Deutsches Haus: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Erstmalig erwähnt wurde der rechte Gebäudeteil bereits 1812, als hier eine Geneverbrennerei eines [[Jan Behrends|Jan F. Behrends]] erwähnt wurde.<ref>Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 57</ref> Diese ging jedoch bereits vor 1818 ein.<ref name=":4" /><ref name=":5">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 116</ref> 1826 wurde [[Sielrichter]] Tammena als Eigentümer genannt, anschließend gehörte das Gebäude einem Holzhändler namens Bonn. Später befand sich hier eine Kaffeehandlung (''Busch'sches Kaffeehaus''), aus dem 1848 schließlich eine von [[Jacob Eimers|Jacob G. Eimers]] betriebene Gastwirtschaft wurde, wie das [[Norder Stadtblatt]] am 16. Dezember 1848 verkündete. Eimers benannte das Gebäude auch erstmals ''Deutsches Haus'', was wohl in der aufkommenden Einheits-Nationalstimmung nach der Deutschen Revolution des sonst kleinstaaterisch geprägten Deutschlands zugrunde lag.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 125</ref> | Erstmalig erwähnt wurde der rechte Gebäudeteil bereits 1812, als hier eine Geneverbrennerei eines [[Jan Behrends|Jan F. Behrends]] erwähnt wurde.<ref>Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden (1973): Chronik. 70 Jahre Wirteverein für Stadt und Landkreis Norden, Norden, S. 57</ref> Diese ging jedoch bereits vor 1818 ein.<ref name=":4" /><ref name=":5">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 116</ref> 1826 wurde [[Sielrichter]] Tammena als Eigentümer genannt, anschließend gehörte das Gebäude einem Holzhändler namens Bonn. Später befand sich hier eine Kaffeehandlung (''Busch'sches Kaffeehaus''), aus dem 1848 schließlich eine von [[Jacob Eimers|Jacob G. Eimers]] betriebene Gastwirtschaft wurde, wie das [[Norder Stadtblatt]] am 16. Dezember 1848 verkündete. Eimers benannte das Gebäude auch erstmals ''Deutsches Haus'', was wohl in der aufkommenden Einheits-Nationalstimmung nach der Deutschen Revolution des sonst kleinstaaterisch geprägten Deutschlands zugrunde lag.<ref name=":4">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 125</ref> | ||
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Nach der Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 setzte für die Norder Gastwirtschaften eine wirtschaftliche Blütezeit ein, da viele der für die ''Sommerfrische'' auf die ostfriesischen Inseln (besonders Norderney) reisenden, wohlhabenden Bürger tidebedingt in Norden einen Zwischenhalt oder sogar eine Übernachtung einlegen mussten. Auch die Zahl der Geschäftsreisenden nahm durch den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung zu. Einen deutlichen Abstieg der touristischen Übernachtungen gab es dann jedoch infolge der Erweiterung der [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] in Richtung [[Mole Norddeich]] im Jahre 1892, die seit 1883 nur bis nach [[Süderneuland I]] reichte.<ref name=":0" /> | Nach der Gründung des Deutschen Reichs im Jahre 1871 setzte für die Norder Gastwirtschaften eine wirtschaftliche Blütezeit ein, da viele der für die ''Sommerfrische'' auf die ostfriesischen Inseln (besonders Norderney) reisenden, wohlhabenden Bürger tidebedingt in Norden einen Zwischenhalt oder sogar eine Übernachtung einlegen mussten. Auch die Zahl der Geschäftsreisenden nahm durch den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung zu. Einen deutlichen Abstieg der touristischen Übernachtungen gab es dann jedoch infolge der Erweiterung der [[Bahnstrecke Rheine-Norddeich Mole|Bahnstrecke]] in Richtung [[Mole Norddeich]] im Jahre 1892, die seit 1883 nur bis nach [[Süderneuland I]] reichte.<ref name=":0" /> | ||
=== 20. Jahrhundert === | ===20. Jahrhundert=== | ||
1903 erwarb [[Erich Beyer]] das Hotel von der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Ploeger. Auch dieser hatte schon bald mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] brachte den Fremdenverkehr dann schließlich gänzlich zum Erliegen. 1918 starb Beyer, ein Jahr später verkaufte seine Witwe das Haus [[Karl Däling]] und [[Harm Peters]], die das Gebäude sogleich elektrifizierten.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 127</ref> Die Stadt erhielt erst kurz vor Kriegsausbruch einen Anschluss an die [[Elektrizitätsversorgung]]. | 1903 erwarb [[Erich Beyer]] das Hotel von der Witwe des kurz zuvor verstorbenen Ploeger. Auch dieser hatte schon bald mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, der [[Erster Weltkrieg|Erste Weltkrieg]] brachte den Fremdenverkehr dann schließlich gänzlich zum Erliegen. 1918 starb Beyer, ein Jahr später verkaufte seine Witwe das Haus [[Karl Däling]] und [[Harm Peters]], die das Gebäude sogleich elektrifizierten.<ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 127</ref> Die Stadt erhielt erst kurz vor Kriegsausbruch einen Anschluss an die [[Elektrizitätsversorgung]]. | ||
