Gräfliches Haus: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Das '''(Hoch-)Gräfliche Haus''' wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von [[Edzard Ferdinand Cirksena]] erhalten, der hier als ''Graf von Norden'' residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma [[Otto G. Soltau GmbH]], wobei der Betrieb nur den rechten, ursprünglichen Teil des einst wesentlich größeren Hauses einnimmt. Der linke Teil wurde 1906 für den Bau des [[Postamt|Postamtes]] abgebrochen und beherbergte dieses bis zum Neubau.  
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|Entstehungszeit
|16. Jahrhundert
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|Erbauer
|Katharina von Schweden
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|Bauweise
|Ziegelsteinbau
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|(teilweise) erhalten
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|[[Am Markt]] 6
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Das '''(Hoch-)Gräfliche Haus''' wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von [[Edzard Ferdinand Cirksena]] erhalten, der hier als ''Graf von Norden'' residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma [[Otto G. Soltau GmbH]].  
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__TOC__
==Geschichte==
==Geschichte==
Das Gebäude wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Erster bekannter Eigentümer war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]], durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die [[Cirksena|Cirksenas]] in den europäischen Hochadel aufstiegen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>
Das erst später so genannte ''Gräfliche'' bzw. ''Hochgräfliche Haus'' wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Ursprünglich erstreckte es sich auf zwei Grundstücke mit den [[Hausnummerierung|einstigen Hausnummern]] 6 1/2 und 7.
 
===ehem. Nr. 7===
Als erster bekannter Eigentümer des Hauses 6 1/2 bzw. 7 (linker Teil; nachfolgend nur noch Nr. 7 genannt) wurde der 1625 verstorbene Hofgerichtssekretär [[Viglius Wiarda|Dr. Viglius Wiarda]] im Jahre 1627 erwähnt. Ihm folgte als Eigentümerin bis mindestens 1632 seine Witwe.<ref name=":22">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 31</ref>
 
===ehem. Nr. 8===
Erster bekannter Eigentümer der Nr. 8 war der Hofgerichtsassessor [[Caspar Alteneich|Dr. Caspar Alteneich]].<ref name=":0">Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70</ref> Dessen Witwe [[Dirkjen König]] verkaufte das Haus am 8. Dezember 1630 an [[Ulrich II. Cirksena|Graf Ulrich II. von Ostfriesland]].<ref>Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 36</ref> Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von [[Edzard II. Cirksena|Graf Edzard II.]], durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die [[Cirksena|Cirksenas]] in den europäischen Hochadel aufstiegen.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191</ref>
 


1665 wurde das Gebäude von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />
1665 wurde das Gebäude von [[Edzard Ferdinand Cirksena|Edzard Ferdinand]], dem dritten Sohn von [[Ulrich II. Cirksena]] bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als ''Graf von Norden'' in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das [[Ekeler Torenhus]].<ref name=":0" />
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1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]].<ref name=":0" /><ref name=":1" />
1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn [[Friedrich Ulrich Cirksena|Friedrich Ulrich]] fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des [[Altes Rathaus|Alten Rathauses]].<ref name=":0" /><ref name=":1" />


1755 wurde der rechte Gebäudeteil von der Familie ''von Closter'' erworben, weshalb es zu dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt wurde, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte [[Gasthof Jerusalem]].<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44</ref> Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt [[Ocke Meewes Verwer]] für 4.700 Reichstaler in Gold. Auf dessen Antrag hin wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.<ref name=":3" />
Am 20. Juli 1755 erwarb der [[Ratsherr]] [[Gerhard Thodens Thoden]] das aus vier Oberkammern, einem großen Saal, fünf Hinterkammern, zwei Küchen und einem ansehnlichen Vorhaus nebst zweier gewölbter Keller und einer Scheune bestehende Anwesen von Fürstin Marie Charlotte von Ostfriesland (1689-1761) zum Preis von gerade einmal 2.000 Gulden.<ref name=":4">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 32</ref> Seit 1793 gehörte der Familie Thoden (van Felsen oder Velsen) auch das [[Haus Vienna]].<ref name=":1" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref>
 
