Norder Disputation: Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| Zeile 4: | Zeile 4: | ||
Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, womit er die Reformation einläutete. Schon 1519 soll er einen Mönch namens Stephani nach Norden geschickt haben, um hier im [[Kloster Marienthal|Benediktiner-]] und [[Kloster Norden|Dominikanerkloster]] seine Lehren zu verbreiten.<ref name=":0">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8f.</ref> Die Thesen fanden auch Anklang [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]], damals Graf von Ostfriesland.<ref>Tielke, Martin: Enno II. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaft, Aurich</ref> | Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg, womit er die Reformation einläutete. Schon 1519 soll er einen Mönch namens Stephani nach Norden geschickt haben, um hier im [[Kloster Marienthal|Benediktiner-]] und [[Kloster Norden|Dominikanerkloster]] seine Lehren zu verbreiten.<ref name=":0">Foraita, Heinz (1985): Dein sind die Zeiten, Herr. Die Geschichte der Katholischen Gemeinde Norden. Herausgegeben zur 100-Jahr-Feier der St.-Ludgerus-Kirche zu Norden, Norden, S. 8f.</ref> Die Thesen fanden auch Anklang [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]], damals Graf von Ostfriesland.<ref>Tielke, Martin: Enno II. In: Biographisches Lexikon für Ostfriesland. Ostfriesische Landschaft, Aurich</ref> | ||
Zum 1. Januar 1527 lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das Dominikanerkloster am [[Fräuleinshof]] ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des Klosters Marienthal.<ref name=":1">Smid, Menno (1974): Ostfriesische Kirchengeschichte, Weener, S. 128f.</ref> | Zum 1. Januar 1527 lud der Dominikanermönch [[Hinrich Reese]] überregional zu einer Disputation über seine reformatorischen Thesen in das [[Kloster Norden|Dominikanerkloster]] am [[Fräuleinshof]] ein. Nach Angaben des ostfriesischen Geschichtsschreibers Eggerik Beninga kamen nahezu alle Geladenen, darunter auch [[Gerardus Synellius]], Abt des Klosters Marienthal.<ref name=":1">Smid, Menno (1974): Ostfriesische Kirchengeschichte, Weener, S. 128f.</ref> | ||
Reese bestieg, mit der Kutte bekleidet, die Kanzel der Klosterkirche und - nachdem er ein Gebet zu Gott gesprochen hatte - verlas er mit deutlicher Stimme die von ihm aufgestellten 22 Thesen, die er sodann der Disputation übergab. Nach langem Schweigen meldete sich schließlich Synellius zu Wort. Er war der einzige, der begann, das Papsttum und den alten (katholischen) Glauben zu verteidigen. Er versuchte, die Thesen zu widerlegen, doch konnte ihm Reese so geschickt antworten, dass er die Disputation zu seinem Gunste zu Ende bringen konnte. Synellius, deutlich schlechter als Reese vorbereitet, musste sich seine Niederlage selbst eingestehen.<ref name=":0" /> Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":1" /> [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb später, dass Synellius und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten.<ref>Lübbing, Hermann (1926): Das Dominikanerkloster zu Norden in Ostfriesland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 269ff.</ref> | Reese bestieg, mit der Kutte bekleidet, die Kanzel der Klosterkirche und - nachdem er ein Gebet zu Gott gesprochen hatte - verlas er mit deutlicher Stimme die von ihm aufgestellten 22 Thesen, die er sodann der Disputation übergab. Nach langem Schweigen meldete sich schließlich Synellius zu Wort. Er war der einzige, der begann, das Papsttum und den alten (katholischen) Glauben zu verteidigen. Er versuchte, die Thesen zu widerlegen, doch konnte ihm Reese so geschickt antworten, dass er die Disputation zu seinem Gunste zu Ende bringen konnte. Synellius, deutlich schlechter als Reese vorbereitet, musste sich seine Niederlage selbst eingestehen.<ref name=":0" /> Am Ende der Versammlung zog Reese seine Mönchskutte demonstrativ aus und bekräftige so seinen Bruch mit der katholischen Kirche auch symbolisch.<ref name=":1" /> [[Hysse van Ewsum]], Priorin des Marienthaler Klosters, schrieb später, dass Synellius und die wenigen verbliebenen glaubenstreuen Katholiken wüste Beschimpfungen über sich ergehen lassen mussten.<ref>Lübbing, Hermann (1926): Das Dominikanerkloster zu Norden in Ostfriesland. In: Jahrbuch der Gesellschaft für Bildende Kunst und Vaterländische Altertümer zu Emden, Emden, S. 269ff.</ref> | ||