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1967 bestehende Pläne für eine Aufstockung um ein viertes Stockwerk wurden hingegen nicht umgesetzt, da die Stadtverwaltung das Bauvorhaben ablehnte.<ref name=":6">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 24</ref> Nach 39 Jahren übergab Meinberg sen. den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte.<ref name=":2" /> Ihnen gelang es, die 1967 aufgegriffenen Pläne umzusetzen und erweiterten das Hotel schließlich 1976 um das begehrte vierte Stockwerk.<ref name=":6" /> Weiterhin passten sie es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richteten eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" /> Seit etwa Ende der 2000er Jahre firmierte das ehrwürdige Haus unter neuen Eigentümern als ''Hotel Stadt Norden'' weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es bergab, sodass sich die Kundenrezension in ihrer Negativität gegenseitig übertrumpften. Dies führte zu einem baldigen Ende des Traditionshotels. | 1967 bestehende Pläne für eine Aufstockung um ein viertes Stockwerk wurden hingegen nicht umgesetzt, da die Stadtverwaltung das Bauvorhaben ablehnte.<ref name=":6">Dorsch, Thomas / Wenz, Martin (2003): Norden / Ostfriesland. Denkmalpflegerische Zielplanung für Osterstraße und Neuen Weg, Hameln, S. 24</ref> Nach 39 Jahren übergab Meinberg sen. den Hotelbetrieb 1973 an seinen Sohn [[Herbert Meinberg]], der ihn mit seiner [[Helga Meinberg|Frau Helga]] erfolgreich weiterführte.<ref name=":2" /> Ihnen gelang es, die 1967 aufgegriffenen Pläne umzusetzen und erweiterten das Hotel schließlich 1976 um das begehrte vierte Stockwerk.<ref name=":6" /> Weiterhin passten sie es den aktuellsten technischen Gegebenheiten an und richteten eine Kegelbahn ein.<ref name=":2" /> Seit etwa Ende der 2000er Jahre firmierte das ehrwürdige Haus unter neuen Eigentümern als ''Hotel Stadt Norden'' weiter. Spätestens ab diesem Zeitpunkt ging es bergab, sodass sich die Kundenrezension in ihrer Negativität gegenseitig übertrumpften. Dies führte zu einem baldigen Ende des Traditionshotels. | ||
=== 21. Jahrhundert === | ===21. Jahrhundert=== | ||
2016 wurde das Gebäude an einen estnischen Investor veräußert, der es als ''Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH'' verwertete. Trotz vorgeblicher Pläne des Investors, hier mehrere Wohnungen sowie ein Hotel bei Erhalt der historischen Fassade zu errichten, glich das Gebäude seit dem erfolgten, illegalen Teilabriss (ab April 2019) einer Ruine, was immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen im [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] war.<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/692340/Deutsches-Haus-FDP-kritisiert-Abriss-Stopp Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 7. Oktober 2019], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> Auch die konkreten Baupläne zu den Wohnungen, die sich zur [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] erstrecken sollen, waren Bestandteil von teils heftiger Kritik, glich das Erscheinungsbild doch einem Hochbunker mit Fenstern.<ref>[https://as-norden.de/wohnquartier-stadthaus-norden/ Bauzeichnungen des Architekturbüros], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> | 2016 wurde das Gebäude an einen estnischen Investor veräußert, der es als ''Hotel Stadt Norden Betreibergesellschaft mbH'' verwertete. Trotz vorgeblicher Pläne des Investors, hier mehrere Wohnungen sowie ein Hotel bei Erhalt der historischen Fassade zu errichten, glich das Gebäude seit dem erfolgten, illegalen Teilabriss (ab April 2019) einer Ruine, was immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen im [[Stadtrat|Rat der Stadt Norden]] war.<ref>[https://www.oz-online.de/-news/artikel/692340/Deutsches-Haus-FDP-kritisiert-Abriss-Stopp Online-Bericht der Ostfriesen Zeitung vom 7. Oktober 2019], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> Auch die konkreten Baupläne zu den Wohnungen, die sich zur [[Große Hinterlohne|Großen Hinterlohne]] erstrecken sollen, waren Bestandteil von teils heftiger Kritik, glich das Erscheinungsbild doch einem Hochbunker mit Fenstern.<ref>[https://as-norden.de/wohnquartier-stadthaus-norden/ Bauzeichnungen des Architekturbüros], abgerufen am 7. Juni 2021</ref> | ||
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Datei:Neuer Weg Deutsches Haus vor 1880 01.jpg|Der alte Gasthof von vor 1880. | Datei:Neuer Weg Deutsches Haus vor 1880 01.jpg|Der alte Gasthof von vor 1880. | ||
Datei:Neuer Weg Deutsches Haus Wintergarten um 1925 01.jpg|Blick in den Wintergarten (um 1925). | Datei:Neuer Weg Deutsches Haus Wintergarten um 1925 01.jpg|Blick in den Wintergarten (um 1925). | ||
Datei:Neuer Weg Deutsches Haus um 1930 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1930. | |||
Datei:Neuer Weg Deutsches Haus ohne Datum.JPG|Das Deutsche Haus in der Zeit um 1940. | Datei:Neuer Weg Deutsches Haus ohne Datum.JPG|Das Deutsche Haus in der Zeit um 1940. | ||
Datei:Neuer Weg Deutsches Haus um 1970 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1970. | Datei:Neuer Weg Deutsches Haus um 1970 01.jpg|Aufnahme aus der Zeit um 1970. | ||
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==Einzelnachweise== | |||
== Einzelnachweise== | <references/> | ||
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==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||