Süderneuland I: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Norder Stadtgeschichte
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==Wappen==
==Wappen==
Das Wappen des Ortes zeigt ein goldenes, dreiblättriges Kleeblatt umringt von drei sechszackigen Sporenrädern im Verhältnis von 2:1 auf blauem Grund. Das Kleeblatt spielt in der Landwirtschaft eine große Rolle als sogenannter Gründünger und verweist damit auf die besondere Rolle der Landwirtschaft in der Westermarsch. Die Sporenräder wurden aus dem Wappen von Norden übernommen, welches dieses wiederum aus dem Wappen der bis in das 15. Jahrhundert hinein vorherrschende Häuptlingsfamilie [[Idzinga]] übernommen hat. Der blaue Grund verweist auf die Lage des Ortes an der Wasserkante bzw. Deichlinie. Das Wappen hat in seiner Aufmachung deutliche Ähnlichkeiten zu dem von [[Ostermarsch]].


==Bevölkerungsentwicklung==
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== Geografie ==
== Geografie ==
Westermarsch I befindet sich im Kalkmarschgebiet östlich der Leybucht in einer Höhe von bis zu 1,3 m über Meeresniveau (NN). Die nördliche und westliche Grenze stellt die Leybucht bzw. die Nordsee dar. Die östliche Grenze zu [[Norddeich]] verläuft hauptsächlich mittig des ursprünglichen Verlaufs des [[Dörper Weg | Dörper Wegs]]. Im Süden ist die Abgrenzung deutlich schwieriger und ist historisch gewachsen. Sie folgt keiner auf den ersten Blick erkennbaren Logik, sondern bezieht sich vielmehr auf einzelne Grundstücke bzw. Flure, die entsprechend ihrer Besitzverhältnisse entweder zu Westermarsch I oder II gehören. In etwa kann man jedoch sagen, dass die südliche Grenze von Westermarsch II beim [[Lehmweg]] beginnt und sich dann in westliche Richtung bis [[Utlandshörn]] erstreckt. Hier sind einstige örtliche Besitztümer die Grenze, die sich nur schwer umschreiben lassen. Westermarsch II entspricht der alten Rotteinteilung Rott 5 bis Rott 9, während Westermarsch II Rott 1 bis Rott 4 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Hieraus erklärt sich die diffus wirkende Grenze zu Westermarsch I, da sich mehrere Bauern mit ihren verteilten Ländereien zu einem Rott zusammenschlossen.
 


== Geschichte ==
== Geschichte ==


===Mittelalter===
===Mittelalter===
Wann genau die Gegend erstmalig besiedelt wurde, ist nicht genau nachvollziehbar. Durch seine nähere Lage an der Nordsee und der damit stets einhergehenden großen Gefahr von Sturmfluten, vor denen auch nicht immer die Warften Schutz boten, war Westermarsch II bis in die Neuzeit deutlich dünner besiedelt als das südlichere Westermarsch I. Die Anzahl an Bewohner dürfte sehr überschaubar und im zweistelligen Bereich gelegen haben. Darum befinden sich auch heute noch kaum Warften in Westermarsch II, die sich dagegen wesentlich häufiger im weiter südlich gelegenen Westermarsch I und im östlich von Norden gelegenen [[Ostermarsch]] befinden.
Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die [[Leybucht]] erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein [[Norder Hafen|stattlicher Seehafen]] bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das [[Norder Tief]] als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des [[Fridericussiel|Fridericussiels]] abgeschlossen.


Seit Anbeginn der Besiedlung ist das Land den Launen der Nordsee ausgeliefert. Sturmfluten und damit einhergehende Überschwemmungen bestimmten seit jeher den Verlauf der Deichlinie und machten den Bewohnern das Leben schwer. Bis zum vollständigen Untergang der nordwestlich von Westermarsch gelegenenen Nordseeinsel [[Bant]] konnten sich die Menschen mit relativ geringen Deichen schützen und errichteten ihre Häuser auf Warften, die sie je nach Bedarf erhöhten. Warften sind künstlich geschaffene Erhöhungen der Landschaft. Man kann sie sich als Hügel vorstellen, auf denen die Erbauer ihre Gebäude errichteten. Noch heute sind viele Warften in der Landschaft unverändert gut erkennbar und viele Gebäude stehen weiterhin auf solchen.
Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch [[Udo-Focken-Deich]] oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings [[Focko Ukena]]. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach [[Leegemoor]], von dort weiter nach [[Nadörst]] und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der [[Wurzeldeicher Straße]] sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute [[Zum Hirtenhaus]] und [[Leegemoorweg]]. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.


