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Auf Vorschlag Carl Rövers, Gauleiter des Gaus Weser-Ems von 1929 bis 1942, wurde er von Adolf Hitler zum Kreisleiter und damit zum Nachfolger Folkerts’ ernannt, der wegen seiner Weigerung, aus der Kirche auszutreten, entlassen worden war.<ref name=":1">Lüpke-Müller, Inge (1998): Eine Region im politischen Umbruch. Der Demokratisierungsprozess in Ostfriesland nach dem Zweiten Weltkrieg, Aurich, S. 215</ref> Aus der bislang nebenberuflichen wurde damit eine hauptberufliche Parteitätigkeit. Lenhard Everwien unterstanden die 28 NSDAP-Ortsgruppen im [[Landkreis Norden]] sowie die drei Norder Ortsgruppen.<ref name=":0" /> Zu seinen Machtbefugnissen gehörte es auch, "öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen und Handlungen, die der Zielsetzung der NSDAP zuwiderliefen", zu unterbinden. 1933 wurde Everwien Mitglied des Kreistags Norden. 1935 erließ das nationalsozialistische Regime die "Deutsche Gemeindeordnung". Sie erweiterte die politische Einflussnahme der NSDAP-Kreisleiter. Dadurch erhielt auch Everwien das Recht, Personen für die Besetzung von politischen Ämtern (Bürgermeister, Gemeinderäte, Beigeordnete) vorzuschlagen. Von 1939 bis 1940 war Everwien zeitweise Kreisleiter der NSDAP des Landkreises Emden.<ref>Rademacher, Michael (2006): Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Emden, Osnabrück</ref>
Auf Vorschlag Carl Rövers, Gauleiter des Gaus Weser-Ems von 1929 bis 1942, wurde er von Adolf Hitler zum Kreisleiter und damit zum Nachfolger Folkerts’ ernannt, der wegen seiner Weigerung, aus der Kirche auszutreten, entlassen worden war.<ref name=":1">Lüpke-Müller, Inge (1998): Eine Region im politischen Umbruch. Der Demokratisierungsprozess in Ostfriesland nach dem Zweiten Weltkrieg, Aurich, S. 215</ref> Aus der bislang nebenberuflichen wurde damit eine hauptberufliche Parteitätigkeit. Lenhard Everwien unterstanden die 28 NSDAP-Ortsgruppen im [[Landkreis Norden]] sowie die drei Norder Ortsgruppen.<ref name=":0" /> Zu seinen Machtbefugnissen gehörte es auch, "öffentliche und nichtöffentliche Veranstaltungen und Handlungen, die der Zielsetzung der NSDAP zuwiderliefen", zu unterbinden. 1933 wurde Everwien Mitglied des Kreistags Norden. 1935 erließ das nationalsozialistische Regime die "Deutsche Gemeindeordnung". Sie erweiterte die politische Einflussnahme der NSDAP-Kreisleiter. Dadurch erhielt auch Everwien das Recht, Personen für die Besetzung von politischen Ämtern (Bürgermeister, Gemeinderäte, Beigeordnete) vorzuschlagen. Von 1939 bis 1940 war Everwien zeitweise Kreisleiter der NSDAP des Landkreises Emden.<ref>Rademacher, Michael (2006): Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Stadt und Landkreis Emden, Osnabrück</ref>
In der sogenannten Reichspogromnacht 1938 wurde unter Everwiens Leitung die [[Synagoge]] der [[Jüdische Gemeinde|jüdische Gemeinde]] niedergebrannt. Gemeinsam mit zwei anderen SA-Mitgliedern hatte Lenhard Everwien dazu Benzin bei einer Norder Tankstelle besorgt.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref>[[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|281x281px|Everwien empfängt [[Otto Ites]] als ersten Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes der Stadt am 14. April 1942 vor der Norder NDSAP-Parteizentrale (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]).|alternativtext=]]Am 5. Oktober 1942 trat Everwien als Nachrücker für den ausgeschiedenen Abgeordneten Lühr Hogrefe in den Reichstag ein, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 als Vertreter des Wahlkreises 14 (Weser-Ems) angehörte.
