Westerlooger Grashaus: Unterschied zwischen den Versionen

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Das '''Westerlooger Grashaus''' ist ein historischer Gulfhof bei [[Westerloog]] in [[Norddeich]]. Eine außergewöhnliche, vermutlich einzigartige Besonderheit liegt in der unmittelbaren, baulichen Verbundenheit mit dem [[Osterlooger Grashaus]].
Das '''Westerlooger Grashaus''' ist ein historischer Gulfhof bei [[Westerloog]] in [[Norddeich]]. Eine außergewöhnliche, vermutlich einzigartige Besonderheit liegt in der unmittelbaren, baulichen Verbundenheit mit dem [[Osterlooger Grashaus]].


==Geschichte==
==Geschichte==
Ursprünglich waren das Westerlooger und das Osterlooger Grashaus ein [[Vorwerk]] des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Als [[Balthasar von Esens]] 1531 in Norden brandschatzte, zerstörte er auch die Vorwerke des Klosters, die daraufhin wieder aufgebaut werden mussten.
Ursprünglich waren das Westerlooger und das Osterlooger Grashaus ein [[Vorwerk]] des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]]. Als [[Balthasar von Esens]] 1531 in Norden brandschatzte, zerstörte er auch die Vorwerke des Klosters, die daraufhin wieder aufgebaut werden mussten. Die Bauarbeiten zogen sich offenbar bis 1595 hin. Für den Wiederaufbau scheinen viele Arbeitskräfte notwendig gewesen zu sein. So heißt es in den Überlieferungen:
 
''"Zu Zeiten des Herren Balthasars von Esens so ein Uffruhr und Kreegh weder den Graven zu Ostfrießlandtt angefangen, die Klosters mit den Vorwercken verbrant vnd zersthorett worden, da haben erstlich die Vorwercken die Beginen oder Nonnen selbst gebrauchet. Hernach aber, als die Herren Grauen die Closters vermogh des Religions Frieden an sich genommen, ettliche Heuerleute die Vorwercke gebrauchet."''<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2009): Die Höfe in der Lintelermarsch, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Nr. 17</ref>
 
Sinngemäß übersetzt bedeutet dies:
 
''"Als Balthasar von Esens seinen Aufruhr und Krieg gegen den Grafen von Ostfriesland anfing, wurden auch die Klöster und ihre Vorwerke niedergebrannt und zerstört. Zunächst haben Beginen (Anm.: Frauen, die eine der Lebensart der Nonne angelehnte Lebensweise pflegten) und Nonnen diese selbst bewirtschaftet. Danach aber, als die Mönche des Klosters sich des Klosters annahmen, um der Religion ihren Frieden zu geben, waren etliche Heuerleute (Anm.: Eine Art Tagelöhner; von Heuer = Lohn) notwendig."''
 
In einem Prozess vor dem Reichskammergericht bekräftigen vier dieser Heuerleute, dass die Höfe zu einem Kloster gehörte. Weiter erzählen sie, dass das Kloster mit den Ländereien und Vorwerken Eigentum des Klosters Werden an der Ruhr gewesen war.<ref>StAA, Rep. 101, Nr. 298</ref>
 
1761 brauch ein Feuer im Westerlooger Grashaus aus, das die ganze Scheune und auch das Wohnhaus sowie zwei Milchkammern in Asche legte. Der königliche Landbaumeister Magott bekam den Auftrag zum Wiederaufbau.<ref>StAA, Rep. 236, Bd. 132</ref>


das nach der Reformation in den Besitz des ostfriesischen Grafenhauses gelangte. Für den Wiederaufbau scheinen viele Arbeitskräfte notwendig gewesen zu sein. So heißt es in den Überlieferungen:"Zu Zeiten des Herren Balthasars von Esens so ein Uffruhr und Kreegh weder den Graven zu Ostfrießlandtt angefangen, die Klosters mit den Vorwercken verbrant vnd zersthorett worden, da haben erstlich die Vorwercken die Beginen oder Nonnen selbst gebrauchet. Hernach aber, als die Herren Grauen die Closters vermogh des Religions Frieden an sich genommen, ettliche Heuerleute die Vorwercke gebrauchet."
Um 2000 erwirbt [[Reederei Frisia]] das einstige Vorwerk aus einer Zwangsversteigerung heraus. Das Gebäude war mittlerweile eingestürzt war und wurde um 2010 teilweise abgebrochen. Teile der Ländereien sind zur Erweiterung des [[Flugplatz|Flugplatzes]] zusätzlich erworben worden.<ref name=":0" />


== Beschreibung ==
Die beiden an den Giebeln aneinandergefügten Steinhäuser weisen insgesamt eine Länge von über 40 Metern auf. Wahrscheinlich liegt hier der einzigartige Fall einer sogenannten "doppelten Kreuzelwerkanlage" vor.<ref>Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 122f.</ref>


Vier Heuerleute sind im Jahre 1595 bekannt. In einem Prozess vor dem Reichskammergericht erklären sie: "daß das Westerlogisch mit dem Osterlogischen Vorwerk ein dingh, vnnd alle beede zu einem Closter gehorigh gewesen...". Weiter erzählen sie, dass das Kloster mit den Ländereien und Vorwerken Eigentum des Klosters Werden an der Ruhr gewesen war (1). Lt. Eberhard Pühl liegt hier "der einzigartige Fall einer doppelten Kreuzelwerkanlage vor. Die beiden an den Giebeln aneinandergefügten Steinhäuser weisen insgesamt eine Länge von über 40 Metern auf". Doch die Erhaltung erscheint stark gefährdet, denn die Gebäude sind teilweise abgebrochen und der Rest befindet sich in einem desolaten Zustand (2). Im Hypothekenbuch wird der Komplex beschrieben wie folgt: "Ein Platz in der Lintelermarsch "das Osterlooger Grashaus genannt", bestehend aus einer mit dem daran liegenden Heerde, so das Westerlooger Graßhaus und dessen Behausung äusserlich verbunden, inwendig aber getrennte Behausung nebst Scheune, welche unmittelbar mit dem Wohnhause in Verbindung steht, ferner die südliche Hälfte einer auf gemeinschaftlichen Grund und Boden erbauten Kornscheune, Garten und einer sogenannten Kalkwarf (3). Vor etwa 15 Jahren erwirbt Reederei Norden Frisia AG aus einer Zwangsversteigerung den Herd, der mittlerweile eingestürzt war und jetzt teilweise abgebrochen ist. Die Ländereien sind teilweise zur Flugplatzerweiterung von der Reederei Norden Frisia zusätzlich erworben.
In einem Hypothekenbuch wird der Komplex wie folgt beschrieben: Ein Platz in der [[Lintelermarsch]], das Osterlooger Grashaus genannt bestehend aus einer mit dem daran liegenden Heerde, so das Westerlooger Graßhaus und dessen Behausung äusserlich verbunden, inwendig aber getrennte Behausung nebst Scheune, welche unmittelbar mit dem Wohnhause in Verbindung steht, ferner die südliche Hälfte einer auf gemeinschaftlichen Grund und Boden erbauten Kornscheune, Garten und einer sogenannten Kalkwarf.<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1322, Nr. 50 u. 51</ref>


==Einzelnachweise==
==Einzelnachweise==
<references/>
<references />


==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Armenland]]
*[[Armenplatz]]
*[[Kloster Marienthal]]
*[[Osterlooger Grashaus]]


[[Kategorie:Höfe im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Höfe im Stadtgebiet]]

Version vom 1. April 2021, 08:59 Uhr

Westerlooger Grashaus

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Basisdaten
Entstehungszeit vor 1531 (nach 1531)
Erbauer unbekannt
Bauweise Gulfhof
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Westerloog

26506 Norden


Das Westerlooger Grashaus ist ein historischer Gulfhof bei Westerloog in Norddeich. Eine außergewöhnliche, vermutlich einzigartige Besonderheit liegt in der unmittelbaren, baulichen Verbundenheit mit dem Osterlooger Grashaus.

