Jan Fegter (1852): Unterschied zwischen den Versionen
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'''Jan Freers Martens Fegter''' (* 7. | '''Jan Freers Martens Fegter''' (* 7. Oktober 1852 in Schoonorth; † 21. März 1931 in Süderneuland I)<ref>[https://www.grabsteine-ostfriesland.de/grabstein/12706/Jan+Freers+Martens-Fegter--Grimersum Grab des Jan Fegter auf Grabsteine Ostfriesland], abgerufen am 23. April 2021</ref> war ein bedeutender Politiker und Bauernfunktionär. Er war ein Verwandter von [[Popke Fegter]]. | ||
==Leben== | ==Leben== | ||
Jan Fegter wurde am 7. Oktober 1852 in Schoonorth als ältester Sohn eines Landwirts, Domänenpächters und [[Deichrichter|Deichrichters]] geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule in Wirdumer Neuland wechselte er 1861 auf das Gymnasium in Emden, das er 1870 mit dem Reifezeugnis verließ. Hieran an schlossen Lehrjahre auf dem Hof seines Vaters und längere Zeiten der landwirtschaftlichen Tätigkeit, ehe er als Nachfolger seines Vaters Pächter des Gehöfts | Jan Fegter wurde am 7. Oktober 1852 in Schoonorth als ältester Sohn eines Landwirts, Domänenpächters und [[Deichrichter|Deichrichters]] geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule in Wirdumer Neuland wechselte er 1861 auf das Gymnasium in Emden, das er 1870 mit dem Reifezeugnis verließ. Hieran an schlossen Lehrjahre auf dem Hof seines Vaters und längere Zeiten der landwirtschaftlichen Tätigkeit, ehe er als Nachfolger seines Vaters Pächter des Gehöfts ''Kloster Aland'' bei Wirdum wurde. Im gleichen Jahr (1884) heiratete er Immine Edzards, die Tochter des Besitzers des Hofs ''Kloster Appingen''. | ||
Im Jahre 1890 übernahm er in der Gemeinde Wirdum das Amt des Gemeindevorstehers. Fegters politische Überzeugung wurde durch seine Familie geprägt. Der Vater und mehrere Mitglieder der weit verzweigten und großen Familie gehörten zu den wichtigsten Vertretern der in Ostfriesland traditionell starken nationalliberalen Bewegung. Sein Onkel war Kreisdeputierter, Gemeindevorsteher sowie Mitglied der Provinzialstände in Hannover und gehörte für eine Legislaturperiode als Abgeordneter dem preußischen Abgeordnetenhaus an. Fegter selbst trat 1893 bei der Reichstagswahl zusammen mit anderen als Unterstützer des liberalen Kandidaten und gegen den Vertreter der Konservativen, den bekannten Politiker und Großagrarier Edzard Fürst von Knyphausen, hervor. Als Pächter einer der größeren ostfriesischen Domänen hätte man ihn allerdings eher in den Reihen des Bundes der Landwirte und als Anhänger der konservativen Bewegung vermutet, jedoch stand er als Liberaler eher auf der Seite ihrer politischen Gegner. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1907 wurde er als Kandidat der linksliberalen Freisinnigen gegen den populären Fürsten von Knyphausen ins Rennen geschickt, unterlag jedoch klar. | Im Jahre 1890 übernahm er in der Gemeinde Wirdum das Amt des Gemeindevorstehers. Fegters politische Überzeugung wurde durch seine Familie geprägt. Der Vater und mehrere Mitglieder der weit verzweigten und großen Familie gehörten zu den wichtigsten Vertretern der in Ostfriesland traditionell starken nationalliberalen Bewegung. Sein Onkel war Kreisdeputierter, Gemeindevorsteher sowie Mitglied der Provinzialstände in Hannover und gehörte für eine Legislaturperiode als Abgeordneter dem preußischen Abgeordnetenhaus an. Fegter selbst trat 1893 bei der Reichstagswahl zusammen mit anderen als Unterstützer des liberalen Kandidaten und gegen den Vertreter der Konservativen, den bekannten Politiker und Großagrarier Edzard Fürst von Knyphausen, hervor. Als Pächter einer der größeren ostfriesischen Domänen hätte man ihn allerdings eher in den Reihen des Bundes der Landwirte und als Anhänger der konservativen Bewegung vermutet, jedoch stand er als Liberaler eher auf der Seite ihrer politischen Gegner. Bei der Reichstagswahl im Jahre 1907 wurde er als Kandidat der linksliberalen Freisinnigen gegen den populären Fürsten von Knyphausen ins Rennen geschickt, unterlag jedoch klar. | ||
