Marktplatz: Unterschied zwischen den Versionen
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Im 19. Jahrhundert bis 1921 war der Marktplatz regelmäßig Endpunkt von feierlichen Umzügen, in der Regel zu Ehren heimkehrender Soldaten oder zur Erinnerung an siegreiche Schlachten wie die Schlacht bei Sedan gegen Frankreich am 1. und 2. September 1870, deren Ausgang maßgeblich zum Sieg der Deutschen gegen die Franzosen beitrug. An den wichtigsten Hauptstraßen wurden prachtvolle Triumphbögen errichtet und die Straßenzüge mit Fahnen und Flaggen geschmückt. Auf dem Marktplatz fand dann abschließend ein großes Volksfest statt.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 24. April 2021, S. 13-16</ref> | Im 19. Jahrhundert bis 1921 war der Marktplatz regelmäßig Endpunkt von feierlichen Umzügen, in der Regel zu Ehren heimkehrender Soldaten oder zur Erinnerung an siegreiche Schlachten wie die Schlacht bei Sedan gegen Frankreich am 1. und 2. September 1870, deren Ausgang maßgeblich zum Sieg der Deutschen gegen die Franzosen beitrug. An den wichtigsten Hauptstraßen wurden prachtvolle Triumphbögen errichtet und die Straßenzüge mit Fahnen und Flaggen geschmückt. Auf dem Marktplatz fand dann abschließend ein großes Volksfest statt.<ref>Ostfriesischer Kurier vom 24. April 2021, S. 13-16</ref> | ||
Der Norder Marktplatz wird jedoch nicht nur Schauort freudiger Ereignisse (wenn man von den Anprangerungen u. ä.) absieht: Im Sommer 1931 prügeln sich Anhänger der Nationalsozialisten mit kommunistisch orientierten Bürgern.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 26</ref> Schlägereien zwischen den beiden verfeindeten Lagern sind zu dieser Zeit beinahe an der Tagesordnung. Nach der Machtergreifung der NSDAP nutzen die Parteifunktionäre den Markt regelmäßig für öffentliche Machtdemonstrationen und Aufmärsche.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref> Ein nicht minder unerfreuliches Ereignis geschah am 13. November 1944: 2.000 Volkssturmmänner, zumeist alte Männer und junge Männer, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden, werden als letztes Aufgebot auf Führer, Volk und Vaterland eingeschworen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref> Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt längst verloren, doch soll der Wahnsinn erst im Mai des Folgejahres enden. Noch im April 1945 werden zahlreiche uralte Ulmen auf und um den Markt gefällt, um hieraus Gewehrschäfte herzustellen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 42</ref> 1954 und 1956 werden weitere 40 Bäume gefällt, diesmal jedoch aus Krankheitsgründen und mit anschließender Aufforstung.<ref name=":4">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 62</ref> | Der Norder Marktplatz wird jedoch nicht nur Schauort freudiger Ereignisse (wenn man von den Anprangerungen u. ä.) absieht: Im Sommer 1931 prügeln sich Anhänger der Nationalsozialisten mit kommunistisch orientierten Bürgern.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 26</ref> Schlägereien zwischen den beiden verfeindeten Lagern sind zu dieser Zeit beinahe an der Tagesordnung. Nach der Machtergreifung der NSDAP nutzen die Parteifunktionäre den Markt regelmäßig für öffentliche Machtdemonstrationen und Aufmärsche.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 27</ref> Ein nicht minder unerfreuliches Ereignis geschah am 13. November 1944: 2.000 Volkssturmmänner, zumeist alte Männer und junge Männer, die nach heutiger Definition als Kindersoldaten gelten würden, werden als letztes Aufgebot auf Führer, Volk und Vaterland eingeschworen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 41</ref> Der Krieg ist zu diesem Zeitpunkt längst verloren, doch soll der Wahnsinn erst im Mai des Folgejahres enden. Noch im April 1945 werden unter dem Vorwand eines Krankheitsbefalls zahlreiche uralte Ulmen auf und um den Markt gefällt, um hieraus Gewehrschäfte herzustellen.<ref>Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 42</ref> 1954 und 1956 werden weitere 40 Bäume gefällt, diesmal jedoch aus Krankheitsgründen und mit anschließender Aufforstung.<ref name=":4">Haddinga, Johann (2001): Norden im 20. Jahrhundert, Norden, S. 62</ref> | ||
