Bargebur: Unterschied zwischen den Versionen
| Zeile 77: | Zeile 77: | ||
Sehr wahrscheinlich war der Ort auch noch besiedelt, als die [[Zweite Marcellusflut]] und die [[Erste Dionysiusflut]] in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts über das Land kamen. Die reißenden Fluten bahnten dem [[Norder Tief]] seinen Weg, das ursprünglich weiter nördlich verlief und ''Leide'' genannt wurde. Seit der Flut sind die [[Norder Geestinsel]] und Bargebur durch das Tief voneinander getrennt und erst seit 1986 wieder durch die [[Hexenkolkbrücke]] verbunden. Wie tief das Meer in das Land eindrang, ist noch heute gut an den [[Kolk|Kolken]] nahe der heutigen [[Umgehungsstraße]] bei Lütetsburg unweit der Grenze nach Norden zu erkennen. | Sehr wahrscheinlich war der Ort auch noch besiedelt, als die [[Zweite Marcellusflut]] und die [[Erste Dionysiusflut]] in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts über das Land kamen. Die reißenden Fluten bahnten dem [[Norder Tief]] seinen Weg, das ursprünglich weiter nördlich verlief und ''Leide'' genannt wurde. Seit der Flut sind die [[Norder Geestinsel]] und Bargebur durch das Tief voneinander getrennt und erst seit 1986 wieder durch die [[Hexenkolkbrücke]] verbunden. Wie tief das Meer in das Land eindrang, ist noch heute gut an den [[Kolk|Kolken]] nahe der heutigen [[Umgehungsstraße]] bei Lütetsburg unweit der Grenze nach Norden zu erkennen. | ||
Eine erstmalige Erwähnung findet der Ort im Jahr 1433, als es zwischen den Häuptlingen [[Focko Ukena]] und [[Ulrich Cirksena]] zu der sogenannten [[Schlacht von Bargebur]] als Entscheidungsschlacht der ''Ostfriesischen Freiheitskämpfe'' kam. Ein Bündnis mehrerer [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischer Häuptlinge]] unter Führung von [[Ulrich Cirksena]] besiegte den bis dahin in Ostfriesland vorherrschenden [[Focko Ukena]] und seine Gefolgsleute. Ulrichs Sieg hatte entscheidenden Einfluss auf seine Machtausbreitung und dem Aufstieg seines Geschlechts, da mit dem Tode des kinderlosen Sohnes von Focko, [[Udo Focken]], auch die letzten Chancen auf einen Nachkommen des Erbes der [[Idzinga]] erlosch. Ukena selbst konnte entkommen und starb später im niederländischen Exil. Zu dieser Zeit gehörte [[Tidofeld]] noch unmittelbar zu Bargebur und damit zu(r) Lütetsburg, dessen Herren ursprünglich die [[Manninga]] waren, seit 1588 dann jedoch durch Erbschaft die ursprünglich aus der Nähe von Wilhelmshaven stammden Grafen von Innhausen und Knyphausen. | Eine erstmalige Erwähnung findet der Ort im Jahr 1433, als es zwischen den Häuptlingen [[Focko Ukena]] und [[Ulrich Cirksena]] zu der sogenannten [[Schlacht von Bargebur]] als Entscheidungsschlacht der ''Ostfriesischen Freiheitskämpfe'' kam. Ein Bündnis mehrerer [[Ostfriesische Häuptlinge|ostfriesischer Häuptlinge]] unter Führung von [[Ulrich Cirksena]] besiegte den bis dahin in Ostfriesland vorherrschenden [[Focko Ukena]] und seine Gefolgsleute. Ulrichs Sieg hatte entscheidenden Einfluss auf seine Machtausbreitung und dem Aufstieg seines Geschlechts, da mit dem Tode des kinderlosen Sohnes von Focko, [[Udo Focken]], auch die letzten Chancen auf einen Nachkommen des Erbes der [[Idzinga]] erlosch. Ukena selbst konnte entkommen und starb später im niederländischen Exil. Zu dieser Zeit gehörte [[Tidofeld]] noch unmittelbar zu Bargebur und damit zu(r) Lütetsburg, dessen Herren ursprünglich die [[Manninga]] waren, seit 1588 dann jedoch durch Erbschaft die ursprünglich aus der Nähe von Wilhelmshaven stammden Grafen von Innhausen und Knyphausen.