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Auf dem Grundstück der späteren Brauerei Beck wurde bereits seit 1634, also noch zu Zeiten des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618-1648) Bier gebraut. Zu dieser Zeit gehörte die Brauerei der Familie Ufen.<ref name=":2">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 1</ref><ref name=":4">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 21</ref> Obgleich das Bierbrauen eine lange Tradition hat und Bier noch lange vor Tee und Kaffee, die hierzulande erst zu Beginn des 18. Jahrhundert aufkommen, als Volksgetränk galt und einen guten Ruf hatte, organisierten sich die Bierbrauer erst verhältnismäßig spät in einer [[Brauerzunft]]. Im Jahr der Zunftgründung betrug die Zahl der örtlichen Bierbrauer 30, bereits im Folgejahrhundert sank diese Zahl jedoch zusehends. Der Tee begann das Bier als Volksgetränk abzulösen und die Nachfrage danach stieg immer weiter, während der Bierkonsum schwand.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 64</ref> 1761 gab es nur noch 17 Bierbrauer in Norden. Diese begannen nicht mehr nur für den Eigengebrauch (z.B. die eigene Gaststätte), sondern auch für den Handel zu produzieren, um ihren Absatz zu steigern und gingen in Kooperation mit anderen Gaststätten. 1804 gab es noch zwölf Brauereien. 1819 waren es nur noch acht und diese waren allesamt mit einer Gaststätte verbunden.<ref name=":0" />
Auf dem Grundstück der späteren Brauerei Beck wurde bereits seit 1634, also noch zu Zeiten des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618-1648) Bier gebraut. Zu dieser Zeit gehörte die Brauerei der Familie Ufen.<ref name=":2">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 1</ref><ref name=":4">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 21</ref> Obgleich das Bierbrauen eine lange Tradition hat und Bier noch lange vor Tee und Kaffee, die hierzulande erst zu Beginn des 18. Jahrhundert aufkommen, als Volksgetränk galt und einen guten Ruf hatte, organisierten sich die Bierbrauer erst verhältnismäßig spät in einer [[Brauerzunft]]. Im Jahr der Zunftgründung betrug die Zahl der örtlichen Bierbrauer 30, bereits im Folgejahrhundert sank diese Zahl jedoch zusehends. Der Tee begann das Bier als Volksgetränk abzulösen und die Nachfrage danach stieg immer weiter, während der Bierkonsum schwand.<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 64</ref> 1761 gab es nur noch 17 Bierbrauer in Norden. Diese begannen nicht mehr nur für den Eigengebrauch (z.B. die eigene Gaststätte), sondern auch für den Handel zu produzieren, um ihren Absatz zu steigern und gingen in Kooperation mit anderen Gaststätten. 1804 gab es noch zwölf Brauereien. 1819 waren es nur noch acht und diese waren allesamt mit einer Gaststätte verbunden.<ref name=":0" />


Noch unter der Familie Ufen wurde das bis heute erhaltene, vordere Gebäude im Jahre 1808 errichtet.<ref name=":1" /> 1832 kam die Brauerei in den Besitz der Gebrüder Pauls. Die Gebrüder Pauls, selbst keine gelernten Kaufmänner, führten die Brauerei mit großem Geschick und beschäftigten auch Lehrlinge. Einer von ihnen war der spätere Teeimporteur [[Onno Behrends]], der bei den Brüdern die Grundlagen der Betriebsführung erlernte und von ihnen sogar Privatstunden in Englisch finanziert bekamen.<ref name=":3">Rast, Friedemann (1987): 100 Jahre Onno Behrends, Norden, S. 6</ref>
Noch unter der Familie Ufen wurde das bis heute erhaltene, vordere Gebäude im Jahre 1808 errichtet.<ref name=":1" /> 1832 kam die Brauerei in den Besitz der Gebrüder Pauls. Die Gebrüder Pauls, selbst keine gelernten Kaufmänner, führten die Brauerei mit großem Geschick und beschäftigten auch Lehrlinge. Einer von ihnen war der spätere Teeimporteur [[Onno Behrends]], der bei den Brüdern die Grundlagen der Betriebsführung erlernte und von ihnen sogar Privatstunden in Englisch finanziert bekamen.<ref name=":3">Rast, Friedemann (1987): 100 Jahre Onno Behrends, Norden, S. 6</ref> Letzteres mag in der verzweigten Verwandtschaft der Familie Pauls zusammenhängen, die - beginnend mit [[Reemt Uvo Pauls]] - familiäre Verbindungen nach England hatten. So sollte auch der später als Maler regional bekanntgewordene Deutsch-Brite [[Edward Uvo Pauls]] ursprünglich die Geschicke der Familienbrauerei fortführen.<ref name=":02">[https://www.kultur-in-emden.de/2024/03/25/familiengeschichte-in-neuer-norder-ausstellung/ Bericht zur Familiengeschichte Pauls], abgerufen am 30. April 2024</ref>


