Ölmühle: Unterschied zwischen den Versionen
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Zeitweise soll es bis zu fünf Ölmühlen innerhalb der heutigen [[Stadt Norden|Stadtgrenzen]] gegeben haben, die auch ''Ölschlag'' genannt wurden, das sich wiederum vom Ölschlagen, also der Gewinnung von Öl aus Pflanzen wie Raps, ableitete. Das gewonnene Öl wurde sowohl als günstiger Brotaufstrich als auch zum Beleuchten von Öllampen verwendet. Eine dieser Ölmühlen war wahrscheinlich die nahegelegene [[Westerroggenmühle]], in der die [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden]] vor dem Bau der [[Bargeburer Kirche]] zeitweise ihren Gottesdienst abhielt. Eine weitere befand sich seit spätestens 1632 am [[Fräuleinshof]].<ref>Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 24</ref> | Zeitweise soll es bis zu fünf Ölmühlen innerhalb der heutigen [[Stadt Norden|Stadtgrenzen]] gegeben haben, die auch ''Ölschlag'' genannt wurden, das sich wiederum vom Ölschlagen, also der Gewinnung von Öl aus Pflanzen wie Raps, ableitete. Das gewonnene Öl wurde sowohl als günstiger Brotaufstrich als auch zum Beleuchten von Öllampen verwendet. Eine dieser Ölmühlen war wahrscheinlich die nahegelegene [[Westerroggenmühle]], in der die [[Reformierte Gemeinde Lütetsburg-Norden]] vor dem Bau der [[Bargeburer Kirche]] zeitweise ihren Gottesdienst abhielt. Eine weitere befand sich seit spätestens 1632 am [[Fräuleinshof]].<ref>Rack, Eberhard (1982): Up Leegemoors Wohlfahrt, Norden, S. 24</ref> | ||
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==Geschichte== | ==Geschichte== | ||
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Seit 1945 ist die Mühle ohne Flügel. Mühlenhaus und -rumpf werden seitdem privat für Wohnzwecke genutzt.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Letzte Eigentümer waren die Familie Weerda und der Dachdeckermeister Lüchow.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 37</ref> | Seit 1945 ist die Mühle ohne Flügel. Mühlenhaus und -rumpf werden seitdem privat für Wohnzwecke genutzt.<ref name=":0">Schreiber, Gretje (2012): Mühlengeschichten in und um Norden, Manuskript</ref> Letzte Eigentümer waren die Familie Weerda und der Dachdeckermeister Lüchow.<ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 37</ref> | ||
== Ortschaft == | ==Ortschaft== | ||
In amtlichen Verzeichnissen zählte die Ölmühle neben [[Altendeich]] und [[Nadörst]] als eine Ortschaft der einst selbstständigen Gemeinde [[Süderneuland II]]. Erste urkundliche Erwähnung fand der aus einzelnen Häusern bestehende Ort im Jahre 1842. 1848 lebten hier 21 Personen in zwei Wohngebäuden.<ref>Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren, Die Siedlungssnamen zwischen Dollart und Jade, Leer, S. 171</ref> | In amtlichen Verzeichnissen zählte die Ölmühle neben [[Altendeich]] und [[Nadörst]] als eine Ortschaft der einst selbstständigen Gemeinde [[Süderneuland II]]. Erste urkundliche Erwähnung fand der aus einzelnen Häusern bestehende Ort im Jahre 1842. 1848 lebten hier 21 Personen in zwei Wohngebäuden.<ref>Remmers, Arend (2004): Von Aaltukerei bis Zwischenmooren, Die Siedlungssnamen zwischen Dollart und Jade, Leer, S. 171</ref> | ||
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Die Eigentümer, die Interessengemeinschaft (gegründet 1772/1773), der Ölmühle waren verpflichtet, ein jährliches Windgeld von 20 Reichstalern in Gold an die städtische Rentei zu entrichten. Dazu waren für Verkäufe jeweils gesonderte Steuern zu zahlen. Zudem mussten 16 Reichstaler 18 Stüber Erbpacht an einen Jacob Dirks gezahlt werden. 2 Reichstaler und 6 Stüber nebst Veräußerungsgewinnen mussten darüber hinaus als jährliche Erbpacht an die Stadtkämmerei für die sogenannten Aaskuhlen (Gruben, in denen Tierkadaver entsorgt wurden) bezahlt werden. Damit nicht genug, war die Ölmühle verpflichtet, sich am Unterhalt der steinernen Brücke an einer anderen Mühle zu beteiligen. Gemeint ist damit wahrscheinlich die [[Frisiamühle]] und die Brücke(n) an der [[Brückstraße]]. Abschließend mussten noch Beiträge für die Kirche und die Armenversorgung geleistet werden.