Ihre Ländereien schützten sie, wenn überhaupt, mit kleinen Dämmen vor den Fluten der Nordsee. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann man, diese kleinen Ringdeiche seewärts miteinander zu verbinden, so dass in den ersten Jahrzehnten nach 1100 ein fast geschlossener Hauptdeich entstand. Die damaligen Deiche waren in ihrer Bauweise jedoch keinesfalls mit den heutigen zu vergleichen und boten nicht immer Schutz. Besonders verheerende Deichbrüche und dadurch folgende Überschwemmungen sind für die Jahre 1164, 1196, 1219 und 1334 überliefert. Überreste eines frühzeitlichen Deichs sind noch heute teils entlang der [[Westermarscher Straße]] erkennbar.
1556 folgten dann der nächste Deichbau, dessen Bau als Beginn der Eindeichungen in und um Norden gesehen werden kann. Bis dahin wurden nur vereinzelt Deiche errichtet und dem Meer Land durch Einpolderungen entrissen. Einer der Hauptakteure war die Familie eines Mannes namens "Addo". Gemäß alter ostfriesischer Namensgebung, bei denen Namen oftmals die Endung "-nga" für "aus der Sippe des" steht ([[Idzinga]], [[Uldinga]], ...) , entstand der Name "Addinga" bzw. "Addingga". Den Addingga gehörte das Land der [[Addinggaste]] (auch "Addingaster Land(e)" genannt) bereits vor den Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, durch die das Land (zunächst) an das Meer verloren wurde. Nach der Einpolderung erhielt das Land wieder ihren ursprünglichen Namen. Durch das Meerwasser wurde der Boden trotz des Salzgehalts fruchtbarer gemacht als zuvor, was auf die zahlreichen Nebenelemente, die das Meer mit sich brachte, zurückzuführen war. Durch die Bauarbeiten entstand ein großer Teil des heutigen Süderneuland I. Es reichte nun vom Stadtzentrum bis ungefähr zum [[Pekelheringer Weg]].


Die zweite Marcellusflut, die auch als "große Mandränke" (großes Ertrinken) in die Geschichte einherging, richtete 1362 große Verwüstungen in der gesamten Westermarsch an. Zahlreiche Menschen und Tiere kamen ums Leben, ein Großteil der Gebäude und Felder wurde zerstört. Auch gerieten weite Landesteile der Westermarsch unter Wasser, die erst Jahrhunderte später durch Eindeichungen wieder dem Wasser abgewonnen wurden. Die im 9. Jahrhundert entstandene Leybucht gelangte zu ihrer größten Ausdehnung, die Einbruchsrinne wurde nach der Leybucht auch "Leide" genannt. Aus ihr entsprang das [[Norder Tief]].
Nach der Einpolderung der Addinggaste begannen unter Gräfin [[Anna von Oldenburg]] 1558/89 die Arbeiten am [[Wurzeldeich]]. Dieser verläuft im Wesentlichen entlang der heutigen Straßenzüge [[Wurzeldeicher Straße]] und [[Wurzeldeich (Straße)|Wurzeldeich]]. Er reichte vom [[Udo-Focken-Deich]] bis zum Osteeler Altendeich in der Nachbargemeinde Osteel. Durch die Fertigstellung dieses Deiches konnte erneut ein sehr großes Stück Land hinzugewonnen werden.


Gerade einmal 12 Jahre später kam es erneut zu einer verheerenden Sturmflut, die erste Dionysiusflut, die erneut weite Teil der Westermarsch überschwemmte. Das südlich von Westermarsch gelegene [[Neuwesteel | Westeel]] wurde sogar gänzlich zerstört und aufgegeben.
Zwischen 1593 bis 1596 entstand das [[Addinggaster Neuland]], dessen südliche Grenze der [[Kartoffeldeich]] darstellt. An diesen Deich erinnert die [[Kartoffeldeich (Straße)|gleichnamige Straße]], die auf der einstigen Deichlinie verläuft.
 
Bei der zweiten Dionysiusflut in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die Stadt Norden direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief | Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte.
 
