Süderneuland I: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche weitere Eindeichungen]], doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.
Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche weitere Eindeichungen]], doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.
1913 wurde die [[Grundschule Süderneuland|Volksschule Süderneuland]] erbaut.
Während des Zweiten Weltkriegs gab es drei Kriegsgefangenenlager in Süderneuland I. Das größte von ihnen war das Lager AK Nr. 5254, das aus einer Holzbaracke bestand und in dem 25 bis 30 Gefangene, anfangs ausschließlich französischer Herkunft, untergebracht waren. Im Oktober 1940 waren es noch 20 Franzosen. Im Juli 1941 wurden hier 20 Serben und im Dezember 1942 noch 18 Serben interniert.
Ein weiteres Kriegsgefangenenlager befand sich am [[Bahnhof]] im Bereich des Güterbahnhofs. Hier wurden in einer Holzbaracke 30 bis 40 Kriegsgefangene interniert, hauptsächlich (teilweise vollständig) Russen und Ukrainer. Zwischenzeitlich waren hier auch 18 Serben und Polen untergebracht.
Ein drittes Lager gab es am [[Pekelheringer Weg]], in dem 13 französische Soldaten interniert waren.


==Verwaltung==
==Verwaltung==
* siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]


==Bildung==
Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.
Das bekannte Schulwesen in Süderneuland I reicht bis in das Jahr 1913 zurück. Zunächst gab es im [


Die Chronik der heutigen Grundschule Süderneuland reicht bis in das Jahr 1913 zurück. Den Anfang bildete eine einklassige Schule in Süderneuland I.
Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die [[Marcellusflut]] im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die [[Idzinga]] an die Macht, deren Hauptsitz in [[Itzendorf]] in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.


Die Voraussetzung für die Errichtung der einklassigen Schule in Süderneuland I bildete das sog. Volksschulunterhaltungsgesetz von 1908. Vor der Fertigstellung des Neubaus im September 1913 hatten die Kinder vom Wurzeldeich, dem südlichen Teil der Gemeinde, die Schule im Osteeler Neuland besucht.
Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling [[Ulrich Cirksena]] in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.
Durch die fortschreitende Besiedlung des umliegenden Gebietes in der Gemeinde Süderneuland wurde eine ständige Erweiterung des Schulsystems notwendig. 1913 besuchten 46 Kinder die Schule. Bis 1930 erhöhte sich die Zahl auf 130.


Im Jahre 1927 wurde ein 2. Klassenraum angebaut und eine 2. Lehrkraft eingestellt.
1735 standen ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze der Landwehr, gewählt von den qualifizierten Interessenten und bestätigt vom Landesherren Ostfrieslands.
In den Jahren 1942/1943 musste der Unterricht wegen Luftangriffen häufig unterbrochen werden und der Bau eines Luftschutzbunkers wurde erforderlich.
Nach dem II.Weltkrieg nahm die Schülerzahl signifikant zu, bis auf 196 im Jahre 1948, was auf den Zuzug von Flüchtlingsfamilien aus den Ostgebieten zurückzuführen ist.


1956 reduzierte sich die Schülerzahl wieder auf 126, weil ein Teil der in der Gemeinde untergebrachten Flüchtlinge in andere Gebiete - vorwiegend ins Ruhrgebiet – abwanderte.
Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Süderneuland II. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben.


1949 wurden das Lehrmittelzimmer und der daneben liegende Kohlenraum für eine
Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Gemeinde am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher [[Ortsvorsteher]] vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.
3. Klasse behelfsmäßig ausgebaut. Fünf Jahre später folgte der Anbau eines „normalen“ Klassenraums mit Gruppenraum und zusätzlichem Lehrerzimmer. 1960 wurden zwei weitere Klassenräume angebaut.
Ab 1.4.1975 wurde unsere Schule zur Grundschule.


