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Der '''Engenahof''' (auch: ''Remet Engen Hof''; früher: ''Kenenburg'') ist ein historisches und denkmalgeschütztes Gebäude an der Südseite des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]]. Seit Oktober 1945 befindet sich hier der Hauptsitz der [[Polizei Norden|Norder Polizei]]. Zuvor diente es als NSDAP-Parteizentrale, Herberge, Vereins- und Wohnhaus mächtiger Persönlichkeiten. Der Name leitet sich vom Adelsgeschlecht der [[Engena]] ab, die als Nachfolger der [[tom Brook]] gelten und das diesem Geschlecht gehörende, auf dem Grund des heutigen Gebäudes befindliche Anwesen erbten.
Der '''Engenahof''' (auch: ''Remet Engen Hof''; früher: ''Kenenburg'') ist ein historisches, denkmalgeschütztes Gebäude an der Südseite des [[Marktplatz|Norder Marktplatzes]]. Seit Oktober 1945 befindet sich hier der Hauptsitz der [[Polizei Norden|Norder Polizei]]. Zuvor diente es als NSDAP-Parteizentrale, Herberge, Vereins- und Wohnhaus mächtiger Persönlichkeiten. Der Name leitet sich vom Adelsgeschlecht der [[Engena]] ab, die als Nachfolger der [[tom Brook]] gelten und das diesem Geschlecht gehörende, auf dem Grund des heutigen Gebäudes befindliche Anwesen erbten.


Die früheren bzw. heutigen Grundstücke 9 bis 10 bildeten einst eine Einheit, was das Vorspringen dieser Häuserzeile aus dem Gesamtbild des südlichen Marktes erklärt. Dieser große Bau war der ''eigentliche'' Engenahof. Die Bezeichnung hat sich jedoch für die Hausnummer 10, dem heutigen Polizeidienstgebäude, erhalten. Von den beiden ehemals benachbarten Gebäuden, der [[Holzhandlung Frericks]] und dem [[Haus Monsieur]], ist nur noch letzteres erhalten.
Die früheren bzw. heutigen Grundstücke 9 bis 10 bildeten einst eine Einheit, was das Vorspringen dieser Häuserzeile aus dem Gesamtbild des südlichen Marktes erklärt. Dieser große Bau war der ''eigentliche'' Engenahof. Die Bezeichnung hat sich jedoch für die Hausnummer 10, dem heutigen Polizeidienstgebäude, erhalten. Von den beiden ehemals benachbarten Gebäuden, der [[Holzhandlung Frericks]] und dem [[Haus Monsieur]], ist nur noch letzteres erhalten.
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Die ''Kenenburg'', aus der später der Engenahof wurde, war ursprünglich im Besitz der [[tom Brook]]. Wann genau diese erbaut wurde, ist nicht überliefert. Wie auch bei der ''Kenenburg'' in Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) geht der Name wohl auf ''Keno Kenesna'', den Begründer des Geschlechts der tom Brook zurück. Dieser gab sich als erster im Jahre 1361 den neuen Nachnamen, weshalb entsprechend von einem Bau vor dieser Zeit auszugehen ist.
Die ''Kenenburg'', aus der später der Engenahof wurde, war ursprünglich im Besitz der [[tom Brook]]. Wann genau diese erbaut wurde, ist nicht überliefert. Wie auch bei der ''Kenenburg'' in Oldeborg (Gemeinde Südbrookmerland) geht der Name wohl auf ''Keno Kenesna'', den Begründer des Geschlechts der tom Brook zurück. Dieser gab sich als erster im Jahre 1361 den neuen Nachnamen, weshalb entsprechend von einem Bau vor dieser Zeit auszugehen ist.