Das 14. Jahrhundert war das wohl verheerendste Flutjahr in der überlieferten Geschichte der Westermarsch. Um 1400 hatte die Leybucht dadurch ihre größte Ausdehnung erreicht. Die Folgen der Sturmfluten waren so verheerend und weitreichend, als dass man sie in absehbarer Zeit hätte reparieren können. Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte der Schwarze Tod (Beulenpest) zwischen 1350 und 1360 in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim. Dazu kam, dass der Beginn der "Kleinen Eiszeit" im 14. Jahrhundert zu deutlich schlechten Erträgen führten. Die Menschen waren nicht nur körperlich, sondern auch finanziell geschwächt.


===Neuzeit===
===Neuzeit===
Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde auch Westermarsch von Mansfeldern belagert. Die Söldner des berüchtigten Heerführers Peter Ernst II. von Mansfeld drangsalierten die Bevölkerung über viele Jahre und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu könnenn. Später kamen auch brandenburgische Soldaten hinzu, die noch schlimmer als die Mansfelder wüteten und für zahlreiche Verwüstungen sorgten.
Mit dem einsetzenden dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kommt der Deichbau einige Jahrzehnte zum Erliegen. Wie der Großteil Europas leidet auch Ostfriesland unter dem Krieg. Norden und Umgebung werden von Truppen des berüchtigten Peter Ernst von Mansfeld (auch "Mansfelder") genannt, drangsaliert und ausgebeutet. Später kommen noch Brandburger Soldaten hinzu, die teilweise noch schlimmer als die Mansfelder wüteten.
 
Bei der Weihnachtsflut 1717 entstanden in Westermarsch II sieben Grundbrüche im Seedeich. Die Bewohner konnten die Deichbrüche nicht schnell genug reparieren, vermutlich, da sie selbst zunächst genug damit zu tun hatten, ihre eigenen Existenzen halbwegs wieder aufzubauen. So kam es, dass bei einer erneuten Sturmflut am 24. Februar 1718 erneut zu schweren Schäden kam. Das Land war nun durch das Salzwasser teils entwertet, die Schäden der Sturmflut dadurch umso immenser. Die Ortschaft [[Itzendorf]] wurde 1721 vollends aufgegeben. An sie erneut heute nur noch die [[Itzendorfplate]], eine kleine Untiefe im nordöstlichen Bereich von Westermarsch II. Die Deichlinie wurde weiter ins Innenland verlegt und verlief nun in etwa entlang der Grenze zu Westermarsch I, beginnend in [[Utlandshörn]] und in Norden endend.
 
Die Sturmflut 1825 hatte zwischen dem [[Kleiner Krug | Kleinen Krug]] und dem [[Großer Krug | Großen Krug]] insgesamt 16 Deichbrüche zur Folge. Bei Itzendorf brach der Deich sogar in einer Breite von 70 Metern. Es wurden mehrere tausend Hektar Land überflutet und mehrere hundert Hektar versandet. Abgesehen vom direkten Schaden hatte die Sturmflut auch weitere wirtschaftliche und sogar gesellschaftliche Folgen. Von 88 Bauern in Westermarsch II mussten 46 ihre Höfe und Ländereien veräußern, da sie sie und die damit einhergehenden Pflichten, besonders das Spatenrecht ("Keen nich will dieken, de mutt wieken" - "Wer nicht will deichen, der muss weichen"), nicht mehr erfüllen konnten. Um derartiges künftig zu vermeiden, wurde 1900 die [[Deichacht Norden]] gegründet. Die Bewohner mussten nun nicht mehr selbst den Deich instandhalten, sondern nur noch einen Beitrag an die Deichacht zahlen, die diese Aufgabe bis heute wahrnimmt.
 
1871 fiel ganz Ostfriesland an das Königreich Preußen und damit auch die Westermarsch. Die preußischen Beamten begannen, das Land zu kartografieren und unterteilten die Westermarsch in I und II.


In den Jahren 1905 bis 1906 wurde die [[Norddeich Radio | Funkstation Norddeich]] in Utlandshörn errichtet und zunächst dem Kaiserlichen [[Postamt]] in Norden angegliedert. Die Küstenfunkstelle war von großer militärischer Bedeutung und bis zu ihrer Schließung am 31. Dezember 1998 ein tragender Faktor für die Sicherheit auf See. Während des Ersten Weltkriegs unterstand die Küstenfunkstelle dem Kommando der Kaiserlichen Marine. Das Gebäude der [[Itzendorfer Schule]] wurde von der Marine requiriert, um dort Soldaten unterzubringen. Nachdem die Marine im November 1918 die Küstenunkstelle geräumt hatte, wurde diese durch Mitglieder des Arbeiter- und Soldatenrates besetzt.
Erst 1677 folgt der Bau eines weiteren Deiches und die damit einhergehende Einpolderung neuen Landes: Der [[Klein-Süder-Charlottenpolder]]. Den Überlieferungen nach soll sich auf diesem wiedergewonnenen Land einst das reiche [[Westeel]] befunden haben. Ein Jahr darauf wird auch der [[Groß-Süder-Charlottenpolder]] eingedeicht. Heute gehören diese Polder zu [[Neuwesteel]].


