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==Geschichte==
==Geschichte==
Erstmalig erwähnt wird eine Schule in Ostermarsch im Jahre 1687 in Unterlagen zur Einstellung des [[Dirk Meenßen]] zum dortigen Schulmeister (nicht-akademische Lehrkraft). Aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1693 wird ersichtlich, dass den Eltern der schulpflichtigen Kindern (auch "Interessenten" genannt) zur Finanzierung des Schulunterhaltes 20 Gulden und 4 Stüber aus der Verpachtung von Land im [[Mandepolder]] (Mandeheller) zustünden. In diesem Jahr wurde ein [[Johan von Honard]] von Aurich an die Ostermarscher Schule versetzt. 1696 wird [[Evers Arendts]] der neue Schulmeister.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 50</ref>
Erstmalig erwähnt wird eine Schule in Ostermarsch im Jahre 1687 in Unterlagen zur Einstellung des [[Dirk Meenßen]] zum dortigen Schulmeister (nicht-akademische Lehrkraft). Aus einer Abrechnung aus dem Jahre 1693 wird ersichtlich, dass den Eltern der schulpflichtigen Kindern (auch ''Interessenten'' genannt) zur Finanzierung des Schulunterhaltes 20 Gulden und 4 Stüber aus der Verpachtung von Land im [[Mandepolder]] (Mandeheller) zustünden. In diesem Jahr wurde ein [[Johan von Honard]] von Aurich an die Ostermarscher Schule versetzt. 1696 wird [[Evers Arendts]] der neue Schulmeister.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 50</ref>


Das erst bekannte Schulgebäude maß etwa 22 x 8 Meter (überliefert: 72 x 27 Fuß) und umfasste auch eine Lehrerwohnung. Diese wiederum enthält ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche und eine Milchkammer. Im Hinterhaus wurde ein Kuh- und ein Schweinestall sowie ein Lagerraum für Torf und Heu errichtet, auch ein Garten gehörte zum Grundstück. Der Finanzierung der Schule dienten bis ins 20. Jahrhundert neben Pachteinnahmen aus schuleigenen Ländereien ("Schulland") auch Schulgebühren, die von den Eltern der Schulkindern zu tragen waren.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Ostermarsch.pdf Beschreibung von Ostermarsch] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref>
Das erst bekannte Schulgebäude maß etwa 22 x 8 Meter (überliefert: 72 x 27 Fuß) und umfasste auch eine Lehrerwohnung. Diese wiederum enthält ein Wohn- und Schlafzimmer, eine Küche und eine Milchkammer. Im Hinterhaus wurde ein Kuh- und ein Schweinestall sowie ein Lagerraum für Torf und Heu errichtet, auch ein Garten gehörte zum Grundstück. Der Finanzierung der Schule dienten bis ins 20. Jahrhundert neben Pachteinnahmen aus schuleigenen Ländereien (''Schulland'') auch Schulgebühren, die von den Eltern der Schulkindern zu tragen waren.<ref name=":1">[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Ostermarsch.pdf Beschreibung von Ostermarsch] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref>


Für die kommenden Jahre scheint es keine Aufzeichnungen zu geben. Erst am 30. April 1801 wird wieder ein Schulmeister in Ostermarsch erwähnt. An diesem Tag trat [[Frerich Hinrichs]] dieses Amt an.<ref>StAA, Rep. 139, 868</ref>
Für die kommenden Jahre scheint es keine Aufzeichnungen zu geben. Erst am 30. April 1801 wird wieder ein Schulmeister in Ostermarsch erwähnt. An diesem Tag trat [[Frerich Hinrichs]] dieses Amt an.<ref>StAA, Rep. 139, 868</ref>


Spätestens seit dem 5. September 1825 standen dem Lehrer, der zu dieser Zeit etwa 50 Kinder unterrichtete, je Kind ein unterschiedliches Schulgeld zu, das sich anhand des Umfangs des Unterrichts bemaß. Kinder, die nur lesen lernen, hatten 1 3/4 Stüber zu zahlen, diejenigen, die auch schreiben lernen mussten 2 1/4 Stüber bezahlen. Die Kinder, die alles (lesen, schreiben und rechnen) lernen sollten, mussten 2 3/4 Stüber bezahlen. Als eine Art Grundbetrag mussten zusätzlich 6 Reichstalern zu zahlen. Im Winterhalbjahr mussten die Interessenten auch die Erwärmung des Schulgebäudes mit 12 Stübern "Torfgeld" bezahlen. Darüber hinaus mussten sie jährlich jeweils 1/6 Tonne an Gerste entrichten.<ref name=":0" />  
Spätestens seit dem 5. September 1825 standen dem Lehrer, der zu dieser Zeit etwa 50 Kinder unterrichtete, je Kind ein unterschiedliches Schulgeld zu, das sich anhand des Umfangs des Unterrichts bemaß. Kinder, die nur lesen lernen, hatten 1 3/4 Stüber zu zahlen, diejenigen, die auch schreiben lernen mussten 2 1/4 Stüber bezahlen. Die Kinder, die alles (lesen, schreiben und rechnen) lernen sollten, mussten 2 3/4 Stüber bezahlen. Als eine Art Grundbetrag mussten zusätzlich 6 Reichstalern zu zahlen. Im Winterhalbjahr mussten die Interessenten auch die Erwärmung des Schulgebäudes mit 12 Stübern ''Torfgeld'' bezahlen. Darüber hinaus mussten sie jährlich jeweils 1/6 Tonne an Gerste entrichten.<ref name=":0" />  


