Vossenhus: Unterschied zwischen den Versionen
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Das '''Vossenhus''' wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war zunächst ein reines Wohnhaus. Später wurde es als Gasthof, als Süßwarenfabrik und als Landhandel benutzt. Bekannt ist das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute vor allem durch die hier seit 1983 ansässige Stadtbibliothek. Sein Namen bedeutet im Niederdeutschen sinngemäß ''Fuchshaus''; ein Fuchs auf einer Sandsteinplatte ziert das Mauerwerk etwa mittig der zum Markt gewandten Seite. | Das '''Vossenhus''' wurde im 16. Jahrhundert erbaut und war zunächst ein reines Wohnhaus. Später wurde es als Gasthof, als Süßwarenfabrik und als Landhandel benutzt. Bekannt ist das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude heute vor allem durch die hier seit 1983 ansässige Stadtbibliothek. Sein Namen bedeutet im Niederdeutschen sinngemäß ''Fuchshaus''; ein Fuchs auf einer Sandsteinplatte ziert das Mauerwerk etwa mittig der zum Markt gewandten Seite. | ||
[[Ufke Cremer]] bezeichnete das Haus fälschlicherweise auch als ''De Valke''. Tatsächlich wurde so jedoch ein (benachbartes) Haus genannt, auf dem später die [[Schwanen-Apotheke]] errichtet wurde. | |||
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== Geschichte == | == Geschichte == | ||
Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Ebenso unklar ist, wer das Gebäude erbaute. Es bestehen jedoch Hinweise darauf, dass die [[Kankena]] hierfür verantwortlich sind.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 46</ref> Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, | Der Bau des Gebäudes kann nicht mehr eindeutig datiert werden, ist aber im frühen 16. Jahrhundert zu suchen. Ebenso unklar ist, wer das Gebäude erbaute. Es bestehen jedoch Hinweise darauf, dass die [[Kankena]] hierfür verantwortlich sind.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 46</ref> | ||
Zunächst bestand nur der linke (nördliche) Teil. Es handelte sich um ein für Ostfriesland typisches Steinhaus, welches im frühen 16. Jahrhundert giebelständig zum [[Marktplatz]] errichtet wurde, ähnlich wie beispielsweise der [[Engenahof]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland, Oldenburg, S. 163ff.</ref><ref name=":3">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 41</ref> Der Steinbau ist durch die weiße Fassade an der dem Markt zugewandten Seite nicht mehr zu erkennen, an den Seiten hingegen schon. Diese Fassade ist das Ergebnis einer 1796 durchgeführten Umgestaltung, in dessen Rahmen auch die Sandsteinplatte mit dem den Namen versinnbildlichenden ''Fuchs'' in das Mauerwerk eingelassen wurde.<ref name=":0" /> Bei den verwendeten Ziegelsteinen handelt es sich um das [[Klosterformat|große Klosterformat]].<ref name=":3" /> | |||
Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1606 urkundlich nachweisbar, dem unter anderem auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref name=":1">[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8800.1&object=tx%7C3170.8800.1 Das Vossenhus in Norden], abgerufen am 4. Mai 2021</ref> Dieser hat das Gebäude jedoch offenbar bereits 1605 an seinen Schwager, den Norder Bürgermeister [[Otto Loringa]], überlassen. Auch wird ein [[Heye Beners]] als Besitzer in diesem Zeitraum genannt.<ref name=":0" /> Die genauen Eigentumsverhältnisse bleiben daher unklar. | Als ältester Besitzer des Gebäudes ist der Drost [[Ulrich Harringa]] für das Jahr 1606 urkundlich nachweisbar, dem unter anderem auch der [[Hof Selden Rüst]] in [[Westgaste]] zugerechnet wird.