Mit Einrichtung zweier Vorklassen wurde 1990 das Vorklassengebäude mit zwei Klassenräumen und Küchenzeile gebaut. 1994 wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Es entstand der Mehrzweckraum, der für den Musikunterricht genutzt wird und über eine kleine Bühne verfügt. Auch größere Informationsveranstaltungen und Filmvorführungen finden hier statt. Durch eine flexible Wand kann der Mehrzweckraum bei Bedarf vergrößert werden. Im anderen Raum ist eine Betreuungsgruppe untergebracht, in einer kleinen Küche findet die Arbeitsgemeinschaft "Kochen und Backen" statt.
==Bildung==
Mit Abschaffung der Vorklassen in Niedersachsen wurden die beiden Klassenräume den Bedürfnissen der Eingangsstufe gemäß etwas umgebaut. Es entstanden Gruppenräume, Regale und Wandtafeln wurden angebracht.
* Hauptartikel: [[Grundschule Süderneuland]]
 
Seit Anfang des Schuljahres 2002 ist die Grundschule Süderneuland eine Verlässliche Grundschule mit festen Öffnungszeiten, einem Betreuungsangebot sowie einem Vertretungskonzept.


Im Zuge der Umgestaltung zur offenen Ganztagsgrundschule im Schuljahr 2011/12 wurden ein Klassenraum und ein Betreuungsraum zu einem größeren Multifunktionsraum zusammengelegt. Dieser wird im Moment noch provisorisch als Speiseraum und für die Ganztagsangebote genutzt. Wenn die gerade erst auf dem Schulhof fertiggestellte Mensa in Betrieb genommen wird, soll dieser Multifunktionsraum spezifischer für den Ganztagsbetrieb und größere Veranstaltungen in der Schule eingerichtet werden. Ruhe- und Leseecken, ein kleiner Bühnenbereich, Spieleecken, Kreativbereiche, usw. sind geplant.
Das (bekannte) Schulwesen in Süderneuland I reicht bis in das Jahr 1913 zurück. Nach Erlass des sogenannten preußischen "Volksschulunterhaltungsgesetzes" von 1906, welches die Städte und Gemeinden verpflichtete, eine Volksschule zu unterhalten, wurde das Schulgebäude an der [[Wurzeldeicher Straße]] erbaut. Vor der Fertigstellung im September 1913 hatten die Kinder vom Wurzeldeich, dem südlichen Teil der Gemeinde, die Schule im Osteeler Neuland besucht. Durch die fortschreitende Besiedlung des umliegenden Gebietes und eines stetig steigenden Bevölkerungszuwaches wurde eine ständige Erweiterung des Schulsystems notwendig.


==Religion==
==Religion==

Version vom 8. Februar 2021, 16:47 Uhr

Süderneuland I

Wappen
Höhe 0,5 - 3,0 m ü. NN
Fläche 6,055 km²
Einwohner 2.816 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 465 Einwohner/km²

Süderneuland I ist ein Stadtteil von Norden und hat 2.816 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 6,01 km² verteilen.

Namensherkunft

Der Name "Süderneuland" ist ursprünglich der Name eines im 16. Jahrhundert eingedeichten Polders. Bei der Besiedlung wurde dieser Name übernommen. Es ist die Bezeichnung für das südlich der Stadt Norden gelegene Neuland, das durch Eindeichungen der Leybucht entrissen werden konnte (vgl. Westermarscher Neuland). Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich 1602 als "Suider Neuland". Im Jahr 1618 als "Suider Nyelander" und 1634 als "Sueder Newlander Rott". 1645 wird der Ort "Suhder Newlandt" bzw. "Suhder Nijeland" genannt. In einer amtlichen Statistik des Königreichs Hannovers finden sich die Bezeichnungen "Erste Süderneulander Bauernschaft" und "Zweite Süderneulander Bauernschaft". Die heutige Schreibweise ist letztlich seit 1871 belegt, die römischen Ziffern stehen für die erste und zweite Bauernschaft des Süderneulands.

Wappen

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 165
1848 199
1871 229
1885 262
1905 355
Jahr Einwohner
1925 529
1933 744
1939 754
1946 1126
1950 1241
Jahr Einwohner
1956 1336
1961 1425
1970 1694
2016 3021
2020 2816

Geografie

Süderneuland I befindet südlich des Stadtkerns. Die Bodenbeschaffenheit des Ortes ist divers. Im Westen und Süden herrscht der Typus Kleimarsch vor, im Norden und Osten größtenteils Gley-Podsol mit Plaggenauflage, im Südosten Plaggenesch (unterlagert von Podsol-Gley) bzw. Gley Podsol und im Zentrum Podsol-Gley zu finden.

Im Norden grenzt Süderneuland I an Norden, im Westen an Westermarsch I und teilweise Neuwesteel, im Osten an Süderneuland II und im Süden ebenfalls an Neuwesteel die Nachbargemeinde Osteel.