[[Datei:Süderneuland II Bargebur Bargeburer Mühle Ölmühle Müllerhaus Berumerfehnkanal Fehnkanal um 1870.JPG|mini|Die [[Ölmühle]] in Blickrichtung [[Tidofeld]]. Rechts die [[Westerroggenmühle]] und die [[Bargeburer Mühle]]. Im Hintergrund links die [[Bargeburer Kirche]] und dahinter der Turm des Lütetsburger Schlosses.]]Für das Jahr 1436 ist eine Erwähnung des Ortes als ''to Berghum'' belegt. Spätere Bezeichnungen waren ''to Bergen in Norderlande'' (1445), ''inn Bargerburhen'' (1553), ''Bergerbur'' (1599) und ''Bargerbuhr'' (1787). Die heutige Schreibweise ist schließlich seit 1871 belegt. Weitere, historische Namen sind [[Westekelbur]] und [[Bergumer Straße|Bergum]]. Die genaue Entstehungsgeschichte des Ortes lässt sich indes nicht mit eindeutiger Gewissheit bestimmen. Vermutlich siedelten sich hier, ähnlich wie bei der [[Sandbauerschaft]] mehrere Bauern an, um von den örtlichen Gegebenheiten zu profitieren. Der Ort liegt mit 1,8 Meter über Normalnull relativ weit über dem Meeresspiegel und war daher prinzipiell weitestgehend vor Sturmfluten geschützt. Zudem lag der Ort relativ zentral zwischen der prosperierenden [[Stadt Norden]] und dem seit dem 13. Jahrhundert befestigten Sitz der mächtigen [[Manninga]] in Lütetsburg (später Innhausen und Knyphausen). Ferner verlief ein alter [[Heerstraße|Heerweg]] von Norden nach Esens durch den Ort, was sicherlich auch Handelsmöglichkeiten bot. Ebenfalls von Bedeutung war der [[Alter Postweg|Alte Postweg]], der teilweise entlang dieses alten Heerwegs verlief, teilweise entlang der Deichlinie des sogenannten [[Udo-Focken-Deich]] von 1425 und hier eine wichtige Verbindung gen Süden bildete. | ||
Für das Jahr 1436 ist eine Erwähnung des Ortes als ''to Berghum'' belegt. Spätere Bezeichnungen waren ''to Bergen in Norderlande'' (1445), ''inn Bargerburhen'' (1553), ''Bergerbur'' (1599) und ''Bargerbuhr'' (1787). Die heutige Schreibweise ist schließlich seit 1871 belegt. Weitere, historische Namen sind [[Westekelbur]] und [[Bergumer Straße|Bergum]]. Die genaue Entstehungsgeschichte des Ortes lässt sich indes nicht mit eindeutiger Gewissheit bestimmen. Vermutlich siedelten sich hier, ähnlich wie bei der [[Sandbauerschaft]] mehrere Bauern an, um von den örtlichen Gegebenheiten zu profitieren. Der Ort liegt mit 1,8 Meter über Normalnull relativ weit über dem Meeresspiegel und war daher prinzipiell weitestgehend vor Sturmfluten geschützt. Zudem lag der Ort relativ zentral zwischen der prosperierenden [[Stadt Norden]] und dem seit dem 13. Jahrhundert befestigten Sitz der mächtigen [[Manninga]] in Lütetsburg (später Innhausen und Knyphausen). Ferner verlief ein alter [[Heerstraße|Heerweg]] von Norden nach Esens durch den Ort, was sicherlich auch Handelsmöglichkeiten bot. Ebenfalls von Bedeutung war der [[Alter Postweg|Alte Postweg]], der teilweise entlang dieses alten Heerwegs verlief, teilweise entlang der Deichlinie des sogenannten [[Udo-Focken-Deich]] von 1425 und hier eine wichtige Verbindung gen Süden bildete. | |||
Einer der Hauptursachen für den Deichbau waren mehrere schwere Sturmfluten im 14. Jahrhundert, insbesondere die [[Zweite Marcellusflut]] und die [[Erste Dionysiusflut]]. Die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung und Norden bekam dadurch erstmals einen Zugang zum offen Meer, der [[Norder Hafen]] entstand. Auch Bargebur wurde von den Fluten getroffen, diese reichten sogar bis nach Lütetsburg, wovon noch heute mehrere [[Kolk|Kolke]] im Umfeld der heutigen [[Umgehungsstraße]] zeugen. Mit dem Bau des vorgenannten Deichs begann die Rückgewinnung des später so genannten [[Süderneuland|Süderneulands]]. Von dem Deichbau profitierte letztlich auch Bargebur, das dadurch besser vor Sturmfluten geschützt war. | Einer der Hauptursachen für den Deichbau waren mehrere schwere Sturmfluten im 14. Jahrhundert, insbesondere die [[Zweite Marcellusflut]] und die [[Erste