Ostfriesische Häuptlinge: Unterschied zwischen den Versionen
Die Seite wurde neu angelegt: „Die '''Ostfriesischen Häuptlinge''' (friesisch: ''Hovetlinge'' bzw. ''Hovedlinge'') setzten sich ab dem 14. Jahrhundert als Machthaber entgegen der Prinzipien…“ |
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Die Macht der Häuptlinge stützte sich vor allem auf ihren familiären Besitz. Aus den Steinhäusern entwickelten sich nun Türme und Burgen. Auch steinerne Kirchen wurden als Herrschaftszentrum instrumentalisiert.<ref>Schmidt, Heinrich (1999): Mittelalterliche Kirchengeschichte. In: Oldenburgische Kirchengeschichte, Oldenburg, S. 120ff.</ref> Neben ihrem militärischen Nutzen zeugt der (Aus-)Bau von Burgen auch von einem erstarkenden Standesbewusstsein: Die Häuptlinge rückten sich so in die Nähe des Adels wie er im übrigen Deutschen Reich existierte und verstärkten damit ein weiteres Mal die Kluft zu den Bauern, die nun als Untertanen, betrachtet wurden.<ref>Schmidt, Heinrich (2005): Das östliche Friesland um 1400. Territorialpolitische Strukturen und Bewegungen, Trier, S. 89</ref> Die Häuptlinge konnten es dabei durchaus mit den anderen Adeligen niederen Ranges außerhalb (Ost-)Frieslands aufnehmen, was ihren Reichtum betraf, ihre Freiheit und Unabhängigkeit.<ref>Salomon, Almuth (2004): Führungsschichten im Jeverland, Oldenburg, S. 80</ref> | Die Macht der Häuptlinge stützte sich vor allem auf ihren familiären Besitz. Aus den Steinhäusern entwickelten sich nun Türme und Burgen. Auch steinerne Kirchen wurden als Herrschaftszentrum instrumentalisiert.<ref>Schmidt, Heinrich (1999): Mittelalterliche Kirchengeschichte. In: Oldenburgische Kirchengeschichte, Oldenburg, S. 120ff.</ref> Neben ihrem militärischen Nutzen zeugt der (Aus-)Bau von Burgen auch von einem erstarkenden Standesbewusstsein: Die Häuptlinge rückten sich so in die Nähe des Adels wie er im übrigen Deutschen Reich existierte und verstärkten damit ein weiteres Mal die Kluft zu den Bauern, die nun als Untertanen, betrachtet wurden.<ref>Schmidt, Heinrich (2005): Das östliche Friesland um 1400. Territorialpolitische Strukturen und Bewegungen, Trier, S. 89</ref> Die Häuptlinge konnten es dabei durchaus mit den anderen Adeligen niederen Ranges außerhalb (Ost-)Frieslands aufnehmen, was ihren Reichtum betraf, ihre Freiheit und Unabhängigkeit.<ref>Salomon, Almuth (2004): Führungsschichten im Jeverland, Oldenburg, S. 80</ref> | ||
Neben ihren bisherigen Familiensitzen bzw. Steinhäusern, die sich praktisch ausschließlich im Norder Umland konzentrierten, ließen die Häuptlinge weitere Bauten am [[Marktplatz]] errichten, ohne ihre bisherigen Stammsitze aufzugeben.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 27</ref> So war etwa der [[Engenahof]] ursprünglich im Besitz der [[tom Brook]]. | |||
Steuern blieben unter der Herrschaft der Häuptlinge weiterhin unbekannt, einen großen Teil ihres Lebensunterhalts gewannen sie durch Seeraub und Förderung der Piraterie, vor allem der Vitalienbrüder unter dem berüchtigten Klaus Störtebeker.<ref>Salomon, Almuth (2004): Führungsschichten im Jeverland, Oldenburg, S. 7</ref> Aus der Zusammenarbeit zogen beide Seiten einen Nutzen: Die Vitalienbrüder brachten Kriegserfahrung und Flexibilität mit sich, vor allem aber war ihr Einsatz im Unterschied zu dem gewöhnlicher Söldner enorm günstig, machten sie doch Beute auf eigene Rechnung und verlangten keinen Sold und keine Verpflegung. Die Häuptlinge dagegen boten einen sicheren Unterschlupf vor Verfolgung sowie einen Absatzmarkt für gekaperte Waren – beides grundlegende Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Operationsbasis. Das Fördern der Piraterie blieb selbstredend nicht ohne Folgen und ließ die mächtige Hanse gegen Ostfriesland militärisch intervenieren. 1408 zerstörten beispielsweise Streitkräfte der Hansestadt Hamburg die [[Ennenburg]]. | Steuern blieben unter der Herrschaft der Häuptlinge weiterhin unbekannt, einen großen Teil ihres Lebensunterhalts gewannen sie durch Seeraub und Förderung der Piraterie, vor allem der Vitalienbrüder unter dem berüchtigten Klaus Störtebeker.<ref>Salomon, Almuth (2004): Führungsschichten im Jeverland, Oldenburg, S. 7</ref> Aus der Zusammenarbeit zogen beide Seiten einen Nutzen: Die Vitalienbrüder brachten Kriegserfahrung und Flexibilität mit sich, vor allem aber war ihr Einsatz im Unterschied zu dem gewöhnlicher Söldner enorm günstig, machten sie doch Beute auf eigene Rechnung und verlangten keinen Sold und keine Verpflegung. Die Häuptlinge dagegen boten einen sicheren Unterschlupf vor Verfolgung sowie einen Absatzmarkt für gekaperte Waren – beides grundlegende Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Operationsbasis. Das Fördern der Piraterie blieb selbstredend nicht ohne Folgen und ließ die mächtige Hanse gegen Ostfriesland militärisch intervenieren. 1408 zerstörten beispielsweise Streitkräfte der Hansestadt Hamburg die [[Ennenburg]]. | ||