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==Geschichte==
==Geschichte==
===bis Mai 1945===
Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg beauftragte die nationalsozialistische Regierung die Reichspost mit dem Aufbau einer Sendestelle in Deichnähe. Hierfür erwarb die Reichspost 1937 ein 23 Hektor großes Gelände in [[Osterloog]]. Ein Jahr später wurde mit den Bauarbeiten für das Hauptgebäude, den Quertrakt, das Maschinenhaus und die Richtstrahlantennen begonnen. Im Sommer 1939 waren die Arbeiten beendet. Unter dem Namen "Bremen" wurde der tatsächliche Sendeort vor dem Feind verschleiert. Auch die Öffentlichkeit wurde in Unkenntnis über die Einrichtung gehalten. Ende November 1939 erschien im [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]] eine kurze, verschlüsselte Mitteilung, in der es hieß, dass seit dem 24. November ein "neuer Sender Bremen" in Betrieb genommen wurde und dieser unter der Mittelwellenfrequenz 395,8 zu empfangen sei. Der bisherige Sender Bremen (damals ein Nebensender des sogenannten "Reichssenders Hamburg") habe deshalb seinen Namen geändert und sei in "Unterweser" umbenannt worden.<ref name=":0">[http://www.rundfunk-nostalgie.de/sendero.html Geschichte der Sendestation Osterloog] auf Rundfunk-Nostalige.de, abgerufen am 5. April 2021</ref>
Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen für den Zweiten Weltkrieg beauftragte die nationalsozialistische Regierung die Reichspost mit dem Aufbau einer Sendestelle in Deichnähe. Hierfür erwarb die Reichspost 1937 ein 23 Hektor großes Gelände in [[Osterloog]]. Ein Jahr später wurde mit den Bauarbeiten für das Hauptgebäude, den Quertrakt, das Maschinenhaus und die Richtstrahlantennen begonnen. Im Sommer 1939 waren die Arbeiten beendet. Unter dem Namen "Bremen" wurde der tatsächliche Sendeort vor dem Feind verschleiert. Auch die Öffentlichkeit wurde in Unkenntnis über die Einrichtung gehalten. Ende November 1939 erschien im [[Ostfriesischer Kurier|Ostfriesischen Kurier]] eine kurze, verschlüsselte Mitteilung, in der es hieß, dass seit dem 24. November ein "neuer Sender Bremen" in Betrieb genommen wurde und dieser unter der Mittelwellenfrequenz 395,8 zu empfangen sei. Der bisherige Sender Bremen (damals ein Nebensender des sogenannten "Reichssenders Hamburg") habe deshalb seinen Namen geändert und sei in "Unterweser" umbenannt worden.<ref name=":0">[http://www.rundfunk-nostalgie.de/sendero.html Geschichte der Sendestation Osterloog] auf Rundfunk-Nostalige.de, abgerufen am 5. April 2021</ref>


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Einige Monate vor Kriegsende kam es immer häufiger zu Unterbrechungen in den Rundfunkleitungen zwischen Berlin, Hamburg und Osterloog. Daher richteten die verantwortlichen Stellen im Herbst 1944 in der Verstärkerstelle in Apen (Gemeinde Uplengen), an der Bahnlinie zwischen Leer und Oldenburg, ein provisorisches Studio ein. Durch die sich immer weiter nördlich ziehende Frontlinie musste der Standort nach Wilhelmshaven verlegt werden. Von hier aus strahlte Osterloog am 5. Mai 19495 die letzte "Reichssendung" aus, danach erhielt die Sendeanlage aus diesem Studioi die Anweisung, den Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen und die Anlage abzuschalten. Ein inzwischen auch in Osterloog eingerichtetes Studio ging nicht mehr in Betrieb.<ref name=":0" />
Einige Monate vor Kriegsende kam es immer häufiger zu Unterbrechungen in den Rundfunkleitungen zwischen Berlin, Hamburg und Osterloog. Daher richteten die verantwortlichen Stellen im Herbst 1944 in der Verstärkerstelle in Apen (Gemeinde Uplengen), an der Bahnlinie zwischen Leer und Oldenburg, ein provisorisches Studio ein. Durch die sich immer weiter nördlich ziehende Frontlinie musste der Standort nach Wilhelmshaven verlegt werden. Von hier aus strahlte Osterloog am 5. Mai 19495 die letzte "Reichssendung" aus, danach erhielt die Sendeanlage aus diesem Studioi die Anweisung, den Betrieb um 20:20 Uhr einzustellen und die Anlage abzuschalten. Ein inzwischen auch in Osterloog eingerichtetes Studio ging nicht mehr in Betrieb.<ref name=":0" />


