Bahnhofshotel: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Für das sehr wahrscheinlich 1882 errichtete Gebäude wurde noch im selben Jahr eine Konzession als Hotel genehmigt.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref><ref name=":0">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 78</ref> Auf alten Bildern steht über dem Bogen der Name ''N. Kannegiesser'', weshalb die Familie Kannegiesser wohl auch die Erbauer war. Gut vier Jahrzehnte lang war das Gebäude als ''Bahnhofshotel'' bzw. ''Bahnhof's Hotel'' über die Stadtgrenzen bekannt und ein beliebter Treffpunkt, zu dem neben einer Gastwirtschaft auch ein Tanzsaal (''Tivoli'') gehörte.<ref name=":0" />
Für das sehr wahrscheinlich 1882 errichtete Gebäude wurde noch im selben Jahr eine Konzession als Hotel genehmigt.<ref>[https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmale_in_Norden Liste der Baudenkmale in Norden], abgerufen am 11. November 2021</ref><ref name=":0">Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 78</ref> Auf alten Bildern steht über dem Bogen der Name ''N. Kannegiesser'', weshalb die Familie Kannegiesser wohl auch die Erbauer war. Gut vier Jahrzehnte lang war das Gebäude als ''Bahnhofshotel'' bzw. ''Bahnhof's Hotel'' über die Stadtgrenzen bekannt und ein beliebter Treffpunkt, zu dem neben einer Gastwirtschaft auch ein Tanzsaal (''Tivoli'') gehörte.<ref name=":0" />


Ursprünglich bestand das Grundstück des Hotels aus zwei Grundstücken, die 1882 für den Bau des großen Hotels zusammengelegt wurden. Diese beiden Grundstücke bzw. Häuser waren bereits nachweislich seit mindestens 1719 bebaut bzw. bewohnt. Aus diesen alten Unterlagen geht hervor, dass die Familie Kannegiesser schon seit 1890 nicht mehr im Besitz des Hotels war. Im genannten Jahr wurde ein J. D. Janssen aus Eilsum als neuer Eigentümer genannt. 1897 folgten die Geschwister Grensemann, 1906 [[Antonius Aden]] und 1910 Gastwirt [[Anton Häfts]]. Seit 1926 gehörte das Gebäude dann der Familie van Stipriaan, die in unmittelbarer Nähe eine [[Blaufärberei van Stipriaan|Blaufärberei]] hatten.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Die Bewohner der Brück- und Dammstraße</ref> Es ist daher davon auszugehen, dass der Hotelbetrieb seit spätestens 1926 eingestellt und das Haus als herkömmliches Wohnhaus genutzt wurde. Irgendwann im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel das Gebäude schließlich zunehmend. Zeitweilig wurde es noch als Flüchtlingsunterkunft für vietnamesische ''Boat People'' genutzt, die auf dem angrenzenden Grundstück nordöstlich der [[Neue Mühlenbrücke|Neuen Mühlenbrücke]] Äcker und Gärten angelegt haben. Diese wurden umgangssprachlich - in Anlehnung an die vietnamesische Stadt - ''[[Klein Saigon]]'' genannt. Die Gärten existieren nicht mehr.
Ursprünglich bestand das Grundstück des Hotels aus zwei Grundstücken, die 1882 für den Bau des großen Hotels zusammengelegt wurden. Diese beiden Grundstücke bzw. Häuser waren bereits nachweislich seit mindestens 1719 bebaut bzw. bewohnt. Aus diesen alten Unterlagen geht hervor, dass die Familie Kannegiesser schon seit 1890 nicht mehr im Besitz des Hotels war. Im genannten Jahr wurde ein J. D. Janssen aus Eilsum als neuer Eigentümer genannt. 1897 folgten die Geschwister Grensemann, 1906 [[Antonius Aden]] und 1910 Gastwirt [[Anton Häfts]]. Seit 1926 gehörte das Gebäude dann der Familie van Stipriaan, die in unmittelbarer Nähe eine [[Blaufärberei van Stipriaan|Blaufärberei]] hatten.<ref>Schreiber, Gretje (1994): Die Bewohner der Brück- und Dammstraße</ref> Es ist daher davon auszugehen, dass der Hotelbetrieb in dieser Zeit eingestellt und das Haus fortan als herkömmliches Wohnhaus genutzt wurde.


