Drei Schwestern: Unterschied zwischen den Versionen
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Die Bewohner der drei Schwestern waren vor allem Kaufleute und Handwerker. Anhand alter Verkaufsunterlagen lässt sich schließen, dass hier im Laufe der Jahre vor allem Schmiede, Klempner, Buchbinder, Tischer, Hutfabrikanten und ein Bäcker mitsamt seiner Bäckerei ansässig waren.<ref name=":2" /><ref name=":3">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 77</ref> | Die Bewohner der drei Schwestern waren vor allem Kaufleute und Handwerker. Anhand alter Verkaufsunterlagen lässt sich schließen, dass hier im Laufe der Jahre vor allem Schmiede, Klempner, Buchbinder, Tischer, Hutfabrikanten und ein Bäcker mitsamt seiner Bäckerei ansässig waren.<ref name=":2" /><ref name=":3">Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 77</ref> | ||
Die Dritte Schwester wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Sein Giebel wurde im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref name=":4" /> Die beiden anderen Schwestern sind originalgetreu erhalten, was in erster Linie seinen früheren Besitzer, dem [[Henry Campen|Schlachtermeister Campen]], zu verdanken ist.<ref name=":3" /> | |||
Die linke und mittlere Schwester werden heute für gewerbliche Zwecke genutzt. Die rechte Schwester beherbergte nach ihrem Wiederaufbau ursprünglich das städtische Fremdenverkehrsbüro, heute eine Hospizgruppe sowie eine Außenstelle der ''Ostfriesen Zeitung''. | |||
==== Erste Schwester (Nr. 12) ==== | |||
Erstmals erwähnt wird die Erste Schwester am 27. Februar 1615, als [[Johan Luetkens]] und seine Ehefrau [[Rendelich Agena]] ein Darlehen bei Meister [[Heinrich Kemerling]] und dessen Ehefrau [[Marieken Kemerling]] aufnahmen. Als Sicherheit für dieses Darlehen nannten sie ihr hier in Rede stehendes Haus. Am 4. Mai 1615 wird die Lage des Hauses konkretisiert, sodass gesichert ist, dass das Haus zu jener Zeit Luetkens und Agena gehörte. Ihnen war das Haus aus der Erbschaft des [[Ulpherten Jemminga]] (Ulfert von Jemgum) zugefallen.<ref name=":5">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 55</ref> | |||
Die nächsten bekannten Eigentümer waren die Erben des [[Alberti Steinfeld]].<ref name=":5" /> Dieser Name fällt auch im Zusammenhang mit einer Erbschaft des Hauses an der nahegelegenen [[Sielstraße 2]].<ref name=":03">Schreiber, Gretje (1998): Norder Häuser, Die Bewohner der Sielstraße (I), in: Ostfriesischer Kurier, 13./14. Juni 1998</ref> Am 26. Juli 1773 verkauften seine Töchter das Haus mitsamt Zubehör. Die Töchter werden namentlich lediglich als ''Frau Capitaininn de Groot'' und ''Jungfer Steinfelds'' genannt.<ref name=":5" /> Aus dem Verkaufsinserat bzw. der Hausbeschreibung lässt sich erkennen, dass an das Hauseigentum die Pflicht gebunden war, die [[Sielstraße]] halbseitig bis zum Grenzpfahl des Hauses von [[Hero Folkerts]] zu unterhalten.<ref name=":6">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 56</ref> | |||
Das Haus wurde sodann für 1.080 Gulden vom Notar [[Bruno Heilmann]] erworben. Bereits vier Jahre später, am 4. Oktober 1777, wurde das Haus erneut verkauft. [[Evert Zacharias Rugge]], wie sein Vater Hutmacher von Beruf, erwarb es gemeinsam mit seiner Ehefrau [[Jefste Johanna Edzarts]] für 500 Reichstaler in Gold. Ihre Kinder erbten das Haus gemeinsam, der Sohn [[Zacharias Evert Rugge]] und die Tochter [[Geerdje Johanna Rugge]] erwarben es am 4. Oktober 1815 für 3.700 Gulden in Gold von den anderen Geschwistern. Seit dem 25. März 1817 war Zacharias alleiniger Eigentümer des Hauses, der dafür seiner Schwester die Hälfte des vorgenannten Betrags auszahlte, doch schon einen Tag später verkaufte er es wieder für 4.000 Gulden an den Kaufmann [[Heinrich Oldendorf]].<ref name=":6" /> | |||
Ab 1862 war [[Hajo Block|Hajo J. Block]] und ab 1868 [[Harm Wilgrubs|Harm J. Wilgrubs]].<ref name=":6" /> Wilgrubs erwarb um 1885 das Haus an der [[Brückstraße 11]].<ref>Schreiber, Gretje (1994): Die Bewohner der Brück- und Dammstraße</ref> Ihm folgte [[Gerhard Jäger|Gerhard F. Jäger]] und dem wiederum [[Hermann Extra]].<ref name=":6" /> | |||
Erkenntnissen des [[Diedrich Soltau]] zufolge soll sich in der Ersten Schwester nachfolgend das erste Café in Norden befunden haben. Betreiber waren demnach [[Albrecht Barth]] und seine Frau [[Swantje Coordes]]. Zuvor war Barth Konditorwerkmeister in der [[Schokoladenmanufaktur Heddinga]] gewesen. Lange soll es leider nicht Bestand haben, da Barth als dem ''bayerischen Bier zugeneigt'' beschrieben wird. Bereits im Brandkataster von 1882 wurde das Café bereits nicht mehr erwähnt.<ref name=":6" /> | |||
Spätestens seit 1897 war das Haus dann im Besitz des Klempnermeisters [[Reinhard Ihmels]] und des Kupferschmieds [[Kempo Ihmels]]. In den Adressbüchern von 1926 sowie 1950/1951 wurde Klempnermeister [[Heinrich Ihmels]] erwähnt. Seit spätestens 1974 war [[Henry Campen|Schlachtermeister Henry Campen]], zu verdanken ist.<ref name=":3" /> | |||
