Sandbauerschaft: Unterschied zwischen den Versionen
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Noch bis in die Zeit nach der Eingemeindung nach Norden verwendete man in der Gemeinde Petroleum als Beleuchtungsmittel. Eine [[Gaswerk|Gas-]] und [[Stromversorgung]] wurde erst in den Folgejahren realisiert. Die [[Wasserversorgung]] folgte gar erst gegen Ende der 1930er Jahre.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> | Noch bis in die Zeit nach der Eingemeindung nach Norden verwendete man in der Gemeinde Petroleum als Beleuchtungsmittel. Eine [[Gaswerk|Gas-]] und [[Stromversorgung]] wurde erst in den Folgejahren realisiert. Die [[Wasserversorgung]] folgte gar erst gegen Ende der 1930er Jahre.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 295</ref> | ||
Neben verschiedenen Handwerksbetrieben verfügte | Neben verschiedenen Handwerksbetrieben verfügte die Bauerschaft über [[Liste der Mühlen im Stadtgebiet|vier Windmühlen]]: Die ''[[Ekeler Mühle]]'' (nicht mehr vorhanden), die ''Linteler Mühle'' (nicht mehr vorhanden), die ''[[Silbermühle]]'' (nicht mehr vorhanden) und die ''[[Westgaster Mühle]]''. Letztere existiert als einzige der Sandbauerschafter Ortsmühlen noch. | ||
Einige Jahrzehnte spielten zahlreiche Brennereien innerhalb der Sandbauerschaft eine bedeutsame wirtschaftliche Rolle. Ihr Ende kam Schritt um Schritt mit der 1806 erfolgten Gründung der Genever-Firma [[Doornkaat]] durch den Groninger [[Mennonitengemeinde Norden|Mennoniten]] [[Jan ten Doornkaat Koolman (1773)|Jan ten Doornkaat Koolman]]. Die letzte Sandbauerschafter Schnapsbrennerei, die ''[[Philadelphia|Sprit-Fabrik Philadelphia]]'' in [[Ekel]], schloss 1867.<ref>Gerhard Canzler: ''Doornkaat. Eine Firmenchronik''. Selbstverlag: Norden [oJ, 2001?]. S. 44</ref> | |||
Die Sandbauerschaft war aber auch Sitz größerer Fabrikationsstätten. Bedeutendste war die [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]], die 1850 auf dem Gelände der ''[[Osterburg]]'' errichtet wurde und die zeitweilig bis zu 300 Arbeitsplätzen verzeichnete. Firmengründer war [[Julius Meyer]] (1817-1863), Gutsbesitzer sowie Inhaber beziehungsweise Geschäftsführer mehrerer Eisenhütten im Osnabrücker Raum. Unter ihnen war auch die Hütte des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins''. Im Jahr 1848 reiste Meyer zu einem Kuraufenthalt nach Norderney. Bei einer Zwischenübernachtung in der Stadt Norden lernte er deren Hafen als Umschlagplatz für Kohle aus England kennen. Die Frachtsegler, die er dort sah, brachten ihn auf den Gedanken, in Ostfriesland eine Eisenhütte zu errichten und die dazu notwendigen Güter Koks und Roheisen mit ihrer Hilfe aus Großbritannien einzuführen. Nur ein gutes Jahr später gründete er mit zwei Geschäftsfreunden die Hüttenfirma ''Julius Meyer & Co''. Gemeinsam erwarben sie das direkt an der Stadtgrenze zu Norden gelegene Gelände. Im März 1850 erfolgte der erste Guss. Während in der Anfangsphase die Produktionspalette hauptsächlich aus Drahtstiften und gusseisernen Maschinenteilen bestand, spezialisierte sich später auf die Herstellung von sogenanntem Ofenguss. Hauptabsatzgebiete der Norder Eisenhütte waren in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens vor allem die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck. Der Transport der Ware erfolgte zunächst per Schiff und ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auch über einen eigenen Gleisanschluss.<ref>Gerda Fegter (Hrsg.), Heinz Ramm: ''Popke Fegter. 1874–1946. Sein Leben und Wirken im [[Norderland]]''. Soltau Kurier: Norden 1999. S. 95–99</ref> | Die Sandbauerschaft war aber auch Sitz größerer Fabrikationsstätten. Bedeutendste war die [[Eisenhütte|Norder Eisenhütte]], die 1850 auf dem Gelände der ''[[Osterburg]]'' errichtet wurde und die zeitweilig bis zu 300 Arbeitsplätzen verzeichnete. Firmengründer war [[Julius Meyer]] (1817-1863), Gutsbesitzer sowie Inhaber beziehungsweise Geschäftsführer mehrerer Eisenhütten im Osnabrücker Raum. Unter ihnen war auch die Hütte des ''Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins''. Im Jahr 1848 reiste Meyer zu einem Kuraufenthalt nach Norderney. Bei einer Zwischenübernachtung in der Stadt Norden lernte er deren Hafen als Umschlagplatz für Kohle aus England kennen. Die Frachtsegler, die er dort sah, brachten ihn auf den Gedanken, in Ostfriesland eine Eisenhütte zu errichten und die dazu notwendigen Güter Koks und Roheisen mit ihrer Hilfe aus Großbritannien einzuführen. Nur ein gutes Jahr später gründete er mit zwei Geschäftsfreunden die Hüttenfirma ''Julius Meyer & Co''. Gemeinsam erwarben sie das direkt an der Stadtgrenze zu Norden gelegene Gelände. Im März 1850 erfolgte der erste Guss. Während in der Anfangsphase die Produktionspalette hauptsächlich aus Drahtstiften und gusseisernen Maschinenteilen bestand, spezialisierte sich später auf die Herstellung von sogenanntem Ofenguss. Hauptabsatzgebiete der Norder Eisenhütte waren in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens vor allem die Hansestädte Hamburg, Bremen und Lübeck. Der Transport der Ware erfolgte zunächst per Schiff und ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auch über einen eigenen Gleisanschluss.<ref>Gerda Fegter (Hrsg.), Heinz Ramm: ''Popke Fegter. 1874–1946. Sein Leben und Wirken im [[Norderland]]''. Soltau Kurier: Norden 1999. S. 95–99</ref> | ||