Die tom Brook besaßen, wie alle führenden Herrschaftsgeschlechter des [[Norderland|Norderlandes]], ein Anwesen am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] als Zentrum des florierenden Viehhandels in Stadt und Umland. Ihre dortige Burg umfasste die heutigen Hausnummern 10 bis 11 und die ehemalige Hausnummer 9. Dies erklärt, warum diese Häuserzeile aus dem Bild des südlichen Marktes deutlich sichtbar hervorragt. In der Lebengeschichte des [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]] und des [[Ubbo Emmius]] wird der Engenahof bzw. die Kenenburg als großes Steinhaus beschrieben.<ref>Dekker, Gudrun Anne (2010): Ubbo Emmius: Leben, Umwelt, Nachlass und Gegenwart, Norderstedt, S. 171</ref> Offenbar gehörte auch ein Bauernhof mit rückwärtig gelegenen Stallungen und Schuppen zum Anwesenden, was auch im Stadtzentrum seinerzeit nicht ungewöhnlich war.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 46</ref>
Die tom Brook besaßen, wie alle führenden Herrschaftsgeschlechter des [[Norderland|Norderlandes]], ein Anwesen am [[Marktplatz|Norder Marktplatz]] als Zentrum des florierenden Viehhandels in Stadt und Umland. Ihre dortige Burg umfasste die heutigen Hausnummern 10 bis 11 und die ehemalige Hausnummer 9. Dies erklärt, warum diese Häuserzeile aus dem Bild des südlichen Marktes deutlich sichtbar hervorragt. In der Lebensgeschichte des [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]] und des [[Ubbo Emmius]] wird die Kenenburg als großes Steinhaus beschrieben.<ref>Dekker, Gudrun Anne (2010): Ubbo Emmius: Leben, Umwelt, Nachlass und Gegenwart, Norderstedt, S. 171</ref> Offenbar gehörte auch ein Bauernhof mit rückwärtig gelegenen Stallungen und Schuppen zum Anwesenden, was auch im Stadtzentrum seinerzeit nicht ungewöhnlich war.<ref name=":2">Canzler, Gerhard (1997): Alt-Norden, Weener, S. 46</ref>


Nach Ostern 1430 wurde entweder die [[Oldeborg]] oder die Kenenburg von den Brookmerländern belagert, konnte jedoch standhalten. Stattdessen hielten sich die Angreifer schadlos am nahegelegenen [[Dominikanerkloster]], wo sie die Kirche plünderten und nachfolgend niederbrannten.<ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 43</ref><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 70</ref>
Nach Ostern 1430 wurde entweder die [[Oldeborg|Olde Borg]] oder die Kenenburg von den Brookmerländern belagert, konnte jedoch standhalten. Stattdessen hielten sich die Angreifer schadlos am nahegelegenen [[Dominikanerkloster]], wo sie die Kirche plünderten und nachfolgend niederbrannten.<ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 43</ref><ref>Möhlmann, Günther (1959): Norder Annalen. Aufzeichnungen aus dem Dominikanerkloster in Norden, Aurich, S. 70</ref>


Nach dem Sieg von [[Focko Ukena]] über die tom Brook bei der Schlacht auf den Wilden Äckern fiel die Burg an die mit ihnen versippten [[Idzinga]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 29</ref> Nach dem Tode der letzten Idzinga, [[Hima Idzinga|Hima]], die 1439 kinderlos im [[Kloster Marienthal]] verstarb, fiel die Burg von Rechts wegen an [[Edzard Cirksena]] als ostfriesischen Landesherren und danach an seinen Bruder [[Ulrich Cirksena]].<ref>Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42</ref> Die [[Cirksena]] hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der nun ausgestorbenen Idzinga.
Nach dem Sieg von [[Focko Ukena]] über die tom Brook bei der Schlacht auf den Wilden Äckern 1427 fiel die Burg an die mit ihnen versippten [[Idzinga]].<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 29</ref> Nach dem Tode der letzten Idzinga, [[Hima Idzinga|Hima]], die 1439 kinderlos im [[Kloster Marienthal]] verstarb, fiel die Burg von Rechts wegen an [[Edzard Cirksena]] als ostfriesischen Landesherren und danach an seinen Bruder [[Ulrich Cirksena|Ulrich]].<ref>Schweckendick, W. (1843): Frisia - eine Zeitschrift zur Belehrung und Unterhaltung, Band 1, Emden, S. 42</ref> Die [[Cirksena]] hatten als Grafen Ostfriesland unmittelbaren Anspruch auf die Besitztümer der Idzinga.


