Steinbömer & Lubinus: Unterschied zwischen den Versionen
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"Steinbömer & Lubinus" wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Das Bürgerrecht in Norden erwarben die beiden Firmengründer 1770. Nach heutigen Maßstäben mag es ungewöhnlich klingen, dass ein gebürtiger Norder sich diese Rechte erst erwerben muss, wo es heute doch selbstverständlich ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war aber nicht jeder automatisch von Geburt an "Bürger". Vielmehr war dieser Status ein Privileg, das an gewisse Voraussetzungen gebunden war. Wichtigstes Kriterium waren das Vorhandensein von Hausbesitz und Eigentum in der Stadt. | "Steinbömer & Lubinus" wurde 1769 von den beiden Pastorensöhnen [[Justus Friedrich Steinbömer (1740)|Justus Friedrich Steinbömer]] und [[Johann Heinrich Lubinus]] in Norden gegründet. Während die Vorfahren von Lubinus bereits seit mehreren Generationen in Ostfriesland als Pastoren ansässig waren, stammte Steinbömer aus Westfalen, wo seine Vorfahren Kaufleute, Leineweber und Pfarrer waren. Das Bürgerrecht in Norden erwarben die beiden Firmengründer 1770. Nach heutigen Maßstäben mag es ungewöhnlich klingen, dass ein gebürtiger Norder sich diese Rechte erst erwerben muss, wo es heute doch selbstverständlich ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war aber nicht jeder automatisch von Geburt an "Bürger". Vielmehr war dieser Status ein Privileg, das an gewisse Voraussetzungen gebunden war. Wichtigstes Kriterium waren das Vorhandensein von Hausbesitz und Eigentum in der Stadt. | ||
1771 erwarben sie ein stattliches Anwesen am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] 7, das zunächst von beiden Familien gemeinsam bewohnt wurde, später dann der alleinige Familiensitz der Steinbömers war. Die Firma entwickelte sich hervorragend. Steinbömer wurde als Mitglied in die [[Krämergilde]] aufgenommem, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. | 1771 erwarben sie ein stattliches Anwesen am [[Neuer Weg|Neuen Weg]] 7, das zunächst von beiden Familien gemeinsam bewohnt wurde, später dann der alleinige Familiensitz der Steinbömers war. Die Firma entwickelte sich hervorragend, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen war, dass der [[Norder Hafen]] noch direkten Zugang zur Nordsee hatte und dass das 1766 eingeführte Tabakmonopol nicht für Ostfriesland galt. Steinbömer wurde als Mitglied in die [[Krämergilde]] aufgenommem, wodurch ihm der Verkauf von Tabak (und anderer Handelsartikel) auch im eigenen Ladengeschäft möglich war; weiterhin hatte er als angesehener Bürger in Norden mehrere kommunale Ehrenämter inne. | ||
Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Steinbömer zusammen mit dem Mitgesellschafter [[Peter Fiedrich Lubinus]] und nach dessen Tod allein, die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Die Fabrik zählte 1832 zu den größten zehn im Königreich Hannover und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland. | Nach seinem Tode 1809 übernahm der [[Justus Friedrich Steinbömer (1777)|gleichnamige Sohn]] von Steinbömer zusammen mit dem Mitgesellschafter [[Peter Fiedrich Lubinus]] und nach dessen Tod allein, die Firmenleitung, welche er 45 Jahre inne hatte. Neben der Produktion von Tabak wurde bald auch Seife und Kerzen hergestellt. Die Fabrik zählte 1832 zu den größten zehn im Königreich Hannover und war die größte von den 41 Tabakfabriken in Ostfriesland. | ||
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Als er 1916 starb, war niemand mehr aus der Familie da, der die Firma aus der Krise hätte herausholen und weiterführen können. Der sich immer weiter verschärfende Erste Weltkrieg erschwerte die Situation zusätzlich. Sein Enkel und Hoffnungsträger, der auch Justus Friedrich hieß, war als Kriegsfreiwilliger in Belgien gefallen. Damit war in Norden nach sechs Generationen die Familie Steinbömer im Mannesstamm erloschen. Die Firma ging 1917 in den Besitz des Kaufmanns und Teefabrikanten Onno Behrends über, der sie aus dem Nachlass erwarb. | Als er 1916 starb, war niemand mehr aus der Familie da, der die Firma aus der Krise hätte herausholen und weiterführen können. Der sich immer weiter verschärfende Erste Weltkrieg erschwerte die Situation zusätzlich. Sein Enkel und Hoffnungsträger, der auch Justus Friedrich hieß, war als Kriegsfreiwilliger in Belgien gefallen. Damit war in Norden nach sechs Generationen die Familie Steinbömer im Mannesstamm erloschen. Die Firma ging 1917 in den Besitz des Kaufmanns und Teefabrikanten Onno Behrends über, der sie aus dem Nachlass erwarb. | ||
1969 wurde eine Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma veröffentlicht, doch schon vier Jahre später endete die Geschichte der Firma. Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Norder ist | Mit wechselndem Erfolg überstand Steinbömer & Lubinus die politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. 1969 wurde eine Festschrift anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Firma veröffentlicht, doch schon vier Jahre später endete die Geschichte der Firma. Gegen die Konkurrenz der internationalen Tabakkonzerne hatte das kleine Unternehmen keine Chance mehr. 1972 wurde die Fabrik aufgelöst. Marke und Name gingen an die "Manufacture de Tabacs Heintz van Landewyk" in Luxemburg. Aus dem öffentlichen Bewusstsein der Norder ist das historische Traditionsunternehmen seitdem weitestgehend verschwunden. | ||
==Produkte== | |||
1924 - 1940: "Norder Vogel" (Naturreine, helle Spezialmischung von Feinschnitt-Tabak aus dem Orient) | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||