Rathaus: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
Das Grundstück des heutigen Rathauses war Standort eines bereits im 16. Jahrhundert erwähnten Gebäudes.<ref name=":0">Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 72ff.</ref><ref name=":3">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 2</ref> Erster bekannter Besitzer war [[Folpt Harringa]] | Das Grundstück des heutigen Rathauses war Standort eines bereits im 16. Jahrhundert erwähnten Gebäudes.<ref name=":0">Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich - Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 72ff.</ref><ref name=":3">Cremer, Ufke (1938): Die Hausnummern Nordens im Jahre 1812, Norden, S. 2</ref> Erster bekannter Besitzer war [[Folpt Harringa]], der als solcher am 8. Dezember 1554 genannt wurde. Am 18. März 1662 wurden [[Jacob Ulferts]] und seine Ehefrau [[Essa Sophie Friese]] als Eigentümer genannt.<ref name=":5">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 61</ref> | ||
1735 ließ sich der Apotheker [[Redolf Wilhelm Wenckebach]], jüngster Sohn des Ratsherrn [[Redlef Wilhelm Wenckebach]], in Norden wieder. Redolf Wenckebach hatte das Haus in jener Zeit geerbt, sodass Vermutungen bestehen, dass er hier auch seine Apotheke betrieb. Bereits am 15. Februar 1759 verkaufte Wenckebach das Haus für 2.225 Gulden in Gold an [[Franz Ebbing]] und dessen Braut [[Gebcke Jacobs Silomon]].<ref name=":5" /> | |||
Am 29. Juli 1771 erwarb [[Anna Dorothea Leewen]], Witwe des [[Deichrichter|Deichrichters]] [[Jochum Diedrich Fridag]] das Haus für 3.500 Gulden in Gold.<ref name=":5" /> Die Familie blieb nur wenige Jahre im Besitz des Hauses. Zuletzt soll hier nach Angaben von [[Gerhard Canzler]] die als ''[[Madame Fridag]]'' bekannte Anna Julia Agathe Fridag, geb. Hüllesheim gewohnt haben.<ref name=":4" /> Da diese jedoch erst 1803 geboren ist, kommen hier eher ihre Eltern oder Großeltern in Betracht. Nach ihrem Tod fiel ihr Eigentum offenbar an den Gerichtsassessor [[Dothias Christian Kettler]] zu Esens und einen männlichen Nachkommen namens Fridag, der in Leer zu dieser Zeit als Kriegsrat tätig war.<ref name=":4" /><ref>[https://gedbas.genealogy.net/person/show/1152402810 Genealogische Aufzeichnung zu Dothias Christian Kettler], abgerufen am 29. März 2022</ref> | |||
Laut Vertrag vom 22. November 1783<ref name=":4" /> (oder 12. Dezember 1783)<ref name=":5" /> wurden Grundstück und Gebäude von ihnen für 2.750 Reichstaler<ref name=":4" /> (oder Gulden)<ref name=":5" /> in Gold an den Kaufmann [[Doede Lübberts Cremer]] veräußert.<ref name=":5" /><ref name=":4">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 136</ref> 1778 kam hier [[Antje ten Doornkaat Koolman (1778)|Antje ten Doornkaat Koolman, geb. Cremer]] zur Welt.<ref>[http://www.familie-herlyn.de/webtrees/individual.php?pid=I10505&ged=familie_herlyn.ged Stammbaum der Familie Herlyn], abgerufen am 22. März 2021</ref><ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/DoornkaatKoolman_Jan_I.pdf Biographie des Jan ten Doornkaat Koolman] in der der Personendatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Nach dessen Tod im Jahre 1810 ging das das Anwesen in den Besitz seines Sohnes [[Sicco Doden Cremer]] über, nachdem er die Miterben mit 7.200 Gulden in Gold auszahlte.<ref name=":4" /> Das Gebäude umfasste seinerzeit eine Vielzahl an großzügigen Räumen, die teilweise Namen hatten. So wurde das südliche Zimmer, das zum Garten zeigte, ''Gartenzimmer'' genannt. Den Arbeitsbereich (heute wurde man wohl ''Büro'' sagen) umfasste ein südlich zum gepflasterten Hof gelegenes sowie das zum [[Marktplatz]] ausgerichtete Zimmer. Ein anderes, im hinteren Bereich gelegenes Zimmer wurde ''Fehnzimmer'' genannt.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 51</ref> Cremer war zeitlebens (auch) Direktor der [[Norder Fehngesellschaft]] und erledigte die damit anfallenden Verwaltungsaufgaben wohl von hier aus. | |||
Cremer wiederum vermachte es 1852 an seinen Schwiegersohn, den mennonitischen Prediger [[Laurenz van Hülst]].<ref name=":0" /><ref name=":3" /><ref name=":5" /><ref name=":4" /> Dieser ließ den vorhandenen Bau im Jahre 1855 abbrechen und an gleicher Stelle die bis heute erhaltene Villa als Wohnhaus für sich errichten. Nach seinem Tode ging das Wohnhaus zunächst in den Besitz von van Hülst's Ehefrau, [[Peta van Hülst|Peta van Hülst, geb. Cremer]]. Nach ihrem Ableben im Jahre 1874 erbte ihr gemeinsamer Sohn [[Sicco Theodor van Hülst]] Haus und Grund.<ref name=":5" /><ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> | |||
Nachdem er das Gebäude einige Zeit selbst als Wohnhaus nutzte, verkaufte er es am 10. Mai 1884 für 50.000 Mark an die [[Stadt Norden]], die zu diesem Zeitpunkt dringend nach einem Ersatz für das zu klein gewordene [[Altes Rathaus|Alte Rathaus]] gesucht hatte, doch erst im Sommer 1884 erfolgte der Umzug der Stadtverwaltung.<ref name=":5" /><ref name=":1" /> Am 23. September 1884 tagte der [[Magistrat]] dann erstmals im neuen Rathaus.<ref name=":1" /> Die Familie van Hülst errichte sich indes ein [[Haus van Hülst|neues Anwesen]] an der [[Doornkaatlohne]]. | |||
Neben dem Haupthaus erwarb die Stadt 1885 auch die [[Dritte Schwester]]. Das Parterre wurde der Polizei als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref>Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37ff.</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden zudem ab etwa 1886 als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt.<ref>Archivunterlagen der Feuerwehr Norden</ref> Der rechte Bau (mit der Hausnummer 14) wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Das Gebäude bzw. seine Fassade nebst Giebel wurde erst im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref name=":0" /> | |||
Erstmalig, um ihre Macht auch in Norden für jedermann sichtbar zu demonstrieren, hissten die Nationalsozialisten die Hakenkreuzfahne am Vormittag des 6. März 1933 am Rathaus. Das gleiche Zeremoniell vollzogen sie anschließend am [[Fräuleinshof]], dem Sitz des [[Landkreis Norden]].<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt, ist doch Montagvormittags seit jeher stets auch [[Wochenmarkt]]. | Erstmalig, um ihre Macht auch in Norden für jedermann sichtbar zu demonstrieren, hissten die Nationalsozialisten die Hakenkreuzfahne am Vormittag des 6. März 1933 am Rathaus. Das gleiche Zeremoniell vollzogen sie anschließend am [[Fräuleinshof]], dem Sitz des [[Landkreis Norden]].<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 29</ref> Der Zeitpunkt war sicherlich nicht zufällig gewählt, ist doch Montagvormittags seit jeher stets auch [[Wochenmarkt]]. | ||