Nur wenige Tage später, am 21. August 1755 verkaufte Thoden dem ''Baron von Closter,'' vermutlich Gerhard Sigismund Baron von Closter (1717-1776) den östlichen Flügel des Gebäudes sowie den südlich liegenden Keller.<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":4" /> Der Baron hatte diesen bereits seit geraumer Zeit gemietet. Das gesamte Haus wurde seit dieser Zeit auch ''Kloster'' genannt, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Den restliche Teil des Hauses behielt Thoden für sich. Nach seinem Tod erbten seine vier Töchter den verbliebenen Besitz am Haus.<ref name=":5">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 33</ref>
 
Die Töchter verkauften den Besitz am 8. Juli 1782 an Justizrat Hedden für 4.082 Gulden. Am 27. März 1786 erwarb der ehemalige [[Bürgermeister]] Nordens, [[Enno Ludwig Franzius]], den Teil des Hauses. Von diesem wiederum ging es am 14. Mai 1791 an Karl Gustav Freiherr von Inn- und Knyphausen aus Leer zum Preis von 2.300 Reichstalern.<ref name=":5" /><ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref>
 
Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte [[Gasthof Jerusalem]].<ref name=":3">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44</ref> Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt [[Ocke Meewes Verwer|Ocke Meewes Verwer (oder Verver)]] für 4.700 Reichstaler in Gold. Den linken Teil kaufte der [[Magistrat]] der Familie Inn- und Knyphausen am gleichen Tag ab.<ref name=":6">Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 35</ref>
 
Am 24. Januar 1859 verkaufte der Magistrat den linken Gebäudeteil dem königlichen Generalpostdirektorium für 3.400 Taler in Gold.<ref name=":6" /> Von da an bis zur Fertigstellung des [[Postamt|Neuen Postamts]] befand sich hier das Kaiserliche Postamt.<ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9</ref>


Der linke Teil gehörte vom gleichen Jahr an dem [[Stadtrat|Ratsherren]] aus der niederländisch-ostfriesischen Familie ''Thoden van Felsen'', denen seit 1793 auch das [[Haus Vienna]] gehörte.<ref name=":1" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38</ref> 1791 fiel das Gebäude an das Geschlecht derer von Innhausen und Knyphausen (vermutlich in Person des Abkömmlings Carl-Gustav, ursprünglich wohnhaft in Leer).<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192</ref> Von 1859 bis zur Fertigstellung des [[Postamt|Postamts]] im Jahre 1908 diente linke Teil des Gebäudes als solches.<ref name=":2" /><ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9</ref>
Auf Antrag Ververs wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.<ref name=":3" />


Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der [[Soltau Kurier Norden]] und seit der Trennung nur noch die Druckerei von [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref>
Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil des Gräflichen Hauses 1906 abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der [[Soltau Kurier Norden]] und seit der Trennung nur noch die Druckerei von [[Otto G. Soltau GmbH|Otto G. Soltau]] befindet.<ref>[https://ostfriesischer-kurier.de/ Internetseite des Soltau Kurier Norden], abgerufen am 12. März 2021</ref> Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender [[Radio Nordseewelle]] ansässig.<ref>[https://www.nlm.de/fileadmin/dateien/aktuell/Ausschreibung_UKW_Inselradio_Final_v_24-9-13.pdf Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt], abgerufen am 8. Mai 2021</ref>


==Beschreibung==
==Beschreibung==
Das Gebäude ist ein zweigeschössiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten [[Postamt|Postamtes]] nichts mehr vorhanden.
Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten [[Postamt|Postamtes]] nichts mehr vorhanden.


