Alte Backstube: Unterschied zwischen den Versionen
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Die '''Alte Backstube''' (auch: ''Themannsches Haus'') an der [[Westerstraße]] 96 gehört zu den ältesten noch existenten Gebäuden der westlichen Kernstadt und ist möglicherweise sogar das älteste Gebäude im gesamten Stadtgebiet. | |||
Die '''Alte Backstube''' (auch: ''Themannsches Haus'') an der [[Westerstraße]] 96 gehört zu den ältesten noch existenten Gebäuden der westlichen Kernstadt und ist möglicherweise sogar das älteste Gebäude im gesamten Stadtgebiet. Seinen Namen verdankt das Haus seiner langjährigen Nutzung als Bäckerei. | |||
Seit Anfang der 1980er Jahre wird das Gebäude als Gastwirtschaft genutzt. Wegen seiner baugeschichtlichen Bedeutung steht es unter Denkmalschutz. | Seit Anfang der 1980er Jahre wird das Gebäude als Gastwirtschaft genutzt. Wegen seiner baugeschichtlichen Bedeutung steht es unter Denkmalschutz. | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das Gebäude wurde im 17. Jahrhundert errichtet, wenngleich die Kellergewölbe wahrscheinlich deutlich älter sind (siehe ''Beschreibung''). Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass das | Das Gebäude wurde im 17. Jahrhundert errichtet, wenngleich die Kellergewölbe wahrscheinlich deutlich älter sind (siehe ''Beschreibung''). Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass das Haus jedoch deutlich ältere Vorgängerbauten hatte. Die Kellergewölbe werden auf das 14. Jahrhundert, womöglich sogar das 11. Jahrhundert datiert.<ref name=":1">[https://www.noz.de/lokales/ostfriesland/norden/artikel/alte-backstube-wird-saniert-gewoelbekeller-wohl-aus-dem-14-jahrhundert-50559863?utm_content=Link&utm_medium=Social&utm_source=Facebook&fbclid=IwY2xjawRbKdRleHRuA2FlbQIxMQBicmlkETBJUXB0NGkwRmR4bXdXUDJnc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHv1aedtbECr6Lti0e46HwQXsxgeWAElL6RCy7s-_uozBxysMWazkA9CYdQpz_aem_4HRKhrGDt3Sr3h7xvg9LRQ#Echobox=1777208839 Online-Bericht zu den archäologischen Untersuchungen im Keller durch die Ostfriesische Landschaft], Neue Osnabrücker Zeitung vom 26. April 2026, abgerufen am 28. April 2026</ref> Damit wären diese lange vor der [[Ludgerikirche]] gebaut worden. Das Jahr 1194 wurde auf der ehemaligen Internetseite der Gaststätte ''Alte Backstube'' genannt. Die Herkunft dieser Jahreszahl ist jedoch ungewiss und zurzeit nicht belegbar. | ||
Bemerkenswert ist das mit einem massiven Mauerwerk ausgestattete Kellergewölbe im vorderen Teil (in Richtung Westerstraße). Es weist deutliche Ähnlichkeiten mit jenem des gegenüberliegenden [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]] auf. Zeitzeugenberichten zufolge soll sich hier bis mindestens in die Mitte der 1920er Jahre eine Art unterirdischer Gang zwischen beiden Gebäuden gegeben haben. Die Bedeutung eines solchen Ganges ist ungewiss, könnte jedoch darauf hindeuten, dass das Gebäude - ebenso wie das Alte Rathaus - ursprünglich im Eigentum der Kirche gestanden hat. | |||
Der erste Bewohner eines Hauses an dieser Anschrift, ein Daniel Heidebrecher, lässt sich bereits am 17. März 1593 finden. Auch in der Folgezeit lässt sich hier ein bewohntes Haus nachweisen. Spätestens seit 1808 wohnte hier ein Bäcker (und Krämer) namens [[Siebe Reinders Hibben]]. Er erhielt zur genannten Zeit das Haus von seinem verstorbenen Vater. Ihm folgte 1868 ein [[Jacob Eilts|Jacob(s) J. Eilts]]. | |||