Am 10. April 2017 kam es zu einem Großeinsatz von [[Feuerwehr Norden|Feuerwehr]], [[Polizei Norden|Polizei]] und [[Rettungswache|Rettungsdienst]] in dem eigentlich leerstehenden Gebäude, das seinerzeit nur noch als ''Rückzugsort'' von Junkies und Herumtreibern genutzt und verunreinigt wurde.<ref>[https://www.feuerwehr-norden.de/2017/04/10/grosseinsatz-nach-gasaustritt-in-der-brueckstrasse/ Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 10. April 2017], abgerufen am 11. November 2021</ref> Der ''Lost Place''-Dokumenteur Tim von Lindenau stellte beim Erkunden des verlassenen und abbruchreifen Gebäudes einen intensiven Gasgeruch im Gebäude fest und meldete dies per Notruf.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=QySWFy6kv0I YouTube-Video der ''Lost Place''-Erkundung], abgerufen am 11. November 2021</ref> Das Gebäude wurde durch die Feuerwehr gelüftet, wodurch die Gaskonzentration schnell auf ein ungefährliches Maß fiel. Später stellte sich heraus, dass ein stadtbekannter Tunichtgut eine zuvor gestohlene Gasflasche in dem Gebäude entleert hatte, um anschließend den Pfand hierfür kassieren zu können.
Irgendwann im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel das Gebäude schließlich zunehmend. Zeitweilig wurde es noch als Flüchtlingsunterkunft für vietnamesische ''Boat People'' genutzt, die auf dem angrenzenden Grundstück nordöstlich der [[Neue Mühlenbrücke|Neuen Mühlenbrücke]] Äcker und Gärten angelegt haben. Diese wurden umgangssprachlich - in Anlehnung an die vietnamesische Stadt - ''[[Klein Saigon]]'' genannt. Die Gärten existieren nicht mehr.


Nachdem man das Gebäude über die Jahre verfallen ließ, wurde es im Sommer 2017 schließlich wegen Baufälligkeit abgebrochen. Bis heute liegt das Gelände brach und soll bald - wie sollte es auch anders sein - mit Mehrparteienhäusern bebaut werden.
Am 10. April 2017 kam es zu einem Großeinsatz von [[Feuerwehr Norden|Feuerwehr]], [[Polizei Norden|Polizei]] und [[Rettungswache|Rettungsdienst]] in dem eigentlich leerstehenden Gebäude, das seinerzeit nur noch als ''Rückzugsort'' von Junkies und Herumtreibern genutzt und verunreinigt wurde.<ref>[https://www.feuerwehr-norden.de/2017/04/10/grosseinsatz-nach-gasaustritt-in-der-brueckstrasse/ Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 10. April 2017], abgerufen am 11. November 2021</ref> Der ''Lost Place''-Dokumenteur Tim von Lindenau stellte beim Erkunden des verlassenen und abbruchreifen Gebäudes einen intensiven Gasgeruch im Gebäude fest und meldete dies per Notruf.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=QySWFy6kv0I YouTube-Video der ''Lost Place''-Erkundung], abgerufen am 11. November 2021</ref> Das Gebäude wurde durch die Feuerwehr gelüftet, wodurch die Gaskonzentration schnell auf ein ungefährliches Maß fiel. Später stellte sich heraus, dass ein stadtbekannter Tunichtgut eine zuvor gestohlene Gasflasche in dem Gebäude entleert hatte, um anschließend das Pfand hierfür kassieren zu können.
 
Nachdem der Eigentümer das Gebäude über die Jahre verfallen ließ, wurde es im Sommer 2017 schließlich wegen Baufälligkeit abgebrochen. Bis heute liegt das Gelände brach und soll mit Mehrparteienhäusern bebaut werden.