==Trivia==
==Trivia==

Version vom 5. März 2024, 14:27 Uhr

Gräfliches Haus

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Basisdaten
Entstehungszeit 16. Jahrhundert
Erbauer Katharina von Schweden
Bauweise repräsentatives Stadthaus
Erhaltungszustand erhalten
Genaue Lage Am Markt 6

26506 Norden

Das (Hoch-)Gräfliche Haus wurde ursprünglich als Wohnhaus errichtet. Seinen Namen hat es von Edzard Ferdinand Cirksena erhalten, der hier als Graf von Norden residierte. Hauptnutzer seit 1922 ist die Firma Otto G. Soltau GmbH, wobei der Betrieb nur den rechten, ursprünglichen Teil des einst wesentlich größeren Hauses einnimmt. Der linke Teil wurde 1906 für den Bau des Postamtes abgebrochen und beherbergte dieses bis zum Neubau.

Geschichte

Das erst später so genannte Gräfliche bzw. Hochgräfliche Haus wurde vermutlich im 16. Jahrhundert errichtet und im 17. Jahrhundert erstmalig ausgebaut. Ursprünglich erstreckte es sich auf zwei Grundstücke mit den einstigen Hausnummern 6 1/2 und 7.

ehem. Nr. 7

Als erster bekannter Eigentümer des Hauses 6 1/2 bzw. 7 (linker Teil; nachfolgend nur noch Nr. 7 genannt) wurde der 1625 verstorbene Hofgerichtssekretär Dr. Viglius Wiarda im Jahre 1627 erwähnt. Ihm folgte als Eigentümerin bis mindestens 1632 seine Witwe.[1]

ehem. Nr. 8

Erster bekannter Eigentümer der Nr. 8 war der Hofgerichtsassessor Dr. Caspar Alteneich.[2] Dessen Witwe Dirkjen König verkaufte das Haus am 8. Dezember 1630 an Graf Ulrich II. von Ostfriesland.[3] Erbaut wurde das Gebäude jedoch wahrscheinlich von Katharina von Schweden (1584-1638) aus dem Hause Wasa, Witwe von Graf Edzard II., durch dessen Heirat mit der Tochter aus dem Geschlecht der Wasa die Cirksenas in den europäischen Hochadel aufstiegen.[4]


1665 wurde das Gebäude von Edzard Ferdinand, dem dritten Sohn von Ulrich II. Cirksena bezogen, der sich hier nachfolgend einen eigenen, kleinen Hofstaat einrichtete und daher auch als Graf von Norden in die ostfriesische Geschichte eingegangen ist. Sein Vater hatte das Haus im Jahre 1630 von der Witwe des Caspar Alteneich erworben. Drei Jahre zuvor erwarb Edzard Ferdinand bereits das Ekeler Torenhus.[2]

1668 starb Edzard Ferdinand, sodass der Besitz an seinen Sohn Friedrich Ulrich fiel. Nach dessen Tod im Jahre 1710 wiederum fiel es an den Grafen von Wied-Runkel, der die Tochter von Friedrich Ulrich geheiratet hatte und damit erbberechtigt war. 1694 und 1708 wurde das ohnehin schon stattliche Gebäude durch den Ankauf und den Ausbau in nördlicher Richtung weiter vergrößert und erhielt einen Treppenturm ähnlich der des Torenhuses und des Alten Rathauses.[2][4]

Am 20. Juli 1755 erwarb der Ratsherr Gerhard Thodens Thoden das aus vier Oberkammern, einem großen Saal, fünf Hinterkammern, zwei Küchen und einem ansehnlichen Vorhaus nebst zweier gewölbter Keller und einer Scheune bestehende Anwesen von Fürstin Marie Charlotte von Ostfriesland (1689-1761) zum Preis von gerade einmal 2.000 Gulden.[5] Seit 1793 gehörte der Familie Thoden (van Felsen oder Velsen) auch das Haus Vienna.[4][6]

