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Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister nach Vorwürfen falscher Angaben über seine nationalsozialistische Vorbelastung wieder abgesetzt. An seine Stelle trat [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister. Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an. Die Vorwürfe gegen Schöneberg konnten später entkräftet werden, sodass er 1948 ins Amt zurückkehren konnte.
Bereits im März 1946 wurde Schöneberg durch die Militärregierung als Bürgermeister nach Vorwürfen falscher Angaben über seine nationalsozialistische Vorbelastung wieder abgesetzt. An seine Stelle trat [[Johann Fischer]] als zweiter Nachkriegsbürgermeister. Der von der Besatzungsmacht neben dem Bürgermeister ernannte Stadtdirektor [[Georg Schubach]] musste bereits im Oktober 1947 sein Amt wieder abgeben, da er sich mit falschen Angaben um dieses Amt beworben hatte. Im Juni 1950 verurteilte ihn die Strafkammer Aurich wegen Betruges zu einer Haftstrafe. Schubachs Nachfolge trat [[Walter Klein]] an. Die Vorwürfe gegen Schöneberg konnten später entkräftet werden, sodass er 1948 ins Amt zurückkehren konnte.


Obgleich auch in Ostfriesland die Not nach dem Krieg groß war und die Region viele Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen hatte, ordneten die Alliierten an, dass die Stadt 150 Fahrräder in einwandfreiem Zustand an die Bergarbeiter im Ruhrgebiet zu liefern habe. Ferner seien 3.300 Decken abzugeben. Beide Ziele konnten nicht ansatzweise erfüllt werden, was allerdings folgenlos blieb. Um dem Mangel an Brennmaterial zu begegnen, wurde Norder Bürgern auf Antrag eine Moorfläche außerhalb der Stadt zugewiesen, damit diese dort Torf für sich und die Allgemeinheit (im Verhältnis von acht zu zwei Tagewerken) abbauen konnten.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 245</ref><ref name=":16">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 76</ref> Dennoch kam es häufig zu Diebstählen von Kohle und Koks am [[Alter Bahnhof Norden|Güterbahnhof]].<ref name=":16" />
Obgleich auch in Ostfriesland die Not nach dem Krieg groß war und die Region viele Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen hatte, ordneten die Alliierten an, dass die Stadt 150 Fahrräder in einwandfreiem Zustand an die Bergarbeiter im Ruhrgebiet zu liefern habe. Ferner seien 3.300 Decken abzugeben. Beide Ziele konnten nicht ansatzweise erfüllt werden, was allerdings folgenlos blieb. Um dem Mangel an Brennmaterial zu begegnen, wurde Norder Bürgern auf Antrag eine Moorfläche außerhalb der Stadt zugewiesen, damit diese dort Torf für sich und die Allgemeinheit (im Verhältnis von acht zu zwei Tagewerken) abbauen konnten.<ref name=":6">Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 245</ref><ref name=":16">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 76</ref> Dennoch kam es häufig zu Diebstählen von Kohle und Koks am [[Alter Bahnhof Norden|Güterbahnhof]].<ref name=":16" /> Auch versuchten Kriminelle mehrfach, bei Einbrüchen in Rathäuser an Lebensmittelmarken zu gelangen.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 135</ref>


Um Energie zu sparen, speiste das [[Gaswerk]] nur von 07:00 bis 07:30 Uhr sowie von 18:00 bis 19:00 Gas an die Heimleitungen ein, ebenso wurden alle Einzelhandelsgeschäfte ab 17:00 Uhr geschlossen, um Strom zu sparen. Diese hatten allerdings an mindestens drei Tagen die Woche, in jedem Fall aber montags, zu öffnen.<ref name=":16" /> Den örtlichen Bäckereien wurde von der Stadtverwaltung heimlich aufgetragen, keine Torten im Schaufenster zu präsentieren, um bei den Besatzern nicht den Anschein von Wohlstand in Zeiten der größten Not zu erwecken.<ref name=":17">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 77</ref> Die Vorschriften über diese Energiesparmaßnahmen wurden erst nach Ende des Winters 1948/1949 aufgehoben.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 80</ref>
Um Energie zu sparen, speiste das [[Gaswerk]] nur von 07:00 bis 07:30 Uhr sowie von 18:00 bis 19:00 Gas an die Heimleitungen ein, ebenso wurden alle Einzelhandelsgeschäfte ab 17:00 Uhr geschlossen, um Strom zu sparen. Diese hatten allerdings an mindestens drei Tagen die Woche, in jedem Fall aber montags, zu öffnen.<ref name=":16" /> Den örtlichen Bäckereien wurde von der Stadtverwaltung heimlich aufgetragen, keine Torten im Schaufenster zu präsentieren, um bei den Besatzern nicht den Anschein von Wohlstand in Zeiten der größten Not zu erwecken.<ref name=":17">Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 77</ref> Die Vorschriften über diese Energiesparmaßnahmen wurden erst nach Ende des Winters 1948/1949 aufgehoben.<ref>Canzler, Gerhard (1994): Norden. Museen im Alten Rathaus, Norden, S. 80</ref>
Im Mai 1946 erging die Anordnung zur Einrichtung von Wiegestellen an mehreren öffentlichen Plätzen. An diesen hatte sich jeder Einwohner über 18 Jahren zu wiegen und seine Größe ermitteln zu lassen. Mit den Daten sollte die Ernährungslage der Bevölkerung kontrolliert werden. Das Ergebnis war derart kritisch, dass man die landwirtschaftliche Nutzung von Flächen weiter intensivierte und beispielweise die Nutzung von Böden für einen Blumengarten oder vergleichbares unter Strafe stellte.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 127</ref> Bedeutenden Anteil daran, die Not zu lindern, brachten schließlich die sogenannten ''Care-Pakete'', die die westlichen Siegermächte ab 1946 nach Deutschland schickten.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 132f.</ref>


Bis zur Währungsreform 1948 behalfen sich die Bewohner von Norden mit Tauschgeschäften, für die an mehreren Standorten in der Stadt ''Tauschzentralen'' eingerichtet wurden. Als alternative Zahlungsmittel dienten zudem, wie praktisch überall im Land, Zigaretten und andere Naturalien.<ref name=":17" />
Bis zur Währungsreform 1948 behalfen sich die Bewohner von Norden mit Tauschgeschäften, für die an mehreren Standorten in der Stadt ''Tauschzentralen'' eingerichtet wurden. Als alternative Zahlungsmittel dienten zudem, wie praktisch überall im Land, Zigaretten und andere Naturalien.<ref name=":17" />