In den Wirren der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg entstand im September 1919 eine Einwohnerwehr, deren Stärke 57 Mann umfasste, die mit 50 Waffen ausgerüstet waren. Damit war sie zwar zahlenmäßiger kleiner als die von Westermarsch I, letztere hatte jedoch keine Waffen erlangen können.
1715 folgt der [[Addinggasterpolder]], der das Land erstmals wieder nach Westen und nicht nach Süden hin erweitert. Dieser Polder wurde von Regierungsrat (Amtsbezeichnung für hohe Beamte) und Amtsverwalter Kettler und weiteren einflussreichen Bürgern eingedeicht. Kettler war ein reicher und einflussreicher Bürger Nordens, der auch das [[Haus Wirde]] und das [[Kettlerhaus]] am [[Marktplatz]] (heute [[Mennonitenkirche]] erbauen ließ. Er war auch der erste Eigentümer des eingedeichten Landes, das eine Größe von 110 Diemat (etwa 76 Hektar) hatte.


Auch im Zweiten Weltkrieg erlangte die Küstenfunkstelle wieder große Bedeutung und wurde entsprechend auch mit Flak-Geschützstellungen gegen feindliche Luftangriffe gesichert. Zudem entstand in dieser Zeit ein [[Kriegsgefangenenlager Itzendorf | Kriegsgefangenenlager in Itzendorf]], in dem 15 französische Soldaten inhaftiert waren. Ein weiteres Kriegsgefangenenlager wurde in Utlandshörn errichtet, auch dort waren ausschließlich Franzosen inhaftiert, deren Zahl - über die Zeit schwankend - 15 bis 40 betragen hat. Das Lager trug die Bezeichnung AK Nr. 1016a.
Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch [[Liste der Eindeichungen|zahlreiche weitere Eindeichungen]], doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.
 
Am 01.11.1941 fielen in der gesamten Westermarsch 40 bis 50 Brandbomben. Ein Bauerhaus wurde eingeäschert.
 
Kurz nach Kriegsende ermorderte eine aus sechs ehemaligen Kriegsgefangenen bestehende Bande den Bauern Steffens. Einer der Täter wurde deswegen im August 1946 vom "High Court" der britischen Militärregierung zum Tode verurteilt.
 
Durch Aufnahme ausgebombter Emder sowie Vertriebene aus den ehemals deutschen Ostgebieten stieg die Einwohnerzahl nach dem Zweiten Weltkrieg deutlich und erreichte 1946 bereits 838 Einwohner, von denen 197 Flüchtlinge oder Vertriebene waren. Bis 1950 stieg die Einwohnerzahl nochmals um 19 auf insgesamt 857 Einwohner. Die Zahl der Flüchtlinge bzw. Vertriebenen lag bei 190.


==Verwaltung==
==Verwaltung==
* siehe auch: [[Ostfriesische Häuptlinge]]


Friesland - und damit auch Ostfriesland - unterstand, anders als sonst zur Zeit des Lehnswesens üblich, im Mittelalter keiner zentralen Herrschaft. Dieses Vorrecht, die "Friesische Freiheit" bekamen die Friesen der Legende nach von Karl dem Großen persönlich verliehen. Die Friesen unterstanden damit nur dem Kaiser und hatten ansonsten keine Herren über ihnen zu dulden. Stattdessen organisierten sie sich selbst in - mehr oder weniger - demokratischen Genossenschaften, in denen prinzipiell jeder gleichberechtigt war. Diese grundsätzliche Gleichberechtigung galt jedoch vielmehr für alle Eigentümer von Hofstellen und zugehörigem Land in ihren jeweiligen Dörfern und Kirchspielen (Pfarrbezirk). Die öffentlichen Ämter der Richter ("Redjeven") wurden durch jährliche Wahlen besetzt. Theoretisch standen diese Ämter allen Friesen offen, doch faktisch wurden diese insbesondere durch die Mitglieder der größten und wohlhabendsten Familien bekleidet.
==Bildung==
 