Später fiel die Burg an die [[Engena]], die ihren Hauptsitz vermutlich in Engerhafe (Gemeinde Südbrookmerland) hatten, was in unmittelbarer Nachbarschaft zu der ursprünglich im benachbarten Oldeborg ansässigen tom Brook lag. Wie genau das Anwesen in ihren Besitz gelangten, lässt sich mangels Quellen nicht mehr genau nachvollziehen. Denkbar ist, dass sie bei einem den Cirksena an Macht überlegenen Fürsten auf Überlassung von Besitztümern der tom Brook als legitime Nachfolger klagten. Dies war in früheren Zeiten nichts ungewöhnliches, gab es doch keine ordentlichen Gerichte in ihrer heutigen Form.
Später fiel die Burg an die [[Engena]], die ihren Hauptsitz vermutlich in Engerhafe (Gemeinde Südbrookmerland) hatten, was in unmittelbarer Nachbarschaft zu der ursprünglich im benachbarten Oldeborg ansässigen tom Brook lag. Wie genau das Anwesen in ihren Besitz gelangten, lässt sich mangels Quellen nicht mehr genau nachvollziehen. Denkbar ist, dass sie bei einem den Cirksena an Macht überlegenen Fürsten auf Überlassung von Besitztümern der tom Brook als legitime Nachfolger klagten. Dies war in früheren Zeiten nichts Ungewöhnliches, gab es doch keine ordentlichen Gerichte in ihrer heutigen Form. Von [[Remet Engen|Remet Engena]] vererbte sich der Engenahof auf die Familie des Bürgermeisters [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]]. Dieser wiederum vermachte den Hof im Jahre 1605 seinem Neffen und Erben [[Erhard Lüppena]], einem Abkömmling des Geschlechts der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum im Landkreis Leer).<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> Dieser erbaute das bis heute bestehende Gebäude im Jahre 1617, wie die Inschrift ''Anno 1617'' an der Stirnseite des Hauses verrät.


Von [[Remet Engen|Remet Engena]] vererbte sich der Engenahof auf die Familie des Bürgermeisters [[Hayo Rykena (1530)|Hayo Rykena]]. Dieser wiederum vermachte den Hof im Jahre 1605 seinem Neffen und Erben [[Erhard Lüppena]], einem Abkömmling des Geschlechts der Häuptlinge von Soltborg (heute ein Teil der Gemeinde Jemgum im Landkreis Leer).<ref name=":2" /><ref name=":1">Canzler, Gerhard (1989): Norden - Handel und Wandel, Norden</ref> Dieser erbaute das bis heute bestehende Gebäude im Jahre 1617, wie die Inschrift ''Anno 1617'' an der Stirnseite des Hauses verrät.
Lüppena wurde 1620 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister von Norden]] und blieb dies bis 1643. Hierbei dürfte ihm sein prachtvoller Besitz sicherlich bei der Erlangung dieses Amtes behilflich gewesen sein, wurden doch in früheren Zeiten nur wohlhabende und verdiente Persönlichkeiten vom Landesherren in diesem Amt eingesetzt. Das neue Gebäude war allerdings wesentlich kleiner als sein Vorgängerbau und umfasste nur die heutige Hausnummer 10. Die Nummern 9 ([[Holzhandlung Frericks]]) und 11 ([[Haus Monsieur]]) wurden erst später auf dem Grund des einst größeren Bauwerks errichtet. An die Herren von Soltborg erinnert heute noch ihr Wappen an der linken Giebelseite. Es zeigt einen goldenen Löwen im blauen Feld, zwischen dessen Vorder- und Hinterpranken ein goldenen, sechsstrahligen Stern erscheint.<ref name=":2" /> Das Pendant auf der rechten Seite zeigt vermutlich das Wappen der [[Rykena]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref> Das weitere Schicksal des Anwesens ist zurzeit ungewiss, wahrscheinlich verblieb es über viele Jahre im Besitz der Nachkommen von Lüppena. Da das benachbarte [[Haus Monsieur]] (Hausnummer 11) vom Amtsnachfolger [[Jacobus Wermelskirchen|Jacobus "Monsieur" Wermelskirchen]] errichtet wurde, der wahrscheinlich mit Lüppena verwandt war, ist auch eine Eigentumsübertragung an ihn denkbar.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 30</ref> Sicher ist hingegen, dass 1836 der obere Giebel durch den Kaufmann [[Reinhard Rahusen]] aufgemauert wird. Die Inschrift ''1836 R. Rahusen'' am Giebel weist darauf hin.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 103</ref> Der ursprüngliche Giebel ging wohl kurz zuvor verloren.<ref name=":0" />