Anfang April 1945 hatte die Wehrmacht bei den Funkstellen von [[Norddeich Radio]] in [[Utlandshörn]] und [[Osterloog]] rund eine Tonne Sprengstoff gelagert, um die Stationen rechtzeitig vor der Einnahme durch den Feind zerstören zu können. Dies berichtete Heinz Frömming, der ehemalige Betriebsleiter von Norddeich Radio in den Jahren 1975 bis 1981, in einer Dokumentation. Weil jedoch die Sprengkraft der Ladung wegen der andauernden alliierten Luftangriffe eine ständige Gefahr für das Personal bildete, wurde die Munition auf Drängen der Betriebsleitung in das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Marinelager Tidofeld]] transportiert. Hier explodierte der Sprengstoff kurz nach Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten und richtete große Schäden an.<ref name=":0" />
Anfang April 1945 hatte die Wehrmacht bei den Funkstellen von [[Norddeich Radio]] in [[Utlandshörn]] und [[Osterloog]] rund eine Tonne Sprengstoff gelagert, um die Stationen rechtzeitig vor der Einnahme durch den Feind zerstören zu können. Dies berichtete [[Heinz Frömming]], der ehemalige Betriebsleiter von Norddeich Radio in den Jahren 1975 bis 1981, in einer Dokumentation. Weil jedoch die Sprengkraft der Ladung wegen der andauernden alliierten Luftangriffe eine ständige Gefahr für das Personal bildete, wurde die Munition auf Drängen der Betriebsleitung in das [[Vertriebenenlager Tidofeld|Marinelager Tidofeld]] transportiert. Hier explodierte der Sprengstoff kurz nach Kriegsende durch die Unvorsichtigkeit einiger Soldaten und richtete große Schäden an.<ref name=":0" /> Die Sendestelle Osterloog wurde jedoch vermutlich auch deshalb nie direktes Ziel alliierter Luftangriffe, da der Sender durch seine Ausstrahlung dazu unbeabsichtigt beitrug, dass die Briten wichtige Hinweise auf den Verkehr deutscher Schiffe erhielten.<ref>[https://www.vde.com/de/geschichte/karte/niedersachsen/norddeich-radio--sender-osterloog- Geschichte von Norddeich Radio, Sender Osterloog], abgerufen am 6. April 2021</ref>


===ab Mai 1945===
Als am 4. Mai kanadische - und später auch britische - Truppen in das [[Norderland]] einrückten, wurde auch Osterloog unmittelbar besetzt. Einen Monat lang kam der Sendebetrieb zum Erliegen, am 5. Juni nahm er den Betrieb wieder auf. Mit unverminderter Sendestärke wurde fortan der britische Soldatensender "British Forces Network" (BFN) ausgestrahlt. Hier wurde im Juni 1945 eine fahrbare Studioanlage herbeigeschafft. Ab Ende Juli gab es eine feste Kabelverbindung zwischen den BFN-Studious in der Hamburger Musikhalle und Osterloog. Allerdings wurde im Verlauf des Jahres die Richtstrahlanlage bis auf einen der 150 Meter hohen Masten und zwei 120 Meter Masten abgebaut. Die übrigen Masten fanden an anderer Stelle eine Wiederverwendung.<ref name=":0" /> Während der 150 Meter hohe Mast geteilt und eine Hälfte in Etzhorn und Münster neu errichtet wurde, wurden die 120 Meter hohen Maste in Osnabrück (1947), Langenberg (1948), Hemmingen (1949), Braunschweig (1950), Pinneberg, Bonn, Herford und in Hamburg-Billwerder (1962) neu aufgebaut.<ref>[https://www.waz.de/staedte/velbert/monument-soll-an-alten-langenberger-sender-erinnern-id210663713.html Online-Bericht der WAZ vom 22. Mai 2017], abgerufen am 6. April 2021</ref>
Als am 4. Mai kanadische - und später auch britische - Truppen in das [[Norderland]] einrückten, wurde auch Osterloog unmittelbar besetzt. Einen Monat lang kam der Sendebetrieb zum Erliegen, am 5. Juni nahm er den Betrieb wieder auf. Mit unverminderter Sendestärke wurde fortan der britische Soldatensender "British Forces Network" (BFN) ausgestrahlt. Hier wurde im Juni 1945 eine fahrbare Studioanlage herbeigeschafft. Ab Ende Juli gab es eine feste Kabelverbindung zwischen den BFN-Studious in der Hamburger Musikhalle und Osterloog. Allerdings wurde im Verlauf des Jahres die Richtstrahlanlage bis auf einen der 150 Meter hohen Masten und zwei 120 Meter Masten abgebaut. Die übrigen Masten fanden an anderer Stelle eine Wiederverwendung.<ref name=":0" /> Während der 150 Meter hohe Mast geteilt und eine Hälfte in Etzhorn und Münster neu errichtet wurde, wurden die 120 Meter hohen Maste in Osnabrück (1947), Langenberg (1948), Hemmingen (1949), Braunschweig (1950), Pinneberg, Bonn, Herford und in Hamburg-Billwerder (1962) neu aufgebaut.<ref>[https://www.waz.de/staedte/velbert/monument-soll-an-alten-langenberger-sender-erinnern-id210663713.html Online-Bericht der WAZ vom 22. Mai 2017], abgerufen am 6. April 2021</ref>