Dieses mehr oder weniger feste Konstrukt konnte bis in das 14. Jahrhundert standhalten, als sich schließlich aus den wenigen reichen und einflussreichen Familien - entgegen der Friesischen Freiheit - ein Adel bildete. Das 14. Jahrhundert war durch viele schwere Sturmfluten, wie die [[Marcellusflut]] im Jahr 1362 und eine verheerende Pestepidemie um 1350 geprägt. Viele Menschen kamen ums Leben und für die Überlebenden gab es größere Sorgen, um die sie sich kümmern mussten als die politische oder genossenschaftliche Teilhabe. Der Adel, der die Krisen besser als der große Teil der armen Bevölkerung überstand, nutzte diese Umstände, um seinen Einfluss zu vergrößern. Viele von ihnen verstanden es, die Lage geschickt zu ihrem Vorteil zu nutzen. Sie sahen ihre Autorität nicht mehr vom Willen der Gemeinde abhängig, sondern ihrem eigenen. Nach und nach formierten sich mehrere Häuptlingsgeschlechter in Ostfriesland. In der Westermarsch gelangten zunächst die [[Idzinga]] an die Macht, deren Hauptsitz in [[Itzendorf]] in der östlichen Westermarsch war. Ihre Steinhäuser, mit denen sie sich ohnehin von den oftmals erbärmlichen Behausungen der meisten Mitmenschen abhebten, vergrößerten sie weiter und formten daraus den ostfriesischen Typus an Burgen. Auch begannen sie, Söldnerheere aufzustellen, um ihren Machtanspruch im Zweifel mit Gewalt durchsetzen zu können.
 
Vor allem durch Kriege mit der mächtigen Hanse und dem Wiedererstarken der Großbauern verlor das Häutplingswesen nach und seine Bedeutung. 1464 erhob Kaiser Friedrich III. den Häuptling [[Ulrich Cirksena]] in den Reichsgrafenstand und belehnte ihn mit Ostfriesland. Ab 1464 bis 1744 stand Westermarsch II ein vom Grafen bzw. Fürsten bestellter Drost vor, der später auch den Titel "Amtsverwalter" trug, da ihm das [[Amt Norden]] unterstand. Dieser hatte neben der Oberaufsicht auch die gesamte Polizeigewalt inne. Dem Drosten bzw. Amtsverwalter war ein Vogt beigestellt, der vom Grafen bzw. Fürsten selbst eingesetzt wurde. Dieser Vogt war neben Westermarsch II auch für [[Westermarsch I]] sowie [[Süderneuland I]] und [[Süderneuland II]] zuständig. Ein sogenannter Auskündiger, der vom Drosten bzw. Amtsverwalter eingesetzt wurde, unterstützte den Vogten in seiner Arbeit und war diesem hierarchisch untergeordnet. Unter dem Auskündigen standen mehrere Rottmeister, die jeweils ein Rott verwalteten. Westermarsch II hatte damit fünf Rottmeister. Sie hatten vor allem die Aufgabe, die Steuern in ihren Rotten einzutreiben und den Rottbewohnern ihre Pflichten anzusagen. Die Amtszeit der Rottmeister dauerte zwei Jahre, das Amt wurde danach im Rott an geeignete, männliche Bewohner neu vergeben. Westermarsch II entspricht der alten Rotteinteilung Rott 5 bis Rott 9, während Westermarsch I Rott 1 bis Rott 4 umfasst. Ein "Rott" ist eine alte Bezeichnung für einen Bezirk, der eine bestimmte Anzahl an Ländereien umfasste. Die Namen der Rotts konnten wechseln, letztlich haben sich jedoch folgende Bezeichnungen durchgesetzt: [[Neulander Rott]], [[Redleff Folckers Rott]], [[Neudeicher Rott]] und [[Itzendorfer Rott]]. Das 9. Rott ist namentlich nicht mehr bekannt.
 
1735 standen ein Leutnant und ein Fähnrich an der Spitze der Landwehr, gewählt von den qualifizierten Interessenten und bestätigt vom Landesherren Ostfrieslands.
 
Im 19. Jahrhundert stand der Gemeindevorsteher (Bürgermeister) an oberster Spitze in Westermarsch II. Es handelte sich jedoch um ein Ehrenamt mit vor allen repräsentativen Aufgaben. Während des Zweiten Weltkriegs hieß der Amtsinhaber [[Sjut Wübbens]], welcher nach dem Krieg von den Allierten seines Amtes enthoben wurde.
 