==Galerie==
==Galerie==

Aktuelle Version vom 9. Dezember 2025, 12:45 Uhr

Bahnhofshotel

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Basisdaten
Entstehungszeit 1882
Erbauer Familie Kannegiesser
Bauweise (verputzter) Ziegelsteinbau
Erhaltungszustand 2017 abgebrochen
Genaue Lage Brückstraße 22

26506 Norden

Das Bahnhofshotel (Eigenschreibweise: Bahnhof's Hotel) war ein bekanntes Hotel mit Gastwirtschaft an der Brückstraße 22. Es wurde 2017 abgebrochen, das Gelände liegt seither brach. Die angrenzenden Gärten wurden ursprünglich von vietnamesischen Boat People bewirtschaftet und wurden daher umgangssprachlich - in Anlehnung an die vietnamesische Stadt - Klein Saigon genannt.

Geschichte

Für das sehr wahrscheinlich 1882 errichtete Gebäude wurde noch im selben Jahr eine Konzession als Hotel genehmigt.[1][2] Auf alten Bildern steht über dem Bogen der Name N. Kannegiesser, weshalb die Familie Kannegiesser wohl auch die Erbauer war. Gut vier Jahrzehnte lang war das Gebäude als Bahnhofshotel bzw. Bahnhof's Hotel über die Stadtgrenzen bekannt und ein beliebter Treffpunkt, zu dem neben einer Gastwirtschaft auch ein Tanzsaal (Tivoli) gehörte.[2]

Ursprünglich bestand das Grundstück des Hotels aus zwei Grundstücken, die 1882 für den Bau des großen Hotels zusammengelegt wurden. Diese beiden Grundstücke bzw. Häuser waren bereits nachweislich seit mindestens 1719 bebaut bzw. bewohnt. Aus diesen alten Unterlagen geht hervor, dass die Familie Kannegiesser schon seit 1890 nicht mehr im Besitz des Hotels war. Im genannten Jahr wurde ein J. D. Janssen aus Eilsum als neuer Eigentümer genannt. 1897 folgten die Geschwister Grensemann, 1906 Antonius Aden und 1910 Gastwirt Anton Häfts. Seit 1926 gehörte das Gebäude dann der Familie van Stipriaan, die in unmittelbarer Nähe eine Blaufärberei hatten.[3] Es ist daher davon auszugehen, dass der Hotelbetrieb in dieser Zeit eingestellt und das Haus fortan als herkömmliches Wohnhaus genutzt wurde.

Irgendwann im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel das Gebäude schließlich zunehmend. Zeitweilig wurde es noch als Flüchtlingsunterkunft für vietnamesische Boat People genutzt, die auf dem angrenzenden Grundstück nordöstlich der Neuen Mühlenbrücke Äcker und Gärten angelegt haben. Diese wurden umgangssprachlich - in Anlehnung an die vietnamesische Stadt - Klein Saigon genannt. Die Gärten existieren nicht mehr.

Am 10. April 2017 kam es zu einem Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst in dem eigentlich leerstehenden Gebäude, das seinerzeit nur noch als Rückzugsort von Junkies und Herumtreibern genutzt und verunreinigt wurde.[4] Der Lost Place-Dokumenteur Tim von Lindenau stellte beim Erkunden des verlassenen und abbruchreifen Gebäudes einen intensiven Gasgeruch im Gebäude fest und meldete dies per Notruf.[5] Das Gebäude wurde durch die Feuerwehr gelüftet, wodurch die Gaskonzentration schnell auf ein ungefährliches Maß fiel. Später stellte sich heraus, dass ein stadtbekannter Tunichtgut eine zuvor gestohlene Gasflasche in dem Gebäude entleert hatte, um anschließend das Pfand hierfür kassieren zu können.

Nachdem der Eigentümer das Gebäude über die Jahre verfallen ließ, wurde es im Sommer 2017 schließlich wegen Baufälligkeit abgebrochen. Bis heute liegt das Gelände brach und soll mit Mehrparteienhäusern bebaut werden.

Galerie

Einzelnachweise

  1. Liste der Baudenkmale in Norden, abgerufen am 11. November 2021
  2. 2,0 2,1 Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 78
  3. Schreiber, Gretje (1994): Die Bewohner der Brück- und Dammstraße
  4. Einsatzbericht der Feuerwehr Norden vom 10. April 2017, abgerufen am 11. November 2021
  5. YouTube-Video der Lost Place-Erkundung, abgerufen am 11. November 2021

Siehe auch