Anfang 1953 kamen Überlegungen vonseiten der Politik und der Verwaltung auf, an der Nordseite des Marktes eine Großtankstelle zu errichten. Dank einer massiven Intervention von Bürgern mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaft und dem niedersächsischen Landeskonservator konnte das Vorhaben rechtzeitig gestoppt werden und dadurch die historische Struktur des Marktes erhalten werden.<ref name=":4" /> Einige Jahren später verschwanden dann auch die öffentlichen ''Bedürfnisanstalten'', von denen es sowohl ober- als auch unterirdische gab, aus dem Umfeld der den [[Alter Friedhof|Alten Friedhof]] umgebenden Mauer. | Anfang 1953 kamen Überlegungen vonseiten der Politik und der Verwaltung auf, an der Nordseite des Marktes eine Großtankstelle zu errichten. Dank einer massiven Intervention von Bürgern mit Unterstützung der Ostfriesischen Landschaft und dem niedersächsischen Landeskonservator konnte das Vorhaben rechtzeitig gestoppt werden und dadurch die historische Struktur des Marktes erhalten werden.<ref name=":4" /> Einige Jahren später verschwanden dann auch die öffentlichen ''Bedürfnisanstalten'', von denen es sowohl ober- als auch unterirdische gab, aus dem Umfeld der den [[Alter Friedhof|Alten Friedhof]] umgebenden Mauer. | ||
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Der Torfmarkt hat seinen Namen dadurch erhalten, dass hier in früheren Jahren vor allem Torf gehandelt wurde. Dieses wurde überwiegend von der [[Norder Fehngesellschaft]] aus den Hochmooren bei [[Norderfehn]] importiert und am [[Norder Hafen]] umgeschlagen. Heute wird der Torfmarkt vor allem für Vergnügungsmärkte und für den Weihnachtsmarkt genutzt. | Der Torfmarkt hat seinen Namen dadurch erhalten, dass hier in früheren Jahren vor allem Torf gehandelt wurde. Dieses wurde überwiegend von der [[Norder Fehngesellschaft]] aus den Hochmooren bei [[Norderfehn]] importiert und am [[Norder Hafen]] umgeschlagen. Heute wird der Torfmarkt vor allem für Vergnügungsmärkte und für den Weihnachtsmarkt genutzt. | ||
Während der Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde der Torfmarkt auch für Aufmärsche der Nationalsozialisten genutzt. Hier kam es unter anderem zur Ehrung des U-Bootkommandanten [[Otto Ites]] durch den NSDAP-Kreisleiter [[Lenhard Everwien]] und zum Aufmarsch von 2.000 Volkssturmmännern, die am 13. November 1944 ihren Eid auf die Fahne und Adolf Hitler schworen bzw. schwören mussten.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 32</ref> | Während der Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkriegs]] wurde der Torfmarkt auch für Aufmärsche der Nationalsozialisten genutzt. Hier kam es unter anderem zur Ehrung des U-Bootkommandanten [[Otto Ites]] durch den NSDAP-Kreisleiter [[Lenhard Everwien]] und zum Aufmarsch von 2.000 Volkssturmmännern, die am 13. November 1944 ihren Eid auf die Fahne und Adolf Hitler schworen bzw. schwören mussten.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 32</ref> Noch Ende April 1945 wurde schließlich ein Lautsprecher aufgestellt, aus dem aus der [[Parteihaus|Parteizentrale]] gesprochene Durchhalteparolen und andere Propaganda erschallten.<ref>Haddinga, Johann (1988): Stunde Null. Ostfrieslands schwerste Jahre, Norden, S. 60</ref> | ||
1956 und 2004 wurde der Torfmarkt neu gepflastert. | 1956 und 2004 wurde der Torfmarkt neu gepflastert. | ||