1864 existierten noch zwei Brauereien, die nur Bier produzierten, ohne eine eigene Gaststätte zu betreiben. Dazu kamen fünf Gaststätten, die Bier im Nebenerwerb produzierten.<ref name=":0" /> Die Paul'sche Brauerei bekam dann 1882 finanzstarke, regionale Konkurrenz durch die neue, bedeutend größere [[Brauerei Doornkaat]] zu [[Westgaste]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79</ref>
1864 existierten noch zwei Brauereien, die nur Bier produzierten, ohne eine eigene Gaststätte zu betreiben. Dazu kamen fünf Gaststätten, die Bier im Nebenerwerb produzierten.<ref name=":0" /> Die Paul'sche Brauerei bekam dann 1882 finanzstarke Konkurrenz durch die neue, bedeutend größere [[Brauerei Doornkaat]] in [[Westgaste]].<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 79</ref>


30 Jahre später, 1912, kam [[Georg Beck]] in den Besitz der Paul'schen Brauerei.<ref name=":4" /><ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5</ref> Seine Brauerei, die 1934 noch rückwärtig erweitert wurde, bestand noch viele Jahre fort, ehe sie dem geänderten Trinkverhalten und dem großen Wettbewerb erlag.<ref name=":1" /><ref name=":4" /> Das Gebäude wurde daraufhin vom Schriftsteller [[Hansjörg Martin]] erworben, der hier eine Gastronomie (''Charleston;'' später ''Chaco'' oder ''Tschako'') und Wohnungen einrichtete und hierzulande vor allem durch den - später verfilmten - Roman [[Kein Schnaps für Tamara|''Kein Schnaps für Tamara'']] bekannt wurde.<ref name=":4" /> Nach ihm wurde das Gebäude umgangssprachlich auch ''Martinshaus'' genannt. Gegen Ende der 1980er Jahre befand sich hier dann ein chinesisches Restaurant (''Shanghai'').
30 Jahre später, 1912, kam [[Georg Beck]] in den Besitz der Paul'schen Brauerei.<ref name=":4" /><ref>Ocken, Ihno (1996): Entstehung und Entwicklung des Sports in der Stadt Norden, Norden, S. 5</ref> Seine Brauerei, die 1934 noch rückwärtig erweitert wurde, bestand noch viele Jahre fort, ehe sie dem geänderten Trinkverhalten und dem großen Wettbewerb erlag.<ref name=":1" /><ref name=":4" /> Das Gebäude wurde daraufhin vom Schriftsteller [[Hansjörg Martin]] erworben, der hier eine Gastronomie (''Charleston;'' später ''Chaco'' oder ''Tschako'') und Wohnungen einrichtete und hierzulande vor allem durch den - später verfilmten - Roman [[Kein Schnaps für Tamara|''Kein Schnaps für Tamara'']] bekannt wurde.<ref name=":4" /> Nach ihm wurde das Gebäude umgangssprachlich auch ''Martinshaus'' genannt. Gegen Ende der 1980er Jahre befand sich hier dann ein chinesisches Restaurant (''Shanghai'').
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==Siehe auch==
==Siehe auch==
*[[Doornkaat]]
*[[Brauerei Doornkaat]]
*[[Schiffswerft Herlyn]] (ehemals Pauls)


[[Kategorie:Gewerbe im Stadtgebiet]]
[[Kategorie:Gewerbe im Stadtgebiet]]