Geschichte

Ursprünglich waren das Westerlooger und das Osterlooger Grashaus ein Vorwerk des Klosters Marienthal. Als Balthasar von Esens 1531 in Norden brandschatzte, zerstörte er auch die Vorwerke des Klosters, die daraufhin wieder aufgebaut werden mussten. Die Bauarbeiten zogen sich offenbar bis 1595 hin. Für den Wiederaufbau scheinen viele Arbeitskräfte notwendig gewesen zu sein. So heißt es in den Überlieferungen:

"Zu Zeiten des Herren Balthasars von Esens so ein Uffruhr und Kreegh weder den Graven zu Ostfrießlandtt angefangen, die Klosters mit den Vorwercken verbrant vnd zersthorett worden, da haben erstlich die Vorwercken die Beginen oder Nonnen selbst gebrauchet. Hernach aber, als die Herren Grauen die Closters vermogh des Religions Frieden an sich genommen, ettliche Heuerleute die Vorwercke gebrauchet."[1]

Sinngemäß übersetzt bedeutet dies:

"Als Balthasar von Esens seinen Aufruhr und Krieg gegen den Grafen von Ostfriesland anfing, wurden auch die Klöster und ihre Vorwerke niedergebrannt und zerstört. Zunächst haben Beginen (Anm.: Frauen, die eine der Lebensart der Nonne angelehnte Lebensweise pflegten) und Nonnen diese selbst bewirtschaftet. Danach aber, als die Mönche des Klosters sich des Klosters annahmen, um der Religion ihren Frieden zu geben, waren etliche Heuerleute (Anm.: Eine Art Tagelöhner; von Heuer = Lohn) notwendig."

In einem Prozess vor dem Reichskammergericht bekräftigen vier dieser Heuerleute, dass die Höfe zu einem Kloster gehörte. Weiter erzählen sie, dass das Kloster mit den Ländereien und Vorwerken Eigentum des Klosters Werden an der Ruhr gewesen war.[2]

1761 brauch ein Feuer im Westerlooger Grashaus aus, das die ganze Scheune und auch das Wohnhaus sowie zwei Milchkammern in Asche legte. Der königliche Landbaumeister Magott bekam den Auftrag zum Wiederaufbau.[3]

Um 2000 erwirbt Reederei Frisia das einstige Vorwerk aus einer Zwangsversteigerung heraus. Das Gebäude war mittlerweile eingestürzt war und wurde um 2010 teilweise abgebrochen. Teile der Ländereien sind zur Erweiterung des Flugplatzes zusätzlich erworben worden.[1]

Beschreibung

Die beiden an den Giebeln aneinandergefügten Steinhäuser weisen insgesamt eine Länge von über 40 Metern auf. Wahrscheinlich liegt hier der einzigartige Fall einer sogenannten "doppelten Kreuzelwerkanlage" vor.[4]

In einem Hypothekenbuch wird der Komplex wie folgt beschrieben: Ein Platz in der Lintelermarsch, das Osterlooger Grashaus genannt bestehend aus einer mit dem daran liegenden Heerde, so das Westerlooger Graßhaus und dessen Behausung äusserlich verbunden, inwendig aber getrennte Behausung nebst Scheune, welche unmittelbar mit dem Wohnhause in Verbindung steht, ferner die südliche Hälfte einer auf gemeinschaftlichen Grund und Boden erbauten Kornscheune, Garten und einer sogenannten Kalkwarf.[5]

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Schreiber, Gretje (2009): Die Höfe in der Lintelermarsch, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier, Nr. 17
  2. StAA, Rep. 101, Nr. 298
  3. StAA, Rep. 236, Bd. 132
  4. Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 122f.
  5. StAA, Rep. 237, Bd. 1322, Nr. 50 u. 51

Siehe auch