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==Geschichte==
==Geschichte==
Erste, schriftlich überlieferte Überlegungen zum Bau einer öffentlichen Kanalisation stammen aus dem Jahr 1879. Auf Beschluss des [[Stadtrat|Stadtrats]] vom 29. Mai 1879 bildete der [[Magistrat]] am 6. August 1879 eine Kommission, die sich mit der Planung einer solchen befassen sollte. Viel geschah nicht und so kam das Thema am 15. November 1892 erneut auf. Es vergingen weitere vier Jahre, bis [[Norder Fehngesellschaft|Fehninspektor]] Iggena einen Planungsbericht vorlegte. Doch das Vorhaben versandete erneut, bis man sich schließlich im Frühjahr 1907, 28 Jahre nach Beginn der Planungen, für den Beibehalt des bisherigen Zustands entschied. Ein gutes Vierteljahrhundert später kam das Thema erneut auf. Am 11. Oktober 1932 enthält das Protokoll des [[Magistrat|Magistrats]] kurze Notizen über erneute Planungsvorhaben. Doch auch diesmal kam das Projekt zum Erliegen.<ref name=":0">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 11</ref>
Erste, schriftlich überlieferte Überlegungen zum Bau einer öffentlichen Kanalisation stammen aus dem Jahr 1879. Auf Beschluss des [[Stadtrat|Stadtrats]] vom 29. Mai 1879 bildete der [[Magistrat]] am 6. August 1879 eine Kommission, die sich mit der Planung einer solchen befassen sollte. Viel geschah nicht und so kam das Thema am 15. November 1892 erneut auf. Es vergingen weitere vier Jahre, bis [[Norder Fehngesellschaft|Fehninspektor]] Iggena einen Planungsbericht vorlegte. Doch das Vorhaben versandete erneut, bis man sich schließlich im Frühjahr 1907, 28 Jahre nach Beginn der Planungen, für den Beibehalt des bisherigen Zustands entschied. Ein gutes Vierteljahrhundert später kam das Thema erneut auf. Am 11. Oktober 1932 enthält das Protokoll des [[Magistrat|Magistrats]] kurze Notizen über erneute Planungsvorhaben. Doch auch diesmal kam das Projekt zum Erliegen.<ref name=":0">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 11</ref>
 
[[Datei:Am Hafen Dammstraße Bau Kanalisation 01 1959 01.JPG|mini|Bau der Kanalisation [[Am Hafen]] / [[Dammstraße]] (Januar 1959).]]
Konkret wurden die Planungen erst, nachdem das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) erklärte, Norden zur Garnisonsstadt machen zu wollen. Schon 1938 begann die Kriegsmarine mit dem Bau des [[Marine-Durchgangslager Tidofeld|Marine-Durchgangslagers in Tidofeld]]. Am 14. März 1939 wurde das Kanalisationsprojekt daher nun ernsthaft angegangen. Dem Ingenieursbüro Vaupel wurde hierbei der Auftrag für die Planerstellung erteilt. Allen Beteiligten erwartete ein knapper, eigentlicher nicht einzuhaltender Zeitrahmen von nicht einmal einem Jahr. Das OKM hatte den 1. April 1940 als Termin für die Fertigstellung festgelegt, was in Anbetracht der großen Anstrengungen natürlich niemals möglich gewesen wäre.<ref name=":0" /><ref name=":1">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 12</ref> Dennoch wurde mit den Arbeiten begonnen.
Konkret wurden die Planungen erst, nachdem das Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) erklärte, Norden zur Garnisonsstadt machen zu wollen. Schon 1938 begann die Kriegsmarine mit dem Bau des [[Marine-Durchgangslager Tidofeld|Marine-Durchgangslagers in Tidofeld]]. Am 14. März 1939 wurde das Kanalisationsprojekt daher nun ernsthaft angegangen. Dem Ingenieursbüro Vaupel wurde hierbei der Auftrag für die Planerstellung erteilt. Allen Beteiligten erwartete ein knapper, eigentlicher nicht einzuhaltender Zeitrahmen von nicht einmal einem Jahr. Das OKM hatte den 1. April 1940 als Termin für die Fertigstellung festgelegt, was in Anbetracht der großen Anstrengungen natürlich niemals möglich gewesen wäre.<ref name=":0" /><ref name=":1">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 12</ref> Dennoch wurde mit den Arbeiten begonnen.