Von 01.12.1965 bis 30.06.1972 die "kleine Gebietsreform" statt, Westermarsch I und II verloren ihre Eigenständigkeit und gingen in der [[Samtgemeinde Leybucht]] auf, der auch [[Neuwesteel]] und [[Leybuchtpolder]] angehörten. Infolge der niedersächischen Gemeindereform fiel die Samtgemeinde Leybucht am 1. Juli 1972 schließlich an Norden. Ein ehrenamtlicher [[Ortsvorsteher]] vertritt nun den Ort und seine Interessen gegenüber der städtischen Verwaltung sowie der Politik.


==Bildung==
* Hauptartikel: [[Itzendorfer Schule]] und [[Westerhörner Schule]]
Ein Schulsystem gab es schon, als der Ort Itzendorf noch bestand - also vor 1717. Von den beiden Schulgebäuden in Itzendorf und Westerhörn ist heute nur noch letzteres vorhanden. Ab 1970 wurden die Kinder der Westermarsch II in der [[Altendeichsschule]] unterrichtet.


==Religion==
==Religion==
Es ist nicht belegt, dass es in der Westermarsch jemals einen Friedhof gegeben hat. Die Verstorbenen wurden in Norden beerdigt, die zuständige Kirche aller Norder Umlandgemeinden war die [[Ludgerikirche]] am Norder [[Marktplatz]].


Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch-lutherisch und gehört mittlerweile zur [[Andreasgemeinde]] Norden, welche ihren Sitz im [[Warfenweg]] hat. Vereinzelt gibt es evangelisch-reformierte Bewohner, die die Kirche in Bargebur besuchen, sowie Mennoniten, die einst Schutzgeld zahlten und die in Norden am Marktplatz auf der Südseite seit 1795 ihre eigene Kirche besitzen. Die wenigen katholischen Bewohner gehen in die Kirche St. Ludgerus in Norden. In der Begegnisstätte am Altendeichsweg finden regelmäßig Teenachmittage statt.


==Gesundheit und Soziales==
==Gesundheit und Soziales==
Westermarsch I war von jeher dem [[Armenverband Norden]] und dem [[Kirchspiel Norden]] angegliedert, so 1735 und 1870. Die Betreuung der Hilfsbedürftigen wurde früher von den Kirchengemeinden vorgenommen. Aus den umliegenden
 
Gemeinden Westermarsch, [[Lintelermarsch]] und [[Ostermarsch]], soweit sie nach Norden eingepfarrt waren, wurde ein Kirchenverwalter bestellt. Die dafür benötigten Gelder stammten aus eigenen Ländereien (Verpachtung und Erträge) und Kapitalvermögen. Später wurde das Armenwesen auf die Kommunen übertragen.


==Wirtschaft und Verkehr==
==Wirtschaft und Verkehr==
Haupterwerbszweig von Westermarsch II ist seit jeher die Landwirtschaft. Neben dem Ackerbau spielt auch die Viehzucht und -haltung sowie der Handel mit Kühen eine bedeutende Rolle. Kühe aus der Westermarsch haben einen international sehr guten Ruf und ihr Fleisch ist aufgrund des saftigen Marschlandes von besonderer Qualität. Seit den 1950er Jahren ist eine stetig wachsende Rolle des Tourismus zu beobachten. "Ferien auf dem Bauernhof" bieten mittlerweile viele Höfe neben ihrer landwirtschaftlichen Betätigung an.


Das Einwohnerverzeichnis von 1880/81 weist einen Krämer (auch Schenkwirt), einen Partikulier, einen Zimmermann und einen Zolleinnehmer, sowie jeweils zwei Gastwirte, Grenzaufseher und Schmiede aus.
Erst zwischen 1873 und 1875 wurde von der Stadt Norden bis zum [[Kleiner Krug | Kleinen Krug]] in [[Utlandshörn]] eine Landstraße gelegt, von der aus später noch zwei kleine Nebenstraßen in nördlicher und südlicher Richtung angelegt wurden. So war es vorher zu Regenzeiten unmöglich, die Wege zu benutzen, da es ansonsten keine befestigte Straßen gab. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, vor allem Korn, mussten oftmals auf Schiffen die Kanäle entlang nach Norden transportiert werden. In umgekehrter Richtung galt dies auch für Waren, die nach Westermarsch II importiert wurden.
An die im Mittelalter übliche Salzsiederei durch Verbrennen von Salztorf erinnern heute noch Flurnamen wie [[Uden-Soltjers Warf]] oder [[Meint Hibben Salzbude]] Spätestens seit 1564 wurde französisches und spanisches Seesalz und Lüneburger Salz eingeführt, so dass man die Salzsiederei in Westermarsch II zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufgeben musste. Eine 1922 gegründete Elektrizitätsgenossenschaft Westermarsch wurde bereits im September 1931 wieder aufgelöst.