Der Schulmeister schrieb halbjährlich Rechnungen über die Beträge, die von den Erziehungsberechtigten direkt an ihn zu entrichten waren. Hieraus ist zu ersehen, dass es mehrfach zu säumigen Zahlungen kam. Konnte der Lehrer das Geld nicht anders eintreibe, wandte er sich an das zuständige Amt (i.S. von Landkreis; siehe [[Amt Norden]] und [[Amt Berum]]) oder an die Kirchenbehörde in Aurich. In den meisten Fällen wurden seine Klagen stattgegeben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 51</ref>
Der Schulmeister schrieb halbjährlich Rechnungen über die Beträge, die von den Erziehungsberechtigten direkt an ihn zu entrichten waren. Hieraus ist zu ersehen, dass es mehrfach zu säumigen Zahlungen kam. Konnte der Lehrer das Geld nicht anders eintreibe, wandte er sich an das zuständige Amt (i.S. von Landkreis; siehe [[Amt Norden]] und [[Amt Berum]]) oder an die Kirchenbehörde in Aurich. In den meisten Fällen wurden seine Klagen stattgegeben.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 51</ref>
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Im Jahre 1875 wird in der Schule eine Hinterküche erbaut. 1879 wird das Schulgebäude mangels Raum um weitere 3 Meter verlängert. Am 24. Februar 1898 wird der Kauf eines Grundstückes für eine neue Schule besiegelt und 1899 fertiggestellt. 1907 befinden sich 65 Kinder aus Ostermarsch und 16 Kinder aus Junkersrott in der Schule. Sämtliche Kinder sind evangelischen Glaubens. Ab 1907 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 unterrichtete dort der durch seine naturkundlichen Studien bekannt gewordene Lehrer [[Otto Leege]], nach dem ein gutes Jahrhundert später der [[Otto-Leege-Platz |anliegende Platz]] benannt worden ist. 1920 unterrichtete Lehrer Leege 89 Schulkinder - davon 42 Jungen<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 52</ref> - in einer Klasse. 1923 sind es noch 88.<ref name=":1" />
Im Jahre 1875 wird in der Schule eine Hinterküche erbaut. 1879 wird das Schulgebäude mangels Raum um weitere 3 Meter verlängert. Am 24. Februar 1898 wird der Kauf eines Grundstückes für eine neue Schule besiegelt und 1899 fertiggestellt. 1907 befinden sich 65 Kinder aus Ostermarsch und 16 Kinder aus Junkersrott in der Schule. Sämtliche Kinder sind evangelischen Glaubens. Ab 1907 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1924 unterrichtete dort der durch seine naturkundlichen Studien bekannt gewordene Lehrer [[Otto Leege]], nach dem ein gutes Jahrhundert später der [[Otto-Leege-Platz |anliegende Platz]] benannt worden ist. 1920 unterrichtete Lehrer Leege 89 Schulkinder - davon 42 Jungen<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 52</ref> - in einer Klasse. 1923 sind es noch 88.<ref name=":1" />


Zum 1. Oktober 1914 wurde wegen der Überfüllung der Schule eine zweite Lehrerstelle in Ostermarsch geplant. Auch eine zweite Klasse sollte eingerichtet werden. Beide Vorhaben fielen jedoch aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkriegs aus. So kam es, dass die Schule bis zuletzt eine für kleine Dörfer übliche Einraumschule blieb und eine zweite Lehrerstelle erst zum 1. April 1950 eingerichtet wurde. 1963 wurde die Ostermarscher Schule letztlich geschlossen. Die Grundschüler besuchten zunächst die Schule in Neßmersiel. Nachdem Ostermarsch zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil Nordens wurde, wurden die Schüler der [[Grundschule Norddeich]] zugewiesen.<ref name=":1" />
Zum 1. Oktober 1914 wurde wegen der Überfüllung der Schule eine zweite Lehrerstelle in Ostermarsch geplant. Auch eine zweite Klasse sollte eingerichtet werden. Beide Vorhaben fielen jedoch aufgrund des einsetzenden Ersten Weltkriegs aus. So kam es, dass die Schule bis zuletzt eine für kleine Dörfer übliche ''Einraumschule'' blieb und eine zweite Lehrerstelle erst zum 1. April 1950 eingerichtet wurde. 1963 wurde die Ostermarscher Schule letztlich geschlossen. Die Grundschüler besuchten zunächst die Schule in Neßmersiel. Nachdem Ostermarsch zum 1. Juli 1972 ein Stadtteil Nordens wurde, wurden die Schüler der [[Grundschule Norddeich]] zugewiesen.<ref name=":1" />


Das Schulgebäude in Ostermarsch befindet sich heute im Besitz der Stadt Norden und wird als Dorfgemeinschaftshaus für unterschiedlichste Aktivitäten genutzt. An jedem ersten Sonntag im Monat wird hier zudem ein Gottesdienst angeboten.<ref>[https://www.norden-ludgeri.de/Gottesdienste/Andere-Predigtorte/Ostermarsch0 Internetseite der Ludgerigemeinde Norden] , abgerufen am 18. April 2021</ref>
Das Schulgebäude in Ostermarsch befindet sich heute im Besitz der Stadt Norden und wird als Dorfgemeinschaftshaus für unterschiedlichste Aktivitäten genutzt. An jedem ersten Sonntag im Monat wird hier zudem ein Gottesdienst angeboten.<ref>[https://www.norden-ludgeri.de/Gottesdienste/Andere-Predigtorte/Ostermarsch0 Internetseite der Ludgerigemeinde Norden] , abgerufen am 18. April 2021</ref>