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Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]]  in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief |Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]].
Bei der [[Zweite Dionysiusflut|Zweiten Dionysiusflut]]  in 1377 drang die Nordsee abermals tief in das Landesinnere vor. Überliefert ist, dass die Fluten bis an das [[Dominikanerkloster]] nahe des Norder Stadtzentrums reichten. Durch diese verheerende Sturmflut bekam die [[Stadt Norden]] erstmals direkten Zugang zur Nordsee. In der Folge errichteten die Bewohner der Westermarsch einen Deich entlang des [[Langhauser Tief |Langhauser Tiefs]], der von [[Utlandshörn]] bis nach Norden reichte: Den [[Alter Westermarscher Deich|Alten Westermarscher Deich]].


Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte eine schwere [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie von 1350 bis 1360]] in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim. Dazu kam, dass der Beginn der ''Kleinen Eiszeit'' im 14. Jahrhundert zu deutlich schlechten Erträgen führten. Die Menschen waren nicht nur körperlich, sondern auch finanziell geschwächt. Diese gesamtgesellschaftlichen Missstände führten nicht zuletzt zum Aufkommen des [[Ostfriesische Häuptlinge|Ostfriesischen Häuptlingswesens]].[[Datei:Westermarscher Landstrasse 1977.jpg|links|mini|Die [[Westermarscher Straße]] vor ihrer Verbreiterung (1977).]]
Doch nicht nur die Sturmfluten hatten viele Menschenleben gekostet, auch grassierte eine schwere [[Pestepidemie 1350 - 1360|Pestepidemie von 1350 bis 1360]] in der Region. Um 1400 suchte eine weitere, namentlich nicht bekannte schwere Seuche das Land heim. Dazu kam, dass der Beginn der ''Kleinen Eiszeit'' im 14. Jahrhundert zu deutlich schlechten Erträgen führten. Die Menschen waren nicht nur körperlich, sondern auch finanziell geschwächt. Diese gesamtgesellschaftlichen Missstände führten nicht zuletzt zum Aufkommen des [[Ostfriesische Häuptlinge|Ostfriesischen Häuptlingswesens]].
 
===Neuzeit===
===Neuzeit===
Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann die Westermarsch langsam aber stetig, wieder zu einer wohlhabenden Region zu werden. Insbesondere [[Anna von Oldenburg]], die Witwe von [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]], hatte wesentlichen Anteil an der Landgewinnung in der Westermarsch sowie bei der Sicherung der Ländereien durch den Bau von [[Deich|Deichen]]. Unter ihrer Herrschaft wurden weit über 1000 Hektar Land der Nordsee entrissen. Gräfin Anna polderte 1551 das Land nach Süden hin ein, es entstand der sogenannte [[Alter Süderdeich |Alte Süderdeich]]. Die Deichlinie verlief größtenteils entlang des heutigen [[Altendeichsweg (Westermarsch) |Altendeichswegs]]. Das neu- bzw. wiedergewonnene Land wird auch [[Westermarscher Altes Neuland|''Altes Westermarscher Neuland'']] genannt.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts begann die Westermarsch langsam aber stetig, wieder zu einer wohlhabenden Region zu werden. Insbesondere [[Anna von Oldenburg]], die Witwe von [[Enno II. Cirksena|Graf Enno II.]], hatte wesentlichen Anteil an der Landgewinnung in der Westermarsch sowie bei der Sicherung der Ländereien durch den Bau von [[Deich|Deichen]]. Unter ihrer Herrschaft wurden weit über 1000 Hektar Land der Nordsee entrissen. Gräfin Anna polderte 1551 das Land nach Süden hin ein, es entstand der sogenannte [[Alter Süderdeich |Alte Süderdeich]]. Die Deichlinie verlief größtenteils entlang des heutigen [[Altendeichsweg (Westermarsch) |Altendeichswegs]]. Das neu- bzw. wiedergewonnene Land wird auch [[Westermarscher Altes Neuland|''Altes Westermarscher Neuland'']] genannt.
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Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der Westermarsch in neun Rotten.<ref name=":0">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
Zur Zeit der Bedeichung war die alte bäuerliche Sozialordnung noch in Kraft, sodass die Landnahme in [[Rott|Rotten]] erfolgte. So kolonisierten die aus dem Raume Norden angesetzten Siedler in der [[Ostermarsch]] in acht Rotten, in der [[Lintelermarsch]] in drei Rotten und in der Westermarsch in neun Rotten.<ref name=":0">Rack, Eberhard (1967): Besiedlung und Siedlung des Altkreises Norden, Münster, S. 60</ref>
 
