Polizei Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Neben den klassischen Polizeiaufgaben lag es auch in der Zuständigkeit der Polizei, öffentliche Filmvorführungen auf die Einhaltung der Zensur zu prüfen. Kinobetreiber mussten laut Erlass des preußischen Innenministeriums alle Filme zur Begutachtung und Kontrolle an die Polizei melden und dem Magistrat eine entsprechende Liste vorlegen. Zudem hatte er schriftlich zu erklären, dass er im Besitz der vom Berliner Polizeipräsidium ausgestellten Zensurkarten ist. Zur Überprüfung wies der städtische Beamte [[Julius Albers]] die Polizei an, sämtliche Filmvorführungen persönlich zu inspizieren, was diese gewöhnlicherweise mit dem Vermerk "keine Unregelmäßigkeiten" dokumentierten. | Neben den klassischen Polizeiaufgaben lag es auch in der Zuständigkeit der Polizei, öffentliche Filmvorführungen auf die Einhaltung der Zensur zu prüfen. Kinobetreiber mussten laut Erlass des preußischen Innenministeriums alle Filme zur Begutachtung und Kontrolle an die Polizei melden und dem Magistrat eine entsprechende Liste vorlegen. Zudem hatte er schriftlich zu erklären, dass er im Besitz der vom Berliner Polizeipräsidium ausgestellten Zensurkarten ist. Zur Überprüfung wies der städtische Beamte [[Julius Albers]] die Polizei an, sämtliche Filmvorführungen persönlich zu inspizieren, was diese gewöhnlicherweise mit dem Vermerk "keine Unregelmäßigkeiten" dokumentierten. | ||
[[Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|mini|[[Otto Ites]] und [[Lenhard Everwien]] am 14. April 1942. Im Hintergrund die damalige Parteizentrale und das heutige Hauptgebäude des Polizeikommissariats Norden.]] | |||
Um 1926 wurde das Polizeigebäude um weitere Räumlichkeiten erweitert und umfasste nun auch den vorderen Teil des Erdgeschosses. Als Nachfolger des kürzlich Verstorbenen Högers wohnte nun der Polizeisekretär Heinrich Limbach in der Dritten Schwester. Bezeichnet "Polizeisekretär" heute einen mittleren Verwaltungsbeamten im Polizeidienst, war dies zur Zeiten der Weimarer Republik der Dienstgrad für einen Polizei-Unteroffizier, der mehrere Ränge über einem Oberwachtmeister stand. Dadurch wird ersichtlich, dass der Personalkörper der Norder Polizei beträchtlich gewachsen sein muss. Zurückzuführen ist dies aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Eingemeindung der Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] im Jahre 1919, mit der die Einwohnerzahl sich auf etwa 11.000 Einwohner verdoppelte. In Städten ab 10.000 Einwohnern wurde grundsätzlich eine reguläre Polizei eingerichtet, die als "Schutzmannschaft" bezeichnet wurde. Da auch der Kraftfahrzeugverkehr immer weiter zunahm, war die Stadt gezwungen, weitere Polizisten einzustellen. Die Stadt bestand in den 1920er Jahren aus sieben, nicht weiter nachvollziehbaren Polizeibezirken. | Um 1926 wurde das Polizeigebäude um weitere Räumlichkeiten erweitert und umfasste nun auch den vorderen Teil des Erdgeschosses. Als Nachfolger des kürzlich Verstorbenen Högers wohnte nun der Polizeisekretär Heinrich Limbach in der Dritten Schwester. Bezeichnet "Polizeisekretär" heute einen mittleren Verwaltungsbeamten im Polizeidienst, war dies zur Zeiten der Weimarer Republik der Dienstgrad für einen Polizei-Unteroffizier, der mehrere Ränge über einem Oberwachtmeister stand. Dadurch wird ersichtlich, dass der Personalkörper der Norder Polizei beträchtlich gewachsen sein muss. Zurückzuführen ist dies aller Wahrscheinlichkeit nach auf die Eingemeindung der Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] im Jahre 1919, mit der die Einwohnerzahl sich auf etwa 11.000 Einwohner verdoppelte. In Städten ab 10.000 Einwohnern wurde grundsätzlich eine reguläre Polizei eingerichtet, die als "Schutzmannschaft" bezeichnet wurde. Da auch der Kraftfahrzeugverkehr immer weiter zunahm, war die Stadt gezwungen, weitere Polizisten einzustellen. Die Stadt bestand in den 1920er Jahren aus sieben, nicht weiter nachvollziehbaren Polizeibezirken. | ||
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Mit dem einsetzenden Zweiten Weltkrieg änderten sich nun auch die Dienstzeiten der Norder Polizei. War die Polizeiwache bis in die 1930er Jahre sonntäglich nicht besetzt, entwickelte sie sich ab den 1940er Jahren zu einer stetig besetzten Dienststelle. | Mit dem einsetzenden Zweiten Weltkrieg änderten sich nun auch die Dienstzeiten der Norder Polizei. War die Polizeiwache bis in die 1930er Jahre sonntäglich nicht besetzt, entwickelte sie sich ab den 1940er Jahren zu einer stetig besetzten Dienststelle. | ||