In der sogenannten Reichspogromnacht 1938 wurde unter Everwiens Leitung die [[Synagoge]] der [[Jüdische Gemeinde|jüdische Gemeinde]] niedergebrannt. Zur Nachtzeit erhielt dieser einen Anruf seiner Vorgesetzten in Oldenburg und Emden. Er erhielt den Befehl, alle vor Ort verfügbaren Kräfte für eine "Vergeltungsaktion" gegen die Juden bereit zu halten. Parallel dazu wurde die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] über die geplante Aktion informiert. Sie sollte nicht eingreifen und sich darauf beschränken, ein Übergreifen der Flammen auf umliegende Häuser zu verhindern. Um das zu gewährleisten, war sie bereits vor dem Brandanschlag vor Ort. Gemeinsam mit zwei anderen SA-Mitgliedern organisierte Everwien daraufhin Benzin bei einer Norder Tankstelle, während andere SA-Mitglieder die vorgesehene Brandstelle mit Seilen absperrten.<ref>Gödeken, Lina (2000): Rund um die Synagoge in Norden. Die Geschichte der Synagogengemeinde seit 1866, Aurich, S. 304</ref> Nach einigen missglückten Versuchen ging die Synagoge schließlich in Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Verantwortung dafür schoben die Nationalsozialisten noch in der Nacht dem Synagogendiener sowie dem Lehrer Klein zu. Anschließend wurde die Synagogenruine einem Norder Altwarenhändler zur Beseitigung und Wiederverwertung der Überreste übergeben.<ref>Fraenkel, Daniel (2005): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen, S. 1122–1139</ref>[[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|281x281px|Everwien empfängt [[Otto Ites]] als ersten Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes der Stadt am 14. April 1942 vor der Norder NDSAP-Parteizentrale (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]).|alternativtext=]]Am 5. Oktober 1942 trat Everwien als Nachrücker für den ausgeschiedenen Abgeordneten Lühr Hogrefe in den Reichstag ein, dem er bis zum Ende der NS-Herrschaft im Frühjahr 1945 als Vertreter des Wahlkreises 14 (Weser-Ems) angehörte.


Everwiens vorletzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 20. April 1945. Bei einer Rede anlässlich des Führergeburtstags im vollbesetzten Saal des [[Hotel Deutsches Haus|Deutschen Hauses]] gelobte er unter anderem die "unwandelbare Treue" der Nationalsozialisten "zum Führer" und schloss seine Rede mit den Worten: "Die Ostfriesen werden – wie ihre Vorfahren – stur und verbissen kämpfen, sich durch nichts irre machen lassen, bis der Sieg errungen ist!" Zum Zeitpunkt dieser Ansprache standen die alliierten Streitkräfte bereits im südlichen Ostfriesland bei Leer.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 54</ref> Seine letzte öffentliche Rede hielt Everwien am 2. Mai 1945. Anlass war eine Trauerfeier für Adolf Hitler, die im NSDAP-Kreishaus (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]) am [[Marktplatz]] stattfand. Wenige Tage später wurde er verhaftet und interniert.<ref name=":1" />
Everwiens vorletzter öffentlicher Auftritt datiert auf den 20. April 1945. Bei einer Rede anlässlich des Führergeburtstags im vollbesetzten Saal des [[Hotel Deutsches Haus|Deutschen Hauses]] gelobte er unter anderem die "unwandelbare Treue" der Nationalsozialisten "zum Führer" und schloss seine Rede mit den Worten: "Die Ostfriesen werden – wie ihre Vorfahren – stur und verbissen kämpfen, sich durch nichts irre machen lassen, bis der Sieg errungen ist!" Zum Zeitpunkt dieser Ansprache standen die alliierten Streitkräfte bereits im südlichen Ostfriesland bei Leer.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. 1944–1948. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 54</ref> Seine letzte öffentliche Rede hielt Everwien am 2. Mai 1945. Anlass war eine Trauerfeier für Adolf Hitler, die im NSDAP-Kreishaus (heute [[Polizei Norden|Polizeikommissariat]]) am [[Marktplatz]] stattfand. Wenige Tage später wurde er verhaftet und interniert.<ref name=":1" />
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In zwei Prozessen wurde Everwien 1948 wegen Denunziation und Brandstiftung in der Norder Synagoge zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Auch wurden ihm für einen Zeitraum von vier Jahren die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Bielefelder Spruchkammer verurteilte ihn wegen der "Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation" 1949 zu einer weiteren Gefängnisstrafe, die aber auf seine Internierungshaft angerechnet wurde.<ref name=":1" />
In zwei Prozessen wurde Everwien 1948 wegen Denunziation und Brandstiftung in der Norder Synagoge zu vier Jahren Zuchthaus und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Auch wurden ihm für einen Zeitraum von vier Jahren die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt. Die Bielefelder Spruchkammer verurteilte ihn wegen der "Zugehörigkeit zu einer verbrecherischen Organisation" 1949 zu einer weiteren Gefängnisstrafe, die aber auf seine Internierungshaft angerechnet wurde.<ref name=":1" />


== Einzelnachweise ==
==Einzelnachweise==
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