Seit 2003 befand sich hier der Fahrradhandel ''De Fietsenmoaker'' (niederdeutsch für: ''Der Fahrradmacher''), der im Januar 2022 in das Haus [[Neuer Weg 73]] umzog. | |||
===== Zweite Schwester (Nr. 13) ===== | |||
==== Dritte Schwester (Nr. 14) ==== | |||
Namentlich lassen sich die Bewohner der Dritten Schwester seit 1662 zurückverfolgen. 1815 erwarb [[Sicco Doden Cremer]] das Gebäude, dessen Vater [[Doede Lübberts Cremer]] bereits 1783 den benachbarten Bau erworben hatte, auf dessen Grund sein Schwiegersohn [[Laurenz van Hülst]] um 1855 jene Stadtvilla errichten ließ, in der sich bis heute das [[Rathaus]] befindet.<ref name=":2" /><ref name=":12">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Dritte Schwester diente dem Kutscher der Familie als Wohnsitz.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50</ref> | Namentlich lassen sich die Bewohner der Dritten Schwester seit 1662 zurückverfolgen. 1815 erwarb [[Sicco Doden Cremer]] das Gebäude, dessen Vater [[Doede Lübberts Cremer]] bereits 1783 den benachbarten Bau erworben hatte, auf dessen Grund sein Schwiegersohn [[Laurenz van Hülst]] um 1855 jene Stadtvilla errichten ließ, in der sich bis heute das [[Rathaus]] befindet.<ref name=":2" /><ref name=":12">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Huelst.pdf Haddinga, Johann (2007): Biographie des Sicco Theodor van Hülst], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Dritte Schwester diente dem Kutscher der Familie als Wohnsitz.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 50</ref> | ||
Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt auch die Dritte Schwester. Der hintere, untere Teile wurde der [[Polizei Norden|Polizei]] als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37-40</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden ab etwa 1886 auch als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt. Die übrigen Räume wurden vermietet. In einer dieser vermieteten Wohnungen lebte der Polizeisergeant Hinrich Bohlken mit seiner Familie, sein mittelbarer Nachbar war der Polizeisergeant Frank oder Fritz Leopold. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bezeichnung ''Sergeant'' der zweitunterste Dienstgrad. Er war Vorgesetzter der [[Polizeidiener|''Polizeidiener'']], stand jedoch noch unter den ''Wachtmeistern''.<ref name=":0" /> Bis zu ihrem Umzug im Oktober 1945 in den [[Engenahof]] blieb die Norder Polizei hier ansässig. | Mit dem Umzug der Stadtverwaltung in das neue, bis heute als solches genutzte [[Rathaus]] im Herbst 1883 erwarb die Stadt auch die Dritte Schwester. Der hintere, untere Teile wurde der [[Polizei Norden|Polizei]] als Dienstsitz zur Verfügung gestellt, deren Umzug vom [[Wachthaus (Norden)|Wachthaus am Marktplatz]] zeitnah erfolgte.<ref name=":0">Haddinga, Johann (2010): Die Polizei und ihre Geschichte(n), in: Heim und Herd vom 20. Oktober 2018, Beilage Ostfriesischer Kurier Nr. 10, S. 37-40</ref> Räumlichkeiten hinter der Dritten Schwester wurden ab etwa 1886 auch als [[Spritzenhaus (Am Markt)|Spritzenhaus]] für die [[Feuerwehr Norden|Norder Feuerwehr]] genutzt. Die übrigen Räume wurden vermietet. In einer dieser vermieteten Wohnungen lebte der Polizeisergeant Hinrich Bohlken mit seiner Familie, sein mittelbarer Nachbar war der Polizeisergeant Frank oder Fritz Leopold. Seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts war die Bezeichnung ''Sergeant'' der zweitunterste Dienstgrad. Er war Vorgesetzter der [[Polizeidiener|''Polizeidiener'']], stand jedoch noch unter den ''Wachtmeistern''.<ref name=":0" /> Bis zu ihrem Umzug im Oktober 1945 in den [[Engenahof]] blieb die Norder Polizei hier ansässig. | ||
Ab 1948/1949 beherbergte die Dritte Schwester das ''[[Volksbildungswerk]]'' und wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Sein Giebel wurde im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref>Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 74</ref> Die Arbeiten wurden im September des Jahres abgeschlossen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> | Ab 1948/1949 beherbergte die Dritte Schwester das ''[[Volksbildungswerk]]'' und wurde 1963 für den Bau eines Parkplatzes abgebrochen, was leider dem [[Altstadtsanierung|damaligen Zeitgeist]] geschuldet war. Sein Giebel wurde im Jahre 1991 anhand von alten Fotografien rekonstruiert.<ref name=":4">Haddinga, Johann / Stromann, Martin (2001): Norden/Norddeich – Eine ostfriesische Küstenstadt stellt sich vor, Norden, S. 74</ref> Die Arbeiten wurden im September des Jahres abgeschlossen.<ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 48</ref> | ||
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