Lüppena wurde 1620 [[Liste der Bürgermeister der Stadt Norden|Bürgermeister von Norden]] und blieb dies bis 1643. Hierbei dürfte ihm sein prachtvoller Besitz sicherlich bei der Erlangung dieses Amtes behilflich gewesen sein, wurden doch in früheren Zeiten nur wohlhabende und verdiente Persönlichkeiten vom Landesherren in diesem Amt eingesetzt. Das neue Gebäude war allerdings wesentlich kleiner als sein Vorgängerbau und umfasste nur die heutige Hausnummer 10. Die Nummern 9 ([[Holzhandlung Frericks]]) und 11 ([[Haus Monsieur]]) wurden erst später auf dem Grund des einst größeren Bauwerks errichtet. An die Herren von Soltborg erinnert heute noch ihr Wappen an der linken Giebelseite. Es zeigt einen goldenen Löwen im blauen Feld, zwischen dessen Vorder- und Hinterpranken ein goldenen, sechsstrahligen Stern erscheint.<ref name=":2" /> Das Pendant auf der rechten Seite zeigt vermutlich das Wappen der [[Rykena]].<ref name=":0">Pühl, Eberhard (2007): Alte Backsteinhäuser in Ostfriesland und im Jeverland. Backsteinbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts, Oldenburg, S. 164</ref>
Nachdem das Gebäude fortan weitere Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute der Norder Verleger [[Diedrich Gerhard Soltau]] es 1884 oder 1885 zu einer Herberge um, die er am 13. März des letztgenannten Jahres einweihte und den Namen ''Herberge zur Heimat'' gab. Hier konnten vor allem arbeitslose, wandernde Handwerksburschen gegen ein geringes Entgelt Essen und Unterkunft finden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 202</ref> Ungefähr seit der Jahrhundertwende befand sich im Gebäude dann auch das sogenannte ''Vereinshaus'', das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Seit etwa 1923 und noch bis 1945 war das ehemalige Vereinshaus dann die Parteizentrale der [[NSDAP Ortsgruppe Norden|NSDAP]]. In den letzten Kriegstagen wurde das Gebäude dadurch zu einer Art Zufluchtsort für die aus den anderen, bereits besetzten Städten geflohenen Parteifunktionären. In Anbetracht der Durchhalteparolen der letzten, fanatischen Nationalsozialisten empfanden die Norder ihre immer größer werdende Zahl als Provokation, sodass sie Anfang Mai die Parteizentrale stürmten und die Funktionäre gewaltsam vertrieben.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 64</ref> Nur wenige Monate nach Kriegsende, im Oktober 1945, bezog die [[Polizei Norden]] das Gebäude, die bis dahin in der [[Drei Schwestern|Dritten Schwester]] ansässig war. Offensichtlich wollte die britische Militärregierung mit dieser Maßnahme ein deutlich sichtbares Zeichen für einen Neuanfang der deutschen Polizei in diesem ''belasteten'' Gebäude setzen.
 