<ref name=":1">[https://www.norden.de/index.php?ModID=7&FID=3170.8800.1&object=tx%7C3170.8800.1 Das Vossenhus in Norden], abgerufen am 4. Mai 2021</ref> Dieser hat das Gebäude jedoch offenbar bereits 1605 an seinen Schwager, den Norder Bürgermeister [[Otto Loringa]], überlassen. Auch wird ein [[Heye Beners]] (oder Hayo Beners) nebst Ehefrau Trine als Besitzer in diesem Zeitraum genannt.<ref name=":0" /><ref name=":4">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 42</ref> Die genauen Eigentumsverhältnisse bleiben daher unklar. Möglicherweise bewohnten sie getrennte Teile des Gebäudes. | ||
Im Jahre 1616 stand das Haus | Im Jahre 1616 stand das Haus laut einer Steuerliste im Eigentum von [[Jobst Warner Conring]].<ref name=":1" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref> Conring war der erste einer langen Reihe von Landrentmeistern (oberster Finanzverwalter) der Ostfriesischen Stände und ein Vetter des bekannten Universalgelehrten [[Hermann Conring]].<ref name=":1" /> In erster Ehe war er mit Maria Heyen, Tochter des vorgenannten Heye Beners, seit dem 2. Februar 1612 verheiratet.<ref name=":1" /><ref name=":4" /> Aus dieser Ehe heraus gelangte Conring in den Besitz des Vossenhus. 1623 floh er nach Emden, wo er bis zu seinem Tode als Landrentmeister tätig war. Am 4. August 1632 heiratete er ein zweites Mal, genau zwei Monate später veräußerte er das Vossenhus an seinen Schwager [[Folpt Ulferts]], der mit Ette Heyen von Kankebeer verheiratet war.<ref name=":1" /><ref name=":4" /> Laut Kaufvertrag gehörten zu diesem Zeitpunkt 19 [[Diemat]] Land zum Anwesen.<ref name=":2" /> Ebenfalls geht aus dem Kaufvertrag hervor, dass das Vossenhus schon den Großeltern seiner ersten Ehefrau gehörte. Aus diesem Umstand heraus ist es fraglich, ob Lorina tatsächlich Eigentümer des Hauses gewesen sein kann.<ref name=":4" /> | ||
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangt das Gebäude in den Besitz des [[Reiner Christoph Voss]]. Nach dessen Tode erbte sein Sohn [[Johann Christoph Voss]] den Besitz und ließ das Haus samt Garten, Scheune und Packraum im Jahre 1770 auf seinen Namen eintragen. Seine Witwe erweiterte den Besitz 1784, was von einem wirtschaftlichen Wohlergehen der Kaufmanns- und Weinhändlerfamilie zeugt. Ihr Sohn, der Weinhändler [[Lambert Voss]], richtete 1781 in dem damaligen Giebelhaus einen Gasthof ein. Badegäste auf der Weiterreise nach Norderney konnten von nun an im ''Vossenhus'' übernachteten.<ref name=":1" /> Lambert ließ auch die Sandsteintafel mit dem Fuchs (niederdeutsch: Voss) an dem Gebäude anbringen.<ref name=":0" /> | Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gelangt das Gebäude in den Besitz des [[Reiner Christoph Voss]]. Nach dessen Tode erbte sein Sohn [[Johann Christoph Voss]] den Besitz und ließ das Haus samt Garten, Scheune und Packraum im Jahre 1770 auf seinen Namen eintragen. Seine Witwe erweiterte den Besitz 1784, was von einem wirtschaftlichen Wohlergehen der Kaufmanns- und Weinhändlerfamilie zeugt. Ihr Sohn, der Weinhändler [[Lambert Voss]], richtete 1781 in dem damaligen Giebelhaus einen Gasthof ein. Badegäste auf der Weiterreise nach Norderney konnten von nun an im ''Vossenhus'' übernachteten.<ref name=":1" /> Lambert ließ auch die Sandsteintafel mit dem Fuchs (niederdeutsch: Voss) an dem Gebäude anbringen.<ref name=":0" /> | ||