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Die '''Zingelschule''' war eine mehrklassige Volksschule auf dem ehemaligen [[Kloster Marienthal|Klostergelände]] am [[Am Zingel|Zingel]]. Sie hat ihren Namen durch ihre Lage an dieser Straße erhalten.
Die '''Zingelschule''' war eine mehrklassige Volksschule auf dem ehemaligen [[Kloster Marienthal|Klostergelände]] am [[Am Zingel|Zingel]]. Sie hat ihren Namen durch ihre Lage an dieser Straße erhalten und ging aus der katholischen Schule des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]] bzw. der darauf folgenden, 1850 erbauten Gasthausschule hervor. Der Begriff Gasthaus wurde seinerzeit synonym für ein Armenhaus benutzt und verdeutlicht, dass diese Schule nach der Säkularisierung des Klosters vom [[Armenverband Norden|Armenverband]] unterhalten wurde.
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==Geschichte==
==Geschichte==
*siehe auch: [[Gasthausschule#Geschichte|Geschichte der Gasthausschule]]
Die Gasthausschule bzw. spätere Zingelschule ging aus der Klosterschule des [[Kloster Marienthal|Klosters Marienthal]] hevor, das im Zuge der Reformation säkularisiert (verweltlicht) wurde und damit auch die Lehrkräfte für den Schulbetrieb verlor. Die Besitztümer des Klosters wurden von [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]] beschlagnahmt und für eigene Zwecke verwendet. Durch seine Frau, [[Anna von Oldenburg|Gräfin Anna]], die nach seinem Tod vormundschaftlich für die noch unmündigen Söhne weiterregierte, konnte erwirkt werden, dass ein Teil der beschlagnahmten Güter für den Unterhalt eines [[Gasthaus|Gasthauses]] (Synonym für ''Armenhaus'') mitsamt Schule aufgewendet werden konnten.<ref>Schreiber, Gretje (1996): Das große Gasthaus in Norden, in: Heim und Herd, Beilage zum Ostfriesischen Kurier vom 3. Februar 1996, S. 1ff.</ref>


Vorgänger der Zingelschule war die [[Gasthausschule]], die sich wahrscheinlich an gleicher Stelle, zumindest aber in unmittelbarer Nähe befunden hat. 1850 wurde die Gasthausschule durch einen Nachfolgebau ersetzt, der zunächst weiter diesen Namen trug. 1878 übernahm die Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] die Schule vom [[Armenverband Norden]] und benannte sie nach einer Aufstockung in den Jahren 1880 bis 1881 in ''Zingelschule'' um.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 98</ref> Bis zur Aufstockung bestand das Schulgebäude aus nur einem Stockwerk.<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 30</ref>
1545 erließ Gräfin Anna [[Polizeiordnung#Polizeiordnung von 1545|per Verordnung]] erstmalig eine allgemeine Schulpflicht. Die gräfliche Familie unterstützte den [[Armenverband Norden|Armenverband]] maßgeblich beim Unterhalt der Schule. Brennholz, Bücher, Papier und sonstige Unterrichtsmaterialien wurden mit Mitteln der Armenkasse aufgewandt.<ref name=":02">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 97f.</ref>
 
Die Gasthausschule bestand bis zuletzt in einem der verbliebenen Gebäude des Klosters.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 31</ref> Seit der Reformation wurden die Schulmeister (nicht-akademische Lehrkräfte) von Diakonen und Predigern der [[Ludgerigemeinde Norden|lutherischen Kirchengemeinde]] vorgeschlagen. Jeden Morgen hatten die Schulmeister zudem eine morgendliche Gebetsstunde mit den Bewohnern des Armenhauses abzuhalten. Darüber hinaus mussten sie jeden Donnerstag in der Gasthauskapelle vorsingen und sonntags einen Bibeltext und dessen Auslegung verlesen. Doch damit nicht genug: Auch oblag es den Lehrkräften, Sonntagnachmittags alle Gasthauskinder zur [[Ludgerikirche]] zu führen und die Kinder während der Predigt zu beaufsichtigen und zur Ordnung zu ermahnen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 96</ref>
 
Trotz all der Pflichten war das Gehalt des Gasthauslehrers außerordentlich schlecht.<ref name=":1" /> So ist es nicht verwunderlich, dass dieser zur Aufbesserung seines kargen Gehaltes weitere Schulkinder aufnahm, die eigentlich andere Schulen hätten besuchen müssen. Die Eltern dieser Schulkinder wurden durch ein niedrigeres Schulgeld an die Gasthausschule gelockt, worüber sich die Lehrer der anderen Schulen (zu Recht) beschwerten.<ref name=":02" /> 1865 wurden daraufhin auf Anordnung der kirchlichen Schulbehörde (''Consistorium'') 60 Kinder von der Gasthausschule in die [[Lutherische Klassenschule]] umgeschult.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 98</ref>
 
Etwa 1850 wurde das Gebäude durch einen Neubau ersetzt, vermutlich, um den vermeintlich gehobenen Ansprüchen einer Stadtschule zu entsprechen.<ref name=":02" /> Durch das Volksschulgesetz von 1849 bzw. 1871 wurde die Gasthausschule mit den anderen Schulen gleichgestellt, sodass erstmals auch ein Schulgeld fällig wurde. Gezahlt werden mussten jedoch lediglich 2 1/2 Reichstaler pro Schuljahr. Dennoch hatten viele Eltern Mühe, diese Summe aufzubringen. 1876 wurde die Schule daher auf Beschluss des preußischen Kultusministeriums vom Gesamtschulverband abgetrennt, der erst 1919 mit der Eingemeindung der Gemeinde Sandbauerschaft nach Norden gegenstandslos wurde.<ref name=":2" />
 
Im gleichen Jahr kam es, vermutlich durch den erneuten Wegfall der Schulgebühren, zu einer Überfüllung, die jedoch bereits lange absehbar war. Die Gasthausschule wurde daraufhin von 1880 bis 1881 mit einem Kostenaufwand von 13.500 Mark aufgestockt und in ''[[Zingelschule]]'' umbenannt.<ref name=":2" /><ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 30</ref> Bereits 1878 hatte die Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] die Schule vom [[Armenverband Norden]] übernommen und benannte sie nach Fertigstellung der Bauarbeiten in ''Zingelschule'' um.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 98</ref> Bis zur Vergrößerung um ein Stockwerk bestand das Schulgebäude aus nur einem Stockwerk.<ref>Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 30</ref>


Wie bereits bei der Gasthausschule stammten die meisten Schulkinder aus wirtschaft eher prekären Verhältnissen. Vielen von ihnen mangelte es sogar an geeignetem Schuhwerk, sodass sie barfuß oder nur mit Holzschuhen zur Schule kamen. Bei der Schulbehörde regte man daher an, für die etwa 80 ärmeren Schüler zumindest ein tägliches Frühstück, bestehend aus einem Glas Milch und einem Butterbrot, zu gewährleisten.<ref name=":0" /> Diese sogenannte ''Quäkerspeisung'' kam auch den Kindern der [[Pestalozzischule]] zu Gute.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 141</ref> Der Schuhmangel setzte sich noch bis mindestens in die 1920er Jahre fort.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 99</ref>
Wie bereits bei der Gasthausschule stammten die meisten Schulkinder aus wirtschaft eher prekären Verhältnissen. Vielen von ihnen mangelte es sogar an geeignetem Schuhwerk, sodass sie barfuß oder nur mit Holzschuhen zur Schule kamen. Bei der Schulbehörde regte man daher an, für die etwa 80 ärmeren Schüler zumindest ein tägliches Frühstück, bestehend aus einem Glas Milch und einem Butterbrot, zu gewährleisten.<ref name=":0" /> Diese sogenannte ''Quäkerspeisung'' kam auch den Kindern der [[Pestalozzischule]] zu Gute.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 141</ref> Der Schuhmangel setzte sich noch bis mindestens in die 1920er Jahre fort.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 99</ref>
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!Zeitraum
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!Vollständiger Name
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|1788-1794
|[[Jacob Hicken]]
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|um 1902
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|[[Heinrich Dirksen]]
|[[Heinrich Dirksen]]
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|1910 - 1940
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|[[Heinrich Kollmeyer]]
|[[Heinrich Kollmeyer]]
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