschaftlichen Leben stets nachstand, gab es hier auch nicht annähernd so viele Zünfte wie dort. Auch war es üblich, dass sich mehrere miteinander ähnliche Berufe zu einer Zunft zusammenschlossen, so etwa die Kramer (Händler) und die (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler), zu denen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) häufig auch Apotheker und sogar Goldschmiede kamen. Vielen Zünften war indes nur eine kurze Existenz beschieden. Die Goldschmiede und die Brauer konnten sich beispielsweise nur wenige Jahrzehnte in einer eigenen Gilde organisieren bzw. halten. | Da Norden anderen Städten, wie beispielsweise Emden, im wirtschaftlichen Leben stets nachstand, gab es hier auch nicht annähernd so viele Zünfte wie dort. Auch war es üblich, dass sich mehrere miteinander ähnliche Berufe zu einer Zunft zusammenschlossen, so etwa die Kramer (Händler) und die (Ge-)Wandschneider (Tuchhändler), zu denen während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) häufig auch Apotheker und sogar Goldschmiede kamen. Vielen Zünften war indes nur eine kurze Existenz beschieden. Die Goldschmiede und die Brauer konnten sich beispielsweise nur wenige Jahrzehnte in einer eigenen Gilde organisieren bzw. halten. Bereits vor 1594 scheint es auch eine Schlachterzunft gegeben zu haben.<ref name=":1" /> | ||
Ungefähr zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Norden schließlich eine Kramer-, eine Bäcker-, eine Küfer-, eine Schmiede-, eine Schneider-, eine Schuhmacher-, eine Weber- und eine Sattlerzunft. Viele Berufe waren - wie vorbeschrieben - nicht in einer eigenen Zunft organisiert, was vor allem an den wenigen vorhandenen Meisterbetrieben lag. 1768 gehörten daher die Maurer, die Tischler, die Zimmermänner, die Stellmacher und die Drechsler zusammen, obgleich die Maurer wiederholt versuchten, eine eigene Zunft zu organisieren. Ebenso erfolglos wie die vorgenannten Berufe zur Bildung einer eigenen Zunft waren die Lohgerber, die Segelmacher und die Blaufärber sowie die Zinn- und Gelbgießer, die Hutmacher, die Kupferschmiede, die Blechschläger sowie die Klempner, Glaser und Maler.<ref name=":0" /> Die Zünfte kontrollierten die Löhne, die Preise, und vor allem den Zugang zum Markt. Ihr Beitritt brachte damit erhebliche Vorteile für die Mitglieder. Traditionell nahm seit dem 18. Jahrhundert ein Mitglied des [[Magistrat|Magistrats]] die Rolle des Amtspatrons (Schirmherren) einer Zunft ein.<ref name=":0" /> So war etwa Bürgermeister [[Peter Conerus|Peter Friedrich Conerus]] im Jahre 1820 Amtspatron der Maler- und Glaserzunft.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 76</ref> | Ungefähr zur Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in Norden schließlich eine Kramer-, eine Bäcker-, eine Küfer-, eine Schmiede-, eine Schneider-, eine Schuhmacher-, eine Weber- und eine Sattlerzunft. Viele Berufe waren - wie vorbeschrieben - nicht in einer eigenen Zunft organisiert, was vor allem an den wenigen vorhandenen Meisterbetrieben lag. 1768 gehörten daher die Maurer, die Tischler, die Zimmermänner, die Stellmacher und die Drechsler zusammen, obgleich die Maurer wiederholt versuchten, eine eigene Zunft zu organisieren. Ebenso erfolglos wie die vorgenannten Berufe zur Bildung einer eigenen Zunft waren die Lohgerber, die Segelmacher und die Blaufärber sowie die Zinn- und Gelbgießer, die Hutmacher, die Kupferschmiede, die Blechschläger sowie die Klempner, Glaser und Maler.<ref name=":0" /> Die Zünfte kontrollierten die Löhne, die Preise, und vor allem den Zugang zum Markt. Ihr Beitritt brachte damit erhebliche Vorteile für die Mitglieder. Traditionell nahm seit dem 18. Jahrhundert ein Mitglied des [[Magistrat|Magistrats]] die Rolle des Amtspatrons (Schirmherren) einer Zunft ein.<ref name=":0" /> So war etwa Bürgermeister [[Peter Conerus|Peter Friedrich Conerus]] im Jahre 1820 Amtspatron der Maler- und Glaserzunft.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 76</ref> | ||