Stadt Norden: Unterschied zwischen den Versionen
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Am 9. September 1857 besuchte König Georg V. von Hannover (''Der blinde König'') mit seiner Gemahlin die Stadt, sein Besuch wurde der Norder Bevölkerung von [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] drei Tage zuvor über die [[Rottmeister]] verkündet, sodass die Innenstadt ein bunt geschmücktes Fahnen- und Farbenmeer wurde. Insgesamt errichteten die Bürger zehn Ehrenbögen für den König, davon fünf im gotischen und fünf im byzantinischen Stil, die allesamt nach Art der römischen Triumphbögen gestaltet wurden. Der König und die Königin wurden durch die Stadt geführt und kehrten dabei auch [[Haus Gronewold|im Hause]] des [[Johann Taaks|Bürgermeisters Taaks]] ein, der es eigens für diesen Besuch erweitern ließ.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 118</ref> | Am 9. September 1857 besuchte König Georg V. von Hannover (''Der blinde König'') mit seiner Gemahlin die Stadt, sein Besuch wurde der Norder Bevölkerung von [[Johann Taaks|Bürgermeister Taaks]] drei Tage zuvor über die [[Rottmeister]] verkündet, sodass die Innenstadt ein bunt geschmücktes Fahnen- und Farbenmeer wurde. Insgesamt errichteten die Bürger zehn Ehrenbögen für den König, davon fünf im gotischen und fünf im byzantinischen Stil, die allesamt nach Art der römischen Triumphbögen gestaltet wurden. Der König und die Königin wurden durch die Stadt geführt und kehrten dabei auch [[Haus Gronewold|im Hause]] des [[Johann Taaks|Bürgermeisters Taaks]] ein, der es eigens für diesen Besuch erweitern ließ.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 118</ref> | ||
1858 erhielt die Stadt Zugang zum Telegrafennetz, was vor allem dem regelmäßigen Besuch des Königs geschuldet war.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 35</ref> Zum Leiter wurde 1866 der angesehene Kaufmann [[Peter Bourdeaux]] ernannt, welcher seine Amtsgeschäfte zunächst von der heimischen Stube am [[Neuer Weg 63|Neuen Weg 63]] erledigte.<ref>Bourdeaux, Jürgen (2020): Peter Bourdeaux. Kaufmann und Telegrafist in Norden, Bad Mergentheim, S. 20</ref> Erst mit dem Neubau des [[Postamt|Postamtes]] erfolgte der Umzug dorthin. | |||
1866 fiel Ostfriesland mit dem Verlust der Eigenständigkeit des hannoverschen Königreichs wieder an Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer war zu dieser Zeit bereits stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch deutlich geringer als noch in den Jahren zuvor. Gleichzeitig begann die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] zu stiegen. Die Stadt selbst war mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden, da die [[Leybucht]] durch [[Liste der Eindeichungen|stetige Eindeichungen]] immer weiter verkleinert wurde. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sank stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wurde der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment widersinnig klingen, aber die massiven Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos. | 1866 fiel Ostfriesland mit dem Verlust der Eigenständigkeit des hannoverschen Königreichs wieder an Preußen zurück. Der Zugang zum offenen Meer war zu dieser Zeit bereits stark verlandet und die Bedeutung des [[Norder Hafen|Norder Hafens]] dadurch deutlich geringer als noch in den Jahren zuvor. Gleichzeitig begann die Bedeutung des [[Norddeicher Hafen|Norddeicher Hafens]] zu stiegen. Die Stadt selbst war mittlerweile nur noch über das [[Norder Tief]] mit dem Meer verbunden, da die [[Leybucht]] durch [[Liste der Eindeichungen|stetige Eindeichungen]] immer weiter verkleinert wurde. Auch die Bedeutung der Stadt als Handelsort sank stetig, hatte jedoch weiterhin überregionale Bedeutung im Handel mit Vieh, Holz und Getreide. Durch weitere Eindeichungen wurde der Zugang der Stadt zum Meer in den Folgejahren fortwährend weiter eingeschränkt. Dies mag im ersten Moment widersinnig klingen, aber die massiven Verlandungen des Norder Tiefs machten eine weitere Nutzung als Wasserstraße sinnlos. | ||
Nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) setzte eine wirtschaftliche Blüte ein, die dazu führte, dass die Stadt neue, kostenintensive Projekte ins Auge fasste. Da die kleine Stadt Norden mit ihren gerade einmal 90 Hektar (0,9 km²) Größe dafür keinerlei Platz besaß, kam wohl erstmals der Gedanke der Vereinigung mit der Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] auf, die die Stadt in einem (nördlichen) Dreiviertelring von Westen nach Osten umspannte. Da diese Plände wegen widerstreitender Interessen (vorerst) nicht umsetzbar waren, erwarb die Stadt einige Gebiete von der Sandbauerschaft, so etwa große Flächen in [[Ostlintel]] für die Schaffung des [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhofs]] oder den Bau einer [[Gräfin-Theda-Schule|Höheren Töchterschule]] sowie eines [[Krankenhaus Norden|Krankenhauses]]. Auch von der, bis 1972 ebenfalls noch eigenständigen, [[Westermarsch I|Gemeinde Westermarsch I]] erwarb man einen Teil des [[Vierzig Diemat]] genannten Gebiets und errichtete hier einen [[Schlachthof]] und ein [[Gaswerk]].<ref name=":12">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 30</ref><ref name=":20">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (18741946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 51</ref> | Nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg (1870-1871) setzte eine wirtschaftliche Blüte ein, die dazu führte, dass die Stadt neue, kostenintensive Projekte ins Auge fasste. Da die kleine Stadt Norden mit ihren gerade einmal 90 Hektar (0,9 km²) Größe dafür keinerlei Platz besaß, kam wohl erstmals der Gedanke der Vereinigung mit der Norder Umlandgemeinde [[Sandbauerschaft]] auf, die die Stadt in einem (nördlichen) Dreiviertelring von Westen nach Osten umspannte. Da diese Plände wegen widerstreitender Interessen (vorerst) nicht umsetzbar waren, erwarb die Stadt einige Gebiete von der Sandbauerschaft, so etwa große Flächen in [[Ostlintel]] für die Schaffung des [[Neuer Friedhof|Neuen Friedhofs]] oder den Bau einer [[Gräfin-Theda-Schule|Höheren Töchterschule]] sowie eines [[Krankenhaus Norden|Krankenhauses]]. Auch von der, bis 1972 ebenfalls noch eigenständigen, [[Westermarsch I|Gemeinde Westermarsch I]] erwarb man einen Teil des [[Vierzig Diemat]] genannten Gebiets und errichtete hier einen [[Schlachthof]] und ein [[Gaswerk]].<ref name=":12">Sanders, Adolf (1999): Norden - wie es früher war, Gudensberg, S. 30</ref><ref name=":20">Ramm, Heinz (1989): Popke Fegter (18741946). Sein Leben und sein Wirken im Norderland, Norden, S. 51</ref> | ||