[[Datei:NWZ 03081945 01.jpg|links|mini|Zeitungsbericht der Nordwest Zeitung vom 3. August 1945. | [[Datei:NWZ 03081945 01.jpg|links|mini|Zeitungsbericht der Nordwest Zeitung vom 3. August 1945.]] | ||
===Britische Besatzungszeit=== | ===Britische Besatzungszeit=== | ||
Am 4. Mai 1945 wurde Norden von kanadischen Streitkräften nach einer kampflosen Übergabe der Stadt besetzt. Norden - und damit auch die Polizei - wurde unter den Oberbefehl der Britischen Militärregierung gestellt, die Sicherheit und Ordnung oblag nun der britischen Militärpolizei. Polizeimeister Limbach führte gemeinsam mit Bürgermeister [[Wilhelm Meyer-Degering]] und dem Landrat die Verhandlungen mit den Alliierten, bei denen die Besatzungsoffiziere die Abgabe aller Waffen sowie die vorläufige Schließung des Gerichts und der Post verfügten. Ein Großteil der Polizeibeamten wurde im Rahmen der Entnazifierung suspendiert, Limbach ging Ende September des Jahres in Pension. | Am 4. Mai 1945 wurde Norden von kanadischen Streitkräften nach einer kampflosen Übergabe der Stadt besetzt. Norden - und damit auch die Polizei - wurde unter den Oberbefehl der Britischen Militärregierung gestellt, die Sicherheit und Ordnung oblag nun der britischen Militärpolizei. Polizeimeister Limbach führte gemeinsam mit Bürgermeister [[Wilhelm Meyer-Degering]] und dem Landrat die Verhandlungen mit den Alliierten, bei denen die Besatzungsoffiziere die Abgabe aller Waffen sowie die vorläufige Schließung des Gerichts und der Post verfügten. Ein Großteil der Polizeibeamten wurde im Rahmen der Entnazifierung suspendiert, Limbach ging Ende September des Jahres in Pension.[[Datei:Polizei 01011950 01.jpg|mini|Ein Polizist ermahnt eine Verkehrsteilnehmerin an der Kreuzung [[Neuer Weg]] / [[Osterstraße]]. (um 1950)]]Die britische Militärpolizei war kaum in der Lage, Herr der katastrophalen Nachkriegslage zu werden. Schon Mitte 1945 wurde die Polizei daher durch die Einstellung von schnellausgebildeten deutschen Polizisten reorganisiert. Der Polizeiaufbau erfolgte nach britischem Vorbild mit weitgehend dezentralisierter Struktur und fehlender Bewaffnung. Es entstanden Stadt- und Regionspolizeien, die von Polizeiausschüssen unter kommunaler Hoheit kontrolliert wurden. Gründe für diese uneinheitliche Struktur waren insbesondere alliierte Bedenken gegen eine zu große Machtfülle der Polizei und Befürchtungen vor einem militärischen Charakter. Da man kaum genügend geeignete Beamte rekrutieren konnte, musste man viele der im Rahmen der Entnazifierung suspendierten Beamten wieder einstellen. Als Ausstattung erhielten die Polizisten einen Holzknüppel sowie dunkelblau eingefärbte Wehrmachtsuniformen. Der traditionelle Tschako wurde zunächst weiterhin getragen, natürlich jedoch in entnazifiziertem Zustand. Aufgrund der nicht wasserfesten Farbe fürchteten sich die Polizisten beinahe vor Regen. | ||
Die britische Militärpolizei war kaum in der Lage, Herr der katastrophalen Nachkriegslage zu werden. Schon Mitte 1945 wurde die Polizei daher durch die Einstellung von schnellausgebildeten deutschen Polizisten reorganisiert. Der Polizeiaufbau erfolgte nach britischem Vorbild mit weitgehend dezentralisierter Struktur und fehlender Bewaffnung. Es entstanden Stadt- und Regionspolizeien, die von Polizeiausschüssen unter kommunaler Hoheit kontrolliert wurden. Gründe für diese uneinheitliche Struktur waren insbesondere alliierte Bedenken gegen eine zu große Machtfülle der Polizei und Befürchtungen vor einem militärischen Charakter. Da man kaum genügend geeignete Beamte rekrutieren konnte, musste man viele der im Rahmen der Entnazifierung suspendierten Beamten wieder einstellen. Als Ausstattung erhielten die Polizisten einen Holzknüppel sowie dunkelblau eingefärbte Wehrmachtsuniformen. Der traditionelle Tschako wurde zunächst weiterhin getragen, natürlich jedoch in entnazifiziertem Zustand. Aufgrund der nicht wasserfesten Farbe fürchteten sich die Polizisten beinahe vor Regen. | |||
Dass die deutsche Polizei bereits kurz nach dem Krieg wieder handlungsfähig und rege tätig war, zeigt auch ein Bericht der Nordwest Zeitung vom 3. August 1945. So heißt es, dass die Polizei "in den letzten über 50 gebührenpflichtige Verwarnung, vor allem an Radfahrer wegen Vergehens gegen die Straßendisziplin" erteilt habe. | Dass die deutsche Polizei bereits kurz nach dem Krieg wieder handlungsfähig und rege tätig war, zeigt auch ein Bericht der Nordwest Zeitung vom 3. August 1945. So heißt es, dass die Polizei "in den letzten über 50 gebührenpflichtige Verwarnung, vor allem an Radfahrer wegen Vergehens gegen die Straßendisziplin" erteilt habe. | ||