==Erwähnenswerte Gebäude==
==Erwähnenswerte Gebäude==
===Erhaltene Gebäude===
===Erhaltene Gebäude===
* [[Zollhaus (Westermarsch II) | Altes Zollhaus]]
* [[Groß Grashaus]]
* [[Norddeich Radio]]


===Abgebrochene Gebäude===
===Abgebrochene Gebäude===
* [[Großer Krug]]
 
* [[Hof Hollande]]
* [[Kleiner Krug]]
* [[Klein Grashaus]]
* [[Kugelhaus]]
* [[Tromschlag]]
* [[Ülkebülte]]
* [[Wachthaus (Westermarsch II) | Wachthaus]]


== Quellenverzeichnis ==
== Quellenverzeichnis ==
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[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Stadtteile von Norden]]
[[Kategorie:Westermarsch II]]
[[Kategorie:Süderneuland I]]

Version vom 8. Februar 2021, 15:48 Uhr

Süderneuland I

Wappen
Höhe 0,5 - 3,0 m ü. NN
Fläche 6,055 km²
Einwohner 2.816 (31.12.2020)
Eingemeindung 1. Juli 1972
Bevölkerungsdichte 465 Einwohner/km²

Süderneuland I ist ein Stadtteil von Norden und hat 2.816 Einwohner (Stand: 31.12.2020), die sich auf einer Fläche von rund 6,01 km² verteilen.

Namensherkunft

Der Name "Süderneuland" ist ursprünglich der Name eines im 16. Jahrhundert eingedeichten Polders. Bei der Besiedlung wurde dieser Name übernommen. Es ist die Bezeichnung für das südlich der Stadt Norden gelegene Neuland, das durch Eindeichungen der Leybucht entrissen werden konnte (vgl. Westermarscher Neuland). Eine erste urkundliche Erwähnung findet sich 1602 als "Suider Neuland". Im Jahr 1618 als "Suider Nyelander" und 1634 als "Sueder Newlander Rott". 1645 wird der Ort "Suhder Newlandt" bzw. "Suhder Nijeland" genannt. In einer amtlichen Statistik des Königreichs Hannovers finden sich die Bezeichnungen "Erste Süderneulander Bauernschaft" und "Zweite Süderneulander Bauernschaft". Die heutige Schreibweise ist letztlich seit 1871 belegt, die römischen Ziffern stehen für die erste und zweite Bauernschaft des Süderneulands.

Wappen

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1821 165
1848 199
1871 229
1885 262
1905 355
Jahr Einwohner
1925 529
1933 744
1939 754
1946 1126
1950 1241
Jahr Einwohner
1956 1336
1961 1425
1970 1694
2016 3021
2020 2816

Geografie

Geschichte

Mittelalter

Im Wesentlichen beginnt die (bekannte) Geschichte von Süderneuland im Jahr 1556. Die Leybucht erreichte durch mehrere verheerende Sturmfluten im 14. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung und Norden bekam eine direkte Verbindung zur Nordsee. Ein stattlicher Seehafen bescherte der Stadt fortan über Jahrhunderte eine wirtschaftliche Blüte. Die Leybucht reichte bis Mitte des 16. Jahrhunderts an den südlichen Stadtkern, wovon heute nur noch das Norder Tief als Überbleibsel zu erkennen ist. Süderneuland war bis zum Abschluss der Eindeichung im Jahr 1556 noch weitestgehend überflutet und sollte sodann dem Meer entrissen, kultiviert und besiedelt werden. Die Landrückgewinnung wurde im 17. Jahrhundert mit der Fertigstellung des Fridericussiels abgeschlossen.

