Bundesstraße: Unterschied zwischen den Versionen
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|1847 - | |1847-1859 | ||
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Erst in den 1840er Jahren wurden die alten Pläne wieder aufgegriffen. König Georg V. von Hannover (''Der blinde König'') hatte die Insel Norderney für sich entdeckt und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.<ref>Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)</ref> Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt, wo er angeblich Nachricht vom Heil seines neugeborenen Sohnes erfuhr.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Uthwerdum.pdf Beschreibung von Georgsheil] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Planungen kamen 1845 zum Abschluss.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref><ref name=":1">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 33</ref> Doch obwohl die Regierung in Aurich am 4. Dezember 1845 an den [[Magistrat|Norder Magistrat]] verlautbaren ließ, die Erdarbeiten werden bald beginnen, verzögerte sich das Vorhaben immens.<ref name=":1" /> Der Baubeginn erfolgte letztlich erst am 27. September 1847.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52</ref> | Erst in den 1840er Jahren wurden die alten Pläne wieder aufgegriffen. König Georg V. von Hannover (''Der blinde König'') hatte die Insel Norderney für sich entdeckt und besuchte sie regelmäßig zur Sommerfrische.<ref>Gerdes, Ute (2018): 200 Jahre Ortsteil Nadörst (Online-Veröffentlichung)</ref> Nach ihm wurde auch der Ort Georgsheil in der Gemeinde Südbrookmerland (am Städtedreieck Aurich-Emden-Norden) benannt, wo er angeblich Nachricht vom Heil seines neugeborenen Sohnes erfuhr.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Uthwerdum.pdf Beschreibung von Georgsheil] in der historischen Ortsdatenbank der Ostfriesischen Landschaft</ref> Die Planungen kamen 1845 zum Abschluss.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 88</ref><ref name=":1">Canzler, Gerhard (2002): Doornkaat. Eine Firmenchronik, Norden, S. 33</ref> Doch obwohl die Regierung in Aurich am 4. Dezember 1845 an den [[Magistrat|Norder Magistrat]] verlautbaren ließ, die Erdarbeiten werden bald beginnen, verzögerte sich das Vorhaben immens.<ref name=":1" /> Der Baubeginn erfolgte letztlich erst am 27. September 1847.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 123</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 52</ref> | ||
Erst 1859 waren alle Bauarbeiten abgeschlossen. Diese Chaussee bestand aus einer dreieinhalb bis sechs Meter breiten Steinbahn aus Kopfstein- und Klinkerpflaster, sowie Kleinpflaster mit Steinschlagunterbau, einem drei Meter breiten Sommerweg (unbefestigter, nur außerhalb der Regenzeit befahrbar) und einem Fußweg von eineinhalb bis zwei Metern.<ref name=":2">Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 34</ref> Um den Fahrweg benutzen zu dürfen, mussten Reisende an mehreren Orten, den sogenannten ''Hebestellen'', ein Wegegeld entrichten. Der Tarif berechnete sich nach der Entfernung: 1.200 Ruten bis 1 Meile der volle Tarif, 600 Ruten bis 1.200 Ruten den halben Tarif; die Tariftabelle musste an der Hebestelle ausgehängt sein.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 34f.</ref> | |||
