Vossenhus: Unterschied zwischen den Versionen
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Von den vier Kindern der Eheleute Voss erhielt der älteste, 1821 geborene Sohn [[Reinhard Christoffer Voss]] das Haus gemäß Testament von seiner nun verwitweten Mutter mit Wirkung zum 13. November 1849.<ref name=":5" /> Noch am 24. April 1855 kam im Gasthof der ''Ausschuß für den Eisenbahnbau'' zusammen, der sich für den Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz einsetzte (wozu es erst gut 30 Jahre später kam).<ref>[http://runne.net/rudolf.folkerts/bahnstrecke_norden.html Daten zur Eisenbahnverbindung nach Norden / Norddeich und Sande], abgerufen am 1. Juni 2021</ref> Doch dann verlor sich die Spur der Familie Voss und nach 1863 wurden [[Heinrich Hahn|Heinrich F. Hahn]] und anschließend die Erben des [[Menno Stroman]] als Eigentümer genannt.<ref name=":5" /> | Von den vier Kindern der Eheleute Voss erhielt der älteste, 1821 geborene Sohn [[Reinhard Christoffer Voss]] das Haus gemäß Testament von seiner nun verwitweten Mutter mit Wirkung zum 13. November 1849.<ref name=":5" /> Noch am 24. April 1855 kam im Gasthof der ''Ausschuß für den Eisenbahnbau'' zusammen, der sich für den Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz einsetzte (wozu es erst gut 30 Jahre später kam).<ref>[http://runne.net/rudolf.folkerts/bahnstrecke_norden.html Daten zur Eisenbahnverbindung nach Norden / Norddeich und Sande], abgerufen am 1. Juni 2021</ref> Doch dann verlor sich die Spur der Familie Voss und nach 1863 wurden [[Heinrich Hahn|Heinrich F. Hahn]] und anschließend die Erben des [[Menno Stroman]] als Eigentümer genannt.<ref name=":5" /> | ||
Im Jahre 1870 wurden Haus und Grund von [[Carl Garbe]] erworben, der es noch im gleichen Jahr an den Konditormeister [[Thomas Jodokus Heddinga]] weiterveräußerte und stattdessen den [[Hotel Reichshof|''Reichshof'']] übernahm.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128</ref><ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 61</ref> Heddinga erweiterte sein Geschäft zunächst um eine kleinere Abteilung zur Bonbon-, Schokoladen- und Marzipanherstellung. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung wurde diese Abteilung bald erheblich ausgebaut und man begann mit einer umfangreichen Schokoladenproduktion, das Unternehmen war bekannt als ''[[Schokoladenmanufaktur Heddinga]]'' und wurde 1891 durch Ankauf eines Packhauses nach Süden hin erweitert. Dieses war ursprünglich im Besitz der Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]], wurde 1884 von [[Doornkaat]] zu Getreidelagerzwecken erworben und 1891 schließlich an Heddinga weiter veräußert''.''<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref> Unter Heddingas Sohn und dessen Onkel, dem Senator Seitz, erreichte das Unternehmen seine Blütezeit. In der Saison, zu Weihnachten und zu Ostern, arbeiten hier rund 130 Männer, Frauen und Kinder. Die Erzeugnisse waren nicht nur in Norden, sondern auch in Ostfriesland und darüber hinaus bekannt. Das Unternehmen existierte bis 1934.<ref name=":1" /> | Im Jahre 1870 wurden Haus und Grund von [[Carl Garbe]] erworben, der es noch im gleichen Jahr an den Konditormeister [[Thomas Jodokus Heddinga]] weiterveräußerte und stattdessen den [[Hotel Reichshof|''Reichshof'']] übernahm.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 128</ref><ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 61</ref> Heddinga erweiterte sein Geschäft zunächst um eine kleinere Abteilung zur Bonbon-, Schokoladen- und Marzipanherstellung. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung wurde diese Abteilung bald erheblich ausgebaut und man begann mit einer umfangreichen Schokoladenproduktion, das Unternehmen war bekannt als ''[[Schokoladenmanufaktur Heddinga]]'' und wurde 1891 durch Ankauf eines Packhauses nach Süden hin erweitert. Dieses war ursprünglich im Besitz der Tabakmanufaktur [[Steinbömer & Lubinus]], wurde 1884 von [[Doornkaat]] zu Getreidelagerzwecken erworben und 1891 schließlich an Heddinga weiter veräußert''.''<ref>Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 60f.</ref> Unter Heddingas Sohn und dessen Onkel, dem Senator Seitz ([[August Seitz]] ?), erreichte das Unternehmen seine Blütezeit. In der Saison, zu Weihnachten und zu Ostern, arbeiten hier rund 130 Männer, Frauen und Kinder. Die Erzeugnisse waren nicht nur in Norden, sondern auch in Ostfriesland und darüber hinaus bekannt. Das Unternehmen existierte bis 1934.<ref name=":1" /> | ||
Anschließend wurde das Gebäude bis 1972 Sitz des Landhandels [[Mennenga & Poppinga|''Mennenga & Poppinga'']], die danach in das neue Gewerbegebiet [[Am Norder Tief]] umzogen (später ''Kiebitzmarkt''). Das Vossenhus wurde von der Wohnungsbaugesellschaft ''Neue Heimat'' übernommen, die sich bereits verantwortlich für die Zerstörung des Großteils der südlichen [[Altstadt]] zeichnete, welche euphemistisch als [[Altstadtsanierung]] bezeichnet wurde. 1974 drohte dem stark sanierungsbedürftigen Haus daher der Abbruch. Nur der Initiative engagierter Bürger ist es zu verdanken, dass das Haus durch einen städtischen Ankauf gerettet werden konnte. Gemeinsam wurden wichtige Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes durchgeführt, wobei das Packhaus allerdings planiert wurde. Die Stadtverwaltung ließ das Vossenhus schließlich von 1980 bis Dezember 1982 durch das Architekturbüro von Oppeln aus dem benachbarten Berum zur Stadtbibliothek umbauen, die dort seit 1983 ihren Sitz hat.<ref name=":0" /> An der Stelle des Packhauses wurde das [[Weiterbildungszentrum]] errichtet, welches 1981 eingeweiht wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 93</ref> | Anschließend wurde das Gebäude bis 1972 Sitz des Landhandels [[Mennenga & Poppinga|''Mennenga & Poppinga'']], die danach in das neue Gewerbegebiet [[Am Norder Tief]] umzogen (später ''Kiebitzmarkt''). Das Vossenhus wurde von der Wohnungsbaugesellschaft ''Neue Heimat'' übernommen, die sich bereits verantwortlich für die Zerstörung des Großteils der südlichen [[Altstadt]] zeichnete, welche euphemistisch als [[Altstadtsanierung]] bezeichnet wurde. 1974 drohte dem stark sanierungsbedürftigen Haus daher der Abbruch. Nur der Initiative engagierter Bürger ist es zu verdanken, dass das Haus durch einen städtischen Ankauf gerettet werden konnte. Gemeinsam wurden wichtige Maßnahmen zur Sicherung des Gebäudes durchgeführt, wobei das Packhaus allerdings planiert wurde. Die Stadtverwaltung ließ das Vossenhus schließlich von 1980 bis Dezember 1982 durch das Architekturbüro von Oppeln aus dem benachbarten Berum zur Stadtbibliothek umbauen, die dort seit 1983 ihren Sitz hat.<ref name=":0" /> An der Stelle des Packhauses wurde das [[Weiterbildungszentrum]] errichtet, welches 1981 eingeweiht wurde.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 93</ref> | ||