Dionysiusflut]]. Die [[Leybucht]] erreichte ihre größte Ausdehnung und Norden bekam dadurch erstmals einen Zugang zum offen Meer, der [[Norder Hafen]] entstand. Auch Bargebur wurde von den Fluten getroffen, diese reichten sogar bis nach Lütetsburg, wovon noch heute mehrere [[Kolk|Kolke]] im Umfeld der heutigen [[Umgehungsstraße]] zeugen. Mit dem Bau des vorgenannten Deichs begann die Rückgewinnung des später so genannten [[Süderneuland|Süderneulands]]. Von dem Deichbau profitierte letztlich auch Bargebur, das dadurch besser vor Sturmfluten geschützt war. | ||
===Neuzeit=== | ===Neuzeit=== | ||
Als das Schloss Lütetsburg, benannt nach Lütet [[Manninga]], 1534 durch Erbteilung an die Herren von Innhausen und Knyphausen fiel, gelangte Bargebur in den Besitz des in Pewsum sesshaften Zweiges der Familie Manninga. Erst durch einen Vertrag, datiert auf den 5. Januar 1584 gehörte die ''Herrlichkeit Westekelbur in Bergum'' wieder zu Lütetsburg. In diesem Vertrag wurde auch die Gebietsgröße von 76 [[Diemat]] festgehalten, was etwa 50 Hektar entspricht.<ref name=":0">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 133</ref> Anhand der Bezeichnung Herrlichkeit wird ersichtlich, dass der Lütetsburger Landesherr in dieser Zeit volle Befehlsgewalt über das Land und die hier siedelnden Menschen hatten. Hierzu zählte auch die Verhängung der Todesstrafe, weshalb vermutet wird, dass der [[Galgenberg]] und der [[Hexenkolk]] ihren Ursprung als Richtstätte in dieser Zeit haben.<ref name=":0" /><ref>Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 134</ref> Seit dem Bau des [[Schloss Tidofeld|Tidofelder Schlosses]] in der Zeit um 1614 dürften die Bauern also vor allem für den dort sesshaften Tido II. von Innhausen und Knyphausen und sein Gefolge gearbeitet bzw. diesem unterstanden haben. Das Schloss fiel nach einer Familienfehde im Jahre 1669 wüst, ob dies eine demografische Änderung für Bargebur mit sich brachte, ist ungewiss. | |||
[[Datei:Tidofeld Lastkraftwagenpark Jürgen Schlüter 1959 01.JPG|mini|Die [[Spedition Schlüter]] im Jahre 1959. Heute befindet sich hier ein ''Netto''-Markt.]] | |||
Überregionale Beachtung fand das beschauliche Bargebur erst wegen einer der zahllosen Glaubenskonflikte im ausgehenden Mittelalter. Nachdem die Reformation ab 1527 auch Einzug in Norden hielt, beabsichtigte die stetig wachsende [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|evangelisch-reformierte Gemeinde]], eine Kirche innerhalb der Stadtgrenzen von Norden zu errichten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch bereits von Anfang an am Widerstand der Norder Bürger, unter denen sich evangelisch-lutherische Ausrichtung durchgesetzt hatte. Die calvinistischen bzw. reformierten Christen mussten ihre Gottesdienste außerhalb der Stadtgrenzen abhalten. Spätestens ab 1559 stellten ihnen die Herren von Lütetsburg dafür ihre Kapelle zur Verfügung, erstmals [[Unico Manninga]]. | Überregionale Beachtung fand das beschauliche Bargebur erst wegen einer der zahllosen Glaubenskonflikte im ausgehenden Mittelalter. Nachdem die Reformation ab 1527 auch Einzug in Norden hielt, beabsichtigte die stetig wachsende [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden|evangelisch-reformierte Gemeinde]], eine Kirche innerhalb der Stadtgrenzen von Norden zu errichten. Dieses Vorhaben scheiterte jedoch bereits von Anfang an am Widerstand der Norder Bürger, unter denen sich evangelisch-lutherische Ausrichtung durchgesetzt hatte. Die calvinistischen bzw. reformierten Christen mussten ihre Gottesdienste außerhalb der Stadtgrenzen abhalten. Spätestens ab 1559 stellten ihnen die Herren von Lütetsburg dafür ihre Kapelle zur Verfügung, erstmals [[Unico Manninga]]. | ||