<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1385, Nr. 53, Rep. 237, Bd. 1353, S. 383 und Rep. 37, Bd. 1386, Nr. 37</ref> | Die Eigentümer, die Interessengemeinschaft (gegründet 1772/1773), der Ölmühle waren verpflichtet, ein jährliches Windgeld von 20 Reichstalern in Gold an die städtische Rentei zu entrichten. Dazu waren für Verkäufe jeweils gesonderte Steuern zu zahlen. Zudem mussten 16 Reichstaler 18 Stüber Erbpacht an einen Jacob Dirks gezahlt werden. 2 Reichstaler und 6 Stüber nebst Veräußerungsgewinnen mussten darüber hinaus als jährliche Erbpacht an die Stadtkämmerei für die sogenannten Aaskuhlen (Gruben, in denen Tierkadaver entsorgt wurden) bezahlt werden. Damit nicht genug, war die Ölmühle verpflichtet, sich am Unterhalt der steinernen Brücke an einer anderen Mühle zu beteiligen. Gemeint ist damit wahrscheinlich die [[Frisiamühle]] und die Brücke(n) an der [[Brückstraße]]. Abschließend mussten noch Beiträge für die Kirche und die Armenversorgung geleistet werden.<ref>StAA, Rep. 237, Bd. 1385, Nr. 53, Rep. 237, Bd. 1353, S. 383 und Rep. 37, Bd. 1386, Nr. 37</ref> | ||
== Anlegestelle == | ==Anlegestelle== | ||
Die für den Torftransport notwendigen Schiffe der [[Norder Fehngesellschaft]] wurden anfangs von dieser selbst in einer betriebseigenen Werft nahe der Ölmühle gebaut und gewartet. Dort befand sich auch der Ausladeplatz für den Torf.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 27</ref> Der [[Berumerfehnkanal]] verlief damals noch in unmittelbarer Nähe. Von hier aus wurden die Waren dann mit Kutschen über die [[Brückstraße]] in die Stadt transportiert. | Die für den Torftransport notwendigen Schiffe der [[Norder Fehngesellschaft]] wurden anfangs von dieser selbst in einer betriebseigenen Werft nahe der Ölmühle gebaut und gewartet. Dort befand sich auch der Ausladeplatz für den Torf.<ref>Canzler, Gerhard (1989): Handel und Wandel, Norden, S. 27</ref> Der [[Berumerfehnkanal]] verlief damals noch in unmittelbarer Nähe. Von hier aus wurden die Waren dann mit Kutschen über die [[Brückstraße]] in die Stadt transportiert. | ||
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Datei:Süderneuland II Bargebur Bargeburer Mühle Ölmühle Müllerhaus Berumerfehnkanal Fehnkanal um 1870.JPG|Die Ölmühle mit Blickrichtung nach Lütetsburg (um 1870). Rechts die [[Westerroggenmühle]] und die [[Bargeburer Mühle]]. | Datei:Süderneuland II Bargebur Bargeburer Mühle Ölmühle Müllerhaus Berumerfehnkanal Fehnkanal um 1870.JPG|Die Ölmühle mit Blickrichtung nach Lütetsburg (um 1870). Rechts die [[Westerroggenmühle]] und die [[Bargeburer Mühle]]. | ||
Datei:Ölmühle unbekanntes Datum 01.JPG|Die Ölmühle - hier noch mit Schornstein - auf einem undatierten Gemälde. | Datei:Ölmühle unbekanntes Datum 01.JPG|Die Ölmühle - hier noch mit Schornstein - auf einem undatierten Gemälde. | ||
Datei:Fehnkanal Zwillingsmühlen um 1900 01.jpg|Die Ölmühle und die [[Frisiamühle]] mit dem [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] im Vordergrund (um 1900). | |||
Datei:Heerstraße Ölmühle Berumerfehnkanal 1902 01.jpg|Blick in Richtung [[Bargebur]] mit [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] und Ölmühle (1902). | Datei:Heerstraße Ölmühle Berumerfehnkanal 1902 01.jpg|Blick in Richtung [[Bargebur]] mit [[Berumerfehnkanal|Fehnkanal]] und Ölmühle (1902). | ||
Datei:Bahnhofstraße Deichmühle Frisiamühle Ölmühle Gemälde 1916 01.jpg|Die [[Frisiamühle]] (rechts), die [[Deichmühle]] (mittig) und die Ölmühle (links) im Jahre 1916. | Datei:Bahnhofstraße Deichmühle Frisiamühle Ölmühle Gemälde 1916 01.jpg|Die [[Frisiamühle]] (rechts), die [[Deichmühle]] (mittig) und die Ölmühle (links) im Jahre 1916. | ||