Gliederung

Süderneuland I unterteilt sich in Addinggaste, Addinggaster Grashaus, Addingasterpolder, Altenbürgerlande, Buschhaus, Deichmühle, Kartoffeldeich, Kiebitznest und Wurzeldeich. Der Zusammenschluss dieser Orte bzw. Höfe zu einer Gemeinde bzw. Bauernschaft erklärt die Grenzen des Ortes.

Geschichte

Mittelalter

Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die Leybucht erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein stattlicher Seehafen bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das Norder Tief als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des Fridericussiels abgeschlossen.

Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch Udo-Focken-Deich oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings Focko Ukena. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach Leegemoor, von dort weiter nach Nadörst und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der Wurzeldeicher Straße sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute Zum Hirtenhaus und Leegemoorweg. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.

1556 folgten dann der nächste Deichbau, dessen Bau als Beginn der Eindeichungen in und um Norden gesehen werden kann. Bis dahin wurden nur vereinzelt Deiche errichtet und dem Meer Land durch Einpolderungen entrissen. Einer der Hauptakteure war die Familie eines Mannes namens "Addo". Gemäß alter ostfriesischer Namensgebung, bei denen Namen oftmals die Endung "-nga" für "aus der Sippe des" steht (Idzinga, Uldinga, ...) , entstand der Name "Addinga" bzw. "Addingga". Den Addingga gehörte das Land der Addinggaste (auch "Addingaster Land(e)" genannt) bereits vor den Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, durch die das Land (zunächst) an das Meer verloren wurde. Nach der Einpolderung erhielt das Land wieder ihren ursprünglichen Namen. Durch das Meerwasser wurde der Boden trotz des Salzgehalts fruchtbarer gemacht als zuvor, was auf die zahlreichen Nebenelemente, die das Meer mit sich brachte, zurückzuführen war. Durch die Bauarbeiten entstand ein großer Teil des heutigen Süderneuland I. Es reichte nun vom Stadtzentrum bis ungefähr zum Pekelheringer Weg.

Nach der Einpolderung der Addinggaste begannen unter Gräfin Anna von Oldenburg 1558/89 die Arbeiten am Wurzeldeich. Dieser verläuft im Wesentlichen entlang der heutigen Straßenzüge Wurzeldeicher Straße und Wurzeldeich. Er reichte vom Udo-Focken-Deich bis zum Osteeler Altendeich in der Nachbargemeinde Osteel. Durch die Fertigstellung dieses Deiches konnte erneut ein sehr großes Stück Land hinzugewonnen werden.

Zwischen 1593 bis 1596 entstand das Addinggaster Neuland, dessen südliche Grenze der Kartoffeldeich darstellt. An diesen Deich erinnert die gleichnamige Straße, die auf der einstigen Deichlinie verläuft.

Neuzeit

Mit dem einsetzenden dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kommt der Deichbau einige Jahrzehnte zum Erliegen. Wie der Großteil Europas leidet auch Ostfriesland unter dem Krieg. Norden und Umgebung werden von Truppen des berüchtigten Peter Ernst von Mansfeld (auch "Mansfelder") genannt, drangsaliert und ausgebeutet. Später kommen noch Brandburger Soldaten hinzu, die teilweise noch schlimmer als die Mansfelder wüteten.

Erst 1677 folgt der Bau eines weiteren Deiches und die damit einhergehende Einpolderung neuen Landes: Der Klein-Süder-Charlottenpolder. Den Überlieferungen nach soll sich auf diesem wiedergewonnenen Land einst das reiche Westeel befunden haben. Ein Jahr darauf wird auch der Groß-Süder-Charlottenpolder eingedeicht. Heute gehören diese Polder zu Neuwesteel.

1715 folgt der Addinggasterpolder, der das Land erstmals wieder nach Westen und nicht nach Süden hin erweitert. Dieser Polder wurde von Regierungsrat (Amtsbezeichnung für hohe Beamte) und Amtsverwalter Kettler und weiteren einflussreichen Bürgern eingedeicht. Kettler war ein reicher und einflussreicher Bürger Nordens, der auch das Haus Wirde und das Kettlerhaus am Marktplatz (heute Mennonitenkirche erbauen ließ. Er war auch der erste Eigentümer des eingedeichten Landes, das eine Größe von 110 Diemat (etwa 76 Hektar) hatte.

Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch zahlreiche weitere Eindeichungen, doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.

1913 wurde die Volksschule Süderneuland erbaut.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es drei Kriegsgefangenenlager in Süderneuland I. Das größte von ihnen war das Lager AK Nr. 5254, das aus einer Holzbaracke bestand und in dem 25 bis 30 Gefangene, anfangs ausschließlich französischer Herkunft, untergebracht waren. Im Oktober 1940 waren es noch 20 Franzosen. Im Juli 1941 wurden hier 20 Serben und im Dezember 1942 noch 18 Serben interniert.

Ein weiteres Kriegsgefangenenlager befand sich am Bahnhof im Bereich des Güterbahnhofs. Hier wurden in einer Holzbaracke 30 bis 40 Kriegsgefangene interniert, hauptsächlich (teilweise vollständig) Russen und Ukrainer. Zwischenzeitlich waren hier auch 18 Serben und Polen untergebracht.

Ein drittes Lager gab es am Pekelheringer Weg, in dem 13 französische Soldaten interniert waren.

Verwaltung

Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.

Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Prinzipien der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die Marcellusflut im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die Idzinga an die Macht, deren Hauptsitz in Itzendorf in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.

Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häuptlingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling Ulrich Cirksena in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland.

1735 standen ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze der Landwehr, gewählt von den qualifizierten Interessenten und bestätigt vom Landesherren Ostfrieslands.

Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Süderneuland II. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben.

Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Gemeinde am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher Ortsvorsteher vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.

Bildung

Das (bekannte) Schulwesen in Süderneuland I reicht bis in das Jahr 1913 zurück. Nach Erlass des sogenannten preußischen "Volksschulunterhaltungsgesetzes" von 1906, welches die Städte und Gemeinden verpflichtete, eine Volksschule zu unterhalten, wurde das Schulgebäude an der Wurzeldeicher Straße erbaut. Vor der Fertigstellung im September 1913 hatten die Kinder vom Wurzeldeich, dem südlichen Teil der Gemeinde, die Schule im Osteeler Neuland besucht. Durch die fortschreitende Besiedlung des umliegenden Gebietes und eines stetig steigenden Bevölkerungszuwaches wurde eine ständige Erweiterung des Schulsystems notwendig.

Religion

Bis zum Bau der Friedenskirche im Jahr 1964 am Addinggaster Weg hatte Süderneuland über Jahrhunderte keine eigene Kirche. Vielmehr war die Ludgerikirche die Kirche der Norder Umlandgemeinden, sodass die Bewohner zum Gottesdienst dorthin pilgern mussten.

Gesundheit und Soziales

1870 waren Süderneuland I & II dem Armenverband Norden sowie dem Kirchspiel Norden angegliedert. Die soziale Wohlfahrt und Armenhilfe wurde über Jahrhunderte von der Kirche wahrgenommen und ging erst im fortgeschrittenen 20. Jahrhundert auf den Staat über.

Wirtschaft und Verkehr

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe nahm kontinuierlich von 71 (1949), über 69 (1960) auf 30 (1971) ab. Die Anzahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsstätten stieg beständig von 36 (1950), über 54 (1961) auf 56 (1970) an. Der Anteil der Handwerksunternehmen lag 1950 bei 33 % und 1961 bei 15 %. Die Summe der Erwerbspersonen nahm stetig von 503 (1950), über 566 (1961) auf 622 (1970) zu. Auch die Quote der Auspendler erhöhte sich beständig von etwa 36 % auf über 61 % und letztlich 72 %. Bemerkenswert ist auch der Anteil der Einpendler, der 1961 47 % und 1970 49 % betrug.

Das Einwohnerverzeichnis von 1719 weist zwei Arbeitsmänner, zwei Müller und 16 Tagelöhner aus. 1880/81 werden jeweils ein Bäcker, Müller, Schenkwirt (auch Krämer), Schmied, Schneider, Schuster und Werkmeister sowie zwei Zimmermänner registriert.

Dominierte lange Zeit die Landwirtschaft in Süderneuland I, kam ab 1977 ein großes Gewerbegebiet im Leegemoor hinzu, das seitdem mit dem Tourismus den Wirtschaftsmotor der Stadt darstellt.

Erwähnenswerte Gebäude

Erhaltene Gebäude

Abgebrochene Gebäude

Quellenverzeichnis