Vorangetrieben wurden die Maßnahmen von einflussreichen Häuptlingen, Edelmännern und Kaufleuten. Der älteste Deich, welcher nach seinem Erbauer auch Udo-Focken-Deich oder später schlicht "Alter Deich" genannt wurde, wurde 1425 erbaut. Udo Focken war der Sohn des mächtigen Häuptlings Focko Ukena. Gemäß alter ostfriesischer (patronymische) Namensgebung trugen Söhne den Vornamen ihres Vaters als Nachnamen mit einer Endung. Dieser Deich ging von Norden nach Leegemoor, von dort weiter nach Nadörst und endete etwa mit Ortskern der Nachbargemeinde Halbemond. Südlich der Wurzeldeicher Straße sind Überreste des Deichs noch heute im Landschaftsbild wahrzunehmen. Der südliche Teil des Deiches bis Nadörst heißt heute Zum Hirtenhaus und Leegemoorweg. Mit der Fertigstellung des Deiches entstand ein Großteil des heutigen Süderneuland II.

1556 folgten dann der nächste Deichbau, dessen Bau als Beginn der Eindeichungen in und um Norden gesehen werden kann. Bis dahin wurden nur vereinzelt Deiche errichtet und dem Meer Land durch Einpolderungen entrissen. Einer der Hauptakteure war die Familie eines Mannes namens "Addo". Gemäß alter ostfriesischer Namensgebung, bei denen Namen oftmals die Endung "-nga" für "aus der Sippe des" steht (Idzinga, Uldinga, ...) , entstand der Name "Addinga" bzw. "Addingga". Den Addingga gehörte das Land der Addinggaste (auch "Addingaster Land(e)" genannt) bereits vor den Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, durch die das Land (zunächst) an das Meer verloren wurde. Nach der Einpolderung erhielt das Land wieder ihren ursprünglichen Namen. Durch das Meerwasser wurde der Boden trotz des Salzgehalts fruchtbarer gemacht als zuvor, was auf die zahlreichen Nebenelemente, die das Meer mit sich brachte, zurückzuführen war. Durch die Bauarbeiten entstand ein großer Teil des heutigen Süderneuland I. Es reichte nun vom Stadtzentrum bis ungefähr zum Pekelheringer Weg.

Nach der Einpolderung der Addinggaste begannen unter Gräfin Anna von Oldenburg 1558/89 die Arbeiten am Wurzeldeich. Dieser verläuft im Wesentlichen entlang der heutigen Straßenzüge Wurzeldeicher Straße und Wurzeldeich. Er reichte vom Udo-Focken-Deich bis zum Osteeler Altendeich in der Nachbargemeinde Osteel. Durch die Fertigstellung dieses Deiches konnte erneut ein sehr großes Stück Land hinzugewonnen werden.

Zwischen 1593 bis 1596 entstand das Addinggaster Neuland, dessen südliche Grenze der Kartoffeldeich darstellt. An diesen Deich erinnert die gleichnamige Straße, die auf der einstigen Deichlinie verläuft.

Neuzeit

Mit dem einsetzenden dreißigjährigen Krieg (1618-1648) kommt der Deichbau einige Jahrzehnte zum Erliegen. Wie der Großteil Europas leidet auch Ostfriesland unter dem Krieg. Norden und Umgebung werden von Truppen des berüchtigten Peter Ernst von Mansfeld (auch "Mansfelder") genannt, drangsaliert und ausgebeutet. Später kommen noch Brandburger Soldaten hinzu, die teilweise noch schlimmer als die Mansfelder wüteten.

Erst 1677 folgt der Bau eines weiteren Deiches und die damit einhergehende Einpolderung neuen Landes: Der Klein-Süder-Charlottenpolder. Den Überlieferungen nach soll sich auf diesem wiedergewonnenen Land einst das reiche Westeel befunden haben. Ein Jahr darauf wird auch der Groß-Süder-Charlottenpolder eingedeicht. Heute gehören diese Polder zu Neuwesteel.

1715 folgt der Addinggasterpolder, der das Land erstmals wieder nach Westen und nicht nach Süden hin erweitert. Dieser Polder wurde von Regierungsrat (Amtsbezeichnung für hohe Beamte) und Amtsverwalter Kettler und weiteren einflussreichen Bürgern eingedeicht. Kettler war ein reicher und einflussreicher Bürger Nordens, der auch das Haus Wirde und das Kettlerhaus am Marktplatz (heute Mennonitenkirche erbauen ließ. Er war auch der erste Eigentümer des eingedeichten Landes, das eine Größe von 110 Diemat (etwa 76 Hektar) hatte.

Mit dem Bau des Addinggasterpolders ist die Geschichte der Landgewinnung in Süderneuland abgeschlossen. Zwar folgen noch zahlreiche weitere Eindeichungen, doch diese befinden sich nicht auf dem Gebiet Süderneulands.

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Quellenverzeichnis