Das weitere Schicksal des Anwesens ist zurzeit ungewiss, wahrscheinlich verblieb es über viele Jahre im Besitz der Nachkommen von Lüppena. Da das benachbarte [[Haus Monsieur]] (Hausnummer 11) vom Amtsnachfolger [[Jacobus Wermelskirchen|Jacobus "Monsieur" Wermelskirchen]] errichtet wurde, der wahrscheinlich mit Lüppena verwandt war, ist auch eine Eigentumsübertragung an ihn denkbar.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 30</ref> Sicher ist hingegen, dass 1836 der obere Giebel durch den Kaufmann [[Reinhard Rahusen]] aufgemauert wird. Die Inschrift ''1836 R. Rahusen'' am Giebel weist darauf hin.<ref>Cremer, Ufke (1955): Norden im Wandel der Zeiten, Norden, S. 103</ref> Der ursprüngliche Giebel ging wohl kurz zuvor verloren.<ref name=":0" />
 
Nachdem das Gebäude fortan weitere Jahre als Wohnhaus genutzt wurde, baute der Norder Verleger [[Diedrich Gerhard Soltau]] es 1884 oder 1885 zu einer Herberge um, die er am 13. März des letztgenannten Jahres einweihte und den Namen ''Herberge zur Heimat'' gab. Hier konnten vor allem arbeitslose, wandernde Handwerksburschen gegen ein geringes Entgelt Essen und Unterkunft finden.<ref>[https://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/BLO/Soltau.pdf Basse-Soltau, Ursula (2007): Biographie des Diedrich Gerhard Soltau], veröffentlicht bei der Ostfriesischen Landschaft</ref><ref>Canzler, Gerhard (1989): Norden. Handel und Wandel, Norden, S. 202</ref>
 
Ungefähr seit der Jahrhundertwende befand sich im Gebäude das sogenannte ''Vereinshaus'', das verschiedene Norder Vereine als Ort für Veranstaltungen nutzten. Seit Mitte oder Ende der 1920er Jahre und noch bis 1945 war das ehemalige Vereinshaus dann die Parteizentrale der NSDAP. Nur wenige Monate nach Kriegsende, im Oktober 1945, bezog die [[Polizei Norden]] das Gebäude, die bis dahin in der [[Drei Schwestern|Dritten Schwester]] ansässig war.


1970 wurde das Gebäude bis auf den Keller und die Fassade gen [[Marktplatz]] abgebrochen und neu errichtet. Heute stehen die historischen Bestandteile unter Denkmalschutz. Die benachbarte [[Frericks'sche Holzhandlung]] wurde 1978 ebenfalls abgebrochen, auf dem rückwärtigen, zur Holzhandlung gehörenden Gelände entstanden ein Nebengebäude mit zwei Dienstwohnungen für den Hausmeister und den Schirrmeister nebst Garagen. Hier befinden sich heute unter anderem eine Abteilung des Ermittlungsdienstes.
1970 wurde das Gebäude bis auf den Keller und die Fassade gen [[Marktplatz]] abgebrochen und neu errichtet. Heute stehen die historischen Bestandteile unter Denkmalschutz. Die benachbarte [[Frericks'sche Holzhandlung]] wurde 1978 ebenfalls abgebrochen, auf dem rückwärtigen, zur Holzhandlung gehörenden Gelände entstanden ein Nebengebäude mit zwei Dienstwohnungen für den Hausmeister und den Schirrmeister nebst Garagen. Hier befinden sich heute unter anderem eine Abteilung des Ermittlungsdienstes.
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==Beschreibung==
==Beschreibung==
Das Haus ist giebelständig zum Markt hin ausgerichtet, der traufständige Gebäudeteil an der rechten Seite des Hauses war ursprünglich ein eigenständiges Giebelhaus, das im 19. Jahrhundert seinen Giebel verlor und neu aufgemauert worden. Von diesem Gebäudeteil blieb lediglich die Fassade erhalten. Dahinter befindet sich seit 1970 ein Neubau. Die Jahreszahl 1836 am oberen Giebel datiert auf das JBaujahr des oberen Giebels.
Das Haus ist giebelständig zum Markt hin ausgerichtet, der traufständige Gebäudeteil an der rechten Seite des Hauses war ursprünglich ein eigenständiges Giebelhaus, das im 19. Jahrhundert seinen Giebel verlor und neu aufgemauert worden. Von diesem Gebäudeteil blieb lediglich die Fassade erhalten. Dahinter befindet sich seit 1970 ein Neubau. Die Jahreszahl 1836 am oberen Giebel datiert auf das Baujahr des oberen Giebels.


Zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss des giebelständigen Gebäudeteils gibt es drei Kartuschen aus Sandstein, von denen die linke das Wappen der Erbauerfamilie Lüppena zeigt, während die rechte ein gespaltenes Schild ziert, das möglicherweise das Wappen der Familie [[Rykena]] zeigt. In der mittleren Kartusche ist das Baujahr 1617 zu sehen.
Zwischen dem ersten und dem zweiten Obergeschoss des giebelständigen Gebäudeteils gibt es drei Kartuschen aus Sandstein, von denen die linke das Wappen der Familie Lüppena zeigt, während die rechte ein gespaltenes Schild ziert, das möglicherweise das Wappen der Familie [[Rykena]] zeigt. In der mittleren Kartusche ist das Baujahr 1617 zu sehen.


Über der rechteckigen Eingangstür befindet sich ein Oberlicht mit geschwungenen Füllhörnern, das eine Nachbildung des 1840 vom Kunsttischler [[Coord Siemen Coordes]] ist.<ref>Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Bremen, Niedersachsen. 2. Auflage, München, S. 993</ref><ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 76</ref> Über den Fenstern im Erd- und ersten Obergeschoss befinden sich doppelte Entlastungsbögen mit Diamantquaderung. Sie zeigen, dass das Haus zu seiner Erbauungszeit mit Kreuzstockfenstern ausgestattet war.
Über der rechteckigen Eingangstür befindet sich ein Oberlicht mit geschwungenen Füllhörnern, das eine Nachbildung des 1840 vom Kunsttischler [[Coord Siemen Coordes]] ist.<ref>Dehio, Georg (1992): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler: Bremen, Niedersachsen. 2. Auflage, München, S. 993</ref><ref>Brückner, Annemarie / Gerdes, Edo (1984): So war es damals. Bilder aus dem alten Norden, Leer, S. 76</ref> Über den Fenstern im Erd- und ersten Obergeschoss befinden sich doppelte Entlastungsbögen mit Diamantquaderung. Sie zeigen, dass das Haus zu seiner Erbauungszeit mit Kreuzstockfenstern ausgestattet war.
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Datei:Am Markt 10 Vereinshaus heute Polizei um 1920 01.jpg|Das ''Vereinshaus'' in der Zeit um 1920.
Datei:Am Markt 10 Vereinshaus heute Polizei um 1920 01.jpg|Das ''Vereinshaus'' in der Zeit um 1920.
Datei:Otto Ites 1942 01.JPG|NSDAP-Kreisleiter [[Lenhard Everwien]] verleiht dem U-Bootkommandanten [[Otto Ites]] das Eiserne Kreuz auf dem [[Torfmarkt]]<nowiki/>mit der Parteizentrale im Hintergrund (1942).
Datei:Am Markt 10 Polizei Polizeirevier Neubau 1970 01.jpg|Abbruch des Dienstgebäudes im Jahre 1970 (bis auf die vordere Fassade und die Kellerräumlichkeiten).
Datei:Am Markt 10 Polizei Polizeirevier Neubau 1970 01.jpg|Abbruch des Dienstgebäudes im Jahre 1970 (bis auf die vordere Fassade und die Kellerräumlichkeiten).
Datei:Am Markt 01011983 03.jpg|Der Engenahof im Jahr 1983.
Datei:Am Markt 01011983 03.jpg|Der Engenahof im Jahr 1983.