Weinhaus: Unterschied zwischen den Versionen
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Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. 1539 berichtet Ernst Friedrichs [[von Wicht]] von einem Unfall am Weinhaus ("ante oenopolium"). Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben. 1613 verleiht [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] das Privileg, dass alle "Kertz-Käuffe und Commissiones, Actus und Verrichtungen", wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als im Weinhaus abgehalten werden sollten.<ref name=":0" /> Dies implizierte auch die öffentlichen Versteigerungen, deren Erlös ab 1630 durch Verordnung von [[Ulrich II. Cirksena]] dem 1567 gegründeten und 1631 nach ihm zum Dank benannten [[Ulrichsgymnasium]] zuteil wurde. Der Begriff "Kertz-Käuffe" rührt daher, dass zu Beginn der Versteigerungen eine Kerze angezündet wurde.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 21</ref> | Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. 1539 berichtet Ernst Friedrichs [[von Wicht]] von einem Unfall am Weinhaus ("ante oenopolium"). Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben. 1613 verleiht [[Enno III. Cirksena|Graf Enno III.]] das Privileg, dass alle "Kertz-Käuffe und Commissiones, Actus und Verrichtungen", wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als im Weinhaus abgehalten werden sollten.<ref name=":0" /> Dies implizierte auch die öffentlichen Versteigerungen, deren Erlös ab 1630 durch Verordnung von [[Ulrich II. Cirksena]] dem 1567 gegründeten und 1631 nach ihm zum Dank benannten [[Ulrichsgymnasium]] zuteil wurde. Der Begriff "Kertz-Käuffe" rührt daher, dass zu Beginn der Versteigerungen eine Kerze angezündet wurde.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 21</ref> | ||
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) und des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) diente der Saal des Weinhauses als Unterrichtsraum für Schüler des Gymnasiums. Ferner sollen vor 1751 bis zu 20 minderbemittelte (= wenig vermögende) Kinder in einem Anbau des Weinhauses untergebracht worden sein, was auf einen entsprechenden Erlass von Ulrich II. zurückging, wonach notdürftigen Kindern sowohl ein Mittagessen als auch eine Unterkunft gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden sollte.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 19</ref> | |||
Auch war das Weinhaus im 16. Jahrhundert Versammlungsort der Theelacht. 1816 wird das Privileg der öffentlichen Verkäufe und Verheuerungen von der hannoverschen Regierung abgelehnt. 1919 wird ein Hotelbetrieb im Weinhaus genehmigt, aber schon einige Jahre später wieder aufgegeben. Das Weinhaus wird umgebaut und das Finanzamt fand dort seine Bleibe. 1992 enthält es Dienststellen der ev.-luth. Kirche und der Kriminalpolizei.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 104-108</ref> | Auch war das Weinhaus im 16. Jahrhundert Versammlungsort der Theelacht. 1816 wird das Privileg der öffentlichen Verkäufe und Verheuerungen von der hannoverschen Regierung abgelehnt. 1919 wird ein Hotelbetrieb im Weinhaus genehmigt, aber schon einige Jahre später wieder aufgegeben. Das Weinhaus wird umgebaut und das Finanzamt fand dort seine Bleibe. 1992 enthält es Dienststellen der ev.-luth. Kirche und der Kriminalpolizei.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (1994): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 104-108</ref> | ||
Version vom 15. April 2021, 12:02 Uhr
Weinhaus | ||||||||
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| Basisdaten | ||||||||
| Entstehungszeit | vor 1539 | |||||||
| Erbauer | Ludgerigemeinde Norden | |||||||
| Bauweise | Ziegelsteinbau | |||||||
| Erhaltungszustand | erhalten | |||||||
| Genaue Lage | Am Markt 38
26506 Norden | |||||||
Das Weinhaus ist eine ehemalige Gaststätte am Norder Marktplatz. Nach einer Nutzung durch das Finanzamt ging das Gebäude Anfang der 1980er Jahre in die Nutzung der Polizei über, die bis heute Nutzer des Gebäudes ist.
Geschichte
Ursprünglich war das Weinhaus im Besitz der Kirche, die wohl auch Erbauer des Gebäudes ist. 1539 berichtet Ernst Friedrichs von Wicht von einem Unfall am Weinhaus ("ante oenopolium"). Eine Schank- und Gastwirtschaft wird hier zu dieser Zeit bereits betrieben. 1613 verleiht Graf Enno III. das Privileg, dass alle "Kertz-Käuffe und Commissiones, Actus und Verrichtungen", wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als im Weinhaus abgehalten werden sollten.[1] Dies implizierte auch die öffentlichen Versteigerungen, deren Erlös ab 1630 durch Verordnung von Ulrich II. Cirksena dem 1567 gegründeten und 1631 nach ihm zum Dank benannten Ulrichsgymnasium zuteil wurde. Der Begriff "Kertz-Käuffe" rührt daher, dass zu Beginn der Versteigerungen eine Kerze angezündet wurde.[2]
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) und des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) diente der Saal des Weinhauses als Unterrichtsraum für Schüler des Gymnasiums. Ferner sollen vor 1751 bis zu 20 minderbemittelte (= wenig vermögende) Kinder in einem Anbau des Weinhauses untergebracht worden sein, was auf einen entsprechenden Erlass von Ulrich II. zurückging, wonach notdürftigen Kindern sowohl ein Mittagessen als auch eine Unterkunft gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden sollte.[3]
Auch war das Weinhaus im 16. Jahrhundert Versammlungsort der Theelacht. 1816 wird das Privileg der öffentlichen Verkäufe und Verheuerungen von der hannoverschen Regierung abgelehnt. 1919 wird ein Hotelbetrieb im Weinhaus genehmigt, aber schon einige Jahre später wieder aufgegeben. Das Weinhaus wird umgebaut und das Finanzamt fand dort seine Bleibe. 1992 enthält es Dienststellen der ev.-luth. Kirche und der Kriminalpolizei.[1]
Heute trägt ein Hotel in der Golfstraße ebenfalls diesen Namen. Es steht jedoch in keinem Zusammenhang mit dem ursprünglichen Weinhaus.