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Kurz nach Kriegsende, am 13. April 1946, wurden die Planvorhaben wieder aufgegriffen. Es dauerte jedoch erneut bis 1952, dass diese konkret wurden. Die neuen Entwürfe sahen nun ebenfalls eine landwirtschaftliche Verwertung der Abwässer vor. In einem Gutachten des Diplomingenieurs Wilhelma wird dabei gar von einem ''"volkswirtschaftlichen Erfolg"'' gesprochen. Dies erschien nun ohnehin als einzige Möglichkeit, da die Ableitung in die Nordsee von Seiten des [[Niedersachsen Ports|Wasserwirtschaftsamtes]] in Aurich verboten wurde. Aber auch diesmal mehrten sich Bedenken gegen eine entsprechende Verwertung, insbesondere unter dem Hinweis auf neue Industrieansiedlungen, deren Abwässer sich wohl kaum für die Landwirtschaft nutzen ließen. Außerdem wurde angemahnt, dass die Planenden bis dahin nicht zwischen Abwasser und Regenwasser unterschieden hatten, die qualitativ völlig unterschiedlich sind.<ref name=":3">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 15</ref>
Kurz nach Kriegsende, am 13. April 1946, wurden die Planvorhaben wieder aufgegriffen. Es dauerte jedoch erneut bis 1952, dass diese konkret wurden. Die neuen Entwürfe sahen nun ebenfalls eine landwirtschaftliche Verwertung der Abwässer vor. In einem Gutachten des Diplomingenieurs Wilhelma wird dabei gar von einem ''"volkswirtschaftlichen Erfolg"'' gesprochen. Dies erschien nun ohnehin als einzige Möglichkeit, da die Ableitung in die Nordsee von Seiten des [[Niedersachsen Ports|Wasserwirtschaftsamtes]] in Aurich verboten wurde. Aber auch diesmal mehrten sich Bedenken gegen eine entsprechende Verwertung, insbesondere unter dem Hinweis auf neue Industrieansiedlungen, deren Abwässer sich wohl kaum für die Landwirtschaft nutzen ließen. Außerdem wurde angemahnt, dass die Planenden bis dahin nicht zwischen Abwasser und Regenwasser unterschieden hatten, die qualitativ völlig unterschiedlich sind.<ref name=":3">Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 15</ref>
[[Datei:Innenstadt Kanalisation Straße 1963 01.jpg|links|mini|Kanalisationsarbeiten in der Innenstadt (1963).]]
[[Datei:Innenstadt Kanalisation Straße 1963 01.jpg|mini|Kanalisationsarbeiten in der Innenstadt (1963).]]
Nach längeren Vorverhandlungen wurde schließlich am 4. Oktober 1954 der Diplomingenieur Preußner aus Hamburg mit der Überarbeitung der bestehenden Pläne beauftragt.<ref name=":3" /> Am 21. August 1956 legte Preußner den fertigen Entwurf einer vollständigen Schmutzwasserkanalisation mit Pumpwerken und [[Kläranlage]] vor. Sowohl seine Ausarbeitung als auch die verantwortlichen Behörden erkannten nun die Notwendigkeit einer Ableitung des geklärten Abwassers in das [[Norder Tief]]. Allerdings verweigerte das Wasserwirtschaftsamt dahingehend seine Zustimmung, als dass die Planungen unverändert keine Trennung zwischen Regen- und Abwasser vorsahen. Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verweigerte unter diesen Bedingungen seine Zustimmung und erteilte am 21. September 1957 die Auflage, einen Entwurf für eine gesonderte Regenwasserkanalisation nachzureichen. Nachdem dies gelang, wurde am 17. März 1958 die Genehmigung erteilt und am 25. August des Jahres beschloss der [[Stadtrat]] die Ausführung des ersten Bauabschnitts (Innenstadt) mit einem Kostenaufwand von rund 4 Millionen DM. Am 8. Dezember 1958 erfolgte der erste Spatenstich.<ref>Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref><ref name=":4" />
Nach längeren Vorverhandlungen wurde schließlich am 4. Oktober 1954 der Diplomingenieur Preußner aus Hamburg mit der Überarbeitung der bestehenden Pläne beauftragt.<ref name=":3" /> Am 21. August 1956 legte Preußner den fertigen Entwurf einer vollständigen Schmutzwasserkanalisation mit Pumpwerken und [[Kläranlage]] vor. Sowohl seine Ausarbeitung als auch die verantwortlichen Behörden erkannten nun die Notwendigkeit einer Ableitung des geklärten Abwassers in das [[Norder Tief]]. Allerdings verweigerte das Wasserwirtschaftsamt dahingehend seine Zustimmung, als dass die Planungen unverändert keine Trennung zwischen Regen- und Abwasser vorsahen. Auch das niedersächsische Landwirtschaftsministerium verweigerte unter diesen Bedingungen seine Zustimmung und erteilte am 21. September 1957 die Auflage, einen Entwurf für eine gesonderte Regenwasserkanalisation nachzureichen. Nachdem dies gelang, wurde am 17. März 1958 die Genehmigung erteilt und am 25. August des Jahres beschloss der [[Stadtrat]] die Ausführung des ersten Bauabschnitts (Innenstadt) mit einem Kostenaufwand von rund 4 Millionen DM. Am 8. Dezember 1958 erfolgte der erste Spatenstich.<ref>Stadt Norden (1963): Kanalisation und Kläranlage der Stadt Norden, Norden, S. 16</ref><ref name=":4" />