[[Datei:Westermarsch Blick zur Ziegeleistraße unbekanntes Datum 01.jpg|mini|Mit Blick zur [[Ziegeleistraße]] (unbekanntes Datum).]]
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618 bis 1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können.
Während des [[Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Kriegs]] (1618 bis 1648) wurde auch die Westermarsch von einem Söldnerheer des berüchtigten Heerführers Ernst von Mansfeld als Rückzugsort genutzt. Seine Truppen drangsalierten die Bevölkerung von 1622 bis 1624 und schikanierten sie fortwährend mit kaum zu erfüllenden Forderungen. Die Westermarscher Bewohner, die selbst oftmals kaum genug zum Leben hatten, mussten für Unterbringung und Verpflegung der Soldaten sorgen, ohne dafür eine Gegenleistung erwarten zu können.


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Von 1821 bis 1823 kartografierte das Königreich Hannover einen Teil seines Landes. Wenngleich Ostfriesland nicht dazu zählte, taucht in dieser Zeit erstmals die amtliche Trennung von Westermarsch I und [[Westermarsch II]] wie auch [[Süderneuland I]] und [[Süderneuland II]] auf. Offenkundig stand die Trennung dieser bis dahin jeweils zusammengehörenden Gemeinden im Zusammenhang mit Bestrebungen zur Vereinheitlichung von Fläche und Größe der einzelnen Gliedgemeinden im Land. Die nun entstandenen Gemeinden hatten jeweils eine annähernd gleiche Größe und Bevölkerungszahl.
Von 1821 bis 1823 kartografierte das Königreich Hannover einen Teil seines Landes. Wenngleich Ostfriesland nicht dazu zählte, taucht in dieser Zeit erstmals die amtliche Trennung von Westermarsch I und [[Westermarsch II]] wie auch [[Süderneuland I]] und [[Süderneuland II]] auf. Offenkundig stand die Trennung dieser bis dahin jeweils zusammengehörenden Gemeinden im Zusammenhang mit Bestrebungen zur Vereinheitlichung von Fläche und Größe der einzelnen Gliedgemeinden im Land. Die nun entstandenen Gemeinden hatten jeweils eine annähernd gleiche Größe und Bevölkerungszahl.


1867 bzw. 1871 fiel ganz Ostfriesland von Hannover (erneut) an das Königreich Preußen. Die preußischen Beamten begannen damit, nun auch Ostfriesland zu kartografieren. 1873 bis 1875 wurde die [[Westermarscher Straße]] gebaut, bis dahin erfolgte ein Warentransport vor allem über die zahlreichen Flüsse und Kanäle.
1867 bzw. 1871 fiel ganz Ostfriesland von Hannover (erneut) an das Königreich Preußen. Die preußischen Beamten begannen damit, nun auch Ostfriesland zu kartografieren. 1873 bis 1875 wurde die [[Westermarscher Straße]] gebaut, bis dahin erfolgte ein Warentransport vor allem über die zahlreichen Flüsse und Kanäle.[[Datei:Westermarscher Landstrasse 1977.jpg|links|mini|Die [[Westermarscher Straße]] vor ihrer Verbreiterung (1977).]]


In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] formierte sich eine Bürgerwehr, der 73 Mann angehörten. Die Wehr hatte keine Waffen, die sie jedoch angefordert hatten. Zu einer Bewaffnung kam es durch die Gründung der Weimarer Republik mit der einhergehenden Verbesserung der Sicherheitslage jedoch nicht mehr. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] befand sich in einer Holzbaracke bei Landwirt J. Ahrends in [[Wester-Charlottenpolder]] ein Kriegsgefangenenlager (AK Nr. 1 164E), in dem 35 bis 40 (vorher auch 60) Personen untergebracht waren. Im Oktober 1940 gab es 40 Insassen von ausnahmslos französischer Herkunft. Im Juli 1941 registrierte man dann 39 Serben.
In den Wirren der Zeit nach dem [[Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg]] formierte sich eine Bürgerwehr, der 73 Mann angehörten. Die Wehr hatte keine Waffen, die sie jedoch angefordert hatten. Zu einer Bewaffnung kam es durch die Gründung der Weimarer Republik mit der einhergehenden Verbesserung der Sicherheitslage jedoch nicht mehr. Während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] befand sich in einer Holzbaracke bei Landwirt J. Ahrends in [[Wester-Charlottenpolder]] ein Kriegsgefangenenlager (AK Nr. 1 164E), in dem 35 bis 40 (vorher auch 60) Personen untergebracht waren. Im Oktober 1940 gab es 40 Insassen von ausnahmslos französischer Herkunft. Im Juli 1941 registrierte man dann 39 Serben.