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Für die nach dem Tod des Wahlkreisinhabers (Emden) im Jahre darauf erforderliche Nachwahl stellte die Freisinnige Vereinigung Jan Fegter wieder als Kandidaten auf. Im zweiten Wahlgang und mit Unterstützung der Sozialdemokraten entschied Fegter mit 59% aller Stimmen die Wahl für sich, gegen den Vertreter der Nationalliberalen, Emdens Oberbürgermeister Fürbringer, und den Kandidaten der vereinten Rechtskonservativen, Rechtsanwalt Groeneveld. Bei der letzten Wahl im Kaiserreich, der im Jahre 1912, hatte Fegter kaum ernsthafte Konkurrenz. Nur die Konservativen hatten einen Kandidaten, den unbekannten Volksschullehrer Engelkes aus Norden, aufgestellt. Die Sozialdemokraten zogen kurz vor der Wahl ihren Kandidaten zurück. Die Nationalliberalen unterstützten von vornherein Fegter und verzichteten auf einen eigenen Kandidaten. So fiel dann das Ergebnis mit 62% für Fegter auch nicht überraschend aus. | Für die nach dem Tod des Wahlkreisinhabers (Emden) im Jahre darauf erforderliche Nachwahl stellte die Freisinnige Vereinigung Jan Fegter wieder als Kandidaten auf. Im zweiten Wahlgang und mit Unterstützung der Sozialdemokraten entschied Fegter mit 59% aller Stimmen die Wahl für sich, gegen den Vertreter der Nationalliberalen, Emdens Oberbürgermeister Fürbringer, und den Kandidaten der vereinten Rechtskonservativen, Rechtsanwalt Groeneveld. Bei der letzten Wahl im Kaiserreich, der im Jahre 1912, hatte Fegter kaum ernsthafte Konkurrenz. Nur die Konservativen hatten einen Kandidaten, den unbekannten Volksschullehrer Engelkes aus Norden, aufgestellt. Die Sozialdemokraten zogen kurz vor der Wahl ihren Kandidaten zurück. Die Nationalliberalen unterstützten von vornherein Fegter und verzichteten auf einen eigenen Kandidaten. So fiel dann das Ergebnis mit 62% für Fegter auch nicht überraschend aus. | ||
Als Agrarier widmete sich Fegter in seiner politischen Arbeit naturgemäß besonders der Landwirtschaft. Als Liberaler stand er hier in bewusster Gegnerschaft zu dem rechtskonservativen Bund der Landwirte, der im agrarischen Ostfriesland über einen beachtlichen Rückhalt verfügte. Fegter offenbarte in der parlamentarischen Auseinandersetzung mit seinen konservativen Gegnern eine überzeugende Sachkompetenz und zeichnete sich durch ein erstaunliches intellektuelles Vermögen aus. Vehement vertrat er dabei die Interessen der Kleinbauern und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe, die gegen die Getreideschutzpolitik der Reichsregierung antraten. Fegter wurde in der Folgezeit | Als Agrarier widmete sich Fegter in seiner politischen Arbeit naturgemäß besonders der Landwirtschaft. Als Liberaler stand er hier in bewusster Gegnerschaft zu dem rechtskonservativen Bund der Landwirte, der im agrarischen Ostfriesland über einen beachtlichen Rückhalt verfügte. Fegter offenbarte in der parlamentarischen Auseinandersetzung mit seinen konservativen Gegnern eine überzeugende Sachkompetenz und zeichnete sich durch ein erstaunliches intellektuelles Vermögen aus. Vehement vertrat er dabei die Interessen der Kleinbauern und mittleren landwirtschaftlichen Betriebe, die gegen die Getreideschutzpolitik der Reichsregierung antraten. Fegter wurde in der Folgezeit von seinen auswärtigen Parteifreunden wiederholt zu Wahlkampfveranstaltungen in anderen Gegenden Deutschlands eingeladen. Insbesondere in ähnlich strukturierten Bereichen - Oldenburg, Mecklenburg, Pommern - war er ein gerngesehener, weil sachkundiger Gast. Darüber hinaus trat er mit Beiträgen für liberale Zeitungen wie das ''Berliner Tageblatt'' oder die ''Vossische Zeitung'' in Erscheinung. | ||
von seinen auswärtigen Parteifreunden wiederholt zu Wahlkampfveranstaltungen in anderen Gegenden Deutschlands eingeladen. Insbesondere in ähnlich strukturierten Bereichen - Oldenburg, Mecklenburg, Pommern - war er ein gerngesehener, weil sachkundiger Gast. Darüber hinaus trat er mit Beiträgen für liberale Zeitungen wie das | |||
Nach dem Kriege, in dem er einen Sohn (Popke Fegter jun.) verlor, zog Fegter für Theodor Tantzen, der Ministerpräsident in Oldenburg wurde, in die Deutsche Nationalversammlung ein. Bereits 1918 hatte er sich der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei angeschlossen, die sich um Friedrich Naumann scharte. Ab 1920 gehörte er dann dem Parteiausschuss der DDP an – neben dem Hauptvorstand das Führungsgremium der Partei –, wurde aber für die Reichstagswahl im gleichen Jahr von seiner Partei nicht mehr aufgestellt, da er inzwischen im Provinziallandtag saß und als Vertreter der Provinz Hannover im preußischen Staatsrat tätig war. Als Bezirksvorsitzender der DDP führte er aber weiterhin die ostfriesischen Liberalen an. | Nach dem Kriege, in dem er einen Sohn (Popke Fegter jun.) verlor, zog Fegter für Theodor Tantzen, der Ministerpräsident in Oldenburg wurde, in die Deutsche Nationalversammlung ein. Bereits 1918 hatte er sich der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei angeschlossen, die sich um Friedrich Naumann scharte. Ab 1920 gehörte er dann dem Parteiausschuss der DDP an – neben dem Hauptvorstand das Führungsgremium der Partei –, wurde aber für die Reichstagswahl im gleichen Jahr von seiner Partei nicht mehr aufgestellt, da er inzwischen im Provinziallandtag saß und als Vertreter der Provinz Hannover im preußischen Staatsrat tätig war. Als Bezirksvorsitzender der DDP führte er aber weiterhin die ostfriesischen Liberalen an. | ||