Enno III. Cirksena: Unterschied zwischen den Versionen
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Enno III. schien zunächst auf einem guten Weg in der Auseinandersetzung mit den Landständen zu sein. Er schloss mit ihnen und der Stadt Emden die sogenannten "Emder Konkordate", die vor allem die Gleichstellung der lutheranischen und reformierten Glaubensrichtung zum Gegenstand hatte. Enno III. erlaubte den Reformierten, ihren Gottestdienst fortan auch in der Stadt abzuhalten und schickte ihnen den Prediger [[Tido Henrici]]. Er wies den Drosten, den [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister]] und den [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] an, den reformierten Pastoren zu schützen. Die aufgebrachten Lutheraner machten es den Reformierten jedoch unmöglich, den Gottesdienst in der Stadt auszuüben. Die Reformierten bekamen nur das Recht, alle zwei Monate in einem Privathaus in der Stadt ihre Kirchenangelegenheiten zu beraten und das Abendmahl nach ihrer Weise zu feiern. | Enno III. schien zunächst auf einem guten Weg in der Auseinandersetzung mit den Landständen zu sein. Er schloss mit ihnen und der Stadt Emden die sogenannten "Emder Konkordate", die vor allem die Gleichstellung der lutheranischen und reformierten Glaubensrichtung zum Gegenstand hatte. Enno III. erlaubte den Reformierten, ihren Gottestdienst fortan auch in der Stadt abzuhalten und schickte ihnen den Prediger [[Tido Henrici]]. Er wies den Drosten, den [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister]] und den [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] an, den reformierten Pastoren zu schützen. Die aufgebrachten Lutheraner machten es den Reformierten jedoch unmöglich, den Gottesdienst in der Stadt auszuüben. Die Reformierten bekamen nur das Recht, alle zwei Monate in einem Privathaus in der Stadt ihre Kirchenangelegenheiten zu beraten und das Abendmahl nach ihrer Weise zu feiern. | ||
Der brüchige Frieden im Lande hielt letztlich nur so lange, bis Enno III. neue Steuern erhob, um die schlechten Staatsfinanzen zu konsolidieren. In der folgenden Auseinandersetzung riefen die Emder Truppen den niederländischen Staat zu Hilfe, die ab 1602 eine ständige Besatzung in der Stadt hielten. Im "Osterhusischen Akkord" wurden die Rechte der Stände schließlich von Enno III. bestätigt. Sie verfügten nun über derart weitgehende Rechte, dass sie den Grafen faktisch als Souverän ablösten. | Der brüchige Frieden im Lande hielt letztlich nur so lange, bis Enno III. neue Steuern erhob, um die schlechten Staatsfinanzen zu konsolidieren. In der folgenden Auseinandersetzung riefen die Emder Truppen den niederländischen Staat zu Hilfe, die ab 1602 eine ständige Besatzung in der Stadt hielten. Im "Osterhusischen Akkord" 1611 wurden die Rechte der Stände schließlich von Enno III. bestätigt. Sie verfügten nun über derart weitgehende Rechte, dass sie den Grafen faktisch als Souverän ablösten. | ||
Nachdem er den Niederländern im Jahre 1611 auch noch die Festung Leerort überlassen hatte, stand Ostfriesland so stark unter niederländischer Herrschaft, dass er sogar die Aufnahme Ostfrieslands in die Niederlande beantragte. Dies scheiterte allerdings an den Landständen. Im Dreißigjährigen Krieg nutzten die Niederländer Ostfriesland als winterlichen Versorgungstützpunkt und quartierten, ohne dass Enno III. etwas dagegen hätte unternehmen können, die gefürchteten Truppen des Söldnerführers Ernst von Mansfeld ab 1622 im Lande ein. Enno III. war auf seinen Sitz in Esens beschränkt und derart geschwächt, dass er nicht einmal verhindern konnte, dass die Mansfelder ihm dort Geld raubten. Die Söldner hielten sich indes vor allem in den ehemaligen [[Norder Umlandgemeinden]] von [[Süderneuland]] und der [[Westermarsch]] schadlos an der Bevölkerung und drangsalierten sie immer wieder mit kaum erfüllbaren Forderungen, obgleich sie selbst kaum genug zum Überleben hatten. Die Geschichte schreibt Enno III. daher ein eher unrühmliches Bild zu. | Nachdem er den Niederländern im Jahre 1611 auch noch die Festung Leerort überlassen hatte, stand Ostfriesland so stark unter niederländischer Herrschaft, dass er sogar die Aufnahme Ostfrieslands in die Niederlande beantragte. Dies scheiterte allerdings an den Landständen. Im Dreißigjährigen Krieg nutzten die Niederländer Ostfriesland als winterlichen Versorgungstützpunkt und quartierten, ohne dass Enno III. etwas dagegen hätte unternehmen können, die gefürchteten Truppen des Söldnerführers Ernst von Mansfeld ab 1622 im Lande ein. Enno III. war auf seinen Sitz in Esens beschränkt und derart geschwächt, dass er nicht einmal verhindern konnte, dass die Mansfelder ihm dort Geld raubten. Die Söldner hielten sich indes vor allem in den ehemaligen [[Norder Umlandgemeinden]] von [[Süderneuland]] und der [[Westermarsch]] schadlos an der Bevölkerung und drangsalierten sie immer wieder mit kaum erfüllbaren Forderungen, obgleich sie selbst kaum genug zum Überleben hatten. Die Geschichte schreibt Enno III. daher ein eher unrühmliches Bild zu. | ||