Nur wenige Tage später, am 21. August 1755 verkaufte Thoden dem Baron von Closter, vermutlich Gerhard Sigismund Baron von Closter (1717-1776) den östlichen Flügel des Gebäudes sowie den südlich liegenden Keller.[2][4][5] Der Baron hatte diesen bereits seit geraumer Zeit gemietet. Das gesamte Haus wurde seit dieser Zeit auch Kloster genannt, obgleich es mit einem solchen nichts gemein hatte.[2][4] Den restliche Teil des Hauses behielt Thoden für sich. Nach seinem Tod erbten seine vier Töchter den verbliebenen Besitz am Haus.[7]

Die Töchter verkauften den Besitz am 8. Juli 1782 an Justizrat Hedden für 4.082 Gulden. Am 27. März 1786 erwarb der ehemalige Bürgermeister Nordens, Enno Ludwig Franzius, den Teil des Hauses. Von diesem wiederum ging es am 14. Mai 1791 an Karl Gustav Freiherr von Inn- und Knyphausen aus Leer zum Preis von 2.300 Reichstalern.[7][8]

Der Familie von Closter gehörte später auch kurzzeitig der benachbarte Gasthof Jerusalem.[9] Sie verkauften den rechten Teil des Gräflichen Hauses am 6. Oktober 1851 an den Gastwirt Ocke Meewes Verwer (oder Verver) für 4.700 Reichstaler in Gold. Den linken Teil kaufte der Magistrat der Familie Inn- und Knyphausen am gleichen Tag ab.[10]

Am 24. Januar 1859 verkaufte der Magistrat den linken Gebäudeteil dem königlichen Generalpostdirektorium für 3.400 Taler in Gold.[10] Von da an bis zur Fertigstellung des Neuen Postamts befand sich hier das Kaiserliche Postamt.[8][11]

Auf Antrag Ververs wurde 1872 der östlich vom Gräflichen Hause liegende und zu diesem gehörende Garten nebst Scheune vom Gasthof Jerusalem abgetrennt und dieser an ihn überschrieben.[9]

Um Platz für den Neubau des Postamts zu schaffen, wurde der linke Teil des Gräflichen Hauses 1906 abgebrochen, sodass seitdem und bis heute nur noch der rechte verblieb, in dem sich von 1861 bis 1922 der Soltau Kurier Norden und seit der Trennung nur noch die Druckerei von Otto G. Soltau befindet.[12] Soltau hatte den rechten Gebäudeteil offenbar seit 1861 gepachtet und wurde erst später dessen Eigentümer. Bis heute ist das Gebäude Sitz der Druckerei. Seit dem 30. April 2015 ist hier neben der Druckerei auch der Radiosender Radio Nordseewelle ansässig.[13]

Beschreibung

Das Gebäude ist ein zweigeschossiger Backstein- bzw. Klinkerbau. Von dem ehemaligen Treppenturm sowie dem linken Gebäudeteil ist seit dem Bau des benachbarten Postamtes nichts mehr vorhanden.

Trivia

Unmittelbar nach Beginn des Ersten Weltkriegs brachte der Ostfriesische Kurier ein Extrablatt heraus. Bei der Ausgabe sammelte sich eine jubelnde Menschenmenge vor dem Gebäude und sang gemeinsam das patriotische Lied Die Wacht am Rhein.[14]

Galerie

Einzelnachweise

  1. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 31
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 70
  3. Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 36
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 191
  5. 5,0 5,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 32
  6. Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 38
  7. 7,0 7,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 33
  8. 8,0 8,1 Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 192
  9. 9,0 9,1 Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 44
  10. 10,0 10,1 Schreiber, Gretje (1992): Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich, S. 35
  11. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 9
  12. Internetseite des Soltau Kurier Norden, abgerufen am 12. März 2021
  13. Bekanntmachung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt, abgerufen am 8. Mai 2021
  14. Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 14

Siehe auch