1878 erwarb [[Heinrich Jacob Themann]] das Haus und gründete dort eine Bäckerei. Um diese Zeit wurde das Objekt wohl in nördliche Richtung erweitert. 1912 übernahm sein Sohn [[Emil Themann]] mit seiner Ehefrau den elterlichen Betrieb, ihm folgte in der nächsten Generation [[Ludwig Theemann]] und schließlich in der vierten Emil Themann II.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 215</ref> | |||
Neben der Familie Themann wohnte auch der Bäckermeister [[Friedrich Onnecken]] mit im Hause. 1962 ging Emil Themann in Rente, das Adressbuch der Stadt Norden von 1966 verzeichnet ihn noch als Inhaber, eine Bäckerei hat es zu dieser Zeit dort aber offenbar nicht mehr gegeben.<ref name=":0" /> | |||
Zu Beginn der 1980er Jahre wurde das Gebäude zu einer Gastwirtschaft umgebaut, wobei großer Wert auf den Erhalt des kulturgeschichtlich wertvollen Charmes des altehrwürdigen Bauwerks gelegt wurde. Dennoch hat die gemütliche Gaststätte im Laufe der Jahre viele Wirte gesehen und war bereits mehrfach von der Schließung bedroht. | |||
Seit Sommer 2014 bis 2025 wurde die Gastwirtschaft von einem Kölner Wirt betrieben und gehört seit geraumer Zeit [[Gustav Claashen|Gustav]] [[Gustav Claashen|"Bobby" Claashen]]. Dieser ließ das Gebäude nach Ende des Pachtvertrags umfassend sanieren. Dabei ermöglichte Claashen es Archäologen der Ostfriesischen Landschaft, das Gebäude umfassend wissenschaftlich zu untersuchen. Insbesondere die Kellergewölbe sowie die Fundamente wurden auf ihren Ursprung geprüft. | |||
Während bestätigt werden konnte, dass das Haupthaus im 17. Jahrhundert erbaut wurde, fanden sich Hinweise darauf, dass der Keller teilweise bereits im 11., überwiegend im 14. Jahrhundert angelegt wurde.<ref name=":1" /> | |||
==Beschreibung== | ==Beschreibung== | ||
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Bemerkenswert ist das mit einem massiven Mauerwerk ausgestattete Kellergewölbe im vorderen Teil (in Richtung Westerstraße). Diese weisen deutliche Ähnlichkeiten mit jenen des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]] auf. Zeitzeugenberichten zufolge soll sich hier bis mindestens in die Mitte der 1920er Jahre eine Art unterirdischer Gang zwischen beiden Gebäuden gegeben haben.<ref name=":0" /> | Bemerkenswert ist das mit einem massiven Mauerwerk ausgestattete Kellergewölbe im vorderen Teil (in Richtung Westerstraße). Diese weisen deutliche Ähnlichkeiten mit jenen des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]] auf. Zeitzeugenberichten zufolge soll sich hier bis mindestens in die Mitte der 1920er Jahre eine Art unterirdischer Gang zwischen beiden Gebäuden gegeben haben.<ref name=":0" /> | ||
Der Giebel des Hauses zur Straße ist vorgesetzt, die Kellerfenster mit Entlastungsbögen originalgetreu erhalten. Der langgestreckte, eingeschossige Bau besteht aus Ziegelsteinen im sogenannten „Klosterformat“. Dieses Format für Handstrichziegel ist kein einheitliches System, sondern unterscheidet sich in den einzelnen Bauschulen, da überörtliche Normung während der Handfertigung der Backsteingotik nicht nötig war. Es wurde allerdings nicht nur in Klöstern oder anderen geistlichen Bauwerken verwendet, sondern auch in rein weltlichen. Die allgemeinen Durchschnittsmaße der Steine betrugen Größen von 28 cm × 15 cm × 9 cm bis zu 30 cm × 14 cm × 10 cm, die Höhe konnte in Einzelfällen bis zu 12,5 cm betragen. Die Fugen waren üblicherweise 1,5 cm dick. | |||
==Trivia== | ==Trivia== | ||