Sender Osterloog: Unterschied zwischen den Versionen
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Auch der bis 1943 und nach dem Krieg in Osterloog tätige und später in Kiel lebende, frühere Sendetechniker [[Georg Martens]] erinnerte sich, dass deutschsprachige Sendungen mit eingeblendeten englischsprachigen Propagandabeiträgen ausgestrahlt wurden. Aus Tarnungs- und anderen Gründen sei während des Krieges immer wieder die Sendefrequenz gewechselt worden. Man sei zum Beispiel häufig auf die Wellenlängen der fernen Sender Königsberg oder Breslau gegangen. Außerdem wurde jede Stunde eine sogenannte Tastung eingeblendet, die den von Bombenangriffen aus England zurückkehrenden deutschen Flugzeugen als Orientierungshife diente. Und schließlich sei Osterloog auch als Störsender gegen die Londoner BBC eingesetzt worden, indem man dieselbe Frequenz benutzte. In Upgant-Schott befand sich eine entsprechende Empfangsstation.<ref name=":0" /> Ab März 1942 bildete Osterloog zusammen mit den Sendern Hamburg und Langenberg vorübergehend die Norddeutsche Gleichwelle. Das heißt, dass diese drei Sender an unterschiedlichen Standorten auf der gleichen Welle das gleiche Programm ausstrahlten, was in Überschneidungsgebieten die Empfangsqualität stark beeinträchtigte. Es bestand zu diesem Zeitpunkt weitgehend aus einem Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender nach dem Willen des Reichspropagandaministers Joseph Göbbels. Daneben gab es auf Langwelle den in Berlin / Königswusterhausen stationierten Deutschlandsender mit einem eigenen Programm. Ausschließlich für das Ausland bestimmt war der bereits seit Anfang der 1930er Jahre bestehende deutsche Kurzwellensender mit vorwiegend fremdsprachigen Programmen. Ferner gab es unter dem Gesamtbegriff "Concordia" sogenannte "schwarze" Geheimsender an verschiedenen Standorten. Sie entfalteten ihre Aktivitäten auf stets wechselnden Wellenlängen und von fahrbaren Sendern aus.<ref name=":0" /> | Auch der bis 1943 und nach dem Krieg in Osterloog tätige und später in Kiel lebende, frühere Sendetechniker [[Georg Martens]] erinnerte sich, dass deutschsprachige Sendungen mit eingeblendeten englischsprachigen Propagandabeiträgen ausgestrahlt wurden. Aus Tarnungs- und anderen Gründen sei während des Krieges immer wieder die Sendefrequenz gewechselt worden. Man sei zum Beispiel häufig auf die Wellenlängen der fernen Sender Königsberg oder Breslau gegangen. Außerdem wurde jede Stunde eine sogenannte Tastung eingeblendet, die den von Bombenangriffen aus England zurückkehrenden deutschen Flugzeugen als Orientierungshife diente. Und schließlich sei Osterloog auch als Störsender gegen die Londoner BBC eingesetzt worden, indem man dieselbe Frequenz benutzte. In Upgant-Schott befand sich eine entsprechende Empfangsstation.<ref name=":0" /> Ab März 1942 bildete Osterloog zusammen mit den Sendern Hamburg und Langenberg vorübergehend die Norddeutsche Gleichwelle. Das heißt, dass diese drei Sender an unterschiedlichen Standorten auf der gleichen Welle das gleiche Programm ausstrahlten, was in Überschneidungsgebieten die Empfangsqualität stark beeinträchtigte. Es bestand zu diesem Zeitpunkt weitgehend aus einem Einheitsprogramm aller deutschen Reichssender nach dem Willen des Reichspropagandaministers Joseph Göbbels. Daneben gab es auf Langwelle den in Berlin / Königswusterhausen stationierten Deutschlandsender mit einem eigenen Programm. Ausschließlich für das Ausland bestimmt war der bereits seit Anfang der 1930er Jahre bestehende deutsche Kurzwellensender mit vorwiegend fremdsprachigen Programmen. Ferner gab es unter dem Gesamtbegriff "Concordia" sogenannte "schwarze" Geheimsender an verschiedenen Standorten. Sie entfalteten ihre Aktivitäten auf stets wechselnden Wellenlängen und von fahrbaren Sendern aus.<ref name=":0" /> | ||
Einige Monate vor Kriegsende kam es immer häufiger zu Unterbrechungen in den Rundfunkleitungen zwischen Berlin, Hamburg und Osterloog. Daher richteten die verantwortlichen Stellen im Herbst 1944 in der Verstärkerstelle in Apen (Gemeinde Uplengen), an der Bahnlinie zwischen Leer und Oldenburg, ein provisorisches Studio ein. Durch die sich immer weiter nördlich ziehende Frontlinie musste der Standort nach Wilhelmshaven verlegt werden. Von hier aus strahlte Osterloog am 5. Mai | Durch den fortwährenden Krieg und der vermehrten Luftangriffe alliierter Bomber werden weitere Geschützstellungen und Schutzlöcher gegraben. Hierbei kommen sogar Bürger aus Varel und Bremen-Vegesack zum Einsatz, jeweils 30 Mann, die in der [[Osterlooger Schule]] einquartiert werden.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 66</ref> | ||
Einige Monate vor Kriegsende kam es immer häufiger zu Unterbrechungen in den Rundfunkleitungen zwischen Berlin, Hamburg und Osterloog. Daher richteten die verantwortlichen Stellen im Herbst 1944 in der Verstärkerstelle in Apen (Gemeinde Uplengen), an der Bahnlinie zwischen Leer und Oldenburg, ein provisorisches Studio ein. Durch die sich immer weiter nördlich ziehende Frontlinie musste der Standort nach Wilhelmshaven verlegt werden. Von hier aus strahlte Osterloog am 5. Mai 1945 die letzte "Reichssendung" aus, danach erhielt die Sendeanlage aus diesem Studioi die Anweisung, den Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen und die Anlage abzuschalten. Ein inzwischen auch in Osterloog eingerichtetes Studio ging nicht mehr in Betrieb.<ref name=":0" /> | |||
Anfang April 1945 hatte die Wehrmacht bei den Funkstellen von [[Norddeich Radio]] in [[Utlandshörn]] und [[Osterloog]] rund eine Tonne Sprengstoff gelagert, um die Stationen rechtzeitig vor der Einnahme durch den Feind zerstören zu können. Dies berichtete [[Heinz Frömming]], der ehemalige Betriebsleiter von Norddeich Radio in den Jahren 1975 bis 1981, in einer Dokumentation. Weil jedoch die Sprengkraft der Ladung wegen der andauernden alliierten Luftangriffe eine ständige Gefahr für das Personal bildete, wurde die Munition auf Drängen der Betriebsleitung in das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Marinelager Tidofeld]] transportiert. Hier explodierte der Sprengstoff kurz nach Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten und richtete große Schäden an.<ref name=":0" /> Die Sendestelle Osterloog wurde jedoch vermutlich auch deshalb nie direktes Ziel alliierter Luftangriffe, da der Sender unbeabsichtigt den Verkehr der deutschen Schiffe verriet: Die Briten fingen die von hier gesendeten Funksignale ab.<ref name=":1">[https://www.vde.com/de/geschichte/karte/niedersachsen/norddeich-radio--sender-osterloog- Geschichte von Norddeich Radio, Sender Osterloog], abgerufen am 6. April 2021</ref> | Anfang April 1945 hatte die Wehrmacht bei den Funkstellen von [[Norddeich Radio]] in [[Utlandshörn]] und [[Osterloog]] rund eine Tonne Sprengstoff gelagert, um die Stationen rechtzeitig vor der Einnahme durch den Feind zerstören zu können. Dies berichtete [[Heinz Frömming]], der ehemalige Betriebsleiter von Norddeich Radio in den Jahren 1975 bis 1981, in einer Dokumentation. Weil jedoch die Sprengkraft der Ladung wegen der andauernden alliierten Luftangriffe eine ständige Gefahr für das Personal bildete, wurde die Munition auf Drängen der Betriebsleitung in das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Marinelager Tidofeld]] transportiert. Hier explodierte der Sprengstoff kurz nach Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten und richtete große Schäden an.<ref name=":0" /> Die Sendestelle Osterloog wurde jedoch vermutlich auch deshalb nie direktes Ziel alliierter Luftangriffe, da der Sender unbeabsichtigt den Verkehr der deutschen Schiffe verriet: Die Briten fingen die von hier gesendeten Funksignale ab.<ref name=":1">[https://www.vde.com/de/geschichte/karte/niedersachsen/norddeich-radio--sender-osterloog- Geschichte von Norddeich Radio, Sender Osterloog], abgerufen am 6. April 2021</ref> | ||