Die Befestigung war Ausfluss dessen, dass die alten Straßen eines Königs nicht würdig seien und jedes Mal wieder neu hergerichtet werden mussten, nachdem sein umfangreicher Tross die Wege gequert hatte. Die [[Stadt Norden]] bemühte sich daher bereits seit dem 17. März 1838 um einen Anschluss an das Landstraßennetz, am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Norden an den Gesamtkosten in Höhe von 18.000 Reichstalern beteiligen musste.<ref name=":0" /><ref>Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 5</ref> | Die Befestigung war Ausfluss dessen, dass die alten Straßen eines Königs nicht würdig seien und jedes Mal wieder neu hergerichtet werden mussten, nachdem sein umfangreicher Tross die Wege gequert hatte. Die [[Stadt Norden]] bemühte sich daher bereits seit dem 17. März 1838 um einen Anschluss an das Landstraßennetz, am 16. August 1842 erteilte die königliche Regierung die Zusage, obgleich sich die Norden an den Gesamtkosten in Höhe von 18.000 Reichstalern beteiligen musste.<ref name=":0" /><ref>Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 5</ref> | ||
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Bei den Planungen erwog man, die neue Chaussee auf dem [[Alter Postweg|Alten Postweg]] verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass diese Wegstrecke zu kurvenreich sei, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der [[Brückstraße]] zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den [[Neuer Weg|Neuen Weg]], der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.<ref name=":0" /> | Bei den Planungen erwog man, die neue Chaussee auf dem [[Alter Postweg|Alten Postweg]] verlaufen zu lassen, kam jedoch schnell zu dem Entschluss, dass diese Wegstrecke zu kurvenreich sei, sodass man sich für einen (weitestgehend) geradlinigen Verlauf entschied. Hoffnungen einiger Bürger, die Straße werde mit der [[Brückstraße]] zerschlugen sich mit der Anbindung dieser an den [[Neuer Weg|Neuen Weg]], der sich seitdem zum neuen Südeingang der Stadt entwickelte.<ref name=":0" /> | ||
Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Die ''Bundesstraßen'' hießen | Für den Anschluss an das Telegrafennetz wurden die Leitungen neben der Chaussee verlegt. Trotz aller Schwierigkeiten konnte nach einer Bauzeit von etwas mehr als zweieinhalb Monaten am 28. Juni 1858 die einadrige Telegrafenleitung von Emden über Norden nach Norderney wie geplant rechtzeitig zur Sommersaison in Betrieb genommen werden. Damit hatte Norden im Sommer 1858 erstmals eine Telegrafenstation bekommen, die Postbeamte im [[Postamt]] bedienten.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 35</ref> | ||
Seinen heutigen Namen hat die Straße naturgemäß erst nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland erhalten, wobei schon früher die Bezeichnung ''Chaussee 72'' üblich war (der Teil von Georgsheil nach Aurich war die ''Chaussee 71'').<ref name=":2" /> Die ''Bundesstraßen'' hießen später dann ''Reichsstraße''. | |||
Seit ihrem Ausbau im Jahre 1971 bis zur Umbenennung 1995 trug sie die Kennung 70. Danach bekam sie ihre historische Kennung 72. Für gewöhnlich nannte man sich jedoch nicht Bundes- oder Reichsstraße, sondern ''Chaussee'' oder ''Landstraße''. Für den Ausbau der (damaligen) Bundesstraße 70 um das Jahr 1970 mussten einige alte historische Bauten dem Stadtbild weichen, so etwa das Haus [[Am Markt 53]], einer Filiale des späteren Supermarktes [[EDEKA Anton Götz|Anton Götz]]. Auch der sogenannte ''[[Pannkooksboom]]'', eine 250 Jahre alte Linde an der [[Norddeicher Straße]], wurde dafür gefällt.<ref>Canzler, Gerhard (2005): Die Norder Schulen, Weener, S. 125</ref> | |||
Im Jahr 2009 wurde die [[Umgehungsstraße]] fertiggestellt. Dadurch verloren die [[Bahnhofstraße]], der [[Burggraben]], der westliche Teil von [[Am Markt]] und die [[Norddeicher Straße]] ihre Bedeutung als (Teil der) Bundesstraße und wurden zur [[Landesstraße]] (L 27). | Im Jahr 2009 wurde die [[Umgehungsstraße]] fertiggestellt. Dadurch verloren die [[Bahnhofstraße]], der [[Burggraben]], der westliche Teil von [[Am Markt]] und die [[Norddeicher Straße]] ihre Bedeutung als (Teil der) Bundesstraße und wurden zur [[Landesstraße]] (L 27). | ||