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==Kloster Marienthal==
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| Title = Kloster Marienthal
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[[Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469142) MZ.jpg|mini|Luftaufnahme des [[Kreis-Altersheim|Kreis-Altersheims]]. Gut erkennbar sind die alten Klosterwege und -anlagen (1970).]]
[[Datei:Am Zingel AWO Altersheim altes Kloster Zingelschule Luftbild 1970 (0469142) MZ.jpg|mini|Luftaufnahme des [[Kreis-Altersheim|Kreis-Altersheims]]. Gut erkennbar sind die alten Klosterwege und -anlagen (1970).]]
Das '''Kloster Marienthal''' (lateinisch: ''Vallis sanctae Mariae'') war ein vom katholischen Benediktinerorden (Zisterzienser) am damaligen Stadtrand gegründetes Kloster. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Er war Abt des Klosters Feldwirth bei Appingedam (Niederlande), welches als Mutterkloster der ostfriesischen Benediktinerklöster gilt. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden.
Das '''Kloster Marienthal''' (lateinisch: ''Vallis sanctae Mariae'') war ein vom katholischen Benediktinerorden (Zisterzienser) am damaligen Stadtrand gegründetes Kloster. Der friesische Geschichtsschreiber Eggerik Beninga schreibt die Gründung des Klosters dem Heiligen Sankt Hatebrand zu, der 1198 verstarb. Er war Abt des Klosters Feldwirth bei Appingedam (Niederlande), welches als Mutterkloster der ostfriesischen Benediktinerklöster gilt. Diese These konnte jedoch bis heute nicht eindeutig belegt werden.


Das Kloster war der Heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil ''-t(h)al'' geht auf die im Vergleich zur Kernstadt Norden, die auf dem höchsten Punkt der [[Norder Geestinsel]] errichtet wurde, leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück. 1255 wurde im Kloster der sogenannte [[Norder Vertrag]] unterzeichnet, der oftmals fälschlicherweise als Gründungsvertrag bzw. -datum der [[Stadt Norden]] angesehen wird. Diese ist jedoch wesentlich älter. In Abgrenzung zum jüngeren [[Kloster Norden]] wurde Marienthal auch ''Olde Kloster'', also ''Altes Kloster'', genannt.
Das Kloster war der Heiligen Maria, Mutter von Jesus Christus, geweiht. Der Bestandteil ''-t(h)al'' geht auf die im Vergleich zur Kernstadt Norden, die auf dem höchsten Punkt der [[Norder Geestinsel]] errichtet wurde, leicht abgesenkte, talähnliche Lage zurück. 1255 wurde im Kloster der sogenannte [[Norder Vertrag]] unterzeichnet, der oftmals fälschlicherweise als Gründungsvertrag bzw. -datum der [[Stadt Norden]] angesehen wird. Diese ist jedoch wesentlich älter. In Abgrenzung zum jüngeren [[Kloster Norden]] wurde Marienthal auch ''Olde Kloster'', also ''Altes Kloster'', genannt.
__TOC__
__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, zu dessen Bistum Norden zu dieser Zeit zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref name=":4">Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref>
Marienthal war, wie die anderen frühen Niederlassungen des Benediktinerordens in Ostfriesland, ein Doppelkloster. An der Spitze stand ein Abt; die Nonnenabteilung leitete eine ihm unterstellte Priorin. Über dem Kloster stand der Bischof von Bremen, zu dessen Bistum Norden zu dieser Zeit zugeordnet war. Archäologische Funde belegen eine Nutzung des Geländes bereits in der Zeit vor 1200, weshalb eine Gründung für das 12. Jahrhundert angenommen werden kann.<ref name=":0">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/af/norden04-31.htm Bericht über archäologische Funde] der Ostfriesischen Landschaft</ref> Jedoch ist nicht zweifelsfrei nachgewiesen, ob die Funde tatsächlich dem Kloster oder doch eher anderen Bauten zuzurechnen. Sicher ist, dass das Gelände in vorklösterlicher Zeit landwirtschaftlichen Zwecken diente.<ref name=":4">Bärenfänger, Rolf (2007): Archäologie auf den ehemaligen Klosterplätzen Ostfrieslands, Rahden/Westf, S. 67ff.</ref> [[Gretje Schreiber]] geht in ihren Vermutungen noch weiter zurück und verlegt die Gründung in das Jahr 793.


Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von [[Ubbo Emmius]] soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.<ref name=":0" /> Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.<ref name=":1">Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> An diese alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname [[Am Zingel]]. Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen wurden.<ref name=":0" /> Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzte Form in die romanische Zeit datiert.<ref name=":4" />
Die ersten Bauten des Klosters errichteten die Mönche vermutlich aus Holz. Im 13. Jahrhundert wurde das Kloster erheblich ausgebaut und vermutlich entstand zu dieser Zeit ein neuerlicher Kirchbau. Nach Angaben von [[Ubbo Emmius]] soll Marienthal im 13. Jahrhundert das schönste Kloster zwischen Weser und Ems gewesen sein.<ref name=":0" /> Das Gebiet war mit einer Mauer umfriedet. Der nördliche Teil dieser Umzingelung ist erhalten geblieben.<ref name=":1">Deeters, Walter (1978): Benediktinische Doppelklöster in Ostfriesland. In: Res Frisicae. Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 59, S. 73ff.</ref> An diese alte Mauer erinnert heute noch der Straßenname [[Am Zingel]]. Bei Ausgrabungen konnte nachgewiesen werden, dass in Marienthal Glocken gegossen wurden.<ref name=":0" /> Im Vergleich mit einer ähnlich verzierten Glocke in Dornum wird die in Marienthal genutzte Form in die romanische Zeit datiert.<ref name=":4" />
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* 15 - Bibliothek.
* 15 - Bibliothek.


== Bedeutung für die Stadt ==
==Bedeutung für die Stadt==
Das Kloster genoss ein sehr hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Von 1464 bis 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie [[Cirksena]] als ''Hauskloster''. Als solches bezeichnet man Klöster, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen. Zudem hatte sie dort, wie auch andere vornehme Geschlechter und [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsfamilien]] des [[Norderland|Norderlandes]], von 1464 bis 1548 ihre Grablege (Familiengruft) und brachte ihre unverheirateten Töchter hier unter.<ref name=":3" /> Auch [[Hima Idzinga|Hima]], die letzte aus dem Geschlecht der [[Idzinga]], lebte dort kinderlos bis zu ihrem Tod im Jahre 1439. Das einst mächtigste Geschlecht des Norderlandes erlosch daraufhin.
Das Kloster genoss ein sehr hohes Ansehen. Seine Äbte und Pröbste werden in Zeugenlisten mehrfach an hervorgehobener Stelle genannt. Von 1464 bis 1529 diente es der späteren Grafen- und Fürstenfamilie [[Cirksena]] als ''Hauskloster''. Als solches bezeichnet man Klöster, die in einer besonderen Stellung zu einer adeligen Familie stehen. Die Adelsfamilie ließ dem Kloster in Erwartung besseren Seelenheils finanzielle und materielle Aufwendungen zukommen. Zudem hatte sie dort, wie auch andere vornehme Geschlechter und [[Ostfriesische Häuptlinge|Häuptlingsfamilien]] des [[Norderland|Norderlandes]], von 1464 bis 1548 ihre Grablege (Familiengruft) und brachte ihre unverheirateten Töchter hier unter.<ref name=":3" /> Auch [[Hima Idzinga|Hima]], die letzte aus dem Geschlecht der [[Idzinga]], lebte dort kinderlos bis zu ihrem Tod im Jahre 1439. Das einst mächtigste Geschlecht des Norderlandes erlosch daraufhin.