Norder Fehngesellschaft: Unterschied zwischen den Versionen
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In einem 1794 geschlossenen Vertrag verpachtete der Nachfolger von Friedrich dem Großen, Friedrich Wilhelm II., die Moorflächen auf dem Gebiet des heutigen Berumerfehns an die Fehngesellschaft. Um die genauen Grenzen dieses Gebietes kam es zu einem langen Rechtsstreit, der erst 1875 mit einem Vergleich endete. Der preußische Staat hatte die umstrittenen Wilden inzwischen anderweitig vergeben, so dass die Norder Fehngesellschaft zum Ausgleich den etwa 37.500 ha großen "Königskeil" sowie eine in der Nähe liegende sogenannte Vergrößerungsfläche ersatzweise erhielt. Diese Fläche musste die Gesellschaft 1920 wegen neuer Gesetze in der Weimarer Zeit an den Staat verkaufen, der sie danach an die Ackerbaugesellschaft in Berlin zum Torfabbau verpachtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gebiet in den Besitz des Landes Niedersachsen über. Hier wurde noch bis 2013 Torfabbau durch ein Auricher Unternehmen betrieben. | In einem 1794 geschlossenen Vertrag verpachtete der Nachfolger von Friedrich dem Großen, Friedrich Wilhelm II., die Moorflächen auf dem Gebiet des heutigen Berumerfehns an die Fehngesellschaft. Um die genauen Grenzen dieses Gebietes kam es zu einem langen Rechtsstreit, der erst 1875 mit einem Vergleich endete. Der preußische Staat hatte die umstrittenen Wilden inzwischen anderweitig vergeben, so dass die Norder Fehngesellschaft zum Ausgleich den etwa 37.500 ha großen "Königskeil" sowie eine in der Nähe liegende sogenannte Vergrößerungsfläche ersatzweise erhielt. Diese Fläche musste die Gesellschaft 1920 wegen neuer Gesetze in der Weimarer Zeit an den Staat verkaufen, der sie danach an die Ackerbaugesellschaft in Berlin zum Torfabbau verpachtete. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gebiet in den Besitz des Landes Niedersachsen über. Hier wurde noch bis 2013 Torfabbau durch ein Auricher Unternehmen betrieben. | ||
1796/1797 wurde der erste Torf im [[Norder Hafen]] angelandet, in umgekehrter Richtung wurde vor allem Dünger (Seeschlick, Kleierde, Straßenkot und Brennereiabfälle) transportiert. Die Kosten des Kanals betrugen 27.314 Reichsthaler, hinzu kamen Entwässerungsgräben, Brücken, Schleusen, Wege, Torfschiffe, Entschädigungen für Ländereien. Gebaut wurde der Kanal vor allem von Arbeitern aus dem Oldenburger Raum, da die Bürger Halbemonds, durch dessen Gebiet der Kanal in großen Teilen fließt, die entstehende Konkurrenz fürchteten und den Bau zu boykottieren versuchten. | 1796/1797 wurde der erste Torf im [[Norder Hafen]] angelandet, in umgekehrter Richtung wurde vor allem Dünger (Seeschlick, Kleierde, Straßenkot und Brennereiabfälle) transportiert. Die Kosten des Kanals betrugen 27.314 Reichsthaler, hinzu kamen Entwässerungsgräben, Brücken, Schleusen, Wege, Torfschiffe, Entschädigungen für Ländereien. Gebaut wurde der Kanal vor allem von Arbeitern aus dem Oldenburger Raum, da die Bürger Halbemonds, durch dessen Gebiet der Kanal in großen Teilen fließt, die entstehende Konkurrenz fürchteten und den Bau zu boykottieren versuchten. Auch Halbemond war damals noch Moorgebiet. | ||
Unter der Regie von Direktor [[Sicco Theodor van Hülst]] entstand 1894 im Berumerfehner Wald das große Denkmal mit den Namen der bis dahin tätigen Direktoren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand die Amtszeit von van Hülst jedoch unter keinem günstigen Stern. Die in den Geschäftsberichten der Fehngesellschaft immer wieder genannte Nässe des Bodens aufgrund ungünstiger Witterungsverhältnisse beeinträchtigten die Torfgewinnung und die Erträge erheblich. Obwohl es vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges damit wieder aufwärts ging, belastete eine hohe Verschuldung die wirtschaftliche Lage auch weiterhin. Die Gesellschaft musste nicht nur die gesetzlich vorgeschriebene Ablösung der staatlichen Erbpacht auf sich nehmen, sondern beteiligte sich mit hohen finanziellen Aufwendungen auch am Chausseebau und an der Unterhaltung der Wege, Brücken und Schleusen in Berumerfehn. Manche Interessenten lasteten die Negativ-Bilanz ihrem Direktor an.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | |||
Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Die Norder Fehngesellschaft löste sich daraufhin mit dem einsetzenden Zweiten Weltkrieg auf. Als einer der ersten erkannte [[Popke Fegter|Direktor Fegter]] die Zeichen der Zeit, wenngleich er 1933 noch mit Stolz (und zu Recht) behauptete, dass die Fehngesellschaft der größte Arbeitgeber auf dem Lande sei.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Fegter_Popke.pdf Ramm, Heinz (1997): Biographie des Popke Fegter], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | Der Torftransport über den Fehnkanal kam erst Ende der 1930er zum Erliegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde immer weniger Torf als Brennmaterial ersetzt, da Kohle, die über bessere Brenneigenschaften verfügte, immer leichter und günstiger verfügbar wurde. Auch gewannen Lastkraftwagen immer mehr zum Warentransport an Bedeutung. Die Norder Fehngesellschaft löste sich daraufhin mit dem einsetzenden Zweiten Weltkrieg auf. Als einer der ersten erkannte [[Popke Fegter|Direktor Fegter]] die Zeichen der Zeit, wenngleich er 1933 noch mit Stolz (und zu Recht) behauptete, dass die Fehngesellschaft der größte Arbeitgeber auf dem Lande sei.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Fegter_Popke.pdf Ramm, Heinz (1997): Biographie des Popke Fegter], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | ||