Steinbömer & Lubinus: Unterschied zwischen den Versionen
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"Der Konsul", wie der energische Arend Wilhelm in Norden aufgrund seiner Tätigkeit als Konsul in Großbritannien genannt wurde, hatte neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer mehrere öffentliche Ehrenämter inne, so war er im Revolutionsjahr 1848 Kommandant der [[Norder Bürgerwehr]], er saß als Bürgervorsteher im [[Stadtrat]], er leitete die [[Mobiliar-Feuerversicherungsanstalt]] und vertrat seine Vaterstadt bei der Ostfriesischen Landschaftsversammlung in Aurich. Außerdem kämpfte er bei den Landesbehörden dafür, die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Eisenbahnlinie]] 1856 über Emden hinaus bis nach Norden zu verlängern, um so einen besseren Anschluß an das Binnenland und günstigere Absatzmöglichkeiten für den Norder Handel zu bekommen. Norden erhielt diesen notwendigen Bahnanschluß schließlich 1883; die Bauarbeiten dafür waren gleichzeitig eine dringend notwendige Maßnahme, die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu mildern. | "Der Konsul", wie der energische Arend Wilhelm in Norden aufgrund seiner Tätigkeit als Konsul in Großbritannien genannt wurde, hatte neben seiner erfolgreichen Tätigkeit als Unternehmer mehrere öffentliche Ehrenämter inne, so war er im Revolutionsjahr 1848 Kommandant der [[Norder Bürgerwehr]], er saß als Bürgervorsteher im [[Stadtrat]], er leitete die [[Mobiliar-Feuerversicherungsanstalt]] und vertrat seine Vaterstadt bei der Ostfriesischen Landschaftsversammlung in Aurich. Außerdem kämpfte er bei den Landesbehörden dafür, die [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Eisenbahnlinie]] 1856 über Emden hinaus bis nach Norden zu verlängern, um so einen besseren Anschluß an das Binnenland und günstigere Absatzmöglichkeiten für den Norder Handel zu bekommen. Norden erhielt diesen notwendigen Bahnanschluß schließlich 1883; die Bauarbeiten dafür waren gleichzeitig eine dringend notwendige Maßnahme, die damalige hohe Arbeitslosigkeit zu mildern. | ||
Auf Steinbömers Initiative hin stattete König Georg V. von Hannover der Stadt Norden am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab, ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der Konsul die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände bewirkten jedoch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, | Auf Steinbömers Initiative hin stattete König Georg V. von Hannover der Stadt Norden am 9. September 1857 einen offiziellen Besuch ab, ein festliches Ereignis, das den kleinstädtischen Alltag lange überstrahlte. Der blinde König pflegte im Staatsbad Norderney seinen Sommerurlaub zu verbringen und auch gelegentlich auf dem Wege dorthin im Hause Steinbömer für eine Tasse Tee Halt zu machen. Zweifellos hatte der Konsul die Firma zu ihrer größten Ausdehnung und Anerkennung und zu höchstem wirtschaftlichen Erfolg geführt. Die Wirtschaftsrezession und politische Umstände bewirkten jedoch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, dass sich eine unternehmerische Krise entwickelte, an deren Ende 1883/84 der Firmenkonkurs stand. Auch der 1869 in die Firma gekommende, in Bremen kaufmännisch ausgebildete [[Peter Friedrich Lubinius (1845)|Peter Friedrich Lubinius]], konnte das Unheil nicht abwenden.<ref>Schuh, Friedrich (1997): Ostfriesische Landschaft. Geschichte der Familie Lubinius, Aurich ([https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Lubinus_fam.pdf Link])</ref> Hilfe wurde Steinbömer & Lubinus in dieser Situation dadurch zuteil, dass der Norder Brennereibesitzer [[Jan ten Doornkaat Koolman (1815)|Jan ten Doornkaat Koolman]] die ganze Firma vorübergehend aufkaufte und zu äußerst günstigen Bedingungen an Steinbömer zurückverkaufte; die Produktion konnte damit fortgeführt werden. | ||
1875 ging die Unternehmesführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Sein Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien. Als Arend Wilhelm, mittlerweile Geschäftsführer, 1904 völlig unerwartet starb, musste sein Vater, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, mit seinen 66 Jahren erneut die Firmenleitung übernehmen. Dazu war er jedoch zu unbeweglich und nicht mehr genügend vertraut mit zeitgemäßer Unternehmensführung, die z.B. Produktwerbung und Maschineneinsatz erforderte. Die Fabrik veraltete, die Umsätze gingen zusehends zurück. | 1875 ging die Unternehmesführung in die vierte Steinbömer-Generation über und lag nun bei [[Justus Friedrich Steinbömer (1838)|Justus Friedrich Steinbömer IV.]], der die Tradition der Namensgebung, nachdem der erstgeborene Sohn stets diesen Namen erhält, fortführte. Sein Sohn, der ebenfalls [[Arend Wilhelm Steinbömer (1864)|Arend Wilhelm]] hieß, war seit 1889 als Prokurist in der Firma tätig. Die Fabrikation kam wieder in Gang, auf der Ostfriesischen Ausstellung für Landwirtschaft und Gewerbe im Jahre 1894 erhielten Steinbömers für ihre Rauch- und Kautabakprodukte sogar die Goldmedaille zuerkannt. Während dieser Zeit verarbeitete das Unternehmen auch Tabak aus den deutschen Kolonien. Als Arend Wilhelm, mittlerweile Geschäftsführer, 1904 völlig unerwartet starb, musste sein Vater, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hatte, mit seinen 66 Jahren erneut die Firmenleitung übernehmen. Dazu war er jedoch zu unbeweglich und nicht mehr genügend vertraut mit zeitgemäßer Unternehmensführung, die z.B. Produktwerbung und Maschineneinsatz erforderte. Die Fabrik